Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 662 (23.7.1937)
- Date
- 1937-07-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054338-3054418--6815-3062713- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 DIE STIMMB Nr. 662. — Wien, Freitag 2a Juli 1937. Antwort der Regierung Im Namen der Regierung erwiderte der Unterstaatssekretär im Kolonienrainisterium Marquis D u f f e r i n, die Regierung könne den Vorwurf der Schwäche nicht hinnehmen. Eö sei kein Zeichen von Schwäche, einer Situation ein Ende zu bereiten, die für England untragbar und eine Bedrohung für diejenigen geworden sei, deren Interessen England zu schützen versucht habe. D i e Regierung habe den Plan angenommenundsei fest entschloßt sen, ihn durchzuführen. Sie sei auch nicht geneigt, auf grundlegende Änderungen der Vorschläge der Königlichen Kommission einzugehen. Ein Abweichen vom Teilungsplan käme nur in Betracht, wenn die Juden und die Araber gemeinsam einen Gegenvorschlag unterbreiten, der der Regierung annehmbar erscheint. Keinesfalls jedoch, erklärte der Unterstaatssekretär, werde die Regierung zulassen, daß eine besonnene Prüfung der Lage von Seiten der Bevölkerung Palästinas durch Terror und Gewaltandrohung verhindert werde Die Durchführung des Teilungsplanes bedeute jedenfalls nicht, daß sich England aus Palästina zurückziehen werde. Der Korridor sei von größter strategischer Bedeutung, und auch die Flugzeugdepots würden weiterhin unter britischer Kontrolle stehen. Es sei das Bestreben der britischen Regierung, sieh über die Stellungnahme beider Parteien zu dem Teilungsplan zu informieren und ihre Zustimmung zu erhalten. Sollten diese Sondierungen erfolgreich sein und sollte ferner der Plan in Genf angenommen werden, so würde man versuchen, mit der Jewish Agency und einer repräsentativen arabischen Körperschaft zu einem Vertrag zu gelangen. Dieser Vertrag würde Garantien zum Schutze der Minderheiten in den beiden Staaten enthalten. Schließlich erklärte der Unterstaatssekretär, daß während der nächsten acht Monate maximal 8000 Juden nach Palästina werden einwandern dürfen. Eine längere Rede hieltsodann der Vorsitzende der Königlichen Kommission, Lord Peel, der den Kommissionsbericht und die in ihm enthaltenen Schlußfolgerungen verteidigte. Die Situation sei eine derartige geworden, daß es nicht mehr möglich gewesen wäre, Palästina unter dem Mandatssystem zu verwalten. Viscount Herbert Samuel, der erste High Commissioner Palästinas, lehnte den Bericht der Königlichen Kommission ab, obwohl er, wie er ausführte, sowohl Sympathien für die Zionisten als auch für die Araber hege, da der Teilungsplan allzu viele politische Differenzen und heikle Punkte enthalte. Er machte der Kommission den Vorwurf, daß sie eine zweite Lese* und Radehalle lüd. Hochschiller Zum XX. Zionfstenkongreß im Luxusautocar Preis Wien - ZUrlch Wien S 70.—. Abfahrt 1. August Anmeldungen täglich Reisebüro ,,MOHDIAL“, I., Kärntnerring 18, Telephon Ü 40301, und Im Ring der A. H. Verbände, Catö Gartenbau, I., Parkring 10, Telephon R 20095, täglich vom 20-22 Uhr Melehett, mag vielleicht die Juden Paläsfcinas ignorieren, sie kann aber nicht vier biß fünf Millionen Menschen in Mitteleuropa ignorieren. Eines Tages wird sie sich diesem Problem gegenübcrgestellt sehen. Was die Stellung der Juden zu dem Teilungsvorschlag betreffe, so liege es an der Jewish Agency, diesen an zu nehmen oder zurückzuweisen. Wenn sie ihn abweist, wird sie um ihre Reehfce zu kämpfen wissen, well sie von der Gerechtigkeit ihrer Sache überzeugt ist. Das Judentum werde eines Tages der Welt zeigen, daß es eine bessere Behandlung seitens Englands verdient hat. Der Erzbischof von Canterbury forderte e/ine von Juden und Arabern beschickte