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Die Stimme · 1937-06-25 · Heft 654 (25.6.1937) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 654 (25.6.1937)
Date
1937-06-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seit® 6 Oll fTIMMI Nr. 654. — Wien, Freitag, 35. Jnnl 1937« DIE KINDER-STIMME REDIGIERT VON LILIAN GRÜNWALD Die Palästina-Photo-Schau Am 21. d., mittags, wurde die unter der Patronanz der Jewish Agency for Pa.lestine stehende Ausstellung „Kunstphotos aus dem neuen Palästina“, welche künstlerisch hervorragende“ Aufnahmen des Lebens und der Landschaft des jüdischen Aufbaulandes von der künstlerischen Hand der bekannten palästinensischen Photographen J. G a 1-E z e r (Jerusalem) und Z. Kluger (Tel-Aviv) zeigt, in der Galerie Wiirthle, feierlich eröffnet. Zahlreiche Vertreter jüdischer und zionistischer Organisationen, der Wiener und ausländischen Presse, sowie eine Großzahl von Gästen hatten sich eingefunden. Staatsrat Dr. Desider Friedmann, Präsident der Wiener Kultusgemeinde, eröffnete die Ausstellung mit einer gehaltvollen Ansprache, in der er hervorhob, daß die Bilder der beiden Photokünstler nur einen kleinen Teil des pulsierenden Lebens wiedergeben, das durch die schöpferische Kraft der Juden im eigenen Lande entwickelt wurde. Was in Palästina von den Juden geschaffen wird, ist der echte, schöpferische Ausdruck gemeinschaftlichen nationalen Willens. So wächst in Palästina der Typus des neuen Juden heran, der seiner selbst 'bewußt ist, doch nie zum Chauvinisten wird, der mensobheitlich denkt und fühlt. Aus Gemeinschaftswillen und Gemeinschaftsfcun wind in Palästina die große Vision Theodor Herzls zur lebendigen Wirklichkeit. Univ.-Prof. Dr. Elias begrüßte im Namen der Jewish Agency die erschienenen Gäste, darunter Bundeskulturrat Hofrat Dr. Frankfurter, Univ.-Prof. Dr. H a j e k, die Vertreter, des Zionistischen Landesverbandes, der WIZO, der österr. palästinensischen Handelskammer, des Keren Rajemefch und des Keren Hajessod. Er wies darauf hin, daß das meiste von dem, was in Palästina geschaffen wurde, durch die Mittel entstanden ist, welche die beiden Fonds unter der Judenheit aufbringen. Was das Judentum in Palästina baut, ist entscheidend für das Weiterleben des jüdischen Volkes. Das Antlitz des Landes und seiner jüdischen Menschen zeigt den unerschütterlichen Lebenswillen und die Lebenszuversicht, die allen Anstürmen standhält. Dadurch werden Land und Menschen für jeden, der sie sieht, zsum großen Erlebnis. Nach den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Eröffnungsreden besichtigten die Gäste die Ausstellung, deren reichhaltige und künstlerisch wertvolle Objekte größtem Interesse begegneten. Bereits am ersten Tage war die Ausstellung, die bis zum 28. Juni geöffnet bleibt, stark besucht. Zwei Bilderzyklen sind nebeneinander angebracht: Wir schauen die unerhört mühevolle Pionierarbeit im Gebiet der Hule h-S ü m p f e — und den Sieg D a g a n i a, die blühend-prächtige Kolonie! Immer wieder muß man über die Vielfalt der palästinensischen Landschaft staunen: düster-romantische Felsen am Toten Meer, üppige mitteleuropäische Wiesen, tropische Gärten, schauriger Karst, die liebliche Bucht von Haifa, die orientalische Hügelstadt Safed. Das Schönste aber sind die jüdischen Menschen Palästinas. Auch hier tausend Verschiedenheiten: da die tscherkessisch-schönen Juden aus Buchara in ihrer reichen Tracht, dort die jemenitischen Wüstensöhne — und schließlich die deutschen Einwanderer, Akademiker, Studenten, die nun hinter dem Pflug einhergehen oder die Maschine bedienen. Man kann