Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 645 (25.5.1937)
- Date
- 1937-05-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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SaH« 4 Dil «TIMMI Wien, Dienstag, 25. Mai 1937. . — Nr. 645. teilen, die die unglückliche jüdische Bevölkerung von Osteuropa betrifft, solidarisiert sich unsere Liga ganz und mit. vollem Herzen mit der Aktion des Weltkongresses. Der Präsident: Viktor Basch.“ Das Schliißkommiiiiiquä ZIONISTISCHE BEZIRKSSEKTION UND WIZO Vl/Vll, VII., Hermanngassa 9 vflTuh®’ NACHTS Sonderuorstelluitt >„ M-Kino Einm.ll'ge Vorführung des weltbekennten Tonfilms ßjf RO T HS CHILD S" _ Restlich* Karten von S —,80 bis 1.50 täglich ab 3 Uhr an der Kinokassa führt worden. Der Vorsitzende, der Unter* suchungskoniimiission erklärte den Führern der Judenscbaft von Brest, er hätte sich niemals vorgestellt, daß derartige Zerstörungen möglich seien. Gedruckte Mordbefehle Ara Ende der Tagung wurde das folgende Communique ausgegoben: Am 19. und 20. Mai fand in Wien die erste Sitzung des Administrative-Coramittees dos Jüdischen Weltkongresses statt, der im August 1936 in Genf zum ersten Male zusammen trat. An der Sitzung der Administrative nahmen teil außer 6 Mitgliedern der Exekutive, 18 Mitglieder aus 9 Ländern. In der zweitägigen Sitzung wurde die katastrophale Lage der jüdischen. Massen in Mittel- und Osteuropa eingehend geschildert und darauf hingewiesen, daß sich noch niemals Millionen von Juden in solch tragischer wirtschaftlicher, politischer und sozialer Notlage befunden haben, wie dies in mittel- und osteuropäischen Ländern der Fall ist. Die antisemitische Agitation in diesen Ländern, von niemandem gehindert, wächst dauernd und führt in Polen insbesondere zu blutigen Exzessen und pogromartigen Ausschreitungen. Den maßgebenden Faktoren fehlt es an gutem Willen und Energie in der Unterdrückung dieser, die Existenz der Juden auf das schwerste bedrohenden Agitation. Die Wirtschaftspolitik verschiedener Länder verdrängt die Juden aus einem wirtschaftlichen Berufe nach dem anderen und nimmt Hunderttausenden von Juden die minimalsten Existenzbedingungen. Es wurde eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, zur Erhöhung der Aktivität der Instanzen des Weltkongresses, zwecks Verteidigung der bedrohten Existenz der Juden in einigen Ländern und ihrer konstitutionell und international zuerkannten bürgerlichen und Minoritätenreohte. Die Beschlüsse Schließlich wurden folgende Resolutionen angenommen: I. Das Administrative-Komitee des Jüdischen Weltkongresses beauftragt die Exekutive, mit erhöhter Energie ihre Bemühungen, die Judenheit der Welt in den verschiedenen Ländern demokratisch zu organisieren, fortzusetzen. Das Administrative-Komitee des Jüdischen Weltkongresses begrüßt den in Polen gefaßten Beschluß, einen demokratisch gewählten Jüdischen Kongreß in Polen einzuberufen. Es erblickt in diesem Beschluß einen der wichtigsten Schritte auf dem Wege der Organisierung des jüdischen Volkes und appelliert an alle konstruktiven Elemente des jüdischen Volkes alles zu tun, um den geplanten Jüdischen Kongreß in Polen zu einem vollkommenen Erfolg zu führen. Volkes angesichts der unverständlich kleinen Zahl von Einwanderungszertifikaten nach Palästina beherrscht, die die britische Administration erteilt hat. Angesichts der tragischen Notlage der großen jüdischen