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Die Stimme · 1937-07-23 · Heft 662 (23.7.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 662 (23.7.1937)
Date
1937-07-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 662 Wien, Ft eitag, 23* Juli 1937 - IS* Aw 5697 10. Jahrgang ^Stimme JÜDISCHE ZEITUNG Ein Film aus der Stadt des Frohsinns u. der Lebensfreude mit HARRY BAI R und Ren6e Saint-Cyr OPERN-KINO, I. « VOTIVPARK-KINO, IX. RIVIERA Woehen-Arrang. 8 Tage S DALMATIEN-«?») (hlS POLEN-«"0.«"?.«.« Sonntag PARIS "Sonderzug (hin und zurück) S 135*- 42*. 86'- Anmeldung«nt „ORBSS“ REISEBÜRO I., Kärntnerstr. 41 Telephon: R21-5-78 4imuii(iiiiiiiuiitiimitimnnnititniinmimiiiiiiuiniiiiiiitniiitmimimnnmniiitmi(mtmnmimm Die große Wendung Die englische Demokratie läßt sich nicht beiseite schieben. Sie hat die Absicht der Bürokratie, durch die Schaffung fester Tatsachen das Mandat zu zerstören, vereitelt. Die Überrumpelung ist mißglückt, nachdem die beiden Häuser in einer energischen Debatte ihren Standpunkt klargelegt hatten. Da man in dieser Zeit schwerster Spannungen der Regierung keine offene Niederlage bereiten wollte, entschloß sich das Unterhaus zu einer Resolution, wonach der Palästinaplan zwar dem Völkerbund vorgelegt werden soll, daß er aber dann nochmals vor das Parlament zu kommen hat, um endgültig verhandelt und bestimmt zu werden. Die Regierung, die noch am Dienstag im Oberhaus gefordert hatte, den Plan tel quel anzunehmen, mußte am Mittwoch zurtickweichen und der Kolonienminister erklärte sich sogar bereit, über weitgehende Abänderungen zu verhandeln. Wenn nun England vor die Mandatskommission tritt, so geschieht dies bei einer vollständig veränderten Sachlage. Die beiden Londoner Debatten sind nicht wegzudementieren. Sie haben bewiesen, daß die britische Volksvertretung den Antrag der Regierung nicht deckt und daß sie' sich die letzte Entscheidung vorbehält. Über derartige Tatsachen kann auch die Mandatskommission nicht hinweggehen und so wird es in Genf nunmehr zu einer nochmaligen, tiefgreifenden Auseinandersetzung kommen. Der Völkerbund hat das Mandat erteilt; im britischen Expose wird erklärt, daß der Auftrag undurchführbar sei: Nun spricht aber das Unterhaus aus, daß nicht das Mandat undurchführbar ist, sondern daß es nicht durchgeführt worden ist. Der Völkerbund wird dies zu überprüfen haben. Es ist wohl nicht anzunehmen, daß sich England in Genf einer Niederlage aussetzt, und so besteht die Wahrscheinlichkeit, daß die Verabschiedung der Angelegenheit noch weiter hinausgeschoben wird. So wie der Plan heute aussieht, wird er nicht angenommen werden. Es ist Zeit zu Verhandlungen gegeben, für die aber im Augenblick die Grundlage erst geschaffen werden muß, da doch das Prinzip der Teilung nicht so fest steht und erst bestätigt werden muß. Für uns handelt es sich jetzt darum, den Grundsatz des Judenstaates zu verteidigen. Da England erklärt, daß die Juden mündig und reif zur Selbstverwaltung tind Unabhängigkeit sind, dürfen wir dieses Zugeständnis nicht verschwinden lassen. Der Kampf um den Judenstaat beginnt jetzt. Der Kongreß findet eine neue Situation vor. Es wird viel von seiner Klugheit und von seiner Taktik abhängen. Vor allem aber muß er jetzt für die volle und uneingeschränkte Souveränität dos jüdischen Volkes eintreteu. Diese Frage iai kein Gegenstand für Konzessionen» Das Unterhaus gegen die Teilung London, 22. Juli. (Privat.) Das Unterhaus hat in einer außerordentlich erregten Debatte zu dem Palästina-Bericht Stellung genommen. Die Angriffe waren derart heftig, daß die Regierung, die noch am Dienstag im Oberhaus jede Abänderung abgelehnt hatte, nunmehr durch den Kolonienminister Ormsby Gore die Erklärung abgeben mußte, auch weitgehende Abänderungswünsche und Ergänzungsvorschläge zu berücksichtigen. Er erklärte: „Die britische Regierung hat sich durchaus nicht auf den spezifischen Plan, wie ihn die Königliche Kommission vorgelegt hat, festgelegt. Sie ersucht das Parlament nur um die Billigung des Grundsatzes, daß fundamentale Änderungen in dem Mandatssystem vorgenommen werden müssen. Würde das Haus eine Zustimmung in diesem Sinne erteilen, so würde die Regierung den Völkerbund um die Ermächtigung ersuchen, ein neues Verwaltungssystem für Palästina auszuarbeiten. Dieser Plan würde aber erst nach einer Reihe weiterer Untersuchungen und Beratungen aufgestellt werden.