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Die Stimme · 1937-07-16 · Heft 660 (16.7.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 660 (16.7.1937)
Date
1937-07-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b . b. 15 8 Nr. 660 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Freitag, 16. Juli 1937 S. Aw 3697 io. Jahrgang BILLIGE UND BEQUEME FERIENFAHRTEN MIT DER „CZERNOWITZER ALLO. ZEITUNG" NACH POLEN u. CZERNOWITZ Abfahrten: 18. u. 85. Juli AUSKÜNFTE und ANMELDUNGEN: ausschließlich im REISEBÜRO „MARIEN* BRÜCKE", WIEN, I., ROTENTURM- STRASSE 26 TELEPHON R 24-2-86/87 Einsames Volk, einsame Stadt „Ach, wie sitzt sie so einsam, die große Stadt!“ Der Klageruf des Juda Halevy ist der Grundton der Elegien, in denen das jüdische Volk der Ereignisse des 9. Ab gedenkt, des Zusammenbruchs einer heldenhaften Nation, die mit ihrer letzten Kraft sich dem heranstürmenden Unglück entgegenwarf und im Kampf für ihren Glauben und ihre Ehre bis zum letzten Mann sich opferte. In einem unvorstellbaren Opfergang, gleich den Männern von Karthago, gleich dem Todeszug der Goten am Vesuv, trat dieses kleine Volk von ruhigen Bauern und Fischern der größten Militärmacht der Antike entgegen, trug es heroisch sein Schicksal, nahm dann die Erinnerung an seine Freiheit und sein Land mit sich, als es in die Sklaverei abwandern mußte. Dieser letzte Blick zurück auf die brennende Stadt, auf die Gräber und das verwüstete, zerstörte Land — dieser letzte Blick ist in die Seele gedrungen; Die Nation sank in Trümmer, aber in allen ihren Teilen lebte sie weiter, in Not und Unglück immer ein stolzes, freies, selbstbewußtes Volk, das gebeugt, aber nicht gebrochen werden konnte, in einem ewigen Krieg geschlagen und doch nie besiegt. Aber es blieb so einsam, wie es immer in seiner Geschichte gewesen war, einsam blieb seine Hauptstadt und Juda Halevys Lied, das er sterbend schrieb, ist das Sehnsuchtslied eines Volkes, das sich gegen sein Schicksal stemmt. Dieses einsame Volk, das immer nur sich selbst vertrauen konnte und kann, das immer betrogen und getäuscht wurde, ist auf dem Weg. Dieses Volk, das sich selbst für müde und stumpf gehalten hat, ist zu einer großen Anstrengung vorgeschritten. Das Volk will sich aus seiner Einsamkeit lösen und die einsame Stadt in die Mitte eines lebendigen Organismus stellen. Es wird dem Volk die Anerkennung seiner Staatlichkeit angeboren, aber die Stadt fehlt. Sie soll weiter einsam bleiben. Und dieser neue Staat soll so beschaffen sein, daß das Volk, das ihn trägt und belebt, nicht atmen kanri,L daß es für die Zukunft mit brennenden Augen auf die blutenden Grenzen starren muß. Denn das ist das Schicksal. Wie furchtbar ist doch unsere Lage! Es war die Aufgabe Englands, uns in die Freiheit zu führen. Wir alle wissen, wie England seine Mission aufgefaßt und durchgeführt hat. Aber in diesem letzten Streit zwischen uns und England geht es nicht um eine schwere und tragische Auseinandersetzung zwischen zwei Partnern. Nein, unsere Lebensfrage ist eingespannt in ein weltpolitisches Kräftespiel Englands mit seinen Gegnern in Europa und in Asien. Wir hängen davon ab, wie eine große Nation, die keine Ursache zur Feindschaft gegen uns hat, den ihr erteilten Auftrag mit ihren machtpolitischen Interessen in Harmonie bringt, wie sie den Bereich von Spannungen verringert. Fremdo Aspirationen sollet über uns entscheiden, und zwar so, daß sie sogar in jmsi zukünftiges Leben bestimmend eingreifen. Wir sind wieder, wie stets in unserer Geschichte, vor die These vom kleineren Übel gestellt und können ihr nicht entrinnen. Trotz allem aber: Der Judenstaat ist im Entstehen. Es ist uns ein neues großes Ziel gesetzt. Wir haben wieder zu sorgen und zu kämpfen. Wie immer das Schicksal läuft: Unser Volk ist durch das Exil hindurchgeschritten und steht jetzt auf seinem Boden. Es sammelt die Verstreuten von allen vier Enden der Welt. Es ist nicht mehr einsam und auch die große Stadt werden wir aus ihrer Einsamkeit herausholen. Wir sind in der großen Wendung. Gegen den Antisemitismus In Mittel- und Osteuropa: Versammlung von Unterhaus-Mitgliedern London, 11. Juli. Eine wichtige Sitzung von Mitgliedern des englischen Parlamentes fand, auf Initiative der britischen