Massen Mittel- und Osteuropas und angesichts der großen ökonomischen Aufnahmemöglichkeiten Palästinas, bildet diese kleine Zahl von Zertifikaten eine klare Verletzung des Geistes des Mandats und eine schmerzliche Verkennung der Bedeutung der palästinensischen Einwanderung für das jüdische Volk. Das Administrative-Komitee gibt seinem Protest gegen diese, durch keinerlei sachliche Motive entschuldbare Politik der Palästina- Regierung Ausdruck. IU. n. Das Administrative-Komitee de3 Jüdischen Weltkongresses erachtet es für seine Pflicht, dem Gefühl der tiefen Enttäuschung Ausdruck zu geben, welches alle Teile des jüdischen Das Administrative-Komitee nimmt mit Zufriedenheit und Anerkennung die Berichte der Exekutive über die von ihr geleistete politische und organisatorische Arbeit zur Kenntnis. stecken. Infolgedessen wurden aus allen umliegenden größeren Städten Polzeiverstärkungen nach Ka.mien-Kaszynski entsandt. Zahlreiche jüdische Familien flüchten vor allem in die Nachbarstadt Kowel. Wie jetzt bekannt wird, haben die Vertreter der jüdischen Bevölkerung von Kamien-Kaezynski bereits vor Ausbruch der Unruhen dem Gouverneur von Lublin mitgeteilt, daß sio Unruhen befürchten und ihn um Hilfe gebeten. Gleichzeitig verständigten sie die jüdischen Sejm- Deputierten in Warschau. Auf Grund dieser Information setzte sich der Abgeordnete Dr. Gottlieb mit dem Innenminister und dem Polizeipräsidenten in Verbindung und erhielt von beiden Stellen die Zusage, daß sofort die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung der Ruhe in Kaimien-Kaszynski ergriffen werden würden. Die Zerstörungen in Brest-Litowsk Warschau, 23. Mai. Die Stadt Brest- Litowsk gewinnt nur langsam ihr normales Aussehen. Noch immer durchziehen starko Polizeipatrouillen die Straßen. Die Behörden haben sämtliche Photographien beschlagnahmt, damit keine Aufnahmen von den zerstörten Häusern und Geschäften in die Öffentlichkeit gelangen. Die von der Regierungskommission vernommenen Zeugen erklärten übereinstimmend, daß diePolizei nicht eingrif.f, obwohl sie sich in unmittelbarer Nähe des Schauplatzes der Vorfälle befand. Die von der Regierung zur Untersuchung der Ausschreitungen entsandte Kommission hat bisher den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Kowartowski, den Chefarzt des Jüdischen Krankenhauses und einige andere führende jüdische Persönlichkeiten vernommen. Einer der bei dem Pogrom Verwundeten, Baruah Silberberg, ist in hoffnungslosem Zustand nach Warschau über- Zwci Bauern, die an den Ausschreitungen teilgenommen haben, sind zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Weitere Prozesse stehen bevor. Einem der beiden Verurteilten wurde na ölige wiesen, daß er gestohlenes Gut bei sich verwahrt hatte. Beide Angeklagten erklärten, sie hätten g ed r u c k t e Zottel erhalten, die die Aufforderung zum Angriff auf die Juden enthielten. die Ausschreitungen in Kamien Eine Abordnung der jüdischen Bevölkerung von Kamien-Kaszyrski ist in Warschau eingetroffen, um die Behörden über die dortigen Vorfälle zu unterrichten. Als Rädelsführer werden zwei bekannte russische Terroristen, die Brüder Simon, bezeichnet, die einer Organisation angehört haben, welche schon in früherer Zeit Pogrome veranstaltet hat. Nach den Ausschreitungen in . Kamien-Kaszyrski kam es auch in dem benachbarten Dorf Jeszorany zu Exzessen. Zwanzig jüdische Landwirte