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Die Stimme · 1937-06-01 · Heft 647 (1.6.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 647 (1.6.1937)
Date
1937-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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^Stimme JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 647 Wien, Dienstag, 1. Juni 1937 21. Siwatt §697 10. Jahrgang RIVIERA Woehen-Arrang. 8 Tag« S 135"« DALMATIEN-ra.^i 42‘- POLEN "Sonderzug, Abfahrt Jeden Sonntag PARIS "Sonderzug (hin und zurück) S 86*- Anmeldungen! REISEBÜRO n»DIC“ >•/ Karntnerstr. 41 f tKDI3 Telephon: K 21-5-78 Der Fluch der bösen Tat 'Aus einem Berliner Brief der „Reichspost“ sei die folgende Stelle zitiert: .. Bedauerlich ist nur, daß der gute Ruf des deutschen Volkes durch diesen Diffamierungsfeldzug schwer zu Schaden kommt. Denn wenn der Nationalsozialismus so skrupellos verallgemeinert, so tut es das Ausland erst recht. Es macht sich seine Gedanken über die sittlichen Zustände im deutschen Volk, es zieht aus den Behauptungen der deutschen Presse Schlußfolgerungen, die tief beschämend sind für jeden Deutschen.“ Es handelt sich um den Diffamierungsfeldzug des nationalsozialistischen Staates gegen die katholische Kirche. Das Hakenkreuz führt seinen Kampf gegen das Kreuz nicht von der politischen oder wissen-, schaftiichen Seite her, sondern von der kriminellen. Während im deutschen Mittelalter Bischöfe und Kardinale wegen Widerstandes gegen die kaiserliche Gewalt abgesetzt oder verurteilt wurden, hat der moderne deutsche Staat ein anderes, viel tiefer schneidendes Mittel gefunden. Er benützt Devisenvergehen oder Sittlichkeitsaffären zu groß aufgemachten Schauprozessen, 'die der Masse die Überzeugung beibringen sollen, als wären die Häupter und Funktionäre der katholischen Kirche in Bausch und Bogen Devisenschieber oder perverse Wüstlinge. Diese abscheuliche -Art des Kampfes hat auch zu der bekannten Rede des Kardinals von Chikago geführt, über die man sich im Dritten Reich so aufgeregt hat, daß man den Kardinal r— wegen seiner Freundschaft zu einem ad hoc erfundenen Juden verflucht. Das kann natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich die amerikanischen 40 Millionen Katholiken mit den Vorgängen im Reich mehr als in Berlin erwünscht ist, zu beschäftigen beginnen. Die „Reichspost“ klagt mit Recht darüber, daß unter solchen Sitten der gute Ruf des deutschen Volkes geschädigt wird und daß das Ausland die vom Nationalsozialismus unternommene Verallgemeinerung übernimmt. Der Nationalsozialismus hat aber in seinem Vorgehen gegen die Juden genau dasselbe getan, ohne daß es der „Reichspost“ besonders aufgofallen wäre, und er hat sich seine Rezepte aus jenem antisemitischen Arsenal geholt, zu dem die österreichischen Christlichsozialen so viel Rüstzeug beigestouert haben. Die österreichischen Christliehsozialen haben in ihrem Kampf gegen den Liberalismus, den sie einfach als jüdische Erfindung abtun wollten, alle Juden in Bausch und Bogen als wirtschaftliche Schädlinge, als Betrüger und Verbrecher verflucht, jeden kloinen oder großen Seitensprung irgend einos Juden einfach zur Diffamierung aller benützt und so die Meinung der Masse ui einer jahrelangen, mit allen damals bekannten Finessen betriebenen Kampagne verfälscht. Und heute stehen fast sämtliche Sättel dieser Richtung auch in