Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 648 (4.6.1937)
- Date
- 1937-06-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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feite 4 Oll ITIMMI Nr. «48. — Wien, Freitag, 4. Juni 1007. den verpflichtenden Namen gegeben habe, und daß es das Hauptziel der Institution sei, aufrechte, disziplinierte, selbstbewußte Juden hea-anzubilden. Den Abend verbrachten wir in angenehmer Stimmung gemeinsam mit den Sportlern in einem Gartenrestaurant an der Donau und traten erst in später Nachtstunde die Heimreise an. Df. A. W. Zu den sportlichen Wettkämpfen wäre noch zu erwähnen, daß die Tennisspieler der Hakoah—J. K. J. am Turnier mit Erfolg teilnahmen. Frl. Lord wurde Zweite im Damen- Singie und gemeinsam mit Herrn T o r c z vner Zweite im gemischten Doppel. VltokÖdeMufy U4t(L (4% dkHlacocItä-BeÜM* fuhren die nächsten Sonntagsfahrten des Zionistischen Landesverbandes am 13. und 27. Juni. Nähere Daten in der nächsten Nummer der „Stimme" Der politische Geburtstag des Propheten Von M. Y. Ben-gavrle! Beh. konz. RealbOro Ing. M.Mühlbauer Kau| und Verkauf von Realitäten. Hypotheken I., II. und III- Satze, Bau- und Zwischenkredite Gebäudeverwallung * Büro s Franz-Josefs-Kal 11 fei. R-25-0-44 Wohnung: ll„ Vorgarlenslr. 160, Tel. R-41-8-88 Das hebräische Buch Jehuda Grasowski: Milion hassafa haiwrith, Dwir-Verlag Der Autor war Pionier der Iwrith-Beiwrith Methode und einer der ersten Lehrer, denen unser Volk die Belebung der Sprache in der Schule in Erez Israel verdankt. Er stellte sich die Aufgabe, den hebräischen Wortschatz zu heben und in Wörterbuch-Form zu verbreiten- Mit David Jellin gab er ein hebräisches Wörterbuch (Iwrith-Beiwrith) heraus, das mehrere Auflagen erlebte und unstreitig das beste seiner Art — für den normalen Gebrauch — darstellte. Die späteren Auflagen gab er selbst heraus. Jetzt hat Grasowski das Buch „Million hassafa haiwrith“ folgen lassen, da« unbeschränktes Lob verdient. Es stellt sozusagen das Lebenswerk des Autors dar. Die Vorzüge dieses Wörterbuches 3ind: 1. seine Vollständigkeit; 2. es enthält auch die aramäischen Worte, sofern sie sich in der hebräischen Sprache eingebürgert haben; 3. von allen Wörtern werden zwei bis drei Quellen angeführt-, in denen die Verwendung dieses Wortes vorkommt. Oft ist die Erklärung ein Kommentar dieser Stellen. 4. Die hebräische Erklärung der Worte ist populär und trotzdem sehr exakt. 5. Worte, die sich auf die Fauna und Flora beziehen, sind ins Deutsche, Englische, Französische und Russische übersetzt. 6. Die grammatikalischen Hauptformen der Haupt- und Zeitwörter sind ebenfalls angegeben. 7. Wenn ein Wort in verschiedenen Sprachbildem verwendet wird, so führt der Autor diese an (z. B. maley [voH]; malej jad ermächtigen); 8. dasselbe geschieht mit den Sprichwörtern, in denen die Worte Vorkommen. Dr. Ch. Tartakower. ■nrnnfflnniiiniiHffliifflnimiuHiiimiitnmmuiuiimiinitowwnmuuuimumoummromnuii ZIONISTISCHES VOKABULAR (Fortsetzung.) Miflegeth Poalej Erez-Israel (abgek. „Mapaj“) Vereinigte palästinensische Ärbeiterpaa: tei Mischar we Taseiah „Handel und Industrie“, Monatsschrift Mischpat haschalom „Friedensgericht“, Organ der freiwilligen Gerichtsbarkeit unter den Juden Palästinas Misrachi (Abk. für „Merkas Ruchani“, „geistiges Zentrum“) Orthodoxe zion. Vereinigung Moazah Rat, Tagung gewählter Vertrauensmänner Moschaw =s Siedlung Mosobaw Owdim Genossenschaftliche Kleinbauernsiedlung Moschawah Kolonie Neschef Abendfeier Negew südlichster Teil Palästinas New Judea engl. Wochenzeitung der zion. Exekutive Nir Organisation zur Förderung von Hilfswirtschaften der landwirtschaftliohen jüd. Arbeiter Noar owed „Arbeitende Jugend“; soz.