haben erheblichen Schaden erlitten. Weitere Ausschreitungen ereigneten sich in den Dörfern Kremna und Geina. Der Kreis Staatsanwalt ist zur Untersuchung der Vorfälle in Kami en-Kaszyrskii einge troffen. In Nur (Kreis Ostrow-Mazowieok) wutden jüdische Markthändler angegriffen und ihre Waren vernichtet. In Fensno wurden jüdische Passanten überfallen, einige von ihnen verletzt. Aus Lemberg wird berichtet, daß in P r y s z die Fenster von 33 Häusern, darunter die des Gebäudes der Vereinigung jüdischer Kaufleute, zertrümmert wurden. Im Städtchen TLumaoz in Ost- Galizien kam es zu antijüdisohen Ausschreitungen, in deren Verlauf zwei jüdische Bäckereien und mehrere jüdische Läden demoliert worden sind. In Milatin-Nowi haben Banditen mehrere jüdische Häuser in Brand gesteckt. Drei Häuser brannten vollständig nieder. Die Lage in Brest-Litowsk Der „Marsch nach Palästina: Warschau, 18. Mai. (JTA.) Der Bürgermeister von Brest-Litowsk und 22 Mitglieder des Stadtrates haben an die Bevölkerung den Aufruf gerichtet, Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten und sich durch die wilde Agitation antisemitischer Agitatoren nicht verhetzen zu lassen. In dem Aufruf wird heftiger Protest gegen den Mord an dem Polizeioffizier Kedziora erhoben und gleichzeitig dem Bedauern darüber Ausdruck gegeben, daß Bürger von Brest sich so zu Plünderung und Zerstörung hinreißen ließen. In jüdischen Kreisen glaubt mau. daß viel Unheil hätt-e vermieden werden können, wenn der Bürgermeister diesen Aufruf früher erlassen hätte. Ein Blatt veröffentlicht ein Interview mit einem Fleischer in Brest-Litowsk. Er schildert die Vorteile, die der Pogrom den christlichen Geschäftsleuten gebracht habe. Sein Verdienst, der vor den Ereignissen 20 bis 30 Zloty täglich betrug, sei jetzt auf 140 Zloty gestiegen. In der jüdischen Presse wird ein Aufruf veröffentlicht, in dem gebeten wird, Lebensmittel pakete für die notleij denden Juden nach Brest-Litowsk zu senden. Viele Pogromopfer besitzen keinen Pfennig, um sich Brot zu kaufen, aber auch diejenigen, die etwas gerettet haben, erhalten in Brest keine Lebensmittel und müssen in Nachbarstädten einkaufen. Der Sekretär des Hilfskomitees des Verbandes der polnischen Juden in Amerika Doktor Czaezkes ist in Bmst-Litowsk eingetroffen und hat einen ersten Beitrag von 2000 Dollar für die Pogromopfer zur Verfügung gestellt. Zwei Staatsanwälte sind zur Durchführung der Untersuchung in Brest-Litowsk eingetroffen. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Chaim Korwatowski, ist von einer vom Innenministerium entsandten Untersuchungskommißsion zur Vernehmung vorgeladen worden. 80 Geschädigte wurden bisher polizeilich vernommen. Von den Verhafteten sind 60 Prozent vorbestraft. Bei dem Pogrom wurden auch die Geschäftsbücher und die Geschäftskorrespondenz der jüdischen Kaufleute vernichtet. Im Zusammenhang damit stellt eine Zeitung mit Befriedigung fest, daß Brest-Litowsk jetzt eine „schuldenfreie Stadt“ sei. Die Beisetzung des Polizeioffiziers Kedziora fand Sonnabend, den 15. Mai unter starker Beteiligung der Bevölkerung statt. Während des Leichenbegängnisses ist es zu keinerlei Ruhestörungen in Brest gekommen. Dagegen kam es in dem Städtchen K1 obuc k, wo die Familie Kedzioras wohnt, zu antijüdischen Ausschreitungen, | als die Verwandten des Getöteten nach dem Begräbnis heimkehrten. N ationaldemo kratische Agitