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Die Stimme · 1937-06-18 · Heft 652 (18.6.1937) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 652 (18.6.1937)
Date
1937-06-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite ü DIB STIMME Nr. 662. — Wien, Freitag, 18. Juni 1937. der tote Meister am Schlüsse seiner letzten Kongreßrede dem jüdischen Volke zu rief: .. Sie wollen uns loshaben und sie wollen uns nicht hineinlassen. Gut! Wenn darin eine Ungerechtigkeit gegen unser Volk liegt, so wollen wir darauf die Antwort in Zukunft geben. In unserer Zukunft, in unserem Lande! Und diese Antwort soll bestehen in einem Erhöhen der menschlichen Gesittung!“ Aufruf der Liste „Nationaler BloekM (Zionistischer Landesverband — Verband der Judenstaats-Zlonliten) RESTAURANT STEFANIE «■IM ll„ Taborstr. 12 - Tel. R 48-4-46 Hugo und Julie Herlinger, geb. Zöllner Erstklassige renommierte Küche O Große Auswahl,reichhaltige Menu v. S 1.60 aufw. O Exakte Bedienung, schöner schattiger Garten Angenehmer Aufenthalt Die jüdische Marine-Konferenz Jerusalem, 11. Juni. (Pal cor.) Die 103 Vertreter der am jüdischen Seewesen interessierten Körperschaften, die während einer zweitägigen Kreuzfahrt in palästine-nsis ch en Gewässern eine Konferenz abhielten, kehrten gestern abends an Bord der „Har-Zion“ nach Tel-Aviv zurück. Hafenarbeiter in Motorbooten, die dem Dampfer entgegenfuhren, geleiteten ihn bis zur Ankerstelle. Die Konferenz, die unter Vorsitz von S. Tolkowsky tagte, richtete Telegramme an Weizmann, Ben-Gurion und Shertok, in denen sie der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Bemühungen der Exekutive um baldige Erschließung des Tel- Aviver Hafens für Immigranten- und Passagierverkehr erfolgreich sein mögen. Es wurde beschlossen, den Namen des Marine-Verbandes in Hevel Jami Leisrael (Bayil) immtändem. Eine elfgliedrige Exekutive sowie ein aus 40 Mitgliedern bestehender Verwaltungsrat, in dem die verschiedenen Gruppen des Jischuw vertreten sind, wurden gewählt. PENSION ECKSTEINneu renoviert Der für den 3. August nach Zürich einberufene XX. Zionistenkongreß findet in einer Zeit größter Bedrängnis des jüdischen Volkes statt. Aus aller Welt kommt die Kunde von grausamen Verfolgungen, die auf die moralische und materielle Vernichtung der Juden abzielen. Darüber hinaus, um das Maß voll zu machen, ist Erez Israel, das jüdische Nationalheim» in Gefahr geraten. Die jüdische Einwanderung ist tatsächlich gesperrt und Pläne einer in ihrer Wirkung vernichtenden Zerreißung und Zerkleinerung des durch die Abtrennung Transjordaniens bereits arg verstümmelten Landes werden wieder erwogen. Angesichts dieser katastrophalen Lage haben sich die Unterzeichneten Verbände zur Vermeidung eines Wahlkampfes der zionistischen Parteien gegeneinander um die Aufstellung einer Einheitsliste für die bevorstehenden Wahlen zum XX. Zionistenkongreß bemüht. Leider ist der Plan eines einheitlichen Vorgehens gescheitert, und zwar vor allem an der Haltung des Verbandes „Binjan Haarez“ („Arbeitendes Palästina“). Ein Wahlkampf wird also stattflnden. Um ihn nach Möglichkeit abzugrenzen, haben sich die beiden gefertigten Verbände (Zionistischer Landesverband und Judenstaats-Zionisten) entschlossen, eine gemeinsame Liste unter dem Titel „Nationaler Block“ aufzustellen. Beide Verbände, Allgemeine Zionisten und Judenstaats-Zionisten, sind dieses Wahlbündnis unter völliger Wahrung ihres Programms eingegangen und jeder von ihnen wird auf dem Kongreß für sein Programm einstehen und kämpfen. Den Wahlkampf selbst aber wollen sie