Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 651 (15.6.1937)
- Date
- 1937-06-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite a DIB STIMM! Nt. 661. — Wien, Dienstag, 15. Juni 1957» Von allen diesen Vorgängen hat die Außenwelt kaum Kenntnis genommen und für sie ist lediglich maßgebend ge blieben, daß eine Hand voll Juden in die Leitung der Verwaltung aufgenommen worden war, gemäß ihrer besonderen Qualifikation und ihrer Kenntnis der Welt und der Weltsprachen. Diese paar Juden, die insbesondere in der diplomatischen Vertretung des Staates hervortraten, sind dem europäischen Mordantisemitismus ein Dorn im Aug’ gewesen und sie mußten immer herhalten, wenn der angebli jüdische Grundcharakter der Sowjetunion bewiesen werden sollte. Die russischen Offiziere, die zur Zeit der Weimarer Republik in Deutschland durch den inzwischen verstorbenen Marschall Seeckt erzogen worden sind, und die aus Deutschland importierten In genieure haben den in Rußland stets lebendigen Judenhaß mit neuen Impulsen versehen und so die Stimmung vor bereitet, deren sich jetzt die Generäle und der von ihnen umstellte Stalin be dienen, um die Umstellung vorzunehmen. Tntzki, der Organisator der Armee, ist längst vertrieben worden, aber die Angst vor ihm und seinen — durchaus nicht jüdischen — Anhängern liegt den neuen Führern in allen Knochen. Und so erklärt sich diese Kampagne, die damit operiert, daß sie die „Trotzkisten“ ausgerechnet als deutsche Spione vor die Gerichte zerrt, ihnen unmögliche Aussagen abpreßt und sie dann in dunkler Nacht in einem Kerkerhof zusammenknallt. Rußland stellt sich auf Freundschaft mit Rosenberg und Streicher ein... Die jüdische Abwanderung aus Deutschland Der in London bestehende Verband für die deutschen Juden — Vorsitzender ist Herbert Samuel — veröffentlicht seinen ersten Jahresbericht. Darin wird die Zahl der aus Deutschland im Jahre 1936 ausgewanderten Juden auf rund 24.000 geschätzt. Davon gingen 9000 nach Palästina, 10.000 nach anderen Überseeischen Ländern, 1500 nach europäischen Ländern 'zu neuer Seßhaftmachung und 3800 gingen in ihre Heimatländer zurück. Insgesamt sind seit Beginn des Jahres 1933 bis Ende 1936 zirka 120.000 Juden aus Deutschland aus gewandert, davon 40.000 nach P a 1 ä s t i n a, 35.000 nach anderen überseeischen Ländern, 25.400 nach westeuropäischen Ländern; 22.000 sind in die osteuropäischen Länder zurückgekehrt, aus denen sie stammen. Die Zahl der nach den Vereinigten Staaten Ausgewanderten war im Jahre 1936 größer als in früheren Jahren. Von den wichtigsten Einwanderungsländern Südamerikas sind besonders zu nennen: Brasilien, Argentinien und Uruguay, ferner, wenn auch in geringerem Maße, Chile, Ecuador und Columbia. Schließlich strömte ein nicht unbeträchtlicher Teil der Auswanderer nach Südafrika ab. Katastrophal gestaltete sich infolge des spanischen Bürgerkrieges die Lage der dort lebenden 2000 aus Deutschland gefluchteten Juden, von denen Hunderte gezwungen waren, nach Italien, Frankreich und anderen Ländern auszuwand.ern. Mosche Shertok: „Teilungsproblem existiert für uns nicht!“ Agency etwa® zu Jerusalem, 10. Juni. (JTA.) In einer Massen Versammlung in Haifa hielt der Leiter des politischen Departements der Jewish Agency, Mosche Shertok, ein ausführliches Referat Über die gegenwärtige politische Lage in der zionistischen Bewegung. Von zwei Ereignissen, SO führte der Redner aus, wird die jüdische öffentliche Meinung zurzeit beherrscht: von den Vorfällen in Brest-Litowsk und von der Ausgabe der letzten Sohedule. Der bevorstehende Zionietenkongreß wird nicht nur ein historischer, sondern möglicherweise auch edn kritischer Kongreß sein; er tritt in einem Augenblick zu samraen, der kritisch sowohl für da.s Volk als auch für die Bewegung sei. Vielleicht wird der Kongreß vor den Verhandlungen im Völkerbund und vor der Debatte im englischen Parlament stattflnden. Die Vertreter des jüdischen Volkes werden vor der Welt den Standpunkt des jüdischen Volkes zu präzisieren haben. Die gegenwärtige weltpolitische Lage eröffnet keine erfreulichen Perspektiven für die Juden. Die Königliche Kommission ist nicht nach Palästina entsandt worden, weil die Zeit eine Einwanderung großen 8tlis erfordert, sondern wegen der Verhältnisse im Jahre .1936, als die Furcht vor den Kräften des Mordes und der Zerstörung die Behörden befallen hatte. An die britische Politik richtete Shertok die Warnung, sich der jüdischen historischen Entwicklung nicht hindernd in dem Weg zu stellen. Aber das muß man nicht bloß England eagen, sondern auch sich selbst. Wir müssen unsere Kraft im Innern stärken, um uns selbst, helfen zu können. Zur Araberfrage bemerkte der Redner, es könne keinen Frieden zwischen den beiden Völkern geben, solange bei der arabischen Führung die Ansicht herrscht, daß d i e j Skate ansgenützt werden oder nicht? Araber Hausherren in Palästina) Minister Ormsby-Gore: Ich nehme sind und daß die Zukunft de3 jüdischen1 än, daß die Organisation in Palästina sie Volkes nicht mit dem Lande verknüpft ist. verteilen will unid die Jewish Agency Für uns, erklärt® Shertok, gibt es kein Problem der Teilung oder Kanscheidung der Jewish unternehmen habe. Die Jewish Agency habe Ihre Beschwerden betreffend die letzte Sohedule in einer Petition am die Regierung niedergelegt. Was da.s Einwanderungsproblem itn allgemeinen betrifft, 80 ißt es vollkommen klar, daß die Regierung vom ihrer grundsätzlichen Haltung, wie sie Im MacDonalcl- Brief an Prof. W 6 i z m a n n interpretiert wird, nicht, aibgehen könne, S o 1 a n ge sie den Bericht der Königlichen Kommission nicht erhalten habe. Abg. Mander: Werden also die 220, von der Jewish Agency zurück gewiesenen Zerti* es verteilen will nicht will. Abg. Crosäby (konservativ): Bedeutet, . . , T 1 1TT. das, daß die 220 Zertifikate nicht amsgenutzt tonisißrung des Landes. Wir weiwef,^n> und darf loh den Minister fragen, dem alle Hindernisse überwinden. Von unwarum er sich von der Jewish Agency serer eigenen Kraft hängt, die Entscheidung drohen läßt? ab. Wir haben heute schon einen starken Ormsby-Gore: Von einer Drohung Rückhalt in der Kraft des 420.000 Seelen Lt keine Rode. Falls die Jewish Agency die starkem Jischuw; wir müssen dafür sorgen, daß diese Kraft entsprechend zur Auswirkung komme. Jitzchak Grünbaum: Nur Vermutungen Warschau, 13. Juni, (JTAJ In einer Konferenz, an der die Zentralkomitees und Parteiräte aller zionistischen Verbände Polens teilnahmen, berichtete der Leiter des Arbeitsdepartements der Exekutive der Jewish Agency, Jizchak Orünbaum, über die gegenwärtige politische Lage und den Verlauf der Schekelaktion in den einzelnen Ländern. Zur Besprechung der wirtschaftlichen Lage in Palästina stellte der Redner fest, daß kein Land eine so rationelle Arbeitsverteilung aufweise wie Palästina. Der beschäftigte Arbeiter verzichte, ohne daß ein Druck auf ihn ausgetibt wird, auf Arbeitstage zugunsten arbeitsloser Kameraden. Im Jischuw herrsche ein Gefühl der Sicherheit infolge des Bewußtseins, daß die Judenheit der Galuth hinter dem Jischuw steht, um die eroberten Positionen zu halten. Was die politische Lage im Hinblick auf den zu erwartenden Bericht der Königlichen Kommission betrifft, so sei es verfrüht, irgendwelche Schlüsse zu ziehen, denn bei allen Meldungen handle es sich bloß um Vermutungen. Eines aber sei klar: alle Kräfte der jüdischen Massen müßten jetzt mobilisiert werden, damit wir gerüstet seien, jeglichen Angriff abzuwehren. Der Kommissionsbericht wieder verschoben Sie müssen