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Die Stimme · 1937-06-01 · Heft 647 (1.6.1937) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 647 (1.6.1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit® Z Oll STIMME Nr. 647. Wien, Dienstag, 1. Juni 1987. Aufträge für Palästina Seriöser Kaufmann, soit einigen Jahren in Palästina, weilt vorübergehend in Wien und üb rnimmt kaufm Aufträge aller Art, auch Vertretungen leistungsfähiger Firmen und Placierungen von Hypotheken etc. Zuschriften unter Ja Referenzen Nr. 1D6“ an die Expedition des Blattes. Stärkung der Hachscharah Jerusalem, 25. Mai. (Palcor.) Die Vertretung der neugegründeten Vereinigung der flechaluz-Verbftnde bei der Jewish Agency hat in ihrer ersten Versammlung beschlossen, eine zahlreiche Delegation aktiver Arbeiter aue der Kibbuz-Bewegung zwecks Stärkung der Hachscharah in den Kibbuzim der Diaspora nach Europa zu entsenden. Höre Belisha Kriegsminister Dem neuen englischen Kabinett Neville Chamiberlain gehören zwei Juden an: Sir Höre Belisha, der bisherige Vorkehrsminister, wurde an Stelle Duff Coopers zum Kriegemdnister, und der bisherige Staatssekretär im Luftfahrtministerium Sir Philip S a s s o o n wurde zum Arbeitsminister ernannt. Höre Belisha, der einer altjüdischen Familie in England angehört, ist Nationalliberaler und diente im MacDonald-Kabinett als Finanzsekretär des Schatzamtes, aus welcher Zeit auch Chamberlains Schätzung seiner Fähigkeiten datiert. Sir Philip Sassoon, der ebeoso wie Sir Höre Beliska einer alten jüdischen Familie entstammt, blickt auf eine langjährige Tätigkeit als Unteretaatssekretär im L u f tfabrtministerium zurück. Als Erbauer der modernen englischen Luftflotte erfreut er sich im gesamten Empire größten Ansehens. low, iildis lim Nahum Goldmann: Die zwei Eventualitäten Genf, 28. Mai. (JTA.) Auf einer Tagung des Genfer Keren-Rajemeth-Kamitees hielt der Vertreter der Jewish Agency beim Völkerbund, Dr. Nahum Gold mann, ein Referat über die politische Lage des Zionismus. Dr. Goldmann erklärte, daß die Stellungnahme der zionistischen Instanzen zu den Teilungsplänen ln den Resolutionen der letzten Sitzung des Aktionskomitees festgeiegt ist. Wenn man uns wirklich den Vorschlag unterbreiten wird, eineu jüdischen Staat zu errichten, dann sind zwei Folgern n g e n möglich. Wird man uns ein Territorium geben, auf das wir im Verlauf der nächsten 15 bis 20 Jahre große Massen i von Juden aus Ost- und Mitteleuropa werden vorpflanzen können, dann werden wir am Beginn der Verwirklichung unserer Ziele stehen. Wird man uns aber ein Gebiet geben, das keine Möglichke i t für eine breite Massen ein Wanderung bieten wird, so wird das der Anfang vom Ende sein. Wegen der ersten Möglichkeit sind wir zu Verhandlungen bereit, über die zweite gibt es kein Wort zu verlieren; ihr sagen wir schärfsten Kampf an. Wir glauben, daß uns unsere Freunde in der ganzen Welt helfen werden, der gerechten zionistischen Sache zum Sieg zu verhelfen. Polnisches Gericht spricht Pogrommörder frei Warschau, 28. Mai. (JTA.) Der Prozeß gegen die fünf Banditen, die sich vor dem Lomzaer Gericht wegen Teilnahme an den antijüdischen Ausschreitungen in Niekute im Distrikt Sokolow-Mazowiecki zu verantworten hatten, endete mit dem Freispruch aller fünf Angeklagten. Als Folge der seinerzeitigen Ausschreitungen waren 15 jüdische Familien gezwungen, die Stadt zu .verlassen. Ein Artikel des „Manchester Guardian" London, 28 Mai. (JTA.) Der „Manchester Guardian“ veröffentlicht einen Leitartikel, in dem er die polnische Regierung vor weiteren Pogromen, ähnlich dem von Brest- L i t o w s k, warnt. In Polen, heißt es in dem Artikel, ist der Antisemitismus heute an der Tagesordnung und die Regierung