Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 660 (16.7.1937)
- Date
- 1937-07-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIB 8TIMMB Nr. 660. — Wien, Freitag, 16. Juli 1937. Lese- und Redehalle JQd. Hodtschiller Zum XX. Tonistenkongreß im Luxusautocar Preis Wien—Zürich-Wien S 70.- Abfahrten: 25. Juli und 1. August. Anmeldungen: täglich Reisebüro „MONDIAL", I., Kärntnerring 12, Telephon U 40-301, und im Ring der A. H. Verbände, Cafö Gartenbau, I., Parkring 10, Telephon R 20095, iäglich vom 20-22 Uhr frage direkt interessiert sind. Zum Schluß lenkt Rosenberg die „Aufmerksamkeit der Welt” auf die ..finsteren Pläne“ des Judentums und schreibt: Durch diesen Versuch, politische Ambitionen des Weltjudentums zu verwirklichen, werden bestehende Gegensätze verschärft und neue Konflikte geschaffen. Die arabischen Staaten Jerusalem, 12. Juli. (JTA.) Der Premierminister des Irak, Hikmat Suleiman, hat. an die britische Regierung einen Protest gegen den Vorschlag der Königlichen Kommission, Palästina zu teilen, "gesandt und gleichzeitig die Bereitschaft des Irak er klärt., den Arabern Palästinas mit friedliehen Mitteln zu helfen. Diese Aktion erfolgte als Reaktion auf die seitens des Obersten Arabischen Ausschusses an die arabischen Herrscher ergangene Bitte, gegen eine Teilung Palästinas zu intervenieren. Der Emir von Kuweit telegraphierte, in Erwiderung auf die gleiche Bitte, an den Ausschuß, er sei an dem Schicksal der Araber Palästinas interessiert. hinterbrChl.I—— ■ — Pension FORTIN, HanptstraBe 41, Telephon 117 Pension BRÜHLEGG, HauptstraBe 114, Tel. 7 Erstklassige Häuser, beste Küche, mäfcige Preise Palästinas Arbeiterschaft lehnt ab Die Palcor berichtet aus Tel-Aviv: Die Juden der ganzen Welt. Es müeee Tagung des Rates der pa 1 äs tln ensi-j darum Ra/um für Wichstum und Atifidehsehen Arbeiterpartei, an der sich nung gelassen werden. Unter dieser 190 Delegierte aus allen Teilen Pa- Voraussetzung könne die Teilung lästinas beteiligten, hat einstimmig durchführbar sein. einen ausführlichen Beschluß angenommen, J „Manchester Guardian“ fragt, was gein dem die Stellung der Partei zu dem Empi sohehen werde, wenn einige Völkerbundfehlungen des Peel-Berichtes und zur Erkläj mitglieder nicht der Art zustimmen, wie rung der Regierungspolitik zum Ausdruck England durch Einschränkung der jüdischen gebracht wird. | Einwanderung auf ein Maß, das die Araber Die Resolution protestiert zuerst scharf j nicht ablehnen, sich den Folgen seiner gegen die Einwander ungs-j Politik entziehen will. Es sei unmöglich, beschränk ungen und erklärt, daß daß man nicht ein Mittel finden sollte, u m Emir Abdullah Emir Abdullah von Transjordanien sandte auf diese Bitte hin die folgende Botschaft an den Ausschuß: „Die Ereignisse der Vergangenheit sollten den Klugen eine Lehre fÜT die Zukunft sein. Emir Abdullah wird nach wie vor nach bestem Gewissen für das Wohl der Araber wirken.“ Durch diese. Kundgebung fühlten sich die Mitglieder des Ausschusses dermaßen verletzt, daß sie dem Emir für die Kundgebung nicht dankten. Freude in Transjordanien Jerusalem, 12. Juli. Dem „Haarez“ wird aus Amman berichtet, daß die Mehrheit dort den Teilungsplan begrüßt, und zwar mit der Begründung, daß Amman die Hauptstadt des neuen arabischen Staates werden wird. Es wird allgemein angenommen, daß der Posten des Premierministers Ragheb N a s h a s h i h i angeboten werden wird. BLAU-WEISS - Zünder (Keren-Kajemeth- Zünder) erhältlich bei: Viktor Adlersberg, Trafik- und Haushaltartikel, Wien, VI., Millergasse 44, Tel. B 23-002. Ihn Sauds Antwort aus* weichend London, 14. Juli. (JTA.) König Ihn Saud hat den Appell des Ausschusses beantwortet. Die Antwort Ihn Sauds ist durchaus ausweichend und dürfte die arabischen Nationalisten kaum befriedigen. Er gibt wohl seiner Solidarität mit den anderen arabischen Stammesfürsten betreffend ihre Stellung zu den Vorschlägen der Königlichen Kommission Ausdruck, erklärt jedoch, daß er skh sein definitives Urteil vorbehält. Restaurant Rillet Restrenommierte Küche Reichhaltige Menüs ä S 1*90 u. 2*60 ll.