Palästinakommission zur Ausarbeitung eines Planes, durch den die Teilung des Landes vermieden werden könnte. Antrag Lord Readings Die Debatte dauerte bis Mittwoch nachts. Eine Abstimmung fand nicht statt. Lord R e a d i n g stellte den Antrag, daß der Bericht von einer parlamentarischen Kommission noch einmal geprüft werden müsse, ehe die beiden Häuser zu einer Entscheidung gelangen könnten. Ein arabischer Jerusalem, 22. Juli Die arabische Verteidigungspartei hat am Mittwoch dem Oberkommlssär Sir Arthur Wauchope einen Vorschlag zur Lösung der Palästina-Frage überreicht, ln dem 17 Seiten umfassenden Schriftstück wird ein Vertrag zwischen Palästina und England nach dem Muster des britisch-irakschen Vertrages gefordert. Weiter soll nach diesem Vorschlag eine Regierung gebildet werden, in der alle Parteien Palästinas ihrer Größe entsprechend vertreten sind. Die Rechte der Minderheiten sollen gewahrt und verfassungsmäßig garantiert werden. Schließlich wird verlangt, daß das augenblickliche bevölkerungsmäßige Stärkeverhältnis zwischen Arabern und Juden aufrecht erhalten bleibe, d. h. also, daß der jüdischen Einwanderung Einhalt geboten werde. fi&ntytefi-TestnümtMc det „SiÜMnc" Aus Anlaß des Jubiläumskongresses erscheint am 30. Juli eine Festnummer der „Stimme0', welche insbesondere dem Andenken Ilerzls gewidmet sein wird. Die Ausgabe wird textlich und illustrativ aufs beste ausgestattet sein tt/nd nebst Original* beitrügen bisher unveröffentlichte» Briefe und Dokumente aus der so bedeutsamen ersten Zeit des Zionismus enthalten. Der 9* Ab In Jerusa HOTEL - PENSION SAUERBRUNN, ßrgld 1 AUTOSTUNDE VON WIEN / PRIMA KÜCHE / RUHIGE LAGE / ZIMMER VON S 2.50 AN / TELEPHON A 11-5-80 Saar, einen neuen polnischen Korridor, ein neues Danzig und Memel schaffe. Samuel unterbreitete den Alternatiworscihlag, England möge mit Unterstützung Frankreichs und in engster Zusammenarbeit mit der zieh nistischen Bewegung die Bildung einer großarabischen Föderation ermöglichen, die Arabien, Syrien, den Libanon und Palästina einschließen solle. Das Mandat soll aufrechterhalten bleiben; die Juden sollen darauf verzichten, die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit Palästinas zum Maßstabe für die Höhe der Ein wand erungs Ziffern zu nehmen. Sie sollen die nationalen Belange der Araber respektieren, die Araber hingegen der Öffnung Transjordaniens für die Besiedlung durch jüdische Einwanderer zustimmen. Der Völkerbund möge die heiligen Stätten des Islam schützen; im übrigen Palästina sollen zwei Verwaltungen, eine jüdische und eine arabische, für die Respektierung der Belange der beiden Volksgruppen sorgen. Lord Melehett, der Vorsitzende des Administrative Committee der Jewish Agency, verurteilte den Teilung.splan in scharfen Worten. Er erklärte, er habe in Lord Peels Ausführungen die Ernährung der Tatsache vermißt-, daß die Juden in vielen Ländern verfolgt werden. Wenn die englische Regierung heute die Balfour-Dcklaration zurücknehme, ßo bedeute dies die schmerzlichste Stunde fiir das Judentum. Der Vorschlag der Regier uns zerstöre die Idee des Jüdischen N a t i o n a 1 h e i m s. Die Juden in Palästina haben sich diszipliniert verhalten, Die Araber haben Bomben zu ihren Argumenten gemacht und diu Regierung habe sich von den arabischen Terroristen ein« eh Ulstern lassen. Die Regierung, erklärte Lord Jerusalem, 19. Juli. (JTA.) Am Tisc-ba b’aw (9. Ab), dem Jahrestag der Zerstörung des Zweiten Tempels, der in diesem Jahre auf den 18. Juli fiel, wurden in ganz Palästina große jüdische Kundgebungen gegen den Plan der Teilung Palästinas, insbesondere gegen die Abtrennung Jerusalems vom jüdischen Staat, abgehalten. In Jerusalem selbst fanden sich am Vorabend des 9. Ab mehr als 20.000 Juden in geschlossenen Zügen vor der Klagemauer ein, um gegen den Teilungsplan zu demonstrieren. Tausende Juden preßten ihre Gei sichter an die rauhen Steine und küßten sie mit dem Schwur: „W enn ich dein vergäße, Jerusalem, verdorre meine Rechte!