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Die Stimme · 1937-07-09 · Heft 658 (9.7.1937) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 658 (9.7.1937)
Date
1937-07-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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StTt« 4 Olf 8TIMMI Wien, Freitag, 9- Juli 1937. — Nr. 668. Vorbereitung fürs Gymnasium Billigst bei Dr. H. Sp. II., Springergassa Nr. 27. Tür 3 Neue Bücher Es ist das Verdienst Max Brods, der Nachwelt, dem Judentum das Lebenswerk seines frühverstorbenen Freundes Franz Kafka gerettet zu haben. Brod hat wohl als erster die visionäre Kraft, die Sprachmagie, den schöpferischen Formwillen seines Altersgenossen erkannt und schon 1907 in der „Gegenwart“ die Kunst des erst Vierundzwanzigjäbrigen gelobt und ihn gemeinsam mit den schon berühmten Autoren Blei, Mann, Wedekind und Meyrink genannt. In seiner großen Bescheidenheit wehrt sich Kafka gegen das überschwengliche Lob, Brod hätte, so meint er humoristisch, hinter „Kafka“ in Klammern schreiben sollen: „Diesen Namen wird man vergessen müssen.“ Dieser Brief ist abgedruckt in dem vor kurzem erschienen sechsten Band*) der gesammelten Schriften Kafkaß, der bemerkenswerte Auszüge aus seinen Tagebüchern und Notizheften sowie eine Reihe von Briefen enthält, die an den im Weltkrieg gefallenen Kunsthistoriker Oskar Po llak, an den Dichter Oskar Baum, an den Zionistenführer! Felix W e 11 s c h, an den Arzt Robert K1 o p-1 stock und an Max und Elsa Brod gerichtet sind. Einer, der eich schon als Dichter in einer tragischen Ursprünglichkeit und Unmittelbarkeit offenbart, steigert diese seltenen Eigen- *) Franz Kafka: Taschenbücher und Briefe, Verlag Heinr. Mercy Sohn, Prag 1937. schäften womöglich noch im Monolog und Dialog, der Hülle des Symbols nunmehr sich entledigend — so daß man imstande ist, an Hand dieser Aufzeichnungen Franz Kafkas Weg zu Gott zu verfolgen, der durch ein bitteT seltsames Erdensein zur spirituellen Vollendung führte. Kafka wurde eich seines Judentums vollauf bewußt, als er 1910 in Prag mit einer Wandertruppe ostjüdischer Schauspieler in Berührung kam. Eine für ihn bedeutsame i Begegnung, die er, der moderne Westjude, in | seinen Tagebüchern ausführlich würdigt. Er | hegt den „Wunsch, die jiddische Literatur zu | kennen, der offenbar eine ununterbrochene nationale Kampfstellung zugewiesen ist, die jedes Werk bestimmt. Eine Stellung also, die keine Literatur, auch die des unterdrücktesten Volkes, in dieser durchgängigen Weise hat.“ Er verlangt in der Folge auch die V e r g a ng e n b e i t seines Volkes besser kennenzulernen: „Heute Geschichte des Judentums von Grätz gierig und glücklich zu lesen angefangen. Weil mein Verlangen danach das Lesen weit überholt hatte, war es mir zuerst fremder als ich dachte, und ich mußte hie und da eönhalten, um durch Ruhe mein Judentum sich sammeln zu lassen.“ Kafka, wohl einer der tiefsten, der erfülltesten Dichter des Prager Judentums, erlebt mehr und mehr im Zionismus Bindung und Gemeinschaft, wie er sie im Kreis der ostjtidischen Komödianten erahnt hatte! Das zweit« wertvolle Buch, gleichfalls auf dem Boden des jüdischen Prag gewachsen, ist die Auswahl**), die der feinsinnige, nun in **) „Die goldene Gasse“, jüdische Sagen und Legenden, R.