duldet ihn, indem sie die wilden Ausbrüche und die Zerstörung entweder ignoriert oder deren Bekämpfung in frevelhafter Weise vernachlässigt. Ein Ergebnis dieser latenten Unsicherheit ist auch der schreckliche Pogrom von Brest- Litowsk vom 18. Mai. Diese Pogrome nehmen einmal die Form von Angriffen auf das Leben der Juden selbst an (im Jahre 1986 wurden in Polen über 1000 Juden überfallen und verwundet), ein anderes Mal äußern sie sich wie in Brest-Litowsk in vollkommener Vernichtung jüdischen Vermögens, um den Juden das Leben unmöglich zu machen. Es ist vielleicht aussichtslos, an die polnische Regierung zu appellieren, wo doch die offizielle Regierungspartei erst kürzlich die Juden ausgeschlossen hat. Wenn die polnische Regierung aber auf Achtung und Freundschaft im Ausland Wert legt, dann muß sie verhindern, daß man den Juden Leid zufügt und sie ins Elend gestoßen werden. MALZ - U. F E IGENKAFFEE! »! Eine pan-arische Union Dieser Tage sind die Statuten eines Vereines genehmigt worden, der sich „Panarische Union“ nennt, seinen Sitz in Wien hat und als seinen Zweck „die Förderung des staatlichen, zwischenstaatlichen und zwischenvölkischen Zusammenschlusses arischer und artverwandter Völker zum Schutz und zur Förderung ihrer geistigen, kulturellen und wirtschaftlichen Interessen“ angibt. Gemäß dieser Bestimmung liegen die Bestrebungen der Pan-arißchen Union nicht nur auf geistigem und kulturellem Gebiet, .sondern auch auf dem Gebiet, der Wirtschaft- Den Fragen des Wirtschaftslebens soll ganz besonderes Augenmerk zugewendet werden. Der angeführten Satzungsbestimmung ist ab©T auch, wie das „ Webblatt“ schreibt, zu entnehmen, daß es nicht nur darum geht, dem Überhandnehmen artfremden Einflusses Einhalt zu tun, sondern auch dahin zu wirken, den arteigenen kulturellen und wirtschaftlichen Raum zu erweitern. In das Tätigkeitsgebiet, der Pan-arischen Union fällt sowohl das gesamte Bundesgebiet als auch das g e s a m t e Ausland. Die Anschrift des Vereiuevs ist: P a n-a r i s c h e Union, Wien, VI., Joanclligasse 3. Der „Morgen“ berichtet dazu: Obmann ist der Industrielle Johann Walthari W ö 1 f e 1, XIII., Domayörgasse 9, erster Stellvertreter der Major i. R. Paul K a 11. s c h m i d, Buchdruckembesitzer, XIX., Gymnasiumstraße Nr. 40, der eine Zeitlang der monarchistischen Bewegung des Obersten Wolf nahegestand&n ist. Zweiter Stellvertreter ist Regierungsrat Professor Dr. Alois Scholz, Mödling, Badgasse 18, der politisch eine Zcitlang dem ehemaligen Handelnd,nistor S c h ü r f f nahestauid. Kassier ist der Kaufmann Eyck von Bonningsen, IV., Johann-Strauß-Gasse 28, erster Beisitzer Oberreohnungsrat i. R. Franz Hern dl, XIII., Einwanggasse 40, zweiter Beisitzer Polier Franz Grobauer, XIII., Gurkga-sse 40. Ferner gehören zu den Proponenten der ehemalige Generalkonsul P oter.e, der ehemalige B e z irksh au p tmann Koloman Liebenberg. Walter Riehl für 2 Buben, 4 und 8 Jahre, per 1. September nach Salzburg GESUCHT Kindergärtnerin bevorzugt. Dr. PAUL SCHWARZ, Salzbürg, Jahn3traße Nr. 6. Basel bedauert Die Baseler „Nationalzeitung“ befaßt sich mit der Meldung über die Einberufung des Zionistischen Kongresses nach Zürich und schreibt, in Basel bedauere man dies lebhaft. Das Blatt meint, daß sicherlich auch viele Zionisten es begrüßt hätten, wenn der Kongreß, der voraussichtlich dieses Jahr zum letztenmal in Europa stattfindet, in Basel, der Stadt des ersten und so zahlreicher späterer Kongresse, abgehalten worden wäre. Die Frontkämpfer an Rydz-Smigly Das Weltkongreß - Komitee Jüdischer Frontsoldaten, das nach dem letzten Weltkongreß der Jüdischen Frontkämpfer seinen Sitz in Wien hat (Comite du Congres Mondial des Anciens Combattant Juifs), richtete nachstehendes Schreiben an General Rydz-Smigly: „Wir sind keine Politiker und beabsichtige® keine politische Aktion, sondern bitten, unser Schreiben als Ausdruck unwandelbaren Vertrauens von Soldaten einem Soldaten gegenüber ansehen zu wollen. Wenn Sie, Herr General, mit der ganzen Kraft Ihrer Persönlichkeit sich für das Recht und die Gerechtigkeit auch der in Ihrem Lande wohnende® Juden annehmen werden, werden schließlich jene Momente aus geschaltet werden, die das Leben einer großen Anzahl unserer Glaubensgenossen zu einem schrecklichen stempeln. Wir wollen Sie nur bitten, sich dieser verfolgten Menschen anzunehmen, so wie es seinerzeit Ihr Vorgänger in der Führung der polnischen Armee und des Staates, Marschall Pilsudski, gemacht hat, dessen Andenken bei den jüdischen Frontsoldaten 6tets in Ehren gehalten wird.“ Kammersänger Alexander Kipnta wurde nachdem sensationellen Erfolg seines ausverkauften zweiten Konzertes von der Konzertrlirektion P". Hohenberg für einen dritten Abend verpflichtet, der im Rahmen der Wr. Festwochen am 8. Juni im Mozartsaal d. Konzerth. stnttfindet. Karten: Kasse D r. Hohenberg u. Konzerthauskasse. E. Erklärung der griechischen Regierung Athen, 27. Mai. (JTA.) In einer dier jüdischen Presse übergebenen Erklärung stellt der griechische Minister für Presse und Touristik, Nicolaudis, fest, daß die griechische Regierung an ihrer traditionellen Politik gegenüber den Juden und dem Zionismus festhält. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut: „Die jüdische Welt kann über die Lage und Stellung unserer jüdischen Mitbürger vollkommen ruhig sein. Wir hegen kein rassisches oder nationales Vorurteil. Wir kenne® die Juden, bewundern ihre Eigenschaften und sehen in ihnen ein den Gesetzen gehorsames, friedliches, loyales und ihren Wohnländern ergebenes Element. Die griechischen Juden weisen diese Merkmale in Vollkommenheit auf. Mit Zufriedenheit verzeichnen wir ihren Beitrag zu dem Fortschritt Griechenlands. Wir kennen keinen Unterschied zwischen ihnen und den Christen. Wir behandeln sie auf der Grundlage vollständiger Gleichstellung mit den christlichen Bürgern: alle haben die gleichen Pflichten und erfreuen sich der gleichen Rechte. Gegenüber dem Zionismus halten wir an der traditionellen Politik fest, die Griechenland seit Jahren befolgt hat. Griechenland, ein wichtiger Faktor im Mittelmeer, hat durch den damaligen Außenminister Politi8 als einer der ersten Staaten die Schaffung des Jüdischen Nationalheims in Palästina anerkannt. Griechenland und Palästina unterhalten kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen und betrachten einander als ausgezeichnete Nachbarn. Wir verfolgen mit größtem Interesse die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims und wünschen ihm vollsten Erfolg. Wir sind bestrebt, den Touristenverkehr zwischen Palästina und Griechenland zu verstärken; eine der Maßnahmen hierfür ist die Schaffung einer direkten Schiffsverbindung zwischen Griechenland und Palästina. Mit Vergnügen stelle ich fest, daß die Schaffung einer solchen Linie bereits beschlossen wurde. Ich bin davon überzeugt, daß der Touristenverkehr zwischen Griechenland und Palästina, sobald diese Linie den Betrieb aufgenommen hat, große® Umfang annehmen und so dazu beitragen wird, neue Bande zwischen den beiden Ländern auf allen Lebensgebieten zu knüpfen.