Österreich an der Spitze der von den Nationalsozialisten bezahlten Hetze, bewußt oder unbewußt im Dienst der Todfeinde der Unabhängigkeit Österreichs, Genau da* was der Berliner Mitarbeiter der „Reichspost“ auszusetzen hat, genau das haben alle christlichen Antijuden seit je getan, gesagt, geschrieben und Berlin führt nur ihre Instruktionen robuster und bedenkenloser, wie das nun einmal arisches Wesen ist, aus. Für Berlin ist das gesamte Christentum in jeder seiner Arten jüdisch, wobei als jüdisch sowohl das Rassenmäßige bestraft wird, als auch das Geistige, denn man versteht als jüdisch jede Richtung oder Lehre, die die Gleichheit der Menschen vor Gott bekennt und die universalistisch ist, das heißt auf dem Standpunkt steht, daß auch außerhalb COFROOU feigen KAFFEE der dörfischen Gemarkung Menschen leben anderer Sprache, anderer Farbe und anderer Art, die nun einmal auch leben wollen, ohne sich dazu die Bewilligung irgend eines braunen Gauführers zu holen. Die Intoleranz dieser arisch-bodenständigen nordischen Sekte muß notwendigerweise gegen das Menschentum anftreten, und da ist ihr das christliche Bekenntnis genau so im Wege wie das Judentum, und sie führt ihren Kampf mit denselben Mitteln des Terrors, mit derselben Feigheit vor jedweder geistigen Auseinandersetzung — und sie macht mit Freude von den Usancen der Verallgemeinerung und Pauschalierung Gebrauch, die von den österreichischen Christlichsozialen in ihrem Sturm auf die Juden mit vollendeter Meisterschaft verwendet worden sind. Ormsby-Gore verteidigt die Sdiedule London, 28. Mai. (JTA.) In der Unterhaussitzung vom 26. Mai beetritt es Kolonienmimster Ormsby-Gore, daß für die Festsetzung einer so niedrigen Einwanderungsschedule für die Monate April bie Juli 1937 politische Gründe maßgebend gewesen seien. Er behauptete, daß die für die Regelung der .Einwanderung geltenden Bestimmungen des MacDonald-Briefes vom Jahre 1930 auch diesmal streng eingehalten worden seien. Minister Ormsby-Gore gab seine Erklälung in Beantwortung einer Anfrage des Abgeordneten Geoffrey Mander ab. Dieser hatte gefragt, ob der Kolonienminister bereit sei, die Gründe dafür anzugeben, daß laut der neuen Arbeitersohedule für Palästina nur 770 Einwanderer in den Monaten April bis Juli zugelassen werden sollen, etwa ein Fünfzehntel der angeforderten Zäh] und weit weniger als im gleichen Zeitabschnitt des vergangenen Jahres. Er fragte weiter, inwieweit die Gründe für diese Einschränkung mehr politischer als wirtschaftlicher Art seien. Minister Ormsby-Gore antwortete, der High Commissioner habe für die Monate April bis einschließlich Juli die Zulassung von 770 Einwanderern auf Grund der Arbeitersehedule bewilligt; die Festsetzung der Schedule in diesem Umfang sei nicht infolge einer Änderung der Palä-stinapolitik der Mandatarmacht erfolgt. Zweifellos habe sich der High Commissioner ausschließlich von den üblichen Kriterien leiten lassen, denen zufolge er die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit Palästinas in Rechnung zu ziehen habe. ’ . Audi in Beantwortung einer zweiten Anfrage, die der Abgeordnete David Adams an den Kolonienminister gerichtet hatte, betonte dieser, daß die Richtlinien der englischen Palästinapolitik unverändert geblieben seien. Der von dem Interpellanten ausgesprochenen Ansicht, daß die wesentliche Herabsetzung der Zerfcifikatenzahl gegenüber