“ Der Arbeiterabgeordnete Morgan Jones begründete den Antrag seiner Partei, die Überprüfung des Palästinaberichtes einer parlamentarischen Kommission zu übertragen. Wenn erst einmal der Völkerbund seine Zustimmung zu dem Aufteilungsplan erteilt habe, so würde die Regierung dem Parlament erklären, es sei nunmehr zu spät. Es würde vielleicht heute noch für die Regierung von Wert sein, eine Rundtischkonferenz mit arabischen und jüdischen Delegierten einzuberufen und den Versuch zu machen, im Rahmen einer solchen Konferenz eine Lösung des Palästinaproblems zu finden. Der Zusammenbruch des Mandatsystems sei kein Beweis dafür, daß das System falsch sei, sondern würde viel eher die Vermutung nahelegen, daß die Verwaltung des Mandates versagt habe. Das Haus solle sich nicht in diesem frühen Stadium der Entwicklung festlegen. Der Führer der Liberalen, Sir Archibald Sinclair erklärte, daß nicht die Araber, sondern die Juden berechtigt seien, Klage gegen die britische Regierung zu führen. Man habe den Juden im Weltkrieg ein nationales Heim versprochen und England habe den vollen Nutzen aus diesem Versprechen gezogen. Die Araber auf der anderen Seite schienen sich nicht dessen bewußt zu sein, daß sie ihre jetzige Stellung in derWelt den Opfern der ehemaligen Alliierten während des Krieges verdanken. Habe die Balfour-Deklaration in gewisser Weise zu dem Sieg der ehemaligen Alliierten beigetragen, so habe sie aber auch die Befreiung der arabischen Stämme von der türkischen Herrschaft bedeutet. Auch Sir Archibald vertrat die Ansicht, daß es z u f r ü h sei, schon heute eine endgültige und unumstößliche Entscheidung zu fällen. Der frühere Kolonialminister L. M. A m e r y (konservativ) war der Auffassung, daß der Verlauf der Debatte Juden und Arabern es eindeutig klar machen sollte, daß die Palästinapolitik der britischen Regierung die Unterstützung des Parlaments finde. Nach 20jähriger Beschäftigung mit dem Problem, erklärte er sich, wenn auch nicht ohne Bedauern, mit der vorgeschlagenen Lösung einverstanden. Es handle sich heute nur darum, d i e Vorschläge im Prinzip anzuerkennen. Die Einzelheiten sollten der späteren Bearbeitung Vorbehalten bleiben. Der liberale Abgeordnete Rothschild erklärte, daß er soeben ein Telegramm von jüdischen ehemaligen Frontkämpfern in Tel-Aviv erhalten habe, in sie ihn ersuchen, ihre bittere Enttäuschung dem englischen Parlament zum Ausdruck zu bringen, da die von England gemachten Versprechungen nicht eingehalten und die Hoffnung auf eine jüdische Heimstätte zerstört seien. itILLIGE UND BEQUEME FERIENFAHRTEN VIIT DER „CZ-RNOWITZER ALLG. ZEITUNG“ NACH POLEN u (ZERNOWITZ Abfahrten.25.Juli u.l.Aug. AUSKÜNFTE und ANMELDUNGEN i ausschließlich Im REISEBÜRO „MARIEN- BRÜCKE“. WIEN, l., ROTENTURM- STRASSE 26 » TELEPHON R 24-2^86/87 Der Beschluß: Weitere Untersuchungen Die Debatte schloß Mittwoch nachts mit der Annahme einer Resolution, in der es heißt, daß die Vorschläge dem Völkerbund zugeleitet werden sollen; die Regierung solle sodann nach weiteren Untersuchungen dem Parlament einen definitiven Plan vorlegen, der allen Empfehlungen des Weißbuches (Regierungserklärung zum Kommissionsbericht) voll Rechnung tragen würde. Die Palästinadebatte im Oberhaus London, 21. Juli. (JTA.) Entgegen der Absicht der Regierung, die Aussprache über die neue Palästinapolitik in beiden Häusern des Parlaments gleichzeitig abzuwickeln, ist die mit großer Spannuug erwartete Palästinadebatte im Oberhaus bereite am 20. Juli durch den Führer der Opposition, Lord S n e 11, eröffnet worden. Die Sitzung wies einen sehr starken Besuch auf. Sämtliche jüdischen Mitglieder des Oberhauses, Lord R e a d i n g, Lord M e 1 c h e 11 und Viscount Samuel, waren bei der Aussprache anwesend. Lord Snell erklärte, die Laböur Party könne den Vorschlag auf Teilung