“ Die Schiffahrtslinie Griechenland—Palästina Daß Amtsblatt veröffentlicht eine Verordnung des Marineministeriums, durch die die Schaffung einer regelmäßige® Schifffahrtslinie z wie ehe® Griechenland und Palästina angekündigt und ein Wettbewerb für den Betrieb dieser Linde für den 14. Juni ausgeschrieben wird. Der Wettbewerb steht allen griechischen Schiffahrtsgesellschaften offen. Ausgangspunkt der Linie wird Saloniki sei®. Durch die Verordnung des griechischen Marineministeriums wird ein dringender Wunsch der an den Handelsbeziehungen mit Palästina interessierten Kreise Griechenlands erfüllt. Erst vor kurzem hatte die Handelskammer von Saloniki sich telegraphisch an das Marineiministerium mit der Bitte um Schaffung der neuen Sohiffahrtelinie gewandt. Von jüdischer Seite bemüht man sich zu erwirken, daß die Schiffe der neuen Linie regelmäßig auch den Hafen von Tel-Aviv anlaufen. Zum Brennpunkt JQdisthen Interesses — dem Zionistenkongreß Zum Brennpunkt des Weltinteresses — der Weltausstellung Zum Brennpunkt südlicher Sonne — der Italienischen Riviera führt die Gesellschaftsreise, die der Klub „Erez Israel“ in der Zeit vom 1. bis 15. August durchführt Im Preise von S 298.— ist die Fahrt Wien—Wien, Schnellzug 3. Klasse, die Verpflegung, beginnend mit dem Nachtmahl in Basel und endigend mit dem Mittagessen an der Riviera, Gepäcktrausporte von und zu den Bahnhöfen, Trinkgelder und sonstige Abgaben inbegriffen. Gegen Aufzahlung von S 60.— kann der Aufenthalt an der Riviera um eine Woche verlängert werde®. Für rituelle Verpflegung ißt gesorgt. Da in einem späteren Zeitpunkt die Besorgung von Hotelzimmern vor allem in Paris, auf Schwierigkeiten stieße, ist baldigste Anmeldung erwünscht. Auskünfte und Anmeldungen täglich zwischen 12 und l Uhr im Zionistischen Landesverband, I., Marc-Aurel-Stoße 5, Tel U 22-2-11. Prospekte werden auf Wunsch zugesendet. ist Mitglied. Ob es sich um eine Tarnung des deutschsozialen Volks-bundes handelt, mag dahingestellt bleiben. Wahrscheinlich ist es ein Versuch des Antisemitenbundes, seine Basis zu erweitern. Wieweit reiabedeutsohe Einflüsse mitspielen, wird die Behörde festzus teilen haben, die es sehr interessieren muß, eine genaue Definition des arteigenen kul-. turclien Raumes zu erhalten. Hakenkreuzlüge Die „Politische Korrespondenz“ schreibt: „Der ,Angriff', das offizielle Organ der Deutschen Arbeitsfront, veröffentlichte am 25. d. eine Meldung, wonach im Laufe des Sommers in Wien ein „jüdischer Weltkongreß“ abgiebalten werden soll. Zut Vorbereitung dieses Kongresses habe Ende voriger Woche in Wien ein Ausschuß getagt, an dessen Beratungen über hundert Juden ans der ganzen Welt teilgenommen haben sollen. Im Mittelpunkt der Beratungen sei der jüdische Weltboykott gegen das Dritte Reich gestanden. Die „Politische Korrespondenz“ stellt fest, daß diese Meldung vollkommen unwahr ist. In Wien findet im Laufe des Sommers kein jüdischer Weltkongreß statt und auch für einen späteren Termin ist kein derartiger Kongreß angemeldet. Laut Meldung eines jüdischen Blattes versammelten sich am 18. Mai in Wien etwa 25 Mitglieder eines der Öffentlichkeit ganz unbekannten Komitees, das sich „Administrativkomdtee des jüdischen Weltkongresses“ nennt und nahm verschiedene Berichte über jüdische Angelegenheiten entgegen. Dieser unbedeutende Sachverhalt genügte dem Berichterstatter, die Abhaltung eines jüdischen Weltkongresses in Wien für den Sommer 1937 anzukündigen, und veranlaßt© das genannte offizielle Blatt zu gröbliche® Ausfällen. Die Falschmeldung wurde nämlich mit der ganzseitigen Überschrift „Jüdische Boykotthotzer im christlich deutschen' Wien zu Gast“ und dem Untertitel „Offene Boykott beschlösse von der Regierung geduldet“ veröffentlicht, weiter mit folgender Sohlußbemerkung versehen: „Vor allem aber ist es bezeichnend, daß in der Hauptstadt des .christlichen Ständestaates' ein Weltkongreß der Juden stattfinden kann. Die deutsche Bevölkerung Wiens schlägt man mit Gummiknüppeln und Säbelldingen nieder — wie eret jetzt hach dem Fandballkampf

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