den Reichtum des hier Gebotenen, die künstlerische und pädagogische Magie, die von diesen Bildern ausgeht, kaum in Worte fassen. Jeder Jude müßte diese Ausstellung besuchen, um Trost, Beglückung, Heiterkeit heimzutragen. Talmud-Thora-Verein für den IV./V. Bezirk, V«, Wiedner Hauptstraße 83. Die öffentliche Schlußprüfung in unserer Talmud-Thora- Schule findet am Sonntag, den 27. Juni 1937, um halb 10 Uhr vormittags im Heim des Bundes Jüdischer Frontsoldaten, V., Hauslabgasse 2 (Eingang durch den Garten), statt. Ein originelles Gartenfest findet am 3. Juli d. J. unter der Devise „ZeugnisVerteilung bei J. K. J.“ im Kasino Zögernitz, XIX., Döblinger Hauptstraße 76, statt. Die Mitwirkung der berühmten Jazzkapelle „Elite Kiddies“, die künstlerischen Darbietungen, Kurzrewue, Prater, Juxbasar usw, usw., sind die Gewähr für eiin gutes Gelingen, dieses, vom Jüdischen Klub der Jungen veranstalteten Sommerfestes. Karten ä S 2.—: Grommer, I., Graben 28, Jüd. Kulturstelle, I., Kai 3, Zionistischer Landesverband. I., Marc-Aurejr^traße 5 (Tel, U 22-2-11,} Schulende Nun stehen die Ferien vor der Tür: in acht Tagen ißt die Schule aus. Zu meiner Schulzeit hat es einen hübschen Brauch gegegeben: wir haben uns von Lehrern und Mitschülern ins Stammbuch schreiben lassen; wir haben unsere Stammbücher ausgetauscht und une gegenseitig Wünsche — manchmal waren es Abechiedsgrüße fürs Leben — eingeschrieben. Auch unseren Lehrern wurden die Stammbücher zum Einschreiben überreicht. Mancher Lehrer hatte einen Spruch oder ein Motto, daß er jeder der vierzig Schülerinnen seiner Klasse gleicherweise ins Stammbuch schrieb. Andere wieder schrieben gerade daß, was sie jeder von uns zu sagen hatten, und das ist auch das Richtige und Wertvolle an Stammbuchwidmumgen. Meine verehrte Klassenlehrerin schrieb mir ein drei Strophen langes Gedicht — das kann ich noch heute auswendig, so oft habe ich es zur Beherzigung mir durchgelesen. Die am häufigsten verwendeten Verse aber in den damaligen Stammbüchern waren solche: „Lebe glücklich, Lebe froh, Wie der Mops Im Paletot.“ oder: „Rosen., Tulpen, Heiken, Alle Blumen welken, Auch Stahl und Eisen bricht, Aber unsere Fremdschaft nickt.. Auch heute werden noch Stammbücher auegetauscht. Und es ist nicht immer leicht, das Richtige in einer gefälligen Form auszudrücken. Da will ich euch ein wenig helfen und führe euch einige Verse an, die mir besonders gut gefallen haben. Es gibt natürlich auch lustige und witzige, ja, auch boshafte Stammbuchwidmungen in Menge, die sind aber meist zu sehr an eine bestimmte Person, oder ein bestimmtes Verhältnis gebunden, als daß ich sie anführen könnte. * Wenn Ihr aber hübsche Stammbuchverse wißt oder selber welche macht, so schickt ßie ein. Hehle nimmer mit der Wahrheit! Bringt sie Leid, nicht bringt sie Reue! Doch, weil Wahrheit eine Perle, Wirf sie auch nicht vor die Säue... * Wer mH dem Leben spielt, Kommt nie zurecht; Wer sich nicht selbst befiehlt, Bleibt immer Knecht. * Vom Unglück erst Zieh ab die Sohuld; Was übrig bleibt, Trag in Geduld! * Im Atemholen sind zweierlei Gnaden: Die Luft einziehn, sich ihrer entladen; Jenes bedrängt, dieses erfrischt: So wunderbar ist das Leben gemischt. Du danke Gott, wenn er dich preßt, Und drnik ihm, wenn er dich wieder entläßt! Wenn d>er Pöbel edler Sorten, Tanzet um die gold’nen Kälber, Halte fest: du hast vom Leben Doch am Ende nur dich selber . . . [Hans Christian Andersen und die Juden (Aus einem demnächst erscheinenden Buch: „Juden im Spiegel nordischer Dichtung“ von Lilian Grünwald.) Glückspeter (5. Fortsetzung.) „Die armen Rindier!