Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 651 (15.6.1937)
- Date
- 1937-06-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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fllrfON flliflllf I Ehret das Andenken Theodor Herzls - JUUUI wlbllj! Kommet zum Grabgang am 20. Juni! 5Stimme ' ’S JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 651 Wien, Dienstag, 15. Juni 1957 6. Tamui 5697 io. Jahrgang Italiens Interesse in Palästina New York, 10. Juni. (JTA.) In einem Bericht ans Jerusalem wird der „New York Times“ geschrieben, daß die Araber sich für die italienische Propaganda empfänglich zeigen, um auf diese Weise Zugeständnisse von England zu erlangen. Sie behaupten, die Geringfügigkeit der letzten Arbeiterschedule habe gezeigt, daß sie mit dieser Politik auf dem rechten Wege sind. Nahum Goldmann dementiert Interview Auf Grund telephonischer Anfrage bei Dr. Nahum Goldmann sind wir zu folgender Erklärung ermächtigt. E r s t e n 6: Das im „Morgen“ von heute, 14. Juni, veröffentlichte Interview mit Dr..Nahum Goldmann hat niemals stattgefunden und ist frei erfunden. Zweitens: Solange der Bericht der Königlichen Kommission nicht veröffentlicht ist, gehören alle Mitteilungen über eine Teilung Palästinas in das Gebiet müßiger Kombination. Drittens: Präsident Weizmann ist in London. Die Mitteilung des „Morgen“ über seine bevorstehende Ankunft in Genf entbehrt jeder Grundlage. (Unsere Nachrichten über das Palästina-Problem veröffentlichen wir im Innern des Blattes.) Ausgewiesener Araber für Bari-Sender engagiert Wahlkampf zum Kongreß! Jerusalem, 10. Juni. (Palcor.) Der wegen hetzerischer Tätigkeit aus Palästina ausgewiesene Redakteur der arabischen Zeitung „Al Islamia“, der aus Syrien stammt, hat die italienische Staatsangehörigkeit erworben und erhält eine Anstellung in der Ru n df u nks t ati on Bar i, die täglich arabische Programme ausschickt. Der Terror Jerusalem, 10. Juni. (Palcor.) Ein arabischer Polizist wurde während einer Waffeneu ehung in einem arabischen Dorf bei Jerusalem angcechossen und schwer verletzt. Im Bezirke Dschenin sind die -Insassen von 5 arabischen Autos von Räubern ausgeplündert worden. Zahlreiche wohlhabende Araber erhalten Drohbriefe, während auf den Mauern der Moscheen und auf arabischen Geschäften in S a f e d Anschlagzettel angebracht werden, in denen Arabern, die bei Juden kaufen, schwere Strafen in Aussicht gestellt werden. Die Amnestie Jerusalem, 9. Juni. (Palcor.) Anläßlich des Geburtstages Königs Georg VI. hat der Oberkommissär 20 Häftlingen den Rest ihrer S t r a f o erlassen, während 27 anderen die Strafzeit um ein Jahr reduziert worden ist. Unter den ersteron befinden sieb 4 Juden, die verschiedener Delikte überfülhrt worden sind, sowie e i n A r a b e r, der 1929 wegen Mordes während der Unruhen zum Tode verurteilt, später jedoch begnadigt und statt dessen zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Unter denjenigen, deren Strafzeit um ein Jahr gekürzt worden ist, befinden sich die folgenden: Izohak C h a n k i n, der 1935 wegen Tötung eines sich unbefugt auf jüdischem Boden in Kuskus Tabun aufhaltenden Arabers zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurde; Schlomo Jacobson, der 1934 aus einem ähnlichen Grunde 7 Jahre Gefängnis erhielt (in seinem Falle handelte es sich um die Tötung eines arabischen Unbefugten auf Koren Kajemeth- Bodcn in Ramat Joohanan); A. N e h a m a und II. Daphan, die am 31. Juli 1936 wegen Waffenbesitzes auf der Wache in einem jüdischen Steinibruoh zu 6, beziehungsweise 7 Jahren verurteilt wurden. Die Exekutive -der Jowish Agency hatte sich wiederholt für die Begnadigung dieser vior eingesetzt. 