-zion. Jugendorganisation in Palästina Noar Zioni Allgemein zionistische Jugendorganisation Ohel „Das Zelt“, Theatertruppe der palästinensischen Arbeiterschaft Olim Palästina-Einwanderer Olej Austria Vereinigung der österr. Einw 0 r 01* Oneg Schabath „Sabbat-Freude“, Sabbatfeier Ort Gesellschaft zur Verbreitung de« Handwerkes und der Erziehung zur produktiven Arbeit unter den Juden Paleetine Electric Corporation von Ruthenberg gegr. Gesellschaft zur Elekfcriflzfei urig Palästinas (Fortsetzung folgt.) Eine Woohe nach der Krönung des Königs von England feierte da« arabische Palästina das Fest Mawled en nebi, den Geburtstag des Propheten .Mohammed. Dieser, einer der zehn gesetzlich anerkannten Ha-uptfeiertage der Mohammedaner Palästina«, wurde bis zuletzt in diesem Land — im Gegensatz zu Ägypten — nur als verhältnismäßig stille Feier in der Moschee begangen, ohne daß die nichtmusl-imische Bevölkerung viel davon bemerkte. In diesem Jahr aber fühlt« ma,n schon einige Tage vor dem Fest eine merkwürdige Bewegung in den arabischen Quartieren; es tauchten Fahnen und Girlanden in dein Straßen auf und als der Festabend a.nbrach, begann man in einem, in Palästina kaum noch gesehenen Ausmaß zu feiern. Hat plötzlich eine Welle religiöser Begeisterung die Mohammedaner Palästinas erfaßt oder haben wahhaibitiishe Missionäre die mehr politisch als religiös interssiertem städtischen Araber zum rechten Glauben zurückgeführt? Legen die mit farbigen Bändern oder die mit der zum arabischen Banner ernannten transjordanisohen Flagge, geschmückten Menschen und Autos damit ein neues Bekenntnis zum Propheten ab, das niemand bezweifelte? Nein, der Geburtstag de6 Propheten wurde zum Anlaß genommen, ein Trutzfest feiern zu können und trotz der — durch das Radio übertragenen — großen Feder in der hochheiligen Moschee El akea und trotz der durchaus religiösen Ansprache des Muftis in der Moschee — sind alle die Farben und Fahnen, die etwas kindlichen Raketen und die Revolver- und Gewehrschießereien nichts anderes als Ausdrucksformen eines Willens, sich demonstrativ bemerkbar au machen.. Aber, und das ist cte Wesentliche, es war eine Demonstration weit weniger für die Religion Mohammeds, die ja von keinem Menschen angegriffen wurde, als für die politischen Ziele der nationalistischen arabischen Parteien Palästinas. Noch vor einem Jahr — von früheren Zeiten giar nicht zu sprechen — war, wie gesagt, der Geburtstag des Propheten eine stille, nicht weiter auffallende religiöse Feier, wie es ihrem Sinn entspricht. Dieses Jahr aber ist das Jahr der höchsten politischen Spannung nach den Unruhen, da die Tendenz, durch Straßenbewegungen einen propagandistischen Druck auszuüben, sehr naheliegend ist. .Nun muß jedo Gelegenheit ergriffen werden, den arabischen Charakter des Landes zu 'betonen. Nun traf es sich, daß eine Woche vor dem Fest der König \iou England gekrönt wurde, was Jerusalem und das Land in ein Meer von Fahnen tauchte. Eine Woche lang waren die Städte festlich beleuchtet, die Engländer veranstalteten Paraden, die Juden schmückten ihre Häuser, die Straßen waren voll Menschen. Es hatte eine Woche lang tatsächlich den Anschein, als feiere ein Teil Englands ein englisches Freudenfest. Die Araber, die sich im Gegensatz zu England befinden, bekamen von ihren Parteien die Weisung, sich an den Feiern nicht zu beteiligen und ihre Häuser nicht zu schmücken. Da aber infolge der Sdoherheitsvorkehrungen Demonstrationen gegen die Feier nicht möglich waren, mußte die negative Stellung der Araber im allgemeinen Festtrubol verschwinden, was die etwas unkomplizierte politische Propaganidatechruik der Araber natürlich schädigte. Es war also selbstverständlich, daß die eiste sich bietende Gelegenheit voll ausgenützt wurde. Derart ausgenützt, daß die Ausschmückung der arabischen Häuser in Jerusalem allein dem Obersten Muslimischen Rat, einer religiösen, aber durchaus politisch agierenden Behörde, rund 3000 Pfund kostete, wa« eine immerhin bemerkenswerte Summe darstellt. Die Technik des Feiems