Palästinas nicht unterstützen. Der Bericht der Königl. Kommission sei ein Produkt d e r' Verzweiflung. Man wolle einen Patienten einer kritischen Operation unterziehen, die gefährlicher sein könnte, als es die Krankheit selbst ist. Die Königl. Kommission sei zu der Schlußfolgerung gelangt, daß Palästina nie geeint werden könne, solange es nicht geteilt wird. Er glaube nicht, daß ein solcher Vorschlag mehr Aussicht auf Erfolg habe als alle bisherigen Experimente. Es wäre sicher ein besserer Weg gewesen, durch Zusammenarbeit von Juden und Arabern zu einer Lösung zu gelangen. Die Erregung der Araber richte sich nicht so sehr gegen die Juden als vielmehr gegen England. Wirtschaftlich, erklärte Lord Snell, war das Mandat ein gewaltiger Erfolg. Die Errungenschaften der Juden in Palästina, im letzten Jahrzehnt gehören zu den bedeutendsten historischen Ereignissen der Gegenwart. Die Araber an und für sich seien friedliche Menschen; nur wenn Abberufung Wauchopes? London, 21. Juli. (JTA.) In Londoner maßgebenden politischen Kreisen herrscht die Ansicht vor, daß es in der Administration Palästinas schon sehr bald zu grundlege ndenÄnderungen kommen wird. In erster Reihe rechnet man mit einer Abberufung des jetzigen High Commissioner Sir Arthur Wauchope, der weniger Verwaltungsfachmann als Militär ist. Das Kolonionministerium, so heißt es, wünsche, oinen i n K o 1 o n i a 1 a n g e 1 e g o n h o i t e n erfahrenen Fachmann als High Comimteeiooer nach Palästina zu entsenden. In erster Reihe wird als Nachfolger von General Sir Arthur Wauchope Sir Hubert Y o u n g genannt, der früher britischer Finanzberater bei der Irak-Regierung gewesen war. Dieser Ansicht des Kolonienministeriums stünde die Meinung des Kriegsministeriums, der Kreise der Admiralität und des Außenministeriums gegenüber, daß der neue High Commissioner ein Mann von großem persönlichem Prestige sein müsse. In diesen Kreisen wird als Nachfolger Wauchopes Feldmiarschall Sir Philipp C h e t w o d e genannt. sie von Agitatoren aufgehefczt werden, sind sie schlechte Nachbarn. Die Regierung habe die Errichtung eines jüdischen Nationalheims verhindert. England habe sich einer - der bedeutendsten Aufgaben, die die Menschheit jemals einer einzelnen Nation auferlegt hat, unwürdig erwiesen. Ferienreisen noch Polen Billig / bequem / D-Zug / Platzkarten /Abreisen Jeden Sonntet Leitung: Dr. TOCKER Auskünfte und Anmeldungen: „IN DIE WELT*4 W. M. RENNER, Wien, IX., Liechtensteinstraße Nr. 2, Telephon A 14-5-04. (Nächst Sobottenring) Scharfe Angriffe richtete Lord Snell gegen die Regierung, weil sie in übergroßer Eile den Bericht der Königl. Kommission akzeptiert und sich hinter ihn gestellt habe. Das Parlament müsse Aufklärung darüber erhalten, warum mit solcher Eile vorgegangen worden sei. Der Redner fragte, ob vor dem Entschluß der Regierung die Vereinigten Staaten zu Rate gezogen worden seien und ob die amerikanische Regierung ihre Zustimmung zu dieser Vivisektion Palästinas erteilt habe. Großbritannien gehe jetzt daran, sein Mandat dem Völkerbund unter Umständen zurüokzugeben, die eine tiefe nationale Erniedrig u ü g bedeuten. Man müsse sich fragen, ob die Teilung wirklich unvermeidlich sei, auch wenn die Verhältnisse sich bessern. Die vorgeschlagene Lösung sei unangemessen und ein willkürliches Wagnis. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen fragte Lord Snell, ob der geplante Judenstaat eine freie, unabhängigeRepublik sein und ob er aus dem Rahmen des britischen Reiches ausscheiden solle. Im besonderen kritisierte der Redner die vorgesehene Zuteilung des südlichen Teiles Palästinas, des Negew, an den arabischen Staat. Er verlangte, daß dieses Gebiet, ebenso wie es für andere Teile Palästinas vorgesehen ist, auch weiterhin unter britischer Mandatsverwaltung bleibe und von Juden und Arabern gemeinsam erschlossen wierde. Schließlich erklärte er, der geplante jüdische Miniaturstaat werde zwar den Namen eines Jüdischen Nationalheims tragen, aber nicht imstande sein, die Judenfrage zu lösen. ioar:r ujtM ffjrr-rmr^

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