Sektion desJüdischenWeltkongrOss e s im englischen Unterhaus statt, um zu dem Anwachsen des Antisemitismus in Ost- und Mitteleuropa Stellung zu nehmen. In englischen politischen Kreisen hat diese Bewegung in den letzten Wochen ernste Besorgnisse erregt, und von zahlreichen Parlamentsmitgliedern war der dringende Wunsch ausgesprochen worden, eine autoritative Information über die Lage zu erhalten. Um diesem Bedürfnis zu entsprechen, haben führende Parlamentsmitglieder aller Parteien zu einem Vortrag eingeladen, den Rev. M. L. Perlzweig, Mitglied der Exekutive des Jüdischen Weltkongresses und Führer der Kongreßbewegung in Großbritannien, hielt. Die Einladung war unterzeichnet von dem früheren Kabinettsminister Josiah C. W e d gwood, der den Vorsitz in der Versammlung führte; dem Führer der Liberalen im Unterhaus, Sir Archibald S i n c 1 ai r; einem der bekanntesten Führer der Labour Party, Tom Williams; ferner von den konservativen Abgeordneten: Herzogin von Atho 11, Capt. V. A. Cazalet und Capt. J. R. J. M a c n a m a r a, sowie von dem bekannten Juristen Kronanwalt D. N. P r i 11, Mitglied der Laboair-Party. Angesichts der ernsten Situation, die die von Rev. Perlzweig angeführten Tatsachen erkennen ließen, wurde von den Anwesenden beschlossen, eine zweite Versammlung einzuberufen, die im Laufe der kommenden Woche, ebenfalls im House of Commons, stattfinden wird, um über die zu unternehmenden Aktionen Beschluß zu fassen. Die Hinrichtung Helmut Hirschs Washington, 13. Juli. (JTA.). Das Mitglied des amerikanischen Repräsentantenhauses Samuel D i c k s t e i n brachte im Kongreß eine Interpellation betreffend die Hinrichtung des jungen Juden Helmut Hirsch in Berlin ein. -In der Interpellation wird ausgeführt, die öffentliche Meinung Amerikas sei über die Hinrichtung eines amerikanischen Staatsbürgers, der nicht in einem öffentlichen Verfahren verurteilt worden sei, außerordentlich aufgebracht. Dickstein wies dann auf die Umtriebe der Nationalsozialisten im Bereich von Chikago hin. Die Deutschen seien dort in regulären SA.-Formationen zu- 8ammengefaßt und hielten in der Umgebung der Stadt in voller Uniform Nachtübungen ab. Dickstein verlangte ein Sondergesetz gegen derartige Vorgänge auf dem Boden der Vereinigten Staaten. Petitionen an die amerikanische Regierung Washington, 13. Juli. (JTA.). 130 Geistliche aller Glaub ensr ichtung en in Cleveland, der Hauptstadt des Staates Ohio, haben eine Petition an die Regierung der Vereinigten Staaten unterschrieben, in der diese aufgefordert wird, der Verfolgung der Juden in manchen Ländern Europas entgegenzuwirken und zur Milderung der jüdischen Not in diesen Ländern beizutragen. Namentlich wird in der Petition auf die schreckliche Lage der Juden in P o 1 e n hingewiesen, einem Staate, an dessen Wiederaufrichtung die amerikanische Regierung mitgeholfen hat| m habe au&b ihre Unterschrift unter den Vertrag, der diesen Staat schuf, gesetzt. Das frühere Mitglied des Obersten Gerichtshofes der USA. und jetziger Präsident des amerikanischen Amateur-Athletik-Verbandes, Jeremiah T. Mahoney, hat der Regierung die Anregung unterbreitet, daß die Vereinigten Staaten keinerlei Handelsverträge mit Ländern abschließen, in denen die nationalen und religiösen Minderheiten Verfolgungen ausgesetzt sind, und deren Regierungen den Schutz der Minderheiten ablehnen. Mahoney weist darauf hin, daß gerade jetzt Delegationen mehrerer fremder Mächte zwecks Abschlusses von Handelsverträgen mit der amerikanischen Regierung in Washington eingetroffen sind, und erklärt, die amerißefto-^ii^tfaqer-fesfsph^ Schweden äiom rEL:M9 0 60 BKINNÜft? MUNI u»« RAINER TILLY LOSCH 4UT5 ERWE MACH OEM BERÜHMTEN. ROMAN von PEARL S.BpCIC 1 REGIE PSIDN EY FRAN KL IN kanische Regierung habe nun die Möglichkeit, auf die betreffenden Staaten, in denen gewisse Bevölkerungsteile unterdrückt werden, einen Druck im Sinne der Besserung der Lage der Minderheiten auszuüben. Ferienreisen nach Polen BilligVbequem/D-Zuff/Platzkarten/Abreisen Jeden Sonntag Leitung: Dr. TOCKER Auskünfte und Anmeldungen: „IN DIE WELT“ W. M. RENNER, Wien, IX., Liechtensteinstraße Nr. 2, Telephon A 14-5-04. (Nächst Schottenring) Dienstag Unterhaus London, 12. Juli. Die Debatte über den