Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 651 (15.6.1937)
- Date
- 1937-06-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.Wien, Dienstag, 15. Juni 1937. — Nr. 651. DÜ STIMMl Seite 3 'kehrten auf den 15 Linien der Kooperative gegenüber 80 im Jahre 1935. Im ersten Vierteljahr 1937 ist die Zahl der Autobusse auf 104 gestiegen. Neuer Zugang z«r Klagemauer. Aus ’J erusale m wird gemeldet: „Palestine Post“ meldet, daß die Stadtverwaltung von Jerusalem den Bau einer neuen Zugangsstraße vom Zionstor zum Stadttor plant, damit die Juden, ohne die Altstadt passieren zu müssen, zur Klagemauer gelangen können. Einweihung der Ludwig-Tietz-Scbule. Aus J erusalem wird gemeldet: Der Distriktskommissar für Nord-Palästina, Keith Roach, und Dr. Arthur Ruppin wohnten der Einweihungsfeier der neuen Gewerbeschule in der Siedlung Jagur bei, die den Namen von Dr. Ludwig Tietz tragen und der handwerklichen Ausbildung von Jugendlichen aus Deutschland dienen wird. Der High Commissioner, der verhindert war, schickte ein Glückwunschschreiben, in dem er einen baldigen Besuch des Instituts in Aussicht stellt. Nissan Taffet gestorben. Der Verewigte war hebräischer Lehrer aus Liebe und Berufung. Er besaß großes, jüdisches Wissen. Noch in fortgeschrittenem Alter vermochte er sich das Hebräisch als gesprochene Sprache ausgezeichnet anzueignen. Er war treuer Zionist und warmer Förderer des Keren Kajemeth. Er starb in Przemysl, während er sich zu seiner Reise nach Erez Israel rüstete. Chajes-Realgymnasium. Bei der am 9. d. unter Vorsitz des Direktors Alfons Haltmeyer abgehaltenen Reifeprüfung erhielten von vierzehn Kandidaten sieben ein Zeugnis der Reife mit Auszeichnung; die restlichen sieben wurden für reif erklärt. seit Jahrzehnten In hunderttausenden Familien bewährt, als bestes Einreibungsmittel bekannt, hervorragend zur Mund-, Zahn- und Rachenpflege und zu mannigfachen anderen Zwecken, das Ist FRANZBRANNTWEINmi'tMEMTHOL Henry Sliosberg. Aus Paris wird gemeldet: Das Begräbnis Henry SLiosbergs hat am 10. Juni in Paris stattgefunden. Es waren die Vertreter zahlreicher jüdischer Organisationen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens erschienen. Die Trauerzeremonie leiteten der Oberrabbiner von Paris, Julian Weil, und der frühere Oberrabbiner von Petersburg, Moses Aisenstadt. Das Ableben Sliosbergs hat in den Kreisen der m Paris lebenden russischen Juden itefe Trauer ausgelöst. Unter dem Zarismus war Sliosberg wiederholt gegen die Willkürakte der russieeben Vrewaltungsbehörden, die durch böswillige Gesetzesinterpretationen die jüdische Bevölkerung zu unterdrücken suchten, aufgetreten. Im Jahre 1900 erwirkte er im Wilnaer Ritualmordprozeß die Befreiung Blondes. Nach dem Pogrom von Kisohinew (1902) und Hornel (1903) verfaßte Slioßberg die Anklage gegen die Schuldigen an den Pogromen; er war auch einer der Organisatoren der Hilfsaktion für die Pogromopfer. Sliosberg war Auch einer der Anwälte, die die Verteidigungsaktion für den im Kiewer Ritualmord- Erozeß im Jahre 1913 angeklagten Mendel eilis einleiteten. Vor dem Berner Gerichtshof, der die „Protokolle der Welsen von Zion“ als Fälschung bezeichnet©, trat Sliosberg als einer der Hauptzeugen auf. Auf seine Aussagen, daß die Protokolle und deren Verbreitung dae Werk zaristischer Geheimagenten waren, stützten sich die Hauptargumente der Verteidigung. Der Sportklub Hakoah benötigt zu dringenden Renovierungsarbeiten auf seinem Sportplatz Blech zum Dac-Mecken, möglichst verzinkt (zirka 160 Quadratmeter), weiters Holz (in Form von Brettern und Staffeln in allen Ausmaßen). Wir ersuchen die jüdische Öffentlichkeit, uns diese Materialien freundlichst zur Verfügung zu stellen, auch wenn es sich nur um geringe Quantitäten bandelt, und werden wir diese abholen lassen. S. C. Hakoah. A. O. Rosegg nach Palästina übersiedelt Unser langjähriger, verantwortlicher Redakteur, Alfred O. Rosegg, hat diese Woche Wien verlassen, um sich in Palästina niederau-lassen. Ein bewährter Gesinnungsgenosse scheidet von uns, um seine alte Sehnsucht zu erfüllen. Wir wünschen ihm für seinen weiteren Weg von Herzen Glück. JEDEN DIENSTAG I. K. J.« Gesellschaftsabend mit Tanz und Vorträgen auf der herrlichen FETZER-TERASSEi H., Praterstr. 8. Beginn halb9Uhr. Konsumation inkl. aller Abg. 8 l’GO. Vornehm, schfln und jüdisch 1 Wer dies aucht, Ist herzllchst -willkommen. Sommer*Klubhelm CAFE FETZER, ", Praterstraße 8 Donnerstag Klubabend Täglich J. K. J. Bridgestube gesellige Zusammenkünfte gerxl-Grabgang Der heurige Herzl-Grabgamg findet Sonntag, den 20. Juni, statt. Da« Polizeipräsidium hat den Grabgamg jedoch nur in dem Umfange bewilligt, wie er im Vorjahre stattgefunden hat. Es ist daher das Tragen von Uniformen ausnahmslos verboten. Ebenso ist mit Rücksicht auf das bestehende Aufmarsc'hverbot der eschiossene Marsch zum Friedof nicht gestattet. Die Teilnehmer begeben sich in losen Gruppen zum Friedhof durch die Hartäckerstraße zum Grabe Theodor Herzls. Die Teilnehmer sammeln sich im Raume Hartäckerstraße laut beigeschlossenem, Zeitplan. Der Zug setzt sich um präzise 10 Uhr beim Friedhofstor in Bewegung. Nach den Weisungen der Polizei muß der Grabgang, so wie in den früherem Jahren, in vollkommener Ruhe und Disziplin vor eich gehen. Es wird daher ersucht, während des Grabganges alle Privatunterhaltungen zu vermeiden und stillschweigend zu marschieren. Nach dem Verlassen des Friedhofes müssen die Teilnehmer in losen Gruppen auseinandergehen. Jode Gruppe wird ersucht, aus ihren eigenen Reihen einige Personen zu bestimmen, die für Ordnung und Ruhe der Gruppe zu sorgen haben. Außer diesen Gruppenordnern werden Mitglieder des Sport- und Schüfczenvereines „Haganah“ die durch weißblaue Armbinden kenntlich sein werden, während der ganzen Zeit des Grabganges den Ordnerdienst versehen und ist den Weisungen derselben unbedingt Folge zu leisten. Die Mädchengruppe der „Haganah“ (der rote Magen David), wird zwei fliegende Ambulanzen errichten. Der Leiter des Aufmarsches ist Herr Doktor F. P i c k h o 1 z. Sein Standort ist bis 10 Uhr, Hartäckerstraße (Friedhofstor). Zeitplan des Aufmarsches 9 Uhr Hs MIO Uhr: Zionistische Akademische Verbindungen und Vereine, Gesamtverband jüdischer Hochschüler Österreichs ,Judäa“ Landeskomitee, Präsidium der Kultusgemeinde, Kultusvorsteher, Auswärtige Delegierte, Mitglieder der Delegiertenkonferenz, Keren Hajessod und Keren Kajemeth. MIO Uhr bis 10 Uhr: Mitglieder der dem Zionistischen Landesverband für Österreich angegliederten Vereinigungen, Körperschaften wild Sonderverbände (Bezirkssektionen, WIZO, Ortsgruppen, Jugendverbände und der Hechaluz Haklal Zloni). 