( Hammerpurgstalfgasse 3 (nächst Salztorbrücke) Arabische Delegation nach Gen2 Genf, 12. Juli. (JTA.) Aus Genfer arabischen Kreisen verlautet, daß eine große arabische Delegation, der auch der Mufti angehören wird, sich zur Tagung der Mandatskommission des Völkerbundes, auf der der Peel-Bericht zur Beratung gelangen soll, nach Genf begeben wird, um den arabischen Standpunkt vorzutragen. der vorgeschlagene Staat keine Aussichten auf Absorbierung von jüdischen Massen eröffne. Schließlich zählt die Resolution die Nachteile des Planes auf: Abtrennung von Jerusalem, Aus scbließung des Bezirkes Gaza, wo Juden bereits bedeutende Bodenkomplexe erworben haben und große Aussichten auf Ansiedlung vorhanden sind; Sperrung des N e g e w, wo 60.000 Seelen auf zwölf Millionen Dunam leben; Abtrennung der beiden D a g a n i a, der Wiegen der Arbeitersiedlung, und anliegenden Siedlungen sowie des Hauptteiies der Beisan- Ebene; Entziehung des Rutenberg- Werkes und der P o t a s c h - Konzession aus dem Gebiete des Judenstaates. Außerdem werde den Juden in den meisten Städten des zu bildenden Staates das Souvernitätsrecht verweigert; der Judenstaat wird genötigt, dem arabischen Staat einen demütigenden Tribut zii zahlen; während der Übergangsperiode werden die Juden einer Bureaukratie unterstellt, deren Unfähigkeit und Feindseligkeit vollauf erwiesen seien. Aus diesen Gründen sieht die palästinensische Arbeiterschaft keine Möglichkeit, den gegenwärtigen Vorschlag eines Judenstaates anzunehmen. Sie fordert die zionistischen Führer und die Bewegung auf, alle Anstrengungen zu machen, um den Mandatar zur loyalen restlosen Erfüllung seiner Verpflichtungen gegenüber dem jüdischen Volke — Förderung der Einwanderung und der Kolonisation, Wahrung des Landfriedens — zu bewegen. Die Grenzen des Judenstaates Ein Spezialkorrespondent der „Sunday Times“ erklärt, daß die Grenzziehung der geplanten Staaten in Palästina nicht Gegenstand von Verhandlungen sein werde. Wenn der Völkerbund die Vorschläge der Königlichen Kommission billigt, dann werde die Grenzziehung durch eine Kommiesion, wie sie von Lord Peel lind seinen Kollegen vorgeschlagen wird, vorgenommen worden. Die Grenzkommissdon werde sich nach den bei der Untersuchung an Ort und Stelle betehenden Verhältnissen richten. Im selben Blatt erklärt „Scrufatoi“, niemand könne annehmen, daß die vorgeschlagene Form der Teilung endgültig sein wird. England sei in Palästina Treuhänder nicht der dort lebenden Juden, sondern deT einen Teil Jerusalems mit dem neuen jüdischen Staate zu verbinden. Auch „Daily Telegraph“ setzt sich für eine Grenzrevision in dem Sinne ein, daß der Negew den Juden zugewiesen werde, die ihn kultivieren könnten, während er unter arabischer Herrschaft sicherlich eine Wüste bleiben werde. Neue Siedlung protestiert gegen die Teilung Jerusalem, 9. Juli. Der Kibbuz Batclem, der am 5. Juli feierlich am östlichen Ufer des Tiber ias-See eröffnet wurde und auf Grund der Empfehlungen der Königlichen Kommission in den zu gründenden arabischen Staat, eingeschlossen werden soll, sandte ein Telegramm an Weidmann und Ben-Gurion, in dem er seiner entschlossenen Absicht Ausdruck verleiht, den Kampf um seine Existenz dort zu führen und niemals von seiner jetzigen Position zu weichen. „Arische“ Kolonien im Jüdischen Staat London, 14. Juli. Wie die „Times“ melden, sind die Bewohner der deutschen Siedlungen, welche größtenteils in der geplanten jüdischen Zone liegen, über die Aussicht, unter jüdische Herrschaft gestellt zu werden, bestürzt. Die Deutschen glauben, daß 6ie unter jüdischer Herrschaft als Objekte von Repressalien für „die Behandlung der Juden im nationalsozialistischen Deutschland“ gebraucht werden könnten. Die Bürgermeister der betreffenden Gemeinden sind am 