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Die Stimme · 1937-06-08 · Heft 649 (8.6.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 649 (8.6.1937)
Date
1937-06-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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WfeDj Dienstag, 8. Juni 1937. — Nr. 649. * Oll STIMMI Satt« 5 Palästina-Pottasche Die „Palcstine Potash Ltd.“, die sich mit der Ausbeutung der Mineralsohäfcze des Toten Meeres befaßt, ist eine der größten Indnstrieunternehmnngen Palästina®. Im Jahre 1932, dem ersten Arbeitsjahr, betrug die Produktion 10.000 t. Pottasche. Seither steigt die Produktionsmenge ständig (1935 — 19.000 t, 1936 — 21.000 t). Im Jahre 1936 wurde mit dem europäischen Kartell ein zufriedenstellendes Arrangement erzielt, das sieh im Nahen Osten gut auswirkt. Das Tote Meer ist im britischen Weltreich die einzige Produktionsstätte für Pottasche, Bromine und Magnesiumsalze. 50% der Ausbeute an Pottasche werden iim englischen Weltreich ahgesetzt. Gearbeitet wird an der Nord- und an der Südküste des Toten Meeres. Der Arbeitsplatz an der Südküste liegt teils in Palästina, teils in Transjordanien. Die Pottasche wird gewonnen, indem Wasser aus dem Toten Meer gepumpt und in großen Pfannen verdunstet wird. Die Pottasche findet hauptsächlich als Düngemittel Verwendung. Nebst der Pottasche werden hauptsächlich Bromine gewonnen Der Export von raffinierten Brominen stieg von 407 t im Jahre 1935 auf 493 t im Jahre 1936. Die Potash Company hat ein nominelles Kapital von 800.000 Pfund, wovon zirka 95% eingezahlt sind. Sie beschäftigt 700 Arbeiter, Juden und Araber, die auch — was besonders hervorgehoben werden muß — auch während der letzten Unruhen freundschaftlich untereinander verkehrten. Von den zwei palästinensischen Direktoren ist einer Jude und der andere Araber. R. J. Maid: Zwischen Hammer und Amboß Zu den Ländern mit einer „akuten“ . dem Zionismus öffentlich abschwört, er muß Judenfrage hat sieh neuerdings auch Itaj sich auch jedweder aktiven Gegnerschaft lien mit seiner verschwindenden Judenzahl | zu den Rassentheorien des „Dritten Reigesellt. Wiewohl es für jeden kritischen Bej ehes“ enthalten, weil dies mit der deutschobachter außer Zweifel steht, daß der in I italienischen Freundschaft unvereinbar sei. Italien jetzt systematisch'organisierte anti-j Mit anderen Worten: Er darf künftighin jüdische Pressefeldzug vor allem von außen-; nicht gegen die beispiellose Diffamierung politischen Erwägungen bestimmt wird und: seiner Abstammung, seines Wesens, seines daher fürs erste auch noch den Nebenzweck Glaubens und seiner vieltausendjährigen verfolgt, das italienische Volk, das bis nun Vergangenheit Einspruch erheben, er darf Körperliche und geistige Frische sind die kostbarsten Güter des Lebens in der Jugend wie insbesondere im Alter Bewahren und mehren Sie diese Schätze durch ständige, sorgsame Pflege Aires Körpers. Das beste Mittel für alle Zwecke der Körperpflege — Einreibungen, Packungen (Umschläge), Mundwasser usw. — ist DIANA- Franzbranntwein mit Menthol ln Jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „Diana“ und nehmen Sie nur „Diana“. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurQckzuweisen Die Städte Palästinas Die Statistik hält in Palästina mit der Wirklichkeit nicht Schritt. Das gilt auch bezüglich der Einwohnerzahl der Städte, die auf der Zählung von 1931 beruhen. Damals war noch Jerusalem diie größte Stadt, heute hat Tel-Aviv um 40.000 Einwohner mehr als Jerusalem. Gegenwärtig beträgt die Einwohnerzahl der zehn größten Orte Palästinas: Totale Juden Araber Tel-Aviv k « i 140.000 140.000 — Jerusalem , » * 100.000 65.000 35.000 Haifa , 4 95.000 65.000 30.000 Jaffa . * * 55.000 5.000 50.000 Nablus . , * 17.000 — 17.000 Ilehron * S 17.000 — 17.000 Gaza . . * 17.000 — 17.000 Petach Tikwah 16.000 16.000 — Lydda . . 11.000 — 11.000 Rcihovotih . 10.000 10.000 — Totale 478.000 301.000 177.0ÖÖ Aus diesen Ziffern ist zu ersehen, daß die Juden 63% der Bevölkerung ausmaehen, die Araber 37%, und daß die Juden in Jerusalem und Haifa die Majorität halben. Die jüdischen Beamten in Palästina Jerusalem, 3. Juni. (JTA.) In dem Bericht des Jerusalemer Vereines jüdischer Beamten wird festgestellt., daß die Zahl der Mitglieder von 1934 bis 1936 von 478 auf 983 gestiegen ist. In den nationalen Institutionen arbeiten 277 Beamte (vor droi Jahren 178), in Geschäften 132 (94), in Privatbureaus 142 (54), in Banken 112 (75), in der Stadtverwaltung 82 (6), in öffentlichen Institutionen 51 (28), in den Institutionen der Histadruth 54 (28). Die übrigen Mitglieder sind zurzeit arbeitslos. Zionisten in Biro-Bidschan 1 Jerusalem, 3. Juni (JTA.). „Dawar“ bringt eine Meldung seine® Sonderkorrespondenten ans Biro-Bidschan, wonach zwei Gruppen der dortigen jüdisch-kommunistischen Jugend, die im „Komsomol“ organisiert waren, wegen zionistischer Tätigkeit von Biro-Bidschan strafweise nach K a i k n s kstan yeraohiqkt worden sind. einen Antisemitismus „europäischer“ Prä' gung nicht kannte, mit antijüdisohen Gedankengängen und Schlußfolgerungen zu befreunden, so beleuchtet nichtsdestoweniger das jüngste italienische Beispiel fanalartig nicht mehr für seine gepeinigten und entehrten Stammesbrüder (denn die allermeisten Gruppen der assimilierten Juden lassen den ebenso nebulösen wie elastischen Begriff der „Stammeß“gemeinßchaft und die abgrundtiefe Hoffnungslosigkeit der j „Stammes“solidarität gelten) in Deutsch- Assimilation. Die italienischen Juden sind in | land Partei ergreifen. Was von ihm da geihrem überwiegenden Teil assimiliert. Sogar fordert wird, ist die Preisgabe seiner restlos assimiliert. Sie unterscheiden sich! menschlichen Würde. Und es ist mehr als ■weder ihrem äußeren Habitus nach von den zweifelhaft, ob der Artikelschreiber des südländischen Italienern, noch durch ihr geistiges Gebaren. Der Zionismus hat zwar die wertvollsten Elemente der dortigen Juidenbeit erfaßt, aber seine Anhänger sind zahlenmäßig ziemlich schwach und außerdem besitzt der Zionismus der italienischen Juden meist einen phiiantropisohen Charakter, den ja in anderen Ländern auch die abseits vom Zionismus stehenden assimilierten Juden propagieren. Bis zum englischitalienischen A'bessinienkonflikt pflegten maßgebende Faktoren des neuen Italiens und führende Parteiorgane bei verschiedenen Gelegenheiten ihre Sympathie und Bewunderung für das jüdische Aufbauwerk zu äußern. In den italienischen Mitgliedern der Mandatskommission des Völkerbundes haben wir nicht selten verständnisvolle Interpreten unserer Rechte gefunden, italienische Behörden haben jüdische Marineschulen wohlwollend gefördert. All das hat die italienischen Juden ermuntert, ihre zionistischen Sympathien als mit ihren staatsbürgerlichen Pflichten als durchaus verednibarlich anzusehen. Diese Sachlage änderte sich von Grund auf mit der zunehmenden italienisch-englischen Spannung. Diese Spannung mitsamt ihren Begleiterscheinungen ist im Augenblick das Regulativ und das Bestimmende der italienischen Außen- und Innenpolitik. Die Folgen dieser Politik, das Werben um die islamische und arabische Welt, die Achse Berlin-Rom sind die unmittelbaren Ursachen der gegenwärtig herrschenden antijüdischen Tendenzen. Denn trotz der Versicherung des „Popolo d’Italia“, des offiziösen faschistischen Organs, daß man in Italien nicht beabsichtigt, eine