diesevs in ein nar tionalee Fest umgowand eiten religiösen Festes zeigte aber wieder dio merkwürdige Armut an eigenen Ausdrucksformen und eigenen Gedanken de« dem europäischen fculturciinfiuß ausgeseUten Orients. Es war Wer nicht« zu sehen, was man — abgesehen vou den Farben der Fahnen — nicht in einer europäischen Provinz«Lidt vor dreißig, vierzig Jahren hätte schon können. Keine einzige, einer großen Tradition arabischen Kunstgeschmack« entsprechende Feierlichkeit, sondern allein politische, a.uf Lärmentwicklung bedachte demonstrative Zusammenfassung großer Menschenmengen. Die Araber kopierten da« — künstlerisch gleichfalls sehr mäßige —• Beispiel der von ihnen bekämpften Juden und Engländer. Die Assimilation des nationalen Gedanken«, seiner Inhalte und Formen, wie seiner Propagandatechnik an Europa schreitet fort. Es ist eine merkwürdige Assimilation der Anti-Assimilation, deren Äußerungen sich vom europäischen Beispiel nur dadurch unterscheiden, diaß der kon« «truiktive Gedanke des nationalen Aufbau« infolge primitiver Freude am Kampf in die zweite Linie zurückgedrängt erscheint. Das religiöse Moment wird im fortschreitend ein Maße, wie dieser Geburtstag Mohammeds beweist, zum nationalen Element gemacht, ein Vorgang, der soweit geht, daß sogar die arabischen Chrißton den Geburt«« tag des mohammedanischen R o 1I« gionestifters festlich begingen — oder aber begehen mußten. Ob es aber nicht über kurz oder lang zu einer Re—aktion des Religiösen gegen das Nationale, zu einer Auseinandersetzung zwischen Panislamismus und Panarabiamus kommen wird, das ist freilich eine andere Frage. GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNHEHL ZENTRALE, IX., BERGGASSE NUMMER 19 TELEPHONNUMME» A 17-3-99 unH A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen f. n®3-Fleli«li unter Aufsloht des Ehrwürdigen Rabblnatsder laraelltlschon Kultusgemeinde Wien Autozustallung kostenlos IX., Berggasse 15, XVIII., Währingerstraße 71 Die ungeschminkte Wahrheit Von M. Medzlnf. Der Autor dieses Artikels ist Redakteur des Haarez und Verfasser mehrerer in hebräischer Sprache erschienener Werke über die Geschichte des politischen Zionismus. Er war seinerzeit auch Generalsekretär der Jewish Agency in Palästina. Die Stellung der einzelnen zionistischen Parteien zu den irmerzionistiaohen Problemen ißt mit einer Ausnahme bekannt, nur die der Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten ist noch schleierhaft. Obwohl diese Vereinigung beim letzten Zionistenkangreß, der 463 Delegierte zählte (darunter 209 Delegierte der Arbeiterpartei), 100 Delegierte hatte, war sie unfähig, auf die Entscheidungen de« Kongresses und auf die nachträglichen Entscheidungen der Exekutive einen Einfluß a/ußzuüben. Was wird diese Gruppe nun tun? Wird sie innerlich zerklüftet bleiben und weiter der Vollstrecker fremden Willens «ein oder wird eie die Lehre aus den Erfahrungen der letzten zwei Jahre ziehen? Das ißt nicht eine Frage des Prinzips oder des Programms. Diesbezüglich gilbt e6 keine Meinungsdifferenzen unter den Allgemeinen Zionisten. Die Grundprinzipien sind da und dort im wesentlichen dieselben: Nationale Einigkeit und Priorität der nationalen Interessen, Opposition gegen Klassenkampf, und folgende Forderungen: Regelung der Arbeitebeziehungen zwischen Kapital und Arbeit auf nationaler Basis, Kontrolle der Finanzgebamng, Einsetzung eines Wirtschaftsrates und ein einheitliches Erziehungswerk in Palästina. Von diesem Prinzip der Einheit ausgehend, verlangt die Weltvereinigung programmatisch eine einheitliche Arbeiterorganisation in Palästina, die rein gewerkschaftlicher Natur und kein politisches Werkzeug in den Händen einer Partei sein soll. Aber mit dem Programm allein ist nichts getan. Es hat wenig wert, wenn hinter ihm nicht eine Organisation steht, die bereit ist, für seine Verwirklichung zu kämpfen. Voraussetzung