-Löwit-Verlag, Wien 1937. Prag lebende junge Dichter Heinz Politzer aus dem „S i p p u r i m“ getroffen hat, vielmehr die Nachdichtung der von den rührigen Prager Buchhändlern Paschelels und Brandeis um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts ohne Kunstverständnis herausgegebenen Märchen und Mythen, deren poetischer Gehalt vom Wust der Phrasen und des beziehungslosen Beiwerks erdrückt worden war. Politzer hat die Mühe nicht gescheut, sich durch das Gestrüpp des längst verwilderten Gartens den Weg zu den in Verborgenheit blühenden Morgenlandsblumen zu bahnen. In einer der mehr als dreißig Legenden wird von Hanina berichtet, die in die Moldau hinabtaucht, zur Fürstin der Flüsse geworden, und der Hebamme, die sie aus Prag zti sich berufen, den Rat gegeben, aus dem Palast Kohlenstücke mitzunehmen. So wie diese Kohlen Bic-h durch Gottes Wunder in der Sonne zu purem Golde verwandelt und der Judengasse den Namen gegeben hatten, so sind auch hier aus einem reizenden zusammengestoppelten Sammelsurium wahre Kleinodien der jüdischen Erzählerkunst geworden. Durch eine wahrhaft goldene Gasse werden wir geführt, das Schicksal unseres Volkes sich gleichnishaft in den lieblichen, bisweilen auch leicht humoristischen Legenden, die entweder an die Prager Lokalhistorie anknüpfen oder sich bunt um biblisch und allgemeinhistorische Persönlichkeiten ranken, wie etwa um den ägyptischen Josef, König Salomo, Alexander dem Großen, Raschi, Maimonides, Salomo ben Gabriel, Rabbi Salomo Luria, Baalschem und Napoleon. So manche uns bisher unbekannt gewesene Le-1 genden begegnen uns hier mit wunderlich- / (ieblrgsferlenhelm der „Brüderlichkeit" „Zum Waldbauer" für Kinder u. Jugendliche Annaberg, N.-0. 1100 Meter, herrlichste Gegend, vorzügliche Verpflegung, 5 Mahlzeiten Streng rituell S Vla Referenzen Auskünfte: Wien, II., Malzgasse 14/3 wundersamem Einfall, aber auch die bereit* bekannten, wie etwa die Geschichte von Rabbi Löw und dem Golem, gewinnen in der prächtigen Nachdichtung soviel an Anmut, daß man sie sich gerne in ihrem neuen Kleid vorsetzen läßt. Hübsch sind auch die einprägsamen Illustrationen Friedrich F e i g 1 s, die ein wenig an Kubin gemahnen. Ein Buch für Kinder? Jawohl, für alle, die für ein paar Stunden aus der schlimmen Gegenwart hinausfliegen wollen ins ewige Kinderland der Phantasie! Dr. A. W. Hebräische Schule VIII/IX. Das neue Schuljahr beginnt am 1. Oktober. Einschreibungen können schon jetzt im Heim, IX., Hörigasse 2, Telephon R 52-0-12, erfolgen. Seinem Mitglieder Dr. Jakob ROSENFELD Fadiarzt für Urologie, L, Riemerg. 14, ehern. Assistent an der urolog. Abteilung am Spital d. Isr. Kultusgemeinde Wien, gratuliert herzlidist anläßlidi seiner Etablierung ßRßZ ISRAEL DIE KINDER-STIMME REDIGIERT VON LILIAN GRÜNWALD Stammbuchverse Zu unserem Artikel „Schulende“ in der vorletzten Kinder-Stimme, in welchem wir Stammbuchverse einst und jetzt anführten, erhielten wir zahlreiche Zuschriften. Aus technischen Gründen, zn späte Einsendungen, Absenz unseres hebräischen Setzers uew. kommt eine Auslese dieser uns zugesandten Verse erst heute zur Veröffentlichung. Auch wenn ihr sie nicht mehr in die diversen Stammbücher schreiben könnt, enthalten sie so viel Schönes, daß ihr sie auf jeden Fall gerne aufnehmen und euch merken werdet. Lobe nicht den kommenden Tag, c1'3 SSlfiFi nna