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Die Stimme · 1937-07-16 · Heft 660 (16.7.1937) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 660 (16.7.1937)
Date
1937-07-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit« 4 Oll STIMM! Nr. 660. — Wien, Freitag, 16. Juli 1987. Rabbiner Dr. Jisrael Weinstock: Tag der Trauer > Lange, düstere Schatten wirft, der Tisch’a b’aw voraus. Die .,Drei Wochen“, die ..Neun Tage“ sind ein immer starker werdendes Ankünden des Kommenden, eine Vorbereitung auf ihn. Und an dem Tage: Im Heim ist der Spiegel verhüllt, und in der Synagoge der Schmuck von der heiligen Lade genommen. Keine Speise, kein Trank, nicht einmal lernen in der Schrift und im Talmud. In Trauer, im alten Kleid und ohne Schuhe kauert der Jude auf der Erde, das Buch der Klagen in der Hand. Laut liest er und weint. Er liest von Ja-mmer und Leid, von Hunger und Tod, vom großen Brand des heiligen Tempels, von den Schrecken der belagerten und zerstörten Stadt. Der Tag der Trauer, das ist Tisch’a b’aw, überall, wo jüdisches Leben noch lebt. So trauert der Jude, wenn er einen teuren Toten zu Grabe getragen; so trauert er zwei Jahrtausende, als wäre es gestern geschehen. Wohl ist es ein Ereignis von großer Schwere und Bedeutung, das der Jude an Beh. konz. Realbüro Ing. M.Mühlbauer Kauf und Verkaui von Realitäten. Hypotheken I., II. und III. Sätze, Bau* und Zwisdienkredife Gebäudeverwaliung ★ Büro: Franz-Josefs-Kal 11 lei. R-25-0-44 Wohnung: 11., Vorgartensfr. 150, Tel. R-41-8-88 Tii^kliMAv 27 Jahre alter Mann, ■ kaufmännisch gebildet, repräsent., mit Auto führe rsch ein, bittet um Arbeitsmöglichkeit welcher Art immer bei bescheidensten Ansprüchen. Gefl. Zuschriften unter: „Auch Provinz“ an die Administr. diesem Tage beweint, die Zerstörung von Heiligtum und Heim und Reich, die Besiegelung zukünftigen Volksschicksals. Aber, der jüdische Weg kennt manch trauriges Geschehen, kennt Katastrophen, Zertrümmerung von Volkszentren, von Zeiten, in denen das Volk ins Herz getroffen wurde. Auch diese Ereignisse sind eingeschrieben im Buch des Volkes, mit blutigen Lettern und schwarzem Rand; aber nur dort, nicht im lebendigen Leben. Und dennoch gemahnt an sie kein Tisch’a b’aw, auch nicht das geringste Trauermal im jüdischen Jahr. Es lehren unsere Weisen: Man empfängt Trost nach Totem. Sie gebieten: Man verbeiße sich nicht in übermäßige Trauer um eines Toten willen. Das Judentum kennt keinen Totenkult, kennt keinen Kult für längst Totes und Verstorbenes. — Höchstens seltene, nur kurze Gebete hat es, und auch die nicht von altem Ursprung. — Tot läßt der Jude, läßt auch das jüdische Volk das Tote sein. Und all jene Zeiten von Licht und Glanz und ihr finsteres Ende, auch sie sind ihm nur Ewig-Vergängliches, auch sie reiht es ein ins Ewig-Vergangene. Man empfängt Trost nach Totem. Und der Tisch’a b’aw? Es lehrt jener Spruch der Weisen weiter: Aber nimmer empfängt man Trost nach Le-I bendigem. — „Er weigerte sich, Thost zu finden“ heißt es bei Jaakow nach seinem! verschollenen, totgesagten Josef. — Erez Jisrael ist dem Juden nie tot gewesen. Es lebte und war in Schrift und Wort. Es war aber auch in der jüdischen Seele. In allen Geschlechtern, in allen Zeiten lebte es fort, das Unvorstellbare und Unbegreifliche, das tiefe Fühlen um das Verlorene, das nicht ewig verloren ist, das nicht tot sein kann, das einmal zurückkehren muß. Und es weigerte sich, Trost zu finden. Und weiter lehren unsere Weisen: Der Tag, an dem das Heiligtum zerstöTt geworden, ist der Tag der Geburt des Messias. Denn trostlose