Bericht der Palästinakommission wird nach den derzeitigen Dispositionen am Dienstag, den 20. d., stattfinden. Da es eich vorläufig noch um keine Gesetzesvorlage handelt, werde eine Abstimmung unterbleiben. Ministerpräsident Ohamiberlain wird voraussichtlich an der Debatte selbst, teilnehmen. Der Teilungsplan in der Weltpolitik Erklärungen Grandis London, 12. Juli. (JTA.) Der Londoner italienische Botschafter, G r a n d i, hat jüdischen Vertretern im Namen des Ministerpräsidenten Mussolini erklärt, daß alles geschehen werde, um eine Kritik an den Vorschlägen der Königlichen Kommission über die Schaffung eines jüdischen Staates in Palästina zu verhindern. Die Bemühungen Englands Von der englischen Regierung werden energische Schritte unternommen, um die internationale Anerkennung des Planes der Teilung Palästinas durohzusetzen und die Schwierigkeiten zu beseitigen, die sich seiner Verwirklichung entgegenstellen. Die Aufmerksamkeit der Regierungsstellen konzentriert sich hiebei insbesondere auf Washington und Genf. Der britische Botschafter in Washington hat die Instruktion erhalten, die größten Anstrengungen zu machen, um die Zustimmung der Vereinigten Staaten zu den Vorschlägen der Königlichen Kommission zu erlangen. Man rechnet mit einem starken Widerstand Amerikas. Daß die britische Regierung sich des schweren Standes bewußt ist, den sie in Genf haben wird, ist, wie schon berichtet, daraus zu ersehen, daß Kolonieaminister Ormsby-Gore in Begleitung des Sekretärs der Königlichen Kommission, Martin, sich zu der außerordentlichen Tagung der Mandatskommission begeben wird. In den Kreisen der Mandatskommission besteht wenig Neigung, dem britischen Plan zuzußtimmen, da man in ihm einen schweren Schlag gegen die Einrichtung der Mandate im allgemeinen erblickt. Diskussionen zwischen Washington und London Washington, 12. Juli. (JTA.) Staatssekretär Cordeil Hüll teilte soeben mit, daß im Verlauf des letzten Weekend zwischen der amerikanischen und der englischen Regierung ein z w a n g s 1 o s e r Meinungsaustausch in der Frage der Teilung Palästinas im Zusammenhang mit dem Bericht der Königlichen Kommission stattgefunden habe. Das Staatsdepartement (amerikanisches Außenministerium) teilte Hüll mit, jejendg noch vor Entscheidung des Völkerbumdrates eine Erklärung über seine Stellungnahme veröffentlichen. Der Botschafter bei Eden London, 12. Juli. Der amerikanische Botschafter B i n g h a m hat im Außenamt vorgesprochen und im Auftrag seiner Regierung eine längere Unterredung mit Außenminister Anthony Eden üiber das Palästina-Problem und im Besonderen über die Teilungsvorschläge der Königlichen Kommission ähgehalten. Unterredung Weizmann- Raczynski Warschau, 12. Juli. Der polnische Botschafter in London, Raczynski, empfing heute den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Dr. Weizmann, mit dem er eine längere Unterredung über den britischen Plan betreffend die Zukunft Palästinas hatte. Das Dritte Reich wUl sich einschalten Der Außenpolitiker der NSDAP, und intime Freund Hitlers, Alfred Rosenberg, veröffentlicht im „Völkischen Beobachter“ einen umfangreichen Aufsatz über den Plan der Teilung Palästinas und führt aus, der Teilunigsplan bedeute einen schweren Schlag gegen die Araber, und wenn England diesen Plan durchführen wolle, so bedeute dies, daß England die panara (bische Bewegung nicht mehr fürchte, im Gegenteil hoffe, mit Hilfe des Weltjudentums eine antiaraibische Politik führen zu können. Die Zionisten planen, zunächst zwei Drittel Palästinas in ihren Judenstaat einzübezdehen, um dann den Rest des Landes mit Gewalt zu okkupieren. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation hat in diesem Zusammenhang die Führer der amerikanischen Juden nach London berufen. Die durch den Teilungsplan geschaffene Lage sei vo 11 er Gefahr e n. Obwohl Deutschland an denn jetzigen Konflikt zwischen Juden und Arabern nicht direkt interessiert sei, könne sich doch in der Zukunft eine Lage ergeben, in der, wie jetzt im Falle Spanien, Deutschlands Handelsinteressen berührt werden; Deutschland sei heute an einem Handelsverkehr mit allen jenen Mittelmeeret&aten interessiert, die au, der Palästina-.

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