den von der Jewish Agency angeforderten 11.250 Zertifikaten einen politischen Kurswechsel andeute, hielt der Minister entgegen,' es sei im MaoDonald-Brief klar festgelegt worden, daß der High Commissioner die Verantwortung für die halbjährliche Festsetzung der Einwandererzahl zu tragen hat. Das Unterhaus wird über Palästina-Bericht verhandeln London, 26. Mai. (JTA.) Die Erklärung, | die Kolonienminister Ormsby-Gore auf eine Anfrage des Abg. Geoffrey Mander über den Bericht der Königlichen Kommission gab, hatte folgenden Wortlaut: „Ich erfahre, daß der Bericht der Königlichen Kommission Mitte Juni unterzeichnet werden wird. Bevor der Regierung der Bericht nicht vorliegt, kann eine Entscheidung überdie Prozedur nicht getroffen werden. Man hofft, daß es der Regierung möglich sein wird, ihre Schlußfolgerungen aus dem Bericht ohno Verzug zu ziehen und sie zugleich mit dem Bericht zu veröffentlichen. Selbstverständlich wird dem Unterhaus die Gelegenheit geboten werden, den Bericht und die Schlußfolgerungen gemeinsam zu diskutieren.“ Abg. Mander: Wird die Regierung nicht eine Veröffentlichung des Berichtes vor ihrer Entscheidung zu diesem in Erwägung ziehen, um es der öffentlichen Meinung innerhalb und außerhalb des Hauses zu ermöglichen, sich zu dem Bericht zu äußern? Minister Ormsby-Gore: Nein. Ich glaube, daß es die klare Aufgabe der Regierung ist, dem Hause die Ansichten der Regierung über den Bericht der Königlichen Kommis-1 sion vorzulegen, uim der sich daran knüpfen- | den Debatte eine Richtlinie zu geben. Lord I Peel und seine Kollegen hoffen, dem Kabinett den Bericht in der dritten Juni wo che zur Prüfung vorlegen m können. loh hoffe, daß bei der Vorlage des Berichtes und der Ansichten des Kabinetts über den Bericht keine Verzögerung eintreten wird. Weiters erklärte der Minister: Das Problem der Entschädigungen wird noch zu prüfen sein. Es ist offenkundig, daß es sich um eine sehr bedeutsame Frage handelt. Vom High Commissioner erfahre ich, daß die betreffenden Siedler zur; Zeit nicht Not leiden. Es ist klar, daß die Entschädigungsfrage nicht erörtert oder geregelt werden kann, bevor wir die Gesamtlage in Palästina kennen. Wir können diese aber nicht kennen, bevor wir nicht den Bericht der Königlichen Kommission in Händen haben. Landkarten des geteilten Palästina Jerusalem, 28. Mai. (JTA.) Einer Meldung des „Haboker“ zufolge haben soeben dreißig englische Geometer die neue Landkarto Palästinas fertiggestellt, die von der König- I liehen Kommission zuan Zweck der Fest- I legung der Grenzen der künftigen Teile des Landes bestellt worden ist. Das Gebiet des führen die nächsten Sonntagsfahrten des Zionistischen Landesverbandes am 13. und 27. Juni. Nähere Daten in der nächsten Nummer der „Stimme" jüdischen Staates soll angeblich drei Millionen Dunam von Galiläa einschließlich eines Teiles des Berglandes bis nach Gaza umfassen und die Bezeichnung „Erez Israel“ erhalten. Der übrige Teil des Landes soll an Transjordanien angeschlossen und der Herrschaft des Emirs Abdullah unterstellt werden. Jerusalem, Bethlehem und Haifa werden internationalisiert. Um da« Bedürfnis nach intensiver jüdischer Kolonisation zu befriedigen, soll der N e g e w (südpaläst.inensischee Steppengebiet) als Mandatsland erklärt werden, für das die Balfour-Deklaration gilt. Die Juden sollen das Recht erhalten, dort fünf Millionen