10 Uhr bis MH Uhr: * Radikale Zionisten, Binjan Haaraz und üechalm. Mil Uhr bis 11 Uhr: Misrachi, Verba,nd, der Judenstaats zionisten, Revisionisten, Weltverband der Sportvereine „Makkabi“, Hakoah und sonstige Vereinigungen, Verbände und Körperschaften. Spendet für das Kinder-Ferien-Werk lllllllllllllllillllllllllllllllllilllllllllllllllllllilllllllliO der Kultusgemeinde! lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllilllllllllll Es geht um die Zukunft, um den Bestand unseres schwer kämpfenden Volkes. Nur eine gesunde, kräftige Jugend wird den Kampf bestehen können! Der XX. Zionistenkongreß Wie das „Israelitische Wochenblatt für diie Schweiz“ mitteilt, hat das Kongreßbüro unter der Leitung der Herren Dr. Franz Kahm umd Dr. Fritz U11 m a m n die Tätigkeit bereits aufgenommen. Das Büro amtiert Claridenhof, Clariidemstraße 21, Zürich 2. Die Kongreßeröffnung findet ann. 3. August, abends, im Großen Saalo der Tonhalle statt, die weiterem Sitzungen, vom 4. bis zum 15. August, werden in das Stadttheater verlegt. Für die Sitzungen vom 16. bis zum 21. August ist das Korsotheater vorgesehen. Die Sitzungen der Jewish Agency dürften voraussichtlich in die Tonhalle verlegt werden. Die Büros der Exekutive von Jerusalem und London, die Jewish Agency, der Jüdische Natiomalfomds und der Keren Hajessod befinden sich im Claridembof. Ein Teil der weiteren Büros wird im Esplanade- Gebäude untergebracht. Zahlreiche Anmeldungen zur Teilnahme am Kongreß sind aus Palästina und anderem Ländern eingegangen. Es wird ein Kongreßabzeichen herausgegeben-, das nach dem Entwürfe vom Otto Wallisch als Tozereth Haarez angefertigt wird. Der amerik-jüdisdie Kongreß gegen die Polenpolitik New York, 13. Juni. (JTA.) Die in New York tagende Konferenz des American Jewish Gongress, an der etwa 1000 Delegierte jüdischer Organisationen aus allen Teilen der Vereinigten Staaten teilnahmem, hat folgende Resolutionen gefaßt: Alle zivilisierten Völker werden aufgefordert, gegen die Judenverfolgungen in Polen zu protestieren. Die amerikanische Regierung wird ersucht, in der Rolle des „guten Nachbarn“ bei der polnischen Regierung wegen der Unterdrückung der Juden vorstellig zu werden und ihren Botschafter in Warschau anzuweisen, die Durchführung der von Polen eingegangenen Minderheitenverträge zu beobachten. Der Jüdische Weltkongreß wird aufgefordert, an den Völkerbund eine Petition wegen der Verletzung der Minderheitenverträge zu richten und Schutz der Minderheiten zu fordern. Der Kongreß teilt mit, daß 50 nichtjüdische Persönlichkeiten des religiösen und wissenschaftlichen Lebens Amerikas an die polnische Regierung eine Botschaft gerichtet haben, in dem die Judenverfolgungen in Polen verurteilt werden. Die polnische Regierung wird beschuldigt, die Friedens Verträge und die polnische Verfassung verletzt zu haben. Alle demokratischen Kräfte in Polen werden aufgerufen, sich zum Kampfe gegen den Antisemitismus zusammenzuschließen. Das Schicksal der jüdischen Flüchtlinge Brüssel, 10. Juni: Am der Sitzung des Liaisom Comites des Hoben Kommissars für die deutschen Flüchtlinge, die im Brüssel am 7. Juni stabtfiand, nahmen Vertreter von 28 jüdischen und mchtjüdiischen Organisationen teil. Der Jüdische Weltkongreß war vertreten durch die Mitglieder seiner Exekutive Rev. M. L. Perlzweig aus London und Dr. Leon Kubowitzky ans Brüssel. Die J-ewiisih Agency f-or Palestine wunde aiuf dieser Sitzung ebenfalls vom Rev. Perlzweig vertreten. Dem Vorsitz der Sitzung führte Herr Gottechalk, Vertreter des belgischen Flüchtlings-Komitees. Generalk ommiissar Sir Neill Malcolm berichtete über die Tendenz einiger Regierungen, die staatenlosen Flüchtlinge, die nicht früher deutsche Staatsbürger gewesen sind, gegenüber den Flüchtlingen aus Deutschland zurückzusetzen. Rev. Perlzweig protestierte gegen die Zurücksetzung und stellte dem Antrag a/uf Fassung einer Resolution durch das Liaison Comite, die das Hohe Kommissariat ersuchen solle, eine Aktion