Trauer, das ist Sehnsucht und Hoffnung. Sie ward zum Willen, zum Drang nach Befreiung und Erlösung. Die Klagelieder des Tisch’a b’aw enden, münden in das Jahrtausende alte jüdische Sehnen, das, steigt es aus dem Herzen des ganzen Volkes auf, selbst die Ewigkeit zwingen muß in die Bittforderung. Chadesch jamejnu k’kedem. Erneuere unsere Tage wie ehedem! Die KongreBzeltung kann in deutscher oder hebräischer Sprache zum Preise von S 7.50 im Büro des Zionistischen Landesverbandes, I., Marc-Aurel-Straße 5, U 22-2-11, gegen Vorauszahlung bestellt werden. Preblauer Sauerbrunn, das rein natürliche österreichische Mineralwasser, seit dem Jahre 1067 bekannt, vorzügliches Tafel- und Erfrischungsgetränk, beliebt als Zusatz zum Wein, ärztlich empfohlen bei Blasen- und Nierenleiden, bei Katarrhen und bei Stoffwecbselstörungen, erhältlich in allen Apotheken, Drogerien, Lebenemittel'geschäften und' Gaststätten. Misrachi-Landesverband für Österreich. Die Wahl der zwei Delegierten für die am 27. d. in Zürich stattfindenden Weltkonferenz findet am Montag, den 10. d., im Heime, II., Praterstra.ße 60, statt. Zeit: bis 10 Uhr abends. WahlvorschUige müssen bis spätestens 18. d., 10 Uhr abends, im Sekretariat cingebracht werden. ■ii'x.-iq^jupn PUBLIKATIONEN DES XX. ZIONISTEN¬ KONGRESSES 1. Berichte an den XX. Zionistenkongreß a) Bericht der zionistischen Exe-\ kutive .I (hebräisch, engl, oder deutsch)! b) Bericht des Keren Hajessod . \ « 7 (hebräisch, engl, oder deutsch) / c) Bericht des Keren Kajemethl Leisrael .I (hebräisch, engl, oder deutsch)' 2. Kongreßzeltungen offizielle Organe des Kongresses, erscheinen (in hebräischer und deutscher Sprache) während des Kongresses und der Tagung des Councils der Jewish Agency for Palestine täglich : Abonnements in der Schweiz . . . S 6.60 „ in den übrigen Ländern S 7.50 3. Stenographisches Protokoll des XX. Zionistenkongresses und der Tagung des Councils der Jewish Agency for Pa- Iestine (in hebräischer Sprache . . S 13.— Generalabonnement für alle drei Publikationen . . . . S 22.— Alle diese Publikationen können durch das Büro des Zionistischen Landesverbandes gegen Erlag des Gegenwertes bestellt werden. DIE KINDER-STIMME REDIGIERT VON LILIAN GRÜNWALD B'arzenu - In unserem Land Jüdische Kinder berichten in einer hebräischen Kinderzeitschrift (Itonenu) über ihre Erlebnisse. Der Tag der Hafeneröffnung Wir feierten in Tel-Aviv die Errichtung des Hafens. Zu Ehren dieses großen Ereignisses wurden viele Orte beflaggt und illuminiert. Zehntausende von Menschen besuchten den Hafen und betrachteten dort die vielen Schiffe und besonders des jüdische Schiff „Har hakkar- ■mel“ — „Karmelberg“, welches dem Hafen gegenüber lag. Zahlreiche Orchester musizierten, sowie auch Schulkinder und Histadrujot (Organisationen). Alle Jugendlichen besuchten den Hafen und freuten sich, den jungen jüdischen Hafen zu sehen. Wollen wir hoffen, daß er sich zu einem großen jüdischen Hafen entwickeln wird und daß auf dem Wege über Hm Hunderttausende von Juden aus den GaLuthländern kommen werden, um unser Land aufzubauen. Vorsicht! Am Sabbathmorgen ging ich mit meinen Eltern und meiner Schwester auf der Allenbystraße spazieren und da sah ich, wie von dem anderen Trottoir ein Kind mitten auf die Straße lief und dort niederfiel; ein kleines Auto näherte sich in diesem Augenblick mit großer Schnelligkeit und nur mit äußerster Anstrengung vermochte es, vor ihm zu halten, und es nicht zu überfahren. Seither bin ich auf der Straße sehr vorsichtig, und ich rate allen Kindern, daß sie sich auf der Straße recht in acht nehmen. Hans Christian Andersen und die Juden (Aus einem demnächst erscheinenden Buch: „Juden im Spiegel nordischer Dichtung“ von Lilian Grünwald.) Gltickspeter (8. Fortsetzung.) „Alles ist im Ordnung; Carl Maria von Weber auf dem Kachelofen ist zur Feier deiner Ankunft frisch geweißt worden! Er war ganz unerlaubt schwarzgeräuchert. Aber das ist ja nicht Weber, der dort aufgestellt ist, das ist ja Mozart; wo ist denn der hergekoxnmen?