“ eagte ßie dann, „an ihre Zukunft denkt eine Mutter doch immer. Die Buben werden sich schon in acht nehmen. Cäsar fällt, aber er ßteht wieder auf. Die beiden Ältesten plantschen im Wasserktfibel; die sollten zur Marine und würden wohl reich heiraten; aber meine kleinen Töchter? Welcher Art wird ihre Zukunft sein?“ Und eie weinte. Darauf wußte Peter nichts zu antworten und deshalb zog er sich in sein kleines Stübchen zurück, setzte sich an das alte Klavier und spielte und phantasierte, wie ihm umß Herz war. Früh am Morgen ging er gedankenklar an seine Arbeit und tat seine Pflicht. Er war ein gewissenhafter, rechtlich denkender Bursche; in seinem Tagebuch ßtand angeführt, was er an jedem Tage gelesen und gelernt hatte, wie spät in der Nacht er sich ans Klavier gesetzt und gespielt hatte, immer gedämpft, um niemand zu wecken, und nur Sonntags Brief an Mutter und Großmutter geschrieben ..., an Julia gedacht, denn Julia, die Apothekerstoohter,! deren Romeo er auf der kleinen Theaterbühne gewesen war — liebte er von ganzem Herzen. „Außerordentlich fleißig!“ eagte Herr Gabriel. „Nehmen Sie sich ein Beispiel an ihm, junger Madsen, S i e gehen rückwärts!“ „Schurke“, sagte Madsen — innerlich. Bald war ein Jahr um, seit Peter in Gabriel« Haus gekommen war. Kenntnisse waren erworben, aiber die Singstimme nicht wiiedeigekehrt; oib sie wohl jemals wiederkommen würde? „Stundenlehrer in einer Schule können Sie immer werden“, meinte Herr Gabriel. „Daß ist immerhin ein Lebeibrot; aber heiraten können Sie nicht darauf.“ Nun darauf dachte Peter auch noch gar nicht, wie groß auch der Platz sein mochte, den die Apothekenstoohter in seinem Herzen hatte. „Werden Sie der größte Schauspieler der Welt!“ sagte Madam Gabriel. „Das ißt doch etwas anderes, als Stundenlehrer sein!“ Schauspieler! Ja, das war daß Ziel! Und er schrieb einen Brief an den Gesangmeister, sprach seine Lust dazu und seine Hoffnung aus. Er sehnte sich so innig nach der großen Heimatstadt, wo Mutter und Großmutter lebten; zwei lange Jahre hatte er sie nicht gesehen. Die Entfernung betrug nur dreißig Meilen; in sechs Stunden konnte man mit dem Schnellzuge hingelangen. Weshalb hatten sie sich denn nicht wiedergesehen? Das ist leicht gesagt: Bei der Abreise hatte Peter das Versprechen geben müssen, zu bleiben, wohin er kam, und an keinen Besuch au denken. MutteT hatte mit dem Waschen und Plätten vollauf zu tun — eie wollte zwar gern die weite Reise machen, um ihren Peter zu sehen, auch wenn es viel Geld kosten würde — aber es langte eben I doch nicht. I Peter erhielt von seinem väterlichen Freund, dem Gesangmeister, einen angenehmen, ermunternden Brief: Peter solle zurÜCKkoxnmen, man wolle sehen, was sich für ihn tun lasse, welche Laufbahn er einsöhlagen solle, da die Singstlmrae fort sei. „Treten Sie als Romeo auf!“ eagte Madam Gabriel. „Jetzt sind Sie alt genug für das Liebhaberfach. Sie brauchen sich nicht mehr anzustreichen!“ „Werden Sie Romeo!“ sagten der Apotheker und die Apothekerstoobter. Es brausten und rauschten gar viele Gedanken durch seinen Kopf und sein Herz. Aber: „Wer weiß, was uns der Morgen bringt.