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Die Stimme · 1937-06-11 · Heft 650 (11.6.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 650 (11.6.1937)
Date
1937-06-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. MO. — Wien, Freitag, 11. Juni 1987. Olt STIMMI Seite 3 BAD ISCH! "HP3 P9n|l°ii Lehnsr ^2 rvwi 1» FTfflob Streng rituell« Köche mH eigenem Schichter e Großer schattiger Garten, schöne Balkon«, erstklassige Köche Volle Pension von 7 bis 10 S pro Tag Atisk.’: Wien, IX., G!asergaese4a/Sl Tel. A19-0-72 (1-3) KURZE NACHRICHTEN 100.000-Pfund-Anleihe für Tel-Aviv Aus T e 1 - A v i v wird gemeldet: Die Palästina-Regierung hat der Stadtverwal tung von Tel-Aviv eine Anleihe von 100.000 Pfund zur Errichtung neuer Schulen und anderer städtischer Bauten bewilligt. Mit den Bauarbeiten sol bereits in allernächster Zeit begonnen werden. — Der Tel.*Aviver Magistrat hat die jüdischen Industriellen der Stadt aufgefordert, die Fertigstellung neuer und Erweiterung bestehender Unternehmen mit Rücksicht auf die gegenwärtige Lage auf dem Arbeitsmarkt zu beschleunigen. Konferenz jüdischer Pflanzer. In Tel Aviv fand eine Konferenz der Leitungen der Pfkmzmrugskooperati ven zuir Regelung gemeinisaimier Angelegenheiten, wie Export, S eh iffsibef öndmimg, Einkauf von Verpackungsmaterial usw. statt. Eingehend wurden auch Fragten der Graipefmitkiuiltur hesprocihiem. In sämtföcheu Fragen wunde fast vollständige Übereinstimmung erzielt. Die etwa gleichzeitig abge.halteme Konferenz arabischer Pflanzer, an der über tausend Personen, darunter viele Kaufleute und Politiker, teilgemommem haben, ist ergebnislos verlaufen, weil infolge des politischen Gegeansiatzes zwischen den Anhängern der Niashräishiiibis und der Husseinis das geplante gemeinsame Komitee nicht eingesetzt werden konnte. Marinekonferenz auf hoher See. Aus Jerusalem meldet Palcor: Die Vertreter der verschiedenen Gesellschaften und Vereine, die die Entwicklung jüdischer Marinetätigkeit zum Zwecke haben, haben sich heute auf dem jüdischen Dampfer „Har-Zion“ eingeschifft, um im Laufe einer 48stündigen Kreuzfahrt über diese Fragen zu beraten. Jerusalem bleibt Sitz des Oberrabbinat«. Aus Jerusalem wird gemeldet: Der asohkenasische Oberrabbiner von Palästina, Dr. Jizchak Hertzog und der sephardische Oberrabbiner Jakob Meir, haben dem neuen Chefsekretär der Paläsfcinaregierung, Battershill, einen Antrittsbesuch abgeetattet. Auf die Frage des Ghefsekrefäis, wo er seinen Sitz habe, antwortete Oberrabbiner Hertzog: „Als Oberrabbiner des Landes muß ich in der Hauptstadt des Landes wohnen; ich hoffe, daß sie die Hauptstadt bleiben wird auch vor der Ankunft des Meechiach.“ Die Plane der Pica Jerusalem, 9. Jiuni. (JTA.) die Paleetine Jewish Golonization Association (Pica) beabsichtigt einen großzügigen Ausbau ihrer Tätigkeit. Im Zusammenhang damit ist der vor kurzem neu ernannte Generaldirektor der Gesellschaft, Gott lieb, zu einem kurzen Besuch in Palästina eingetroffen. Heute umfaßt der Bodenbesitz der Pica in Obergaliläa allein 60.000 Dunam, fast den ganzen in jüdischen Händen befindlichen Boden dieses Landesteiles. Auch jetzt nimmt sie Bodemankäufo vor. Besondere Aufmerksamkeit widmet die Gesellschaft zur Zeit der Bewässerung ihrer Terrains. In den letzten Jahren wurden in ihrem Auftrag 10.000 Meter neue Brunnenbohrungen vorgenommen, was Kosten von 300.000 Pfund erforderte. Dadurch ist es gelungen, 12.000 Dunam zu bewässern. Eine zweite wichtige Aufgabe erblickt sie darin, ihre Siedlungen auf gemischte Wirtschaft umzustellen, um Platz für Siedler zu schaffen. Zu diesem Zweck hat die Pica einen Konsolidierimgspian