1RMandatefürTschedioslowakei Prag, 11. Juni. (JTA.) Auf Grund der Ergebnisse der Schekelaktion in den Jahren 5696 und 5697 hat der Landas-Schekolverband für die Tschechoslowakei bei der Zionistischen Exekutive 12 Delegiertonmandate zum XX. Zionistenkongreß angefordert. Beim XIX. Zionistenkongreß waren die tschechoslowakischen Zionisten durch 11 Delegierte vertreten. Ara 1. Juli werden die Kongreßwähler zur Urne gehen. Die weitesten zionistischen Kreise waren zwar und sind auch weiters der Meinung, daß dieser Wahlkampf nicht nur überflüssig, sondern auch schädlich ist. Überflüssig, weil auch diesmal, wie vor zwei Jahren, nur sieben Mandate zur Besetzung gelangen und ein Wahlkampf nur dem Landesverband, der an Mitgliederzahl gewachsen ist, einen Mandats gewinn bringen kann und gerade der Landesverband die Initiative zum Verzicht auf einen Wahlkampf ergriffen hat. Schädlich ist dieser Wahlkampf, weil er in einer zionistisch, jüdisch Und allgemein gespannten Atmosphäre stattflnden muß und insbesondere die schweren Entscheidungen des Kongresses eine ruhige Aussprache der Parteien gebieterisch fordern. Die Einheitsliste ist aber bekanntlich daran gescheitert, daß das „Arbeitende Palästina“ (Binjan Haarez) den Wahlkampf will. Die Wähler werden nun wissen, wo die friedlichen Zionisten zu finden sind und werden denen, die den Weg zum Frieden verrammelt haben, am 1. Juli die Antwort mit dem Stimmzettel geben. Die Herren, die den Frieden torpediert haben, tragen auch die Verantwortung für . die Verschärfung der Situation, für den kommenden Wahlkampf und seine Folgen. Das soll hier ausdrücklich festgestellt werden. Ebenso der Umstand, daß der kommende Wahlkampf keine Agitation für den Zionismus ist. Denn zionistisches Verantwortungsgefühl verbietet geradezu diesen unnötig heraufbeschworenen Kampf. Wer gegen die Friedensstörer ist, wird für den Nationalen Block eintreten, der aus dem Landesverband und dem Verband der Judenstaatszionisten bestehen wird, wozu wahrscheinlich noch Misrachj hinzukommen wird. Um einer bereits von gegnerischer Seite in Szene gesetzten Legendenbildung zu steuern, sei hiemit ausdrücklich festgestellt: Das gemeinsame Programm der Gruppen des Nationalen Blocks besteht in ihrem Eintreten für ein ungeteiltes Palästina, für gleiche Rechte für alle Volksteile in Palästina unter Ablehnung jedes Klassenkampfes von welcher Seite er immer kommen möge und in der Respektierung der religiösen Forderungen in Palästina. Darüber hinaus verbleibt jede Gruppe des Nationalen Blocks bei ihrer ideologischen und programmatischen Einstellung und es bestehen über den Wahltag hinaus keinerlei Bindungen. Die Blockbildung ist eine wahltechnische Maßnahme, um ein praktisches Beispiel dafür zu geben, daß ungeachtet des Bestehens ideologischer Differenzen, doch auch die friedliche Zusammenarbeit verschiedener Gruppen möglich Ist. Die Bildung des Nationalen Blocks beweist, wo in Wahrheit die Tendenz zu einträchtiger zionistischer Kooperation besteht und wo von Frieden, Territorialverband und dergleichen mehr aus taktischen Gründen geredet wird. Das Ergebnis der kommenden Kongreßwahl wird den Beweis dafür liefern, daß die überwältigende Majorität der Zionisten in Österreich sich nicht irreführen läßt und zu den vom Nationalen Block vertretenen Prinzipien steht Sämtliche Vorbereitungen für eine intensive Wahlagitation sind getroffen und in den nächsten Tagen wird der Nationale Block mit einem Wahlaufruf vor die Öffentlichkeit treten. Meldet euch zur Wahlarbeit! Agitiert, zerstreut falsche Nachrichten und gebt denen die richtige Antwort, die nur vom Frieden reden, aber gegen den Frieden praktisch arbeiten! Ein überwältigender Sieg des Nationalen Blocks wird den Friedensstörern beweisen, daß die zionistische Öffentlichkeit von ihnen nichts wissen will. Englands Verpflichtungen gegenüber Polen London, 10. Juni. (JTA.) Im Zusammenhang mit. einer vom Londoner Verband der jüdischen Hilfsorgamisart/ionen clurcbgelüihrten Aktion zur Hilfeleistung für jüdische Kinder in Polen veranstaltete das Laidie’s Commitee in Leeds ein Bankett, dessen Reinertrag-, 1000 Pfund, der Aktion angeführt wurde. Dem Bankett wohnte als Ehrengast die Herzogin vomAthoU bei. Der Vorsitzende dos Banketts, Pirol. Selig Brode t s k y, begrüßte die Herzogin und dankte iihr, daß sie sieh nicht niur der evakuierten Kinder von Bilbao annehme, sondern auch der notleidenden jüdischen Kinder Polens. In ihrer Ansprache führte die Herzogin unter anderemaius: „Es ist unsere Pflicht, den jüdischen Kindern in Polen zu helfen, i ebenso wie wnir den baskisohem Kindern geholfen haben.