gemeinschaftlich im Zeichen folgender Postulate führen: Kampf um die restlose Erfüllung der Balfour-Deklaration und des Palästina- Mandates durch die britische Mandatsmacht; freie jüdische Einwanderung und Förderung der geschlossenen jüdischen Siedlung. Kampf für einen Judenstaat in den historischen Grenzen und gegen jeden Versuch einer Teilung Palästinas oder seiner Zerreißung in arabische und jüdische Kantone. Friedlicher Aufbau Erez Israels im Zeichen der nationalen Einheit. Ablehnung der Ideologie des Klassenkämpfes, welcher das Volk in feindliche Lager spaltet und den Willen zu gemeinsamer Arbeit für das Land und zu gemeinsamer Abwehr des äußeren Feindes untergräbt. Ablehnung des Kulturkampfes, welcher die Atmosphäre ini Lande vergiftet und die Grundfesten des jüdischen Volkstums erschüttert. Meinungsfreiheit für den einzelnen, verbunden mit tiefster Achtung vor dem jüdischen Religionsgesetz, das in allen Einrichtungen der Zionistischen Organisation und ihrer Fonds zu respektieren ist. Das sind die Grundsätze, welche den im „Nationalen Block“ geeinten Verbänden gemeinsam sind und in deren Zeichen sie in die Wahlen zum XX. Zionistenkongreß eintreten. Zionistischer Landesverband für Österreich. Verband der Judenstaats-Zionisten Österreichs. Militärische Vorkehrungen ln Palästina Das Attentat auf den Polizeichef vonPalästina Jerusalem, 16. Juni. (JTA.) Im Zusammenhang mit dem Attentat auf den Generalinspektor deT Palästina-Polizei, Boy G. Spiee r, hat die Polizei den Bruder des bekannten arabischen Terroristen F a m ie 1 - A n 6 a r i, der im Juni des vorigen Jahres während einet? Überfalles auf den britischen Polizeioffizier Sigrist getötet worden war, verhaftet. Eine Anzahl arabischer Agitatoren, unter ihnen zwei Freunde des Mufti, wurden aus Jerusalem ausgewiesen. Wie erinnerlich, wurde Spicer, als er im Auto durch die Jaffastraße fuhr, von mehreren Männern beschossen. Er blieb unverletzt, sein Chauffeur wurde schwer verletzt. Restaurant Billet -w:> Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs ä S 1*90 u.2'60 II., Hammerpurgsta!lgasse3 (nächst Salztorbrücke) Indische Moslim-Pelegation kommt nicht nach Palästina Jerusalem, 15. Juni (JTA.). „Dawar11 meldet aus arabischer Quelle, daß die indischmohammedanische Abordnung, die auf der Durchreise nach London dieser Tage nach Palästina kommen sollte, infolge von Meinungsverschiedenheiten, die in ihrer Mitte außgebrochen sind, ihren Plan a u f g egeben hat. Angeblich soll diese Delegation in London zur Unterstützung der arabischen Opposition gegen das Mandat eingesetzt werden. „Illegale" ausgewiesen Jerusalem, 16. Juni. Sechs jüdische Knaben im Alter von 12 und 13 Jahren sowie eine jüdische Frau mit sechs Kindern, die aus Syrien illegal nach Palästina gekommen waren, wurde heute in Safed zur Landesverweisung verurteilt. Das gleiche Urteil wurde ira Falle von zehn ebenfalls illegal ein gewandertem Arabern gefällt. Warschau, 15. Juni. (JTA.) Aus Kairo meldet die Polnische Tedegraphen-Agentur, daß das Militärkommando von Palästina mit der Durchführung seines Planes begonnen habe, ein Netz von kleineren Garnisonen über das ganze Land, insbesondere ülber die Gebirgsgegenden, zu ziehen. Die einzelnen Truppenabteilungen werden mit leichten Tank« und Maschinengewehren ausgsstättet. Solche Garnisonen sollen insbesondere in der Gegend von Abugosh, Dechenin und Tulkarem sowie an deT syrischen Grenze errichtet werden. In arabischen Kreisen sei man davon überzeugt, daß der Bericht der Königlichen Kommission erst Wauchope nach Die ständige Mandatskommission des Völkerbundes hat ihre 31, ordentliche Session abgeschlossen, nachdem sie ihren Bericht an den Völkerhundrat fertiggestellt hat. Dieser Bericht wird vom Völkerbundrat in seiner nächsten ordentlichen Session behandelt werden. Die Mandatskommission hat den Beginn ihrer nächsten Tagung a/uf den 30. Jul angesetzt. Bis dahin dürfte die englische Regierung ihre Entschlüsse zu dem Bericht der Palästinakommission gefaßt haben, dessen Veröffentlichung in den nächsten Stunden erfolgen wird. Die Regierung hat den Oberkommissär Wauchope nach London berufen und er soll morgen auf dem Luftweg dort eintreffen. Das Ergebnis der mit ihm gepflogenen Beratungen wird dann dem Unterhaus vorgelegt werden. Es wird also nur mehr wenige Tage dauern, bis man die schon sagenhaft gewordenen Empfehlungen der Kommission authentisch kennenlernen wird. Bisher besteht noch immer keine Klarheit über die Anträge der Kommission, doch dauern die Teilungsgerüchte fort. Die neueste Lesart findet sich in dem Labour-Organ „Daily H e r a I d“. Dieses Blatt meldet von unterrichteter Seite, daß die englische Regierung nicht die Absicht habe, das Projekt einor Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat derzeit durchzuführen. Der Plan soll vielmehr auf die Dauer von fünf Jahren z u r ü c k g e s t e 111 werden. Diese fünf Jahre sollen gewissermaßen als veröffentlicht werden wird, wenn diese militärischen Vorbereitungen abgeschlossen sind. Dae neue palästinonsi« ch e Grenzkorps wird nach Beendigung aller Vorbereitungen demnächst seinen Dienst auf nehmen. An der Nordgrenze werden zwanzig Wachen errichtet. Das Korps wird zunächst aus 200 Polizisten unter dem Kommando eines höheren britischen Offiziers bestehen. Blau-weiße Zünder (Keren-Kajemeth-Zünder) erhältlich bei: Viktor Adlersberg, Trafik- und Haushaltartikel, Wien, VI., Millergasse 44, Tel. B 23-002. London berufen Probefrist für Juden und Araber dienen, in welcher die beiden Komponenten der palästinensischen Bevölkerung zu einer Einigung über die strittigen Fragen gelangen könnten. Nur wenn sich die Unmöglichkeit einer Arabisch-jüdischen Einigung herausstellen sollte, ist England entschlossen, die Teilung Palästinas in die Praxis umzusetzen. In diesem Falle würde auch ein Bevölkerungsaustausch zwischen dem Judenstaat und dem arabischen Teil Palästinas unter englischer Aufsicht zur Durchführung gelangen. Es ist schon hervorgehoben worden, daß alle Meldungen dieser Art in Widerspruch zueinander stehen und gerade in ihrer Vielfältigkeit erkennen lassen, daß es sich um Gerüchte handelt, die vielleicht aus Fragen entstanden, die in der Kommission mit den dort einvernommenen Juden und Arabern erörtert wurden, oder sich aus Anregungen herschreiben, die von Jerusalemer Mandatsbeamten stammen. Eine eindeutige, offizielle und seriöse Mitteilung ist zu keiner Zeit'erfolgt. Es ist auch anzumerken, daß die am Dienstag Ibekanntgewordene SchJußresolution der Empire-Konferenz keinen Hinweis auf die Palästinafrage enthält. Es sind wohl vertrauliche Abmachungen getroffen worden, die sich aber nur auf daß Verhaltens derDominions lim Falle eines kriegerischen Angriffe« auf dae Mutterland beziehen, Die Frage der Mandate wurde einzig GpiMSillSt sucht Hofmeiaterstelle aufs Land für ein oder zwei Monate gegen mäßiges Honorar Gibt Unterricht in Griechisch, Latein, Hebräisch, Mathematik usw. Zuschriften erbeten unter ,.D. K.“ an die Adm. d. Bl. und allein in bezug auf Deutsch-Südwestafrika besprochen. Trotzdem ist es gut, daß die zionistische Öffentlichkeit deutlich zu der Angelegenheit Stellung genommen hat. Bestehen Absichten, den jüdischen Siedlungsraum zu verkleinern, so kennt die Mandatsregierung jetzt bereits die Willensmeinung der Juden. Es wird vielfach gesagt, die Errichtung eines freien und in jeder Beziehung unabhängigen Staates, der dem Völkerbund angehört und damit die Möglichkeit erhält, aktiv in die Schdcksalsgestaltung der Judenheit einzugreifen, wäre eines Opfers wert. Aber darunter darf nicht eine Verringerung de« Territoriums verstanden werden. Wir haben e« ertragen müssen, daß Transjordanien von clem Leib Palästinas weggeschnitten und uns sogar durch Gesetz gesperrt worden ist. Wir könnten keine Maßregel annehmen, die uns den Ackerboden nur zu einem kleinen Teil zuspricht, die uns zwingt, auf Haifa und Jerusalem zu verzichten und uns in Grenzen einschnürt, die den Lebenszweck des Zionismus, zumindest die Hälfte des jüdischen Volkes in Palästina zu sammeln, für immer verhindert. Wir können auch, insolange wir nur eine Minorität sind, kein Parlament annehmen, keine Einwanderungsdrosselung und kein Bodenverkaufsverbot. Erklärung der Exekutive London, 16. Juni. (JTA.) In Jerusalem ist das Gerücht verbreitet, daß der dortigen Exekutive der Jewish Agency ein Bericht aus London zugegamgen sei, in' dem b es t ä t i g t wird, daß die Teilung Palästinas bereits beschlossene Sache sei und daß ein in diesem Sinne gehaltener Bericht Ende Juli veröffentlicht werden soll. Das Londoner JTA-Raiuptbüro hat auf eine Anfrage bei der Londoner Exekutive der Jewish Agency die bestimmte Auskunft erhalten, daß diese Gerüchte falsch’ sind. Die Zertifikate Jerusalem, 16. Juni. (JTA.) Wie,die JTA.' von zuverlässiger Seite erfährt, hat die Palästina-Regierung die Verteilung der 220 von der Exekutive der Jewish Agency abgelehnten Zertifikate aus der letzten Scbedule bereits selbst vorgenommen. Außerdem sind an die Palästina-Regierung etwa 190 Gesuche um Zertifikate gerichtet worden. Demaskierung Die Tatsache, daß gerade der Zionistische Landesverband für Österreich, der infolge seines starken Wachstumes als einzige wahlwerbende Gruppe begründete Aussicht auf einen Mandatszurwachs bei der Kongreßwahl hat, den zionistischen Gruppen einen Friedensvorschlag gemacht hat und sich mit der bisherigen Mandatszahl begnügte, hat in der großen zionistischen Öffentlichkeit lebhafte Genugtuung hervorgerufen. Um so größere Verärgerung herrscht nun in der zionistischen Öffentlichkeit darüber, daß ausgerechnet die Vereinigung Binjan Haarez (Arbeitendes Palästina) das Zustandekommen der Einheitsliste verhindert unrl dadurch einen ebenso überflüssigen wie schädlichen Wahlkampf hera/ufbesehworen hat. Damit hat sich Binjan Haarez als Störenfried demaskiert. Jetzt, wo wir vor so schweren zionistischen Entscheidungen stehen, in dieser schweren jüdischen Situation, in der alle einsichtigen Menschen ein geeintes zionistisches Vorgehen verlangen, kommt Binjan Haarez (Das Arbeitende Palästina) und sprongt die Einheitsfront. Die österreichischen Zionisten wissen nun, woran sie sind und wer es ist, der nur vom Frieden redet, ihn aber in Wirklichkeit stört. Die Friedensstörer haben die Rechnung ohne den Wirt, das heißt ohne die Wähler gemacht. Die allgemeine Parole für den 1. Juli lautet überall: Keine Stimme dem Binjan Haarez (Arbeitendes Palästina)! Alle Stimmen dem Nationalen Block (Zionistischer Landesverband für Österreich — Verband der Judenstaatszionisten Österreichs). Listenführer: Dr. Oskar Grünbautn, Ing. Robert Stricker.

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