“ „Das ist der alte Weber!“, sagte der Alte, „ich habe ihn ja selbst zum Gipsarbeiter getragen und ihn heute morgen wieder abgeholt!“ „Aber dies ißt eine Büßte von Mozart und nicht eine Büßte von Weber!“ „Entschuldigen Sie, Herr!“ erwiderte der Diener. „Dies ist der alte Weber, der rein Ein Kind eteht hinter einem Baum. Es ißt der Wolf. Die anderen Kinder stehen in einer Reihe unweit von diesem Baume. Ihnen gegen- Text HI. geworden ist! Sie kennen ihn nur nicht wieder, weil erfrisch gegipst worden ist!“ Das solle er sich vom Gipsarbeiter bestätigen lassen — hier aber bekam er den Bescheid, daß Weiber zerbrochen sei, und da habe man ihm Mozart an seiner Statt gegeben; auf einem Kachelofen sei das doch einerlei. Am ersten Tage sollte hier nicht gespielt, nicht gesungen werden; als aber unser junger Freund in den Saal kam, wo das Klavier stand und die Oper „Joseph“ aufgeschlagen lag, sang er: „Ich war ein Jüngling noch an Jahren“, sang es mit glockenreiner Stimme. Es lag etwas so Inniges darin, etwas so Unschuldiges, und dazu eine Kraft und Fülle. Dem Gesangsmeister wurden die Augen feucht dabei. „So muß es sein“, sagte er, „und noch besser soll es werden. Nun schließen wir das Klavier für heute, du brauchst Ruhe.“ „Ich muß heute abend noch zu Mutter und Großmutter! Das habe ich versprochen.“ — Und dann eilte er von dannen. Die untergehende Sonne schien auf daß Haus seiner Kindheit nieder; die Glasstücke in der Mauer strahlten; es war wie ein ganzes Diamantenschloß. Mutter und Großmutter 6aßen dort oben in der Dachwohnung, viele, viele Treppen hoch; aber die flog er hinauf, drei Stufen mit jedem über ein Kind: Die Mutter. Die Mutter ruft nun den Kindern zu: Text I. Sprung, und schnell war er an der Tür und wurde mit Kuß und Umarmung empfangen. Am nächsten Vormittag machte Peter seinen Besuch bei Großhändlers. Die Frau empfing ihn, drückte ihm die Hand und bat ihn, neben ihr Platz zu nehmen. Im Gespräch mit ihr sprach er seinen innigen Dank aus, er wisse, daß der Großhändler sein heimlicher Wohltäter sei. Die Frau wußte nichts davon. „Aber es sieht meinem Mann ähnlich!“, sagte sie. „Es lohnt nicht, davon zu redenl“ Der Großhändler wurde beinahe zornig, als Peter diese Sache berührte. „Sie sind durchaus auf falscher Spur!“ sagte er, brach das Gespräch ab und ging. Zu Hause, im Heime des Gesangsmeisters, erzählte Peter, daß er dem Großhändler gedankt habe; dieser hätte aber durchaus keinen Dank annehmen wollen. „Wer hat dir denn gesagt, daß er das gewesen ist, was du deinen ,Wohltäter4 nennst?“, fragte der Gesangsmeister. „Mutter und Großmutter!“, sagte Peter. „Nun, dann muß er es wohl sein!“ „Aber Sie wissen darum!“ sagte Peter. „Ich weiß es! Aber von mir bekommst du nichts zu wissen; und jetzt singen wir jeden Morgen eine Stunde hier bei mir.