“ Die Demonstration wurde von starken Polizeiabteilungen bewacht und verlief in vollster Ordnung. Im Zusammenhang mit mehreren Afflehen, in denen zu Demonstrationen gegen die Teilung aufgefordert wurde, verhaftete die Polizei sechs Mitglieder des revisionistischen Zentralkomitees. Der pistnktskomrnisgar verfügte ihre Freilassung unter der Bedjn gung, daß sie sich dreimal täglich bei der Polizei melden; einer von ihnen, der sich vor Gericht zu verantworten haben wird, mußte eine Kaution von 50 Pfund Unterlegen. Am Vorabend des Tischa b’aw trugen die Städte in Palästina ein Trauergepräge. Die Synagogen, in denen die Kinot vorgetragen wurden, waren überfüllt. Die Vorträge wurden durch in den Straßen aufg8stellte Lautsprecher, vor denen Tausende Juden und Jüdinnen standen, übertragen. Die arabischen Terroristen Am 9. Ab flackerte jm Jerusalemer Distrikt der arabische Terror wieder auf. Die jüdischen Siedlungen Bethhakerem und Atarot wurden beschossen. Die jüdische Souderpolizei vertrieb die Angreifer. Auch aus Nablus, Jeniq und Tulkar&m werden Bombenanschläge, Schießereien, Brau dstiftungen und Baumfrevel berichtet. Militärahteilungen sind um die Ausfindigmachung der Täter bemüht. Der Distriktskommissar von Nablus sprach gegen sechs Araber die Verbannung aus. In einem Dorf bei Haifa wurden Gewehre und Revolver beschlagnahmt. PENSION ECKSTEIN neu renoviert Falästinensisch'arabisQhe Konferenz verboten Jerusalem, 10, Juli. (JTA.) Die Palästina- Regierung hat die Abhaltung der von dem Obersten Arabischen Ausschuß für den 17. Juli einberufenen Konferenz aller arabischen Eokaikomitees Palästinas verböte n. Die arabische Agitation nimmt immer schärfere Formen an und ist verbunden mit heftigen Angriffen gegen den Emir A b cl u 11 a. Dio Palästina,-Regierung ißt bemüht, dießer Agitation entgegemuarabisoher Notabein Kommission zu gewirkon lind eino Reihe für die Vorschläge der winnen. Der Distriktskommissar hat zu diesem Zweck in Nablus und anderen Städten eine Reihe von Besprechungen abgehalten. Hausdurchsuchung Im Arabischen Komitee! Jerusalem, 19. Juli. (JTA.) Die Polizei nahm eine überraschende Hausdurchsuchung in den Büros des Obersten Arabischen Ausschusses vor, beschlagnahmte größere Mengen Schriften und verhaftete den abwesenden Safecler Verwalter des Waqf (mohammedanischer Reiigionsfoncls), Sublii Bey el Khaclra, der ein führender Agitator und enger Mitarbeiter des Mufti ist. Der Mufti selbst ist in Jerusalem nicht aufzufinden. Er ist weder in seinem Haus noch in seinem Büro. Teilung Palästinas zu protestieren. Die palästinensischen Araber sollen jedoch die Ruhe wahren, damit ihnen die Sympathien aller Araber erhalten bleiben. Keine Galiläa-Denkschrift Jerusalem, 20. Juli. (Palcor.) Die Palästina-Regierung veröffentlicht eine offizielle Erklärung, in welcher die in der ägyptischen Zeitung .,A1-Ahram“ erschienene Meldung, daß die Regierung gegen die Einverleibung Galiläas in den jüdischen Staat Eimvände erhoben habe, dementiert wird. HINTERBRÜHL "3SG Pension Forßin, Hauptstraße 41, Tel. 117 Pension Brtihlegg, Hauptstraße 114, Tel. 7 Erstklassige Häuser / Reste Küche / Mäßige Preise TREFF der STROHWITWER im Restaurant Barschaft II., Gr. Schiffg. 