im deutschen Kerker bleiben Berlin, 10. Juni. (JTA.) Wie der JTA,- Vertreter erfährt, beabsichtigen die deutschen Behörden, besondere Pässe für Juden auszugeben, auf denen ein deutlicher Vermerk den Inhaber des Passes als Juden kenntlich macht. In einer Anzahl deutscher Orte sind bereits Juden aufgefordert worden, ihre alten Pässe abzuliefern, ohne daß ihnen jedoch bisher neue ausgefolgt worden wären. In den letzten Tagen hat der Innenminister an alle Polizeistellen eine Weisung ergehen lassen, daß Reißenden zur Weltausstellung in Paris ein besonderes Visum zu erteilen sei. Dieses Visum sollen jedoch Juden nicht erhalten, so daß ihnen der Besuch der Weltausstellung praktisch unmöglich gemacht wird. Bekanntlich wurden auch für die Ausreise nach Österreich in der letzten Zeit an Juden keine Vi?a erteilt. London, 10. Juni. (JTA.) Die Veröffentlichung des Berichtes der Königlichen Untersuchungakommission für Palästina, die für die dritte Juniwoche geplant war, dürfte kaum vor Mitte Ju 1 -i erfolgen. Der Grund für diese neuerliche Verzögerung ist dem „Manchester Guardian“ zufolge, hauptsächlich darin zu suchen, daß die Regierung sich nach Vonlage des Berichtes der Kommission erst über die von ihr einzusohLagende Politik klar werden müsse, was eine geraume Zeit erfordere. Die Veröffentlichung des Berichtes und die Entscheidung über die Palästina-Politik Londons sollen gleichzeitig erfolgen. Kolonienministeir Ormsby-G o re wurde im Unterhaus über die Absicht der englischen Regierung’ hinsichtlich der jüdischen Einwanderung naeth Palästina befragt. Es handelt sich um die Zurückweisung von 22 E inwanderungs erlaub - nissen für deutsche Juden durch die Jewish Agency, die diese als unzureichend und den Vereinbarungen des Mandates widersprechend erachtet. Ormsby-Gore erklärte, daß die britische Regierung ihre Haltung vorerst nicht ändern werde und die Jewish Agency unter Umständen bei der Ständigen Mandatskommission einen Protest ein/legen könne. Drei Lösungsmöglichkeiten für Palästina Jerusalem, 11. Juni. (JTA.) Die Kairoer Zeitung „Ahram“ meldet aus Genf, daß die englischen Vertreter beim Völkerbund den Völkerbunddelegationen der anderen Staaten drei Möglichkeiten der Lösung des Palästina-Problems vorges oblagen haben. Eine dieser Lösungen sieht vor, daß die jüdische Einwanderung künftighin auf Grund einer arabisch-jüdischen Verständigung und unter der Kontrolle Englands vor sich gehen soll. Die Zeitung erklärt, daß diese Lösung jedoch nicht wahrscheinlich sei, weil England an die Möglichkeit einer Verständigung zwischen den Juden und den Arabern in dieser Frage nicht glaube. Die zweite Lösung soll darin bestehen, daß die Balfour-Deklaratlon auf der Bastes neuer Richtlinien durohgeführt wird, laut denen es den Juden nicht erlaubt sein würde, Monopole über Bodenschätze in Palästina zu erwerben und wonach die jüdische Einwanderung nach Palästina auf der Basis des Prinzips der Aufnahmefähigkeit des Landes erfolgen solle; dasselbe Prinzip soll auch bei den Arabern angewendet .werden. Dieser ' Vorschlag, schreibt „Ahraim“, hat bei den Regierungen jener Länder, die an einer großen jüdischen Auswanderung' interessiert sind, keinen Anklang gefunden. Die dritte Lösung wäre eine Teilung Palästinas. Führenden Zionisten, so schließt die Zeitung, wurde die Versicherung gegeben, daß der moderne Stand der Wissenschaft und Technik auf dem Gebiete der Kolonisation eine Aosiediung von drei Millionen Juden im jüdischen Staate erlauben würde. Was geschieht mit den abgelehnten Zertifikaten? London, 11. Juni. (JTA.) In der Unterhausdebatte vom 9. Juni richtete dier Abgeordnete Geoffirey Mander an Kolonlenminister Ormsby-Gore die Anfrage, was die Regierung angesichts der Tatsache, daß VOR IHREN URLAUB.. ■ kommen Sie am Samstag, den 3. Juli 1037 zum GARTENFEST der Zionistischen Bezirkssektion „BREITENSEE“ im PracUtgarten des Etablissements „Ottakringer Bräu“, XIII. Hietzinger ilauptstr. (nächst dem Hiatzlngerplatz). — Prominente Knnatkrttfte. — Tanz. die Jewish Agency die Annahme der letzten Schadule verweigert hat, ziu tun gedenke. Der Kolonienimlnister erwiderte, die Jewisih Agency habe eine Erklärung veröffentlicht, der zu entnehmen sei, daß von der erteilten Schedule 400 Zertifikate für die Einwanderung deutscher Juden verwendet werden, die mit Hilfe der Fonds des Council for German Jewry kolonisiert werden sollen; dagegen habe die Jewish Agency beschlossen, die übrigen 220 Zertifikate nicht amzunehmen. Er sei nicht der Ansicht, daß die Regierung im Zusammenhang mit der Ent« Verteilung der 220 Zertifikate nicht vernimmt, die der High Commdssioner nach dem üblichen Verfahren ausgegeben hat, wird das Einwanderungadepärtement in Palästina das Recht halben, diese Zertifikate selbst zu verteilen. Der Zitrushandel Abg. Morgan fragte den Minister, ob der n enge sch aff ene Koloniaiihamdeleausschuß sich mit dem Absatz der Produkte der Mandatsgebiete des Britischen Reiches befassen werde und ob der Ausschuß auch in der Lage sein werde, den Absatz der palästinensischem Zitrusproduktion im besonderem zu fördern. Ormsby-Göre erwiderte: Die Antwort auf den ersten Teil der Anfrage kann ich bejahend erteilen. Was den zweiten Teil der Frage betrifft, so liegt die Förderung des palästinensischen ZStrushaindels wohl im Kompetenzbereich des Ausschusses, doch obliegt die Festsetzung des Programms dem Ausschuß selbst. Ich kann daher nicht vergreifen. y KURZE NACHRICHTEN Landeskonferenz der Zionisten Jugoslawiens. Aus Belgrad wird gemeldet: In der Makkaibi-Halle in Belgrad hielt der Zionistenverband Jugoslawiens seine Landeskonferenz ab, an der über 100 Delogierte teilnahmen. Der Präsident der Zionistischen Welt-Organisation und der Jewish Agency, Dr. Chaim Weizmann, sandte ein Begrüßungsschreiben, in dem es heißt: „Ungeachtet aller Schwierigkeiten werden wir unser Werk fortsetzen, biß unserem Volk und unserem Lande der Sieg gegeben wird.“ Die Konferenz nahm die Tätigkeitsberichte des Nationalfonds und des Keren Hajessod entgegen und besprach die Entwicklung des Zionismus in Jugoslawien. Prager Antisemitenblatt eingestellt. Aus Prag wird gemeldet: Ein in Prag erscheinendes Antisemitenblatt, „Arijsky Zpravodaj“, hat sein Erscheinen eingestellt. Der Herausgeber, der tschechische Journalist Maixner, war vor einiger Zeit der unerlaubten Verbindung mit reichsdeutschen Stellen bezichtigt und verhaftet, dann aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Bin Jude im Luxemburger Parlament. Aus Luxemburg wird gemeldet: Der liberale Abgeordnete des Luxemburger Parlaments Marcel C a h e n wurde bei den jüngsten Wahlen als einziger jüdischer Kandidat auf der Liste der liberalen Partei wiedergewählt. Abg. Gaben ist Präsident der Jüdischen Gemeinde in Luxemburg. Der Autobus - Betrieb von Tel - Aviv. Aus T el-Aviv wird gemeldet: Die Tel« Avtver Autobusgesellschaft, die „Hamaavir Cooperative Society City Bus Service Tel- Aviv—Jaffa Ltd“, macht folgende Mitteilungen über das letzte Betriebslahr: Es stehen zurzeit 15 Linien im Betrieb, die von 344 Mitgliedern der Kooperativgesellschaft und sonstigen Arbeitern bedient werden. Die Jahreseinnahmen sind von 1935 bis 1936 um T7%, von 144.563 auf 147.015 Pfund gestiegen. Es wurden 1936 4,500.000 km gefahren und 32,250.000 Passagiere befördert. Im letzten Jahre wurden vier neue Linien eröffnet; eine Linie konnte während der Unruhen nicht betrieben werden, was einen schweren Schaden bedeutet hat, da gerade diese Linie die einträglichste war, 92 Autobum «40*