Dunam zu kolonisieren. Die Meldung des „Haboker“ Ist in dieser Fassung lückenhaft. Es ist nichts über die Abgrenzung des Berglandes (Dschenin- Nablus—Tulkerem) sowie über Nazareth und Jaffa gesagt. Eine Botschaft des Generals Smuts Im Verlauf eines Begrüßungsschreiben« anläßlich der Eröffnung der diesjährigen Kerem-Kajemeth-Aktion in Südafrika durch Rabbi Meir Berlin führte General Smuts folgendes aus: „Wir alle wünschen aufs aufrichtigste, daß der bevorstehende Bericht der Königlichen Kommission den Frieden in Palästina wiederherstellen wird, ohne jede Abweichung vom Mandat der Nationalen Heimstätte, das eine der hervorragenden Errungenschaften des Friedensvertrages bleibt. Mit den Zionisten Südafrikas verehren alle Südafrikaner die in diesem großen internationalen Friedensinstrument verankerte Idee, der sie auch weiterhin ihre unwandelbare Unterstützung ängedeihen lassen werden Im Rahmen ihrer Möglichkeiten wird Südafrika auch in Zukunft die Politik der Errichtung des jüdischen NationalHeims in Palästina fördern, die um so notwendiger geworden ist, als die Einwanderung in andere Länd e r immer weiter b eschränkt worden ist, während Palästina für die notleidenden Flüchtlinge der beste Zufluchtsort ist. Die Wirren dieser Zeiten bilden ein neues und machtvolles Argument für die jüdische Siedlung in einem nationalen Heim. Eine Politik, die dies zum Ziel hat, verlangt heilte mehr Unterstützung als je zuvor.“ „ Die Presse Südafrikas widmet dem Begrüßungsschreiben General Smuts größte Beachtung. Schießereien in Jaffa Jerusalem, 28. Ma,i. (JTA.) In der Nacht zum 26. d. kam es in verschiedenen' Stadtteilen Jaffas zu Schießereien. In einigen Stadtvierteln wurden Bomben geworfen. Eine Bombe explodierte in der Nähe des Gefängnisses, verursachte jedoch keinerlei Schaden. Weitere Bomben, explodierten im Sbartia- und Djebelia - Viertel. Verletzt wurde niemand. Der Polizei ist es bisher nicht gelungen, die Täter ausfindigzu machen, doch nimmt man an, daß es sich um eine arabische Terroristenbande handelt, die ihre Zentrale in Jaffa hat. In Jerusalem haben unbekannte Täter die jüdischen Vororte Tel-Ares, Kerem Abraham, Makor Baruch und Romema beschossen. Bewaffnete Araber gaben auf die Kolonie Kfar Saba einige Schüsse ab. Einer der Angreifer konnte verhaftet werden. Die Ermordung Zindanls Jerusalem, 25. Mai. (Paleor) Wie schon berichtet, wurde vor einigen Tagen die verstümmelte Leiche des 35jährigen jemenitischen Juden Abraham Zindani aus Jerusalem auf dem Eisenbahngeleise bei W i 1 h e 1 m a aufgefunden. Zindani, der vor kurzem zu 14 Tagen Gefängnis wegen Betretens des Omar - Moschee- Geländes verurteilt worden war, fand durch drei Kopfschüsse den Tod; die Leiche wurde dann auf das Geleise gelegt. Er hinterläßt eine Witwe und zwei Kinder. Iin Zusammenhang mit dem Verbrechen sind mehrere Araber verhaftet worden, Schließung der Kadoorie-Schulet Jerusalem, 25. Mal (Paleor.) „Falasfciu“ meldet, daß die Regierung beschlossen hat, die landwirtschaftliche Schule für Araber in Tulkarom für drei Monate zu schließen. Zahlreiche Eltern von Zöglingen der Schule hätten das Angebot der it ,lienisohen Regierung, ihren Söhnen kostenlos landwirtschaftliche Ausbildung ln Italien zu gewähren, angenommen. — Diese Schule ist aus der Stiftung des Juden Kan doorie gegründet worden.

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