zu unternehmen, damit aiuch die staatenlosen Flüchtlinge unter die Jurisdiktion des kommenden Statutes fallen. Dieser Antrag wurde unterstützt durch die Herren Oungre (Hicem), Prol. G. Bernhard (Internationale Föderation der Flüchtlinge aus Deutschland) u. a. Auf Verlangen des Vorsitzendem wurde eine Resolution in diesem Sinne durch Prof. B e n t w i c h ausgearbeitet und einstimmig am ge nommen. Weltkongreß organisiert wirtschaftliche Hilfe Brüssel, 12. Juni. Der Conseil des Associataoms Juives (Ausschuß der Jüdischen Verbände) benutzte die Anwesenheit der beiden Mitglieder der Exekutive des Jüdischen Weltkongresses, Prof, Bernhard (Paris) und Rabbiner M. L. Perlzweig (London) dazu, die Vertreter der verschiedenen jüdischen Organisationen zu einer vertraulichen informatorischem Sitzung für dem 7. Juni eimzuberufem; dem Vorsitz führte Dr. L6on Rubowitzki. Am Vonstandstisdh nahmen ferner Platz die Delegiertem des erstem Jüdischen Weltkongresses, die Herren I. Liipschutz (Antwerpen) und Rabbiner Sagalowitsoh. Reverend Pertzweig sprach über die politische Tätigkeit des Jüdischen Weltkongresses und gab einem ebenso sachlichem, wie eindrucksvollen Bericht über die bisherige Tätigkeit der Wirtschaftsäbteilung des Jüdischem Weltkongresses und legte dar, wie dringend notwendig es sei, eine systematische wissenschaftliche Lösung des jüdischem Wirtscibaftsproiblems in Angriff zu nehmen. An die Referate schloß sich eine eingehende Diskussion. Die Not der jüdischen Emigranten in Prag In dem vom der Jüdischen Gemeinde Prag herausgegebenem „Vestn-ik“ vom 28. Mai ward in einem Bericht „W i e leben die Emigranten?“ ein erschütterndes Bild der sozialen umd gesundheitlichen Verhältnisse gegeben^ im denen die aus Deutschland emigriertem Juden leben. Im Mai dieses Jahres wurden vom Sozialarnite der Prager jüdischen Kuitusgememde 378 Emigranten unterstützt, davon 138 Repatrianten tschechoslowakischer Staatsbürgers chaf-t. Die materielle Unterstützung erreicht nicht einmal die Hälfte des Existenzmmimiums, das sind 300 Kö. Es können vielmehr höchstens 35 Kc wöchentlich am erwachsen© Personen und 15 Kö an Kinder verteilt werden. In vielen Fällen sind aber keine Mittel für diese Zuwendungen vorhanden, so daß nur 20 bis 25 Kc pro Woche verteilt werden können. Für die Emigrantenfürsorge hat das jüdische Sozialamt in Prag 1936 über 600.000 Kc, in diesem Jahre bis 30. April bereits über 270.000 Kö verausgabt. Die soziale Verfassung der meisten Emigranten, unter welchen sich Schriftsteller, Ärzte, Advokaten, Kaufleute, Handwerker usw. befinden, ist überaus schlecht. Der Fürsorgearzt stellt die Verbreitung der Tuberkulose, bei Kindern rachitische Krankheiten fest. Krankenhäuser lehnen die Annahme von kranken Emigranten oft ab, weil der Staat, dessen Angehörige eie sind, die Bezahlung der Heilungskosten aiblehnt. Mangels jeglicher weiterer Geldmittel mußte das Sozialinstitut der Prager jüdischen Gemeinde die Aufnahme weiterer Emigranten in die Fürsorge ablehnen. Im einer Woche mußten neun neue Emigranten abgelehnfc werden. Neues Notstandsgebiet: Obersdileslen Im „Vöstnik“ wird darauf hingewiesen, daß für die kommendem Monate mit einem neuem Zustrom von jüdischem Flüchtlingen aus Deutsch-Oberschlesien zu rechnen sei, da mit dem 15. Juli in diesem Gebiet der Schutz der Juden nach den Minderheit« Verträgen auf hört und rund 3000 jüdischen Familien der Verlust ihrer materiellen Existenz droht. Etwa 850 jüdische Akademiker in Deutsch-Oberschlesden weg* den am 15. Juli ihre Stellungen verlieren.