hiezu ist aber ein geeinter Wille, der bei der Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten weder beim letzten Kongreß noch seither in Erscheinung getreten ist. Für diese Situation sind hauptsächlich die Allgemeinen Zionisten in den Englisch spreolienden Ländern verantwortlich. Beim Luzern er Kongreß wurde eine Koalitionsexekutive gewählt. War dias aber eine Koalition aller Kräfte? Die Schlüsselstellungen befinden sich in Händen der Arbeiterpartei, so das politische Departement, dessen beide Mitglieder dier Linken angehören. Das Finanzamt liegt ebenfalls in den Händen eine« Linken, das Einwanderungsdepartement, das früher einmal ein Allgemeiner Zionist innehatte, hat jetzt ein Nichtzionist inne, der ebenfalls ein Mitglied der Hisbadruth ist oder ihr zumindest nahesteht. Die Kontrolle de« Ansied lungsdepartements liegt ln den Händen eines anderen Nichfczdonisten >n Zusammenarbeit mit einem Zionisten, der der Arbeiterpartei nahesteht. Die Allgemeinen Zionisten der Gruppe B übernahmen das Departement für Handel und Industrie, das aber natürlich vom Leiter des Finanzamtes, einem Angehörigen der Arbeiterpartei, abhängig ist. Die Gruppe A der Allgemeinen Zionisten bekam die Arbeiteabteilung des Einwanderungsdepartements, das in ein eigenes De« partement umgewandelt wurde. Das Organisationsdepartement hat drei Leiter, einen Linken und einen Allgemeinen Monisten, sowie einen MiißTachisten. Von den sogenannten „Unterstaats« Sekretären“ erhielt die Gruppe A eine Stelle im Informationsbüro des politischen Departements in London, eino wichtige Stelle — aber ohne jeden Einfluß auf die praktische PaJästinaarbeit. Andererseits erhielten die Arbeiterpartei und Misrachi je einen „Unterstaatsisekretär“ in Jerusalem, und zwar im Einwanderungsdepartement. So ha/fc dieses Departement drei Leiter, I Niahtzionisten, 1 Arbeiterparteiler und 1 Mdsrachistem. In diesem so wichtigen Departement, das eine Schlüsselstellung hat, sind also die Allgemeinen Zionisten nicht vertreten. So ist es nicht wunderzunehmen, daß die herrschende Partei nach ihren Wünschen die Geschäfte führt. Die Allgemeinen Zionisten, hauptsächlich aus Amerika, Afrika, England und Kanada, verließen dein letzten Kongreß mit Befriedigung, weil einige ihrer Hauptforderungen anerkannt worden waren. Was ist aber seither geschehen? Rebekka Schulsinger schreibt im Organ der Hadasßah („Hadassah New« Letter“) über die Gruppe A der Allgemeinen Zionißten, denen sich die Hadassah selbst beim letzten Kongreß angeschlossen hatte: „Die Gruppe A hat gleiches Recht für jeden Teil des jüdischen Volkes bezüglich der Einwanderung, der Ansiedlung und des Anteiles an der Verantwortung beim Aufbau des Landes verlangt. Sie hat weiter die Errichtung eines nationalen Wirtschaftsrates in Palästina verlangt, wodurch eine Kor- Eoration aller finanziellen Eigenschaften orbeigeführt werden sollte. Sie hat schließlich die bedingungslose Souveränität der Zionistischen Weltorganisation und die Priorität der nationalen Fond« aon Aufbauwerk verlangt.“ Wie sind, aber diese Prinzipien durohgeführt worden? Das Organ der allgemein« zionistischen Arbeiter („Der zionistische Arbeiter“), also jener Arbeiter, die politisch der Gruppe A angehören und in der Hisbadruth sind, losen wir: „Nach 10 Jahrein Organisationsarbeit der allgemein-zionistischen Arbeiter, nach 7 Jahren Kwuzah-Arbeit in Palästina haben wir nicht eine einzige Siedlung... Die für die Ansiedlung verantwortlichen Körperschaften haben uns benachteiligt. Gruppen, die nicht früher ins Land kamen als wir, wurden angesiedelt oder werden gerade jetzt angesiedelt. Wir hatten nicht dieses Glück... Wir verlangen, daß dio Fond« ein Ende mit dieser Diekrimination der Allgemeinen Zionisten machen.“ Diese schwere Anklage kommt nicht von geschworenen Feinden der Arbeiterpartei, sondern von Arbeitern, die loyale Mitglie-