TT denn du weißt nicht, was das nö itS '3 Heute bringt. .01' iS' ich mich gründlich jeden Tag, denn im Schlaf wächst man, und ich bin noch klein und will sehr wuchsen. Da leg* ich mich halt jeden Tag schon um sieben Uhr mit den Hühnern nieder. Denn den herrlichen Morgen will ich nicht versäumen. Ja, ich will die Sonne aufgehen sehen, auch wenn ich in der Stadt bleiben muß. Dann will ich den ganzen Tag mich austoben, herumrennen, auch turnen und schwimmen will ich. Und dann, wenn mir alles das schon fad geworden ist, werde ich in meinem schlechtesten Schulgegenstand jeden Tag ein bisserl arbeiten. Aber vorläufig, so vier Wochen, noch lange nicht.“ Den Vorsatz dieses Kindes finde ich sehr gescheit. Leider kann ich seinen Namen nicht nennen, sonst wird es am Ende noch eingebildet. Nun möchte ich aber gerne wissen, wer auch so vernünftig oder gar noch besser seine Ferienzeit sich einteilt. Schreibt mir also, wie ihr eure Ferien verbringt. Jedenfalls erholt euch recht gut! Dazu müßt ihr aber vor allem an euren Körper denken, der ohnedies das ganze Jahr euer Aschenbrödel ist, nicht wahr? Wer kann gute Vorschläge machen, wie ein Rind seine Ferien auf dem Lande, aber auch in der Stadt, schön verbringen kann? eure Dodah Lilli. Hans Christian Andersen und die Juden (Aus einem demnächst erscheinenden Buch: „Juden im Spiegel nordischer Dichtung“ von Lilian Grünwald.) Glüekspeter (7. Fortsetzung.) In der Hauptstadt erwarteten Peter Mutter und Großmutter auf dem Bahnhof. Aber auch Madam Hof war erschienen. Denn weder in Not, noch im Wohlstand vergaß sie ihre Freunde. Sie mußte ihn auch küssen, wie es Mutter und Großmutter getan hatten. Mutter und Großmutter hatten beinahe Betrachte nicht die Flasche, Jjwpjs sondern (dos, was drin Ist) .13 ,113 K1?# ihren Inhalt. ■ '** " T Liebe deinen Nächsten wie dich syi AK P3HK1 i..„ ... T,-TS selbst. »tJ1ö3 Fliehe des Heuchlers glattes Wort, Eh* er dein Herz bestrickt, Schleicht seiner Zunge Gift dir ein, Hat er dich bald berückt! Laß über dir den Bimmel Mit Schrecken sich umtürmen; Naht dir bei ihren Stürmen Dein Freund dich zu beschirmen, Dein Himmel bleibt dann hell. Und die Treue, sie ißt kein leerer Wahn, Erzeugt im Gehirne des Toren! Im Herzen der Menschen kündet sich's an: Zu was Besserem sind wir geboren! Und was die innere Stimme spricht, Das täuschet die hoffende Seele nicht. Was fange Ich In den Ferien an? ... Eigentlich weiß das jedes Kind: in den Ferien will ich gründlich faulenzen! Aber wie faulenzt man denn rocht gut und auch vernünftig? Das ist schon wieder eine andere Frage. Da kenne ich Kinder, die wollen jeden Tag bis 12 — schlafen! Andere stehen gar zeitlich auf und — lesen den ganzen Tag, und will man es ihnen wehren, so brummen sie: „Wozu hab' ich denn meine Ferien!“ Du h;it mir eines von meinen gescheiten ..Kin Ic -Si inniu -Kindern erzählt, wie es sich die Ferien einrichtet: „Ausschlafen will Kinder, Kinder, denkt daran, Was aus euch noch werden kann: Kranker Körper — schwache Glieder: Kranker Geist — ein Volk geht nieder. Zum gesunden Körper gehören auch gesunde Zähne. Durch Fäulnis an den Zähnen bekommt ihr schreckliche Schmerzen, die euch arbeitsunfähig machen, bekommt Eiterungen an den Wurzeln der Zähne, die gefährliche Krankheiten, Eiterungen in den Nebenhöhlen verursachen können. Schließlich