“ Nach einem Vergleich der Lage der Juden im heutigen Polen mit der im »amtiiedhem Rußkmid märte sie weiter: England hat als einer der Völkerbund- Staaten, die durch ihre Unterschrift die Minderheitenrechte der Juden Polens garantiert haben, diesen gegenüber große Verpflichtungen zu erfüllen. Es muß dahin wirken, daß die Rechte der Juden nicht verletzt werden, mindestens aber bestrebt sein, ihre Leiden so weitgeheiuPwie irgend möglich zu mildern. Auf diese Weise wird England der Welt zeigen, wie fremd der Geist des Rassenhasses dem Wesen des britischen Volkes ist. Wir bekämpfen die antis^emitischePropaganda in unserem eigenen Lapde und machen es klar, wie wichtig es ist, daß die alte englische Tradition von Gleichheit und fair play allen loyalen Bürgern zugute kommt. Dies sind wir schon den jüdischen Bürgern unseres Staates schuldig für all das, was sie für unser Land getan haben.“ Die Vorgänge in Rußland Der eben durchgeführte Prozeß gegen den Marschall Tuchatschewski und seine sieben Genossen hat sich in einer Atmosphäre schwerster nationalistischer Stimmung abgespielt. In Moskau wurden Umzüge der Arbeiterschaft veranstaltet, denen Plakate vorangetragen wurden, welche die Entfernung aller Nichtnissen aus der Verwaltung und der Armee forderten. Im ganzen Reich hat eine Agitation eingesetzt, die mit den alten antijüdischen und auch fremdenfeindlichen Schlagworten arbeitet. Alle auswärtigen Beobachter, die sich noch in Rußland befinden, melden übereinstimmend, daß sich eine Umstellung der gesamten Administration und der Exekutive vollzieht, die von den höheren Offizieren ausgeht und auf nichts anderes abzielt, als auf eine Annäherung an Deutschland, was zunächst die volle Angleichung in. puncto Juden voraussetzt. Als ein besonders auffälliges Zeichen dieses Kurswechsels soll die Abberufung des Gesandten Suritsch aus Berlin gelten, der dort als Jude nicht genehm war und jetzt nach Paris versetzt worden ist. In diesem Blatt ist schon vor einigen Monaten, nach den Prozessen gegen Sinowjew und Radek, auf diese Vorgänge in Rußland hingewiesen worden. Schon damals mußte der antijüdische Zug im System auffallen. Tatsächlich hat der. Antisemitismus in Rußland niemals auf-, gehört und auch die Anteilnahme von sozialistischen jüdischen Intellektuellen an der Revolution hat an der Grundstimmung der Massen nichts ändern können. Der europäische Judenhaß hat die Zahl und Bedeutung der in den russischen Staatsdienst eingetretenen Juden maßlos überschätzt und zu seinen heimtückischen Zwecken das Märchen vom jüdischen Bolschewismus ausgesonnen. In Wirklichkeit ist . das jüdische Volk in Rußland durch den Kommunismus fast in Trümmer geschlagen worden und die Judenpolitik des Kommunismus hat die soziale und nationale Abtötung des Judentums ganz offen betrieben und sie hat für diesen Zweck auch die tätige Mithilfe der Assimilation organisiert, die in der Jewsekziga alles notwendige Material zusammentrug. Die jüdische Millionenbevölkerung wurde auseinandergerissen, ein Teil in die Krim, ein anderer in den Femen Osten getrieben, um gemäß den Absichten der Regierung „kolonisiert“, kollektivisiert und ent* judet zu werden. In der Krim wurden die Juden ohne staatliche Unterstützung, ohne Geld und landwirtschaftliche Ausstattung auf Boden angesetzt, der den Romanows und den Tata-ren weggenommen worden war. Dadurch wurde die Feindschaft der Monarchisten und der kleinen Nationalitäten gegen die Juden immer frisch und wach erhalten. Weiters wurde die angebliche jüdische Republik Birobidschan zu dem Zwecke errichtet, um bei den befürchteten Kriegen Japans und der Mandschurei ein jüdisches Glacis zu schaffen. Das Geld für diese Staatsgründung gab nicht der russische Staat, sondern es kam von jüdischen Millionären in Amerika, die sich so politisch mißbrauchen ließen. Zu alldem ist auch noch eine geistige Niederknüppelung des Judentums vollzogen worden, die sich unter verschiedenen Parolen abspielte. Einerseits wurde unter der Gottlosenmaske eine Kampagne gegen die Synagogen geführt, die zum größten Teil geschlossen oder in Arbeiterklubs und Kinos umgewandelt wurden. Anderseits wurde der Zionismus als gegenrevolutionär, als „englisch-imperialistisch“ verfemt und verboten. Die hebräische Sprache wurde unterdrückt, die Beschäftigung mit der hebräischen Literatur als. staatsgefährlich ausgegeben. Tausende von Zionisten und von sozialdemokratisch gerichteten Juden wanderten in die Konzentrationslager am Eismeer oder in die sibirische Tundra .und sind dort zugrunde;jegangen.