ausgearbeitet, durch den es den zwei Kwuzot, Kfar Gileadi, Ajelet Haschachar und Gescher Delnamia ermöglicht werden soll, wirtschaftlich unabhängig zu werden. Die Durchführung dieser Konsolidierungsaiktion ist auf vier Jahre berechnet und wird etwa 50.000 Pfund erfordern. Ferner veranlaßt die Pica jetzt eine Erweiterung des T abakbaus in Rosch Pina, wobei zur Bedingung gemacht wird, daß in den Pflanzungen nur Juden beschäftigt werden. Die Entwäisserungsarbeiten der Pica in dem Kabara-Sumpf gebiet stehen vor dem Abschluß. Nach den mit einem Kostenaufwand von 150.000 Pfund'durchgeführten Entwässerungsarbeiten werden mindestens hundert jüdische Familien auf dem ehemaligen Sumpfgelände angesiedelt werden können. Gegenwärtig wird eine Untersuchung über die Kulturen durchge führt, die für das neugewonnene Gelände in Betracht kommen. BLONDELÜ POWEU Deine besten Begleiter für Reise und Weekend sind die bekannten Feinwurst- und Seldiwaren- Spezialitäten FILIALE BADEN, RAINERRING 18 />enrrUET PRATER HAUPT ALLEE (PRATERFEE) Uftürrfltl EISEN Reform des Reformjudentums Colutmbus (Ohio), 8. Juni (JTA.) Auf der Jahresversammlung der Zentralkonferenz der amerikanischen Reformrabbiner hielt der Präsident der Konferenz, Dr. Felix A. L e v y, eine Ansprache, in der er zur Rückkehr zur Tradition im jüdischen Leben aufrief. Er führte unter anderem aus: „Es ist dem Reformjudentum nicht gelungen, in das jüdische Leben entscheidend einzudringen. Wir müssen zugeben, daß die Anhänger der Reformhewegung in der Beseitigung der althergebrachten jüdischen Formen und rituellen Bräuche weiter gegangen sind, als ursprünglich in unserer Absicht gelegen war. Der R e f o r m g edanke hat sich überlebt; die Rückkehr zum traditionellen Judentum ist ein Gebot der Stunde. Die Konferenz wird einen Weg suchen müssen, um die lebendige Verbindung mit den jüdischen Massen und ihren Lebensformen wiederherzustellen und gemeinsam mit dem orthodoxen und konservativen Judentum den Gefahren der Verweltlichung wirksam zu begegnen. Das amerikanische Reformjudentum stehe vor einer vollkommenen Neuorientierung in der Richtung einer Annäherung an das konservative Judentum Was not tut, ist ein Zusammenschluß aller religiös gesinnten Juden und eine Abkehr vom Geist des Materialismus. Der Materialismus verherrliche die Brutalität und vergotte den Diktator; das habe das Beispiel des Nationalsozialismus, Faschismus und Stalinisimis gezeigt." Unter den zur Annahme gelangten Resolutionen werden die Fragen des Sabbath Schutzes und der Heranziehung der Arbeiterkreise zur jüdisch-religiösen Bewegung fest gelegt. TAWIG-TAPETEN sind billig und schaffen ein freundliches gemütliches Heim Wir reduzieren unser Lager und haben auch unsere Preise gewaltig reduziert TAWIG A. G. I., Schottenbastel JO, Telephon U 28-4-72 Habimah-Truppe verunglückt Auswanderung von Arabern aus Haifa. Aue Jerusalem wird gemeldet: Im östlichen Stadtviertel von Haifa sollen eine Anzahl baufällige Baracken, die von Arabern bewohnt werden, niedergeriesen werden. Die Einwohner demonstrierten gegen die Delogierung. Sie begaben eich zuim italienischen Konsulat, wo eine Abordnung von ihnen vorsprach, und dem Konsul die Bitte unterbreitete, die obdachlos gewordenen in Schutz zu nehmen und ihre Auswanderung in einederitalienischen Kolonien zu ermöglichen. Der Konsul versprach, das Ansuchen a?n die zuständige Stelle weiterzuleiten. Araber beten für Mussolini. Aus Jerusalem meldet JTA.: Anläßlich des von den christlichen Arabern in der Geburtskirche in Bethlehem veranstalteten Herz-Jesu-Gottesdienstes wurde ein Gebet für Mussolini, den „Befreier vom britischen Imperialismus“, verrichtet. Neue Eisenbahnstation in Haifa. Aus Haifa wird gemeldet: In der Nähe des Ha/ifaar Hafems wurde eine neue zentrale Eisenbahnstation eröffnet. Die bisherige Station „Kairmel“ wurde aufgehoben. Henry Sliousberg gestorben. Im Alter von 76 Jahren verstarb in Paris der bekannte russisch-jüdische Rechtsanwalt H. Sliousb o r g. Der Venstorbene, der unter dem Zarismus als Verteidiger jüdischer Rechte hervortrat, war jahrelang 'Präsident der jüdischen Gemeinde in Petersburg. Seit vielen Jahren lebte Sliousberg in Paris, wo er als Vorsitzender der russisch- Wde uns aus T i b e r i a s telegraphiert wird, hat sich dort am 6. d. ein schweres Automobil'unglüok ereignet, von dem unter anderem das Habima h-E nsemble, das eine Tournee durch den Galil machen wollte, betroffen wurde. Der Autobus, in dem sich mit dem Chauffeur G o 1 d z w e i g zwölf Personen befanden, übereohlug sich in der Nähe der Stadt. Bei dem Unglück wurde die hinter dem Chauffeur sitzende Frau R e i sb 1 y, Besitzerin eines Hotels in Tiberias, hinausgeschleudert und sofort getötet. Der Häbimah-Sohauspieler Mosche A v i t a 1 erlitt einen Schädelbruch, dem er später erlag. Ferner wurden verletzt: Nathan Jas pi (Rippenbruch), Aaron Meskin, Michael K1 a t z i n, Memachem B e n j a m i n i, Asher Katzneison (weniger schwere Verletzungen); Hanna R o w i n a, Fania L ub i 11 und Schoschanna D e o u e r konnten nach Verbandauflegung aus dem Krankenhaus entlassen werden. Der Chauffeur Goldzweig kam mit leichten Verletzungen davon. Die Leiche Avitals wurde nach Tel-Aviv gebracht und im Theater der Habimah aufgebahrt. Das Gebäude ist schwarz drapiert; die zionistische Fahne ist auf Halbmast. 15 neue Kooperativ-Gesellschaften in Palästina. Aus Jerusalem wird gemeldet: In der „Palestine Gazette“ wird bekanntgegeben, daß in der letzten Woche fünfzehn neue Kooperativgesellschaften, davon acht arabische, eingetragen worden sind. Unter den sieben jüdischen Kooporativgeeellsohafton gibt es landwirtschaftliche Absatzgenossen schäften ln Rischon le Zion, Raanana und Herzlia, landwirtschaftliche Kibbuzim in Kfar Chassidim und eine Bau-kooperative in Teljüdischem Gmueincle großes Ansehen genoß. Mond. Große Menschenmengen ziehen an der Bahre vorbei. Zahlreiche Kränze nnd Beileidstelegramme, darunter eines von der Exekutive der Jewish Agency, sind eingetroffen. Am Begräbnis werden Abordnungen aus dem ganzen Lande teilnehmen. Die für den 7. d. angesagte Aufführung des Ohel sowie das Konzert des Symphonieorcbesters sind verschoben worden. Der Zustand der anderen Verletzten hat sich wesentlich gebessert. Restaurant Billet Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs a S 1*90 u. 2*60 II., Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke) Jakob Avital Generalintendant Leopold J e s s n e r, der, wie bekannt, eine Zeitlang in engster Verbindung mit der Habimah stand, gibt uns folgende Würdigung des verstorbenen Avital: Er hat zuletzt unter meiner Regie den Melchthal in „Wilhelm Teil* in der Bialikschen Übersetzung gegeben. Avital war eine eminente Hoffnung der zukünftigen Habimah. Er gehörte zu den stärksten schauspielerischen Persönlichkeiten, die ich überhaupt kennengelemt habe, ein Mensch, der, wo immer er auf der Bühne stand, mit einem tiefen Vorantwortliohkeitsgefühl seine Stelle ausfüllte, in der Überzeugung, daß er mit seinem schauspielerischen Tun für die Entwicklung des jungen jüdischen Landes arbeitet. Er war eine seltene Mischung von künstlerischer Spielfreudigkeit und nationaler Eingabe. 1 AUF DER. BÜHNE : KURZES GASTSPIEL iUEJÜANSQtlS UflGU&INTEN» __O Todesurteil in Warschau Warschau, 8. Juni. (Priv.) Eine Warschauer Strafkammer hat heute nach seohstägiger Verhandlung den Reservisten Jehuda C! haßkiel e wie z, der seinen früheren Wachtmeister in Minsk-Masowieski im Vorjahr auf offener Straße niedergeschoesen hatte, wegen Mordes zum Tode verurteilt. Die Tat gab seinerzeit das Signal zu schweren antisemitischen Ausschreitungen in dem Städtchen. Der Staatsanwalt bezeiohnete in seinem Plädoyer den Angeklagten a 1 s d a s S y m h o 1 d e s J u d e n t u m s» das gegenüber Polen eine staatsfeindliche Haltung einnahm. Auch daß Gericht nahm in seiner Urteilsbegründung an, daß der Angeklagte aus seinem Gegensatz zwischen jüdischer und polnischer Bevölkerung heraus sowie unter dem Einfluß linksradikaler Agitatoren gehandelt hätte. Ghaskielewioz selbst erklärte, er habe sich für Schikanen während seiner Dl ens t z eit rächen wollen. Die ärztlichen Sachverständigen bezeichnten ihn wegen krankhafter Reizbarkeit als vermindert zurechnungsfähig, doch schlossen sich die Richter diesem Gutachten nicht an. Das von der polnischen Öffentlichkeit mit großer Spannung erwartete Urteil ist von der Verteidigung sofort durch Anmeldung des Berufungsverfahrens augefoebten worden. Von rechtsradikaler Seite wird der ganze Prozeß zu neuen judenfeindlichen Agitationen benutzt. * ... * * Ein armer jüdischer Invalider namens Chaskeliewicz hat im Vorjahre in einem Städtchen bei Warschau nach einem Wortwechsel einen polnischen Unteroffizier erschossen. Die Tat gab den polnischen Chauvinisten den Anlaß zu einem schweren Exzeß, bei welchem zahlreiche jüdische Männer und Frauen schwer verwundet und jüdische Gesohäftsläden demoliert wurden. Die Untersuchung ergab, daß der erschossene Wachtmeister Bujak den Chaskeliewicz während der Dienstzeit so arg mißhandelt hatte, daß der Mann geistesgestört wurde. In dieser Verfassung hat er den Akt. begangen. Der Fall, so schwer er menschlich wiegt, hat an sich nichts, was ihn über das Kriminelle hinaus auffällig machen würde. Aber obzwar* die ärztlichen Sachverständigen die juristische Vorantwortungsfähigkeit des Angeklagten negierten, nahm doch der Staatsanwalt die Gelegenheit wahr, die Tat aus der jüdischen Feindschaft gegen die polnische Armee zu erklären. Der Senat schloß sich dieser Auffassung an und verurteilte Chaskeliewicz zum Tode. Damit ist die Einleitung zu einem neuen Sturm der polnischen Chauvinisten und ihrer Huligans gegen die Juden vollzogen. Freilich bedurfte es, um das in Polen seit Jahren betriebene Ausrottungswerk vorwärts zu bringen, kaum mehr dieser Affäre. In diesem Staate ist vom ersten Tag seiner Existenz an ein System des exzessiven Antisemitismus eingerichtet worden, das in Europa kaum Beachtung gefunden hat. Der Pogrom ist von Polen gar nicht wegzudenken. In die Hunderte zählen bis heute die jüdischen Todesopfer, und die Juden, die zu Krüppeln geschlagen worden; der materielle ■Schade ist kaum zu übersehen. Und daneben vollzieht sich in allen Schichten der staatlichen Einflußsphäre der Prozeß des kalten Pogroms, der Abwürgung jüdischen Lebens und Arbeiten«, verbunden mit einier unvorstellbaren Verarmung der jüdischen Massen, Die böse Parole, daß in Polen drei Millionen Juden zuviel sind, wirkt sich in einer nie rastenden Kampagne aus, die mit politischer Verhetzung, mit Mord und Terror arbeitet und ihre Absichten keimen Augenblick verhüllt. Die sozialen Mißstände in Polen, die aus der Anspannung aller Mittel für die militärischen Zwecke entstanden sind, schreibt man einfach den Juden zu mul sic werden im Polen genau so wie anderwärts schlecht-

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