“ Er saß unten im Garten, der auf die Wiese hinausging. Es war Abend und Mondenschein. Seine Wangen brannten, sein Blut kochte, die Luft brachte ihm liebliche Kühlung. Über dem Moor lagerte der Nebel, er hob und senkte sich... Da fiel ihm der alte Sang vom Ritter Oluf ein, der ausreitet, um Gästo zu seiner Hochzeit zu laden. Die Elfenmädchen halten ihn auf, ziehen ihn in ihre Tänze und Spiele hinein und verursachen dadurch seinen Tod. Das war ein Volkslied, eine alte Dichtung; das Mondlicht und die Nebelstreifen über dem Moor bildeten in nächtlicher Stunde die Bilder da,zu. Peter saß halb träumend und sah dem au. Die Büsche schienen bald menschliche Gestalten, bald Tierformen zu haben; unbeweglich standen sie, der Nebel hingegen stieg empor wie duftig wogende Schleier. Derartiges hatte Peter im Ballet auf dem Theater gesehen, wo die Elfenmädchen schwebend und wirbelnd und fliegend mit Schleiern aus Flor tanzen; aber hier war es viel lieblicher! Eine so große Bühne hatte das Theater nicht aufzuweisen; einen so hohen, klaren Himmel, einen so strahlenden Mondemscbein hatte es nicht. _ Ganz vom im Nebel leuchtete deutlich eine Frauengestalt, und aus dieser einen wurden drei, aus den dreien wurden viele, und Hand in Hand tanzten sie um ihn. Sie nickten ihm zu, sie sprachen; es war, als klängen Silbenglocken; sie umgaukeiten ihn, sie hatten ihn in ihrem Kreise. Ohne dabei zu denken, tanzte er mit ihnen, aber nicht ihren Tanz: er wirbelte umher, wie in dem unvergeßlichen Vampirtamz. Das Moor wurde ein See, so tief und schwarzblau mit Seerosen, die in allen erdenklichen Farben leuchteten; über das Wasser forttanzend trugen sie ihn auf ihren Schleiern hinüber zum andern Ufer, wo das Hünengrab seine Decke abgeworfen und sich zu einem Schloß von Wolken aufjgebaut hatte; aber die Wolken waren aus Marmor; blühende Bäume aus Gold und kostbaren Steinen standen umher. Jede Blüte war ein farbenstrahlender Vogel, der mit menschlicher Stimme Bang. War es der Hümmel oder war es der Elfenhügel? Die Mauern des Schlosses bewegten sich, glitten ineinander — schlossen sich um ihn. Nun war er drinnen, die Welt der Menschen lag draußen. Da empfand er einen Schrecken, eine Angst, wie nie zuvor. Kein Ausgang war zu finden, aber vom Fußboden bis hoch hinauf zur Decke lächelten ihm schöne, junge, liebliche Mädchen entgegen; sie waren so lebendig anzuschauen und doch mußte er denken: sind sie nur gemalt? Er wollte zu ihnen reden, aber seine Zunge hatte keine Worte; seine Spreöhstimme war gänzlich geschwunden, nicht ein Laut kam über seine Lippen. Da warf er sich zur Erde nieder, so unglücklich und verzweifelt, wie er nie zuvor gewesen. Eine von den Elfen trat zu ihm; sie meinte es gewiß gut mit ihm, auf ihre Art; sie hatte die Gestalt angenommen, die ihm die liebste war: sie glich der Tochter des Apothekers; er war nahe daran zu glauben, daß sie es sei; aber bald gewahrte er, daß sie hohl im Rücken war, einzig und allein nur eine schöne Vorderseite; hinten war sie offen und drinnen war gar nichts... (Fortsetzung folgt.) Rätsele dee Hygienisches Bilderrätsel U)—!■■■ Jn M—f—ü hfl iJ J ■-(—• fl—rrfllff- J durch Scherzrätsel. Welches Mineral hat zwei Stimmen? Wieviel wiegt der Mond? Biblisches Rätsel. (Etwas für unsere bibelfesten Kinder.) Wie viele Geschwister hatte der König David, und wie hießen sie? Auflösung der Rätsel aus der vorigen Nummer. 1. Zollfrei. 2. Spieluhr. 8. Die Schildlaus (Cochenille). 4. Beide haben Blätter. 5. Die Seehunde. 6. Napoleon I., denn er batte eine Niederlage von Moskau bis Paris. Briefkasten. Rudolf Weinberg. Uh* freundlich ein gesandtes Kreuzworträtsel erscheint wegen Raummangel erst in einer der nächsten Nummern» A* , „AucU UU tnätUke so gccM aufs £omL fakeen" sagt dieses Kind zu dir. „Fort aus den heißen, engen Straßen vpll Staub und Lärm!“ Denk daran, wenn du so glücklich bist, bald zwischen Wald und See und Bergen zu tollen — für dieses Kind aus deiner Sparbüchse zu opfern. — Spenden an die FÜR- SORGEZENTRALE DER KULTUSGEMEINDE.*

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