verliert ihr dadurch Zähne, so daß die noch gesunden Zähne wackelig werden und ihr schlechter beißen könnt, wodurch auch eure Verdauung leiden kann. mm ms Da seht ihr, was den Zähnen bei Dieses Bild ist eines der vielen interessanten und dabei belehrenden Bilder aus dem Buche „Wie... wann... wo“, Geschichte der kleinen Dinge (mit 78 Bildern und Kartenskizzen, Steyrermühl-Verlag, Wien) von Karl Hartl. Unterhaltend ist es, dieses Buch zu lesen! Und auf einmal weiß man eine ganze Menge interessanter und wichtiger Dinge, zum Beispiel über die „geflügelte Stimme“, „Wie es Licht wird“, „Die Kälte flieht“, vorn „Menschenfutter“ u. v. a. ungenügender Pflege geschieht. Gerade di® Sachen, die man vom Schulbuch her gern vergißt, weil sie so fad und trocken geschildert sind, wenden in diesem Buche direkt spanend erzählt, und man kriegt noch Lesehunger nach mehr solchen Büchern des Wissens, die sich dabei so amüsant lesen lassen, daß man beinahe die Indianer-Büobeln vergessen könnte. Wer von euch Kindern das „W i e wann... wo...“ schon kennen sollte, wil/ ^as sicher bestätigen. gar keine Gelegenheit, mit Peter zu sprechen, aber sie schauten ihn an und ihre Augen erstrahlten vor Glückseligkeit; dann mußte er in eine Droschke steigen, um nach seinem neuen Heim heim Gesang,smeister zu fahren. _ „Er ist doch ein prächtiger Mensch!“ sagte die Großmutter. „Er hat noch sein braves Gesicht von früher...“, sagte die Mutter, „und das wird er auch behalten, selbst a/uf der Theaterlaufbahn...“ Die Droschke hielt vor der Haustür des Gesangsmeisters; der Herr war nicht zu Hause; sein alter Diener machte die Tür auf und führte Peter auf sein Zimmer, wo rund umher an den Wänden Porträts von Komponisten hingen und auf dem Kachelofen eine leuchtende Gipsbüste stand. Der Alte, ein wenig schwer von Begriffen, aber die Treue und Anhänglichkeit selbst, wies Peter die Schubladen an, die er benützen sollte — auch die Riegel, ubh sein Zeug aufzuhängen, und sagte ihm gerade zu, ihm auch die Stiefel zu putzen, als der Gesamgsmeister nach Hause kam und Peter herzlich die Hand zum Willkommen drückte, „Das ist deine ganze Wohnung!“ sagte er. „Nimm vorlieb! Mein Klavier im Wohnzimmer kannst zu benutzen. Morgen werden wir hören, wie es mit deiner Stimme steht. Das ist unser Kastellan, unser Haushofmeister!“ und dabei nickte er dem alten Manne zu. (Fortsetzung folgt.) Rätselecke Auflösungen: Biblisches Rätsel: Gideon. Zweisilbige Scharade: Hauptmann. Scherzrätsel: Wie Meß die Frau des Herkules? Wo hört die Welt auf? Wer hat viele Häute und beißt alle Leute? Nach welchen Bergen sehnen sich die Wanderer. Scharadel: Eins kündet Kraft, Ergebung, Schnelle Das Gegenteil das andre an. Mein Ganzes ist auf beide Fälle Zum Spielen ganz dir untertan. Scharadeü: Die ersten Beiden sind als Zahl bekannt, Das zweite Paar, es ist für andere genannt, Das Ganze ist ein wohlbekanntes Land. * Briefkasten Herbert Achtentuch: Deine Einsendung hat mich in Erstaunen versetzt. Ich werde dhr noch persönlich antworten. — Elisabeth Sec* mann: Ich freue mich, daß du das Orakelsplel und die anderen Spiele so gerne spielst Schreibe mir einmal über dein Spin), da* du mit dem Mück spielst und was du iu den Fan rien alles Schöne und Vernünftige tust. Dodah LiilL

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