11. Juli im deutschen Generalkonsulat in Jerusalem zusammengekommen, um die zu unternehmenden Schritte zu beraten. * Im jüdischen Gebiet liegen die deutschen Siedlungen Wilhelma und Sarona (bei Tel- Aviv). Ihre Bewohner haben mit den Juden bis zum Jahre 1933 in bester Nachbarschaft gelebt. Seit der Machtergreifung Hitlers hat sich dieses Verhältnis geändert. Unter dem Einfluß von Agitatoren aus dem Reich wurden in den deutschen Kolonien nationalsozialistisch© Formationen gebildet, die sogar Sehidter an Schulter mit den aufständischen Arabern gegen die Juden vergingen. Es ist selbstverständlich, daß der jüdische Staat, der doch ein Rechtsstaat sein wird, keine Maßnahmen gegen irgend eine Minorität treffen wird. Daß sich die Antisemiten aller Richtungen der neuen Sachlage werden fügen müssen, ist ebenso selbstverständlich. Glas- und Porzellanwaren, Edelkeramik, Bleikristalle. Komplette Au88tattun0en In bester Qualität Samuel Zuckermann Wien, II., Im Ward 1, Telephon A 41-6-45 Es wird aber dann auch nicht mehr notwendig und möglich sein, einen von außen her zugewanderten Juden so ohneweiters hier einzubürgern, vielmehr wird man nachprüfen müssen, ob alle Einbürgerungen, die nach dem Umsturz, insbesondere in Wien, vorgenommen worden sind, den gesetzlichen Voraussetzungen entsprochen haben und zu Recht gewährt worden sind. Wo dies nicht der Fall ist, wird man den Zugehörigen des Judenvolkes, die ja zukünftig einen eigenen Staat besitzen werden, nie Staatsbürgerschaft wieder entziehen müssen, und man wjrd ihnen als Ausländern die Betätigungserlaubnis nur in dem Maß geben, in dem der Judenstaat den nichtjüdischen Österreichern die Arbeitserlaubnis gibt.“ Das ist die Einstellung von Menschenfressern. Aber das Linzer Blatt bedenke, daß die Reziprozität zweiseitig ist. Es ist zwar durchaus nicht Sitte der Juden, sich an Wehrlosen und an Minderheiten zu vergreifen. Sie sind eben Juden und keine „Bodenständigen“. Ein christlicher Österreicher, der in Tel-Aviv (wo es keine Universität gibt) studieren und dann seinen Beruf in jüdischem Land ausüben will, oder ein christlicher Hausbesorger, werden in Ruhe leben und arbeiten können, wenn sie nur ihre Bürgerpflicht tun, und niemand wird gegen anständige Menschen die Reziprozität anwen¬ TREFFS der STROHWITWER Im Restaurant Barschaft, IL Gr. Schlffg. 3, Telephon A 46-4-39. Menu v. S 1.90 aufw. Linzerische Reziprozität Das katholische „Linzer Volksblatt“ widmet der neuen Wendung in Erez Israel den Leitaufsatz seiner Ausgabe vom 9. Juli. Das Blatt geht von der unter Ariern so gebräuchlichen Gasttheorie aus. Die Juden sind in den Staaten Gäste und Gäste haben erstens nicht das Recht, zu atmen und zu leben und zweitens die Pflicht, zu schweigen. Den Judenstaat versteht also das katholische Blatt dahin, daß die Juden aus der europäischen Gesellschaft auszuscheiden haben, zumal sie „auf wirtschaftlichem Gebiete Grundsätzen zum Durchbruch verholfen haben, die maßloses Elend über die Völker gebracht haben“. Die Grundsätze näher zu bezeichnen, fällt dem katholischen Blatt nicht ein. Aber wir wollen doch feststellen, daß das maßlose Elend aus dem Krieg kommt und daß unter den Männern, die 1914 die Entscheidung’ trafen, sich kein einziger Jude befunden hat. Weiter sei festgestellt, daß sich das Elend noch weiter ausdehueri muß, weil sich die nichtjüdische Welt zur heroischen Anschauung bekennt und glaubt, daß man das Vermögen der Menschen in Rüstungen und Kanonen stecken muß, die immer veralten und immer wieder neu erzeugt werden. „Die Juden“ für alles Böse verantwortlich zu machen, ist zwar alte Übung, bleibt aber trotzdem eine der vielen Erbdummheiten der arischen Welt. Das „Linzer Volksblatt“ bedauert es, daß sich der Jude, weil er keine Heimat hatte, einbürgerte und die gleichen Rechte verlangte, wie der eingeborene Staatsbürger. Der Jude ist nun in Europa so lange, wenn [nicht länger, wie die Eingeborenen, und er ' hat zu den Rechten, die er verlangte und die ihm vielfach vorenthalten wurden, auch alle Pflichten auf sich genommen. Für Deutschland sind 12.000 Juden gefallen, deren Namen Goebbels gelöscht hat, für die österreichisch-ungarische Monarchie 20.000. Der Jude ist für Polen, für Ungarn, für Rußland gestorben. Der Jude zahlt überall seine Steuern. Aber das „Linzer Volksblatt“ sieht in dem kommenden Judenstaat vor allem die Möglichkeit, den Juden in Europa alle Rechte zu nehmen und ihnen das Brod wegzureißen. „Vor allem — das katholische Organ — wird vom Mund — schreibt man sich mit der Frage befassen müssen, was mit den Juden geschieht, die nicht die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen. Das wird davon ablüingen, was der Judenstaat mit den — versteht sich christlichen — Österreichern tun wird, dio etwa in seinen Grenzen wohnen. Es ist anzunehmen, daß der Juclenstaat einem Österreicher, der etwa an der Universität in Tel-Aviv studieren oder in einem jüdischen Orte die ärztliche oder rechtsanwältliche Praxis ausüben, möchte oder auch nur einen Hausmeisterposten in einem jüdischen Hotel im neuen Judenstaat haben möchte, die Erfüllung eines solchen Wunsches nicht gewähren wird. Denn logischerweiso soll der Judenstaat den Juden eine Zuflucht bieten. Gemäß der Gegenseitigkeit wird man aber dann einen Juden, der zwar in Österreich wohnt, aber hier nicht die Staatsbürgerschaft besitzt, in gleicher Weise zu behandeln haben. den. Da aber das „Linzer Volksblatt“ von sich ans auf die Juden schließt und Sorgen äußert, so empfiehlt es jetzt in aller Eile die Einbürgerungen, die nach dem Umsturz in Wien erfolgt sind, zu revidieren, und den Juden ihr Recht zu nehmen. Weshalb? Begründen kann niemand solche Forderungen, denn sie sind nur aus der Entartung der Gehirne geboren, die man Antisemitismus nennt. ' Auf Seite 2 berichtet das Blatt über einen katholischen Kongreß in Posen und beklagt sich bitter über die Verfolgungen des Christentums im nationalsosialistischen Dritten Reicli. Die Juden aber will das katholische Blatt für Österreich unter Strafrecht stellen ... Wir Juden sind doch anders und dies wissen auch Christen. Wir wollen also dem „Linzer Volksblatt“ mitteilen, daß sich der Patriarch der Maroniten im Libanon eifrig dafür eingesetzt hat, daß das an sein Land angrenzende Galiläa uneingeschränkt dem jüdischen Staat zugewiesien wind, weil nur auf diese Weise die Christen zu Recht und Ruhe kämen. In Linz weiß man solche Dinge nicht. „Darr Jud“ vernebelt alle Gedanken. Man weiß auch nicht, daß die Juden in Palästina sehr geschätzte Kunden der österreichischen Industrie sind und daß ihr© Bestellungen sich hier in Beschäftigung umsetzen. Das „Linzer Volksblatt“ will die Reziprozität. Wie wenn die Juden Palästinas das Wort auf greifen? PEN» ECKSTEIN neu renoviert Pressefrieden Die deutsch-österreichischen Besprechungen zur Ausführung des bekannten Juli- Abkommens haben mit der Herstellung eines Pressefriedens geendigt, bei dem die Zeitungen gegenseitig unsachliche Kritik und Polemik unterlassen und aus unfreundlichen Blättern und Agenturen keine Nachrichten übernehmen »ollen. Übieir Weltanschauung, Lebens- und Staatsauffass ung soll nur sachlich diskutiert werden. So weit so gut. Man muß abwarten. Von Österreich ist bisher noch nie ein Abkommen verletzt worden. Österreich wird aber sehr genau kontrollieren müssen, ob nicht durch dieses Abkommen, wie die „Times“ ausführt, der Weg für eino Steigerung des deutschen Drucks geöffnet wird. In dieser Beziehung ist es sehr bedenklich, daß Hitlers „Mein Kampf“ zum Verkauf freigegeben worden ist. Dieses Buch wimmelt von Pausohalbeleidigungiein des Judentums, der französischen und russischen Nation und bezeichnet dio Wiener als Blutschänder. Diese Druckschrift, die im Dritten Reich durch staatlichen Vertrieb eine Riosenauflage erreicht hat, wird in Österreich kaum zum inneren Frieden baitragen,