“ * Einmal in der Woche war Quartettmusik. Ohr, Seele und Gedanken wurden von Mozarts und Beethovens herrlichen Tondichtungen erfüllt. Seit langer Zeit hatte Peter keine gut und richtig aufgeführte Musik gehört. Wie ein Feuerkuß durchzuckte es ihm das Rückgrat.und alle Nerven; die Tränen traten ihm in die Augen. Jeder Musikabend hier im Hause war ihm ein Festabend. Die Tondichtungen schwangen sich auf in ihrer gan-' zen freien Herrlichkeit. Er befand sich in einer köstlichen Welt, die die Meister der Musik hervorgezaubert hatten. (Fortsetzung folgt.) LILIAN GRUNWALD: Nachdruck verboten. Wir spielen und lernen ein wenig Hebräisch 22. Spiel: Alle meine Gänschen, kommt nach Haus! (Im Freien zu spielen) Text H. Moladti aus „Schire Erez Israel“. (Freie deutsche Bearbeitung von Kamaz.) Poeoeen möto la - (T ■ ti, nu> la . (tote nasal») HO . tacb r-wad eho-ma,- Bin-da dal «no* Ivote , HasaM (i/oca nasale) uebdafaj ja ra » d* tl. Mutter i Alle meine Gänschen, kommt nach Haus! Kinder i Wir können nicht — Warum denn nicht? Der Wolf steht hinter der Tür und macht sein Messerlein scharf Was habt ihr ihm denn zuleid getan? — Einen Topf voll Erbßen aufgegessen — Wie hoch denn? — So hoch •VTW TOM -vfre •» rercc. ’W? ’irfTiö tu* *■ •TP* -Trpp •’rnftj -TOP# OH 1 — Wie breit denn? — So breit sebawu babbajtab, p’atotaj umtstyö „uvan ian*> - . T,_kejzad nasebuw w’lo nuchsl maddü-a lö? möaehörej haddelet s’ew ömed itüfi w’ßakkinö chaddäh t~ mah aßitem*) lass’ew härä? achol achälnn mißßir-adaschäw mißßir gawöäh? gawöah m’od mißßir raebaw? raebaw m’od *?au mSi aitfj in - , T “ **?tf*? uv»» imdi löly n*?in 'nln«ö . . J .. .., V v- *• -j?jnn am*? on'tety no TT “ v -» - ‘vtehjn'Bö *?iin TP •* I “T T?nl3Ü YDtt " T Utö nlaa : ‘ T am ybö TT im? am » TT 1. Mein Heimatland, mein Heimatland, mein Teuerstes bißt du. 2. Auf Wanderungen such’ ich dich, ich flieg’ zu dir im Nu. 3. Mein Heimatland, mein Heimatland, wenn ich nicht bei dir bin, — AUe meine Gänschen, kommt nach Haus! schüwa habbajtah, p’atotaj l *) weiche t. Nun eilen alle Gänschen zu ihrer Mutter. In diesem Augenblick stürzt der Wolf hinter dem Baum hervor und versucht, einige Gänschen zu fangen. Wen er erwischt hat, gehört zu ihm und stellt sich mit ihm hinter (len Dann hab ich nichts auf dieser Welt, dann Baum. Die (ihrig gebliebenen Kinder stellen bäh’ Lcfo feßlöfl Bsii Mob (wieder 1q einer Reihe auf, Frage und unltsiyfe /furan ttw - ( T t“ “ Antwort folgen, und bo lange wird gespielt, bis einer übrig bleibt, der ist dann wieder der Wolf. Die Kinder begleiten ihre Antworten mit mimischen Gebärden, wodurch daß eintönige Stehen vermieden wird und bei Kleinkindern die Größenbestimmungen unfehlbar eingeprägt werden. £ln Ferienvergnügen Im Zimmer hat es die Mutter nicht sehr gern, wenn ihr Seifenblasen macht. Jetzt, in der schönen Ferienzeit, findet ihr leicht im Freien oder auf einer Veranda Gelegenheit dazu, ohne daß die zerplatzten Seifenblasen Schaden anrichten. Nicht immer aber gelingen die Seifenblasen. Das liegt oft an den Röhrchen, Strohhalmen, Zigarettenspitzen, die ihr verwendet, oft aber auch an der Seifenlösung. Hier bringe ich euch ein gutes Rezept, mit dem man sehr große Seifenblasen zuverlässig erzeugen kann: Zu 100 Gramm einer dreiprozentigen Lösung von ölsaurem Natrium füge 30 Gramm Glyzerin hinzu. Große Blasen kann man damit machen, die lange bestehen bleiben und die schönsten Spiegelungen zeigen. Briefkasten. Liebe VaJlly Heller, loh konnte Dir aus technischen, beziehungsweise materiellen Gründen die Zeitung nicht zusenden. Von jetzt ah wird es, hoffe ich, möglich sein. Vielen Dank für da« Photo, das samt Bericht bald erscheinen wird. Führst Du vielleicht ein Tagebuch? Dann schicke mir davon gelegentlich’ etwas Interessantes. Die Adresse lautot: An die Redaktion der „Kinder-Stimme“, Wien, L, Maro-Aurel-Straße 5, .

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