3, Telephon A 46-4-39 Menu v. S 1.90 aufw. Pogrom in Bagdad Bagdad, 19. Juli. (JTA.) In Bagdad kam es im Anschluß an eine arabische Protestdemonstration zu schweren antijüdischen Ausschreitungen. Zahlreiche Juden wurden verletzt und eine große Anzahl jüdischer Geschäfte geplündert. Dreißig Juden wurden in bedenklichem Zustanrlo ins Krankenhaus gebracht. Es verlautet, daß zwei von ihnen ihren Verletzungen orlegen sind. Di© Demonstration wurde von denn Mit glied des Obersten Arabischen Ausschusses in Palästina und Führer der Istiklal-Partei, A u n i Bey Abdul Ha di, geleitet. Die Polizei konnte nur mit Mühe die Demonstranten davor zurückhalten, in das jüdische Stadtviertel einzudringen. Sämtliche jüdische Geschäfte in Bagdad waren geschlossen. Transjordanlen protestiert gegen Irak Der Exekutiv-Rat, der transjordanischen Regierung hat einen Beschluß angenommen, in dem gegen die Äußerungen des Ministerpräsidenten van Irak betreffend dio Teilung Palästinas Stellung genommen wird. Der Ministerpräsident hatte erklärt;, daß es kein Mohammedaner wagen worde, in die Regierung des vorgeschlagenen arabischen Staates einzutreten. Diese Äußerung, die eine unzulässige Einmischung darstellt, ist fnteresfianterweise von England nicht zuHickgewiesen worden. Stellungnahme des Imam von Jemen Per Imam Jecfiia von Jemen hat an das Oberste Arabische Komitee ein Telegramm gerichtet, in welchem er versichert, daß er nicht verfehlen wird, gegen eine Die Stellung Syriens Jerusalem, 20. Juli. (JTA.) Wie „Palestine“ meldet, wird gegenwärtig in den Regierungskreisen in D a m a s k u s die .Stellung der syrischen Regierung zum Palästina- Teilungsplan beraten; die syrische Regierung soll dabei unter dem Eindruck der Gegnerschaft des Irak gegen den Plan stehen. Wie der- Korrespondent der „Palcstinc“ meldet, hat die syrische Regierung nicht die Absicht, der Gründung des jüdischen Staates in Palästina zuzusthnmen; sie motiviert dies mit einer Reihe wirtschaftlicher und nationaler Momente. Die endgültige Stellungnahme der syrischen Regierung, die offiziell noch nioht formuliert worden ist, wird vor ihrer Veröffentlichung zuerst den Außenministerien Frankreichs und Englands sowie dem Völkerbund bekanntgegeben werden. Der syrische Premierminister hat der Presse eine Erklärung übermittelt, wonach die Stellungnahme Syriens zum Teilungsplan erst formuliert werden wird, nachdem die französische Regierung sich zu dem Plan geäußert haben wird. Die gedrosselte Jerusalem, 19. Juli, (JTA.) Im Monat Mai 1037 sind 1507 Juden mehr aus Palästina abgereist, als im Lande eingetroffen sind. Während im Mai 1936 2261 jüdische Einwanderer nach Palästina gekommen sind, waren es im Mai d. J. nur 807. Während der ersten fünf Monaten dieses Jahres sind 5068 Personen nach Palästina gekommen; in dem gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres 13.749. Der Überschuß der Einwanderung gegen die Ausreisen betrug bei den Juden in den ersten fünf Monaten des Jahres 1646 gegenüber 12.538 in demselben Zeitraum des vergangenen Jahres. BLAU-WEISS - Zünder (Keren-Kqjemeth- Zünder) erhältlich bei: Viktor Adlersbor g, Trafik- und Haushaltartikel, Wien, VI., Millorgasso 44, Toi, B 23-002. Die kommende Genfer Debatte Genf, 19. Juli. (Privat.) Alle Ratsmächte haben der englischen Anregung' z u g e s t i m m t, daß die Mandatskommission, die am 30. Juli eine außerordentliche Tagung ablijllt, während dieser auch schon zu dom Bericht und zum Teilungsvorschlag der Königlichen Untersuohungskommission Stellung nehme. Nur Polen hat den Vorbehalt gemacht, daß die formelle Zustimmung zum britischen Wunsch in keiner Weise seiner Haltung zu den englischen Palästina- Vorschlägen im Rate und in den anderen Organisationen des Völkerbundes nicht vorgreife. Man weiß, daß Polen den größten Wert darauf legt, daß in Palästina die Möglichkeiten für die jüdische Einwanderung nicht verringert werden. Auch Italien wird seine Stellung zum Bericht voraussichtlich auf der Tagung des .VölkerbunJrates festlegen.