antisemitische Bewegung ins Leben zu rufen, erhebt das Blatt in demselben vielbeachteten Artikel gegen die ganze italienische Judenheit, und keineswegs nur gegen die Zionisten, eine Reihe von Vorwürfen und Beschuldigungen, die zum großen Teil den Handbüchern des Goebbelssohen Antisemitismus entnommen sind. Die Kultusgemeinden (fast durchwegs von Assimilanten geleitet) seien Propagandazellen für antifaschistische Interessen, wobei als eine solche schädliche und unbedingt abzustellende Propagandatätigkeit auch der Protest der italienischen Juden gegen die nationalsozialistischen Rassentheorien und gegen den Rassenantisemifcismus bezeichnet wird. Das Blatt fordert von den Juden Italien® erklärte „Feindschaft“ gegen das „internationale, freianaurerische und subversive Judentum“. Das „internationale, freimaurerißohe und subversive Judentum“ ist nach der nationalsozialistischen Begrifi'emystik, die jetzt, wie es scheint, auch in Italien Eingang finden soll, ein Synonym für das Judentum in der Welt schlechthin. Eine noch entschiedenere antisemitische Spracho führen andere Publikationen der letzten Zeit. So bezeichnet zum Beispiel, um nur ein weitere® Beispiel hervorzuheben, der italienische Gelehrte Cogni, der übrigens ein italienisches kultur-politisches Amt in Hamburg leitet, die Juden als dio Vorkämpfer des Kommunismus. « Wie wir sehen, ward auch der assimilierte Italienische Jude auf eine harte Gewissensprobe gestellt. Es genügt nicht, wenn er „Popolo d’Italia“ ernstlich daran glaubt, daß ein Jude, welcher fähig ist, sein elementarstes jüdisches Ehrgefühl zu vergewaltigen, und der der elementarsten Solidaritätspßiebt mit seiner Gemeinschaft entsagt, noch überhaupt imstande sei, auch in der Eigenschaft als Bürger seines Staates Ehre und Pflicht zu wahren. Im übrigen bekämpft naturgemäß auch die katholische Geistlichkeit Italiens, dem Beispiele des Vatikan® folgend, den nationalsozialistischen Rassenwahn, ohne im mindesten in ihrem Patriotismus angeraweifelt zu werden. * In diesem jüngsten Beispiel tritt wieder einmal die Tragik der Assimilation in ihrer ganzen haltlosen und verfehlten Urkonzeption zutage. Wenn auch „das subversive Judentum“ eine feststehende Redewendung darstellt, so hat doch der Schreiber des „Popolo d’Italia“ so er die italienischen Juden zur Feindschaft und zum Kampf gegen das Judentum auffordert, augenscheinlich ganz konkrete Fälle im Auge. Das „freimaurerische und subversive Judentum“ stellt nebenbei in dem von uns behandelten Artikel eine euphemistische oder besser deterriorative Bezeichnung' dar,für einige wenige Männer jüdischer Herkunft oder jüdischer Abstam mung, die in jenen französischen politischen Gruppen wirken, welche die gegenwärtige Regierungspofitik Frankreichs leiten oder stützen, und die auf eine enge Zusammenarbeit zwischen England und Frankreich hinarheiten. Oder sind auch damit, wie es andere wissen wollen, noch die paar jüdischen Namen unteT den Prominenten der Pariser und Londoner Finanzwelt gemeint, die angeblich den Anleihebestrebungen und den übrigen wirtschaftlichen Wünschen des neuen Imperiums wenig Verständnis ent' gegengebracht hätten? Aber diese Menschen wollten gar nicht als Juden handeln, son dem glaubten im Gegenteil, als Franzosen oder als Engländer nur so und nicht anders vergehen zu müssen, weil dies von ihnen das Interesse ihres Vaterlandes verlangt hatte. Das heißt: Sie haben pflichtgetreu und im Sinne ihres Staates und im Einvernehmen mit ihrer Regierung so gehandelt, wie es, läge der Fall umgekehrt, der „Popolo d'Italia“ auch vou den jetzt zurechtgewiesenen italienischen Juden als Selbstverständlichkeiten erwarten würde. Restlos assimilierte italienische Juden werden mitverantwortlich gemacht für die Gesinnung restlos assimilierter Juden eines anderen Staates, die dann als „internationales Judentum“ angeprangert werden. So führt sich die Assimilation selbst ad absurdum. Und wir haben es eigentlich nicht mehr notwendig, noch einmal auf die selbstverständliche Tatsache hinzuweisen, daß das bewußte Judentum, das jüdische Volk als solches und als ganzes jedem Volke und jeder Regierungsform eines andern Volkes dio gleiche Achtung und den gleichen Respekt entgegenibringt und lediglich verlangt, daß man auch sein Eigenleben entsprechend respektiere. Das jüdische Volk, welches unter den schwierigsten Opfern an Gut und Blut seine alte Heimat wieder aufrichtet, strebt nicht als sein letztes Ziel an, jemandes politischen oder militärischen Zielen zu dienen oder die wirtschaftlichen und politischen Belange eines Der Hercl-Ornlwiiia findet heuer am Sonntag, den 20. Juni/ um 10 Uhr vorm, statt SOEBEN IST IM VERLAG R. LÖWIT Wien und Jerusalem erschienen: Die goldene Gasse Jüdische Sagen u. Legenden Vornehmer Geschenkleinenband S 12.60 Den alten Prager Märchen und Legenden, den „Sippurim", wird hier eine Reihe der schönsten Erzählungen entnommen und frei nacherzählt. Die Auswahl und Herausgabe besorgte Heinz Politzer, der Prager Maler Friedrich Feigl hat das Buch mit der Kraft und Anmut biblischer Visionen ausgestattet. So ist das Buch ein Geschenkwerk geworden, das sich zu allen Feiertagen des jüdischen Jahrs, des jüdischen Lebens von selbst empfiehlt Durch jede gute Buchhandlung oder direkt bei R. LÖWIT Wien, I., Wo11zeile Nr, 6 andern zu bekämpfen, sondern es will einzig und allein durch Schaffung eines Judenstaates die krankhaft abnormale Lage des jüdischen Daseins beenden, um sich um sein eigenes Schicksal unabhängig von der unbeständigen Wetterfahne fremder Gunst und Ungunst bemühen zu können, unabhängig von den wechselnden politischen Tageskonstellationen Europas, deren Spannungen sich immer irgendwie auf uns, die Hilflosen und Einsamen, hinter denen kein Maohtgebilde steht, entladen. Und was unsere Zusammenarbeit mit England anlangt, so wurde dieses Weltreich vom Völkerbund und unter hervorragender Mitwirkung Italiens selbst nur dazu ausersehen, dem jüdischen Volke bei seiner staatlichen Wiedergeburt behilflich zu sein. * Die italienischen Juden werden jetzt vor Fragen und Entscheidungen gestellt, die ihre jüdische Reife beschleunigen werden. Sie befinden sich zwischen Hammer und Amboß. Audi ihren Naumann besitzen sie bereits. Das untrügliche Negativ einer positiven geistigen Umlagerung. Der Schriftleiter der jüdischen „La nostra bandiera“, Adv. Ovasa, gibt den antisemitischen Publizisten redit. Er bezeichnet die italienischen Zionisten als „bezahlte Agenten Großbritanniens“, die den italienischen Interessen entgegenarbeiten. Man kann nicht — führt er weiter aus — gleichzeitig guter Italiener und Zionist sein. Palästina, als ein für drei Religionen heiliges Gebiet gehört auch nicht, mehr dem jüdischen Volke. Die italienischen Juden warten nur auf einen Wink des Duce, um dem Zionismus in Italien ein Ende zu bereiten. Also uns wohlbekannte Klänge. Eine Gesinnung, die wie ein Gespenst aus der Zeit der inneren Unfreiheit und des Zwanges der frühen Emanzipationsepochen in unsere Gegenwart horübenspaikt. Aus Unsicherheit und Angst begegnet man dem Antisemitismus nicht vom jüdischen Standpunkt aus, sondern man macht ihm Konzessionen, man geht willfährig auf seine falschen Gedankengänge ein und streift die letzten fiktiven Bindungen mit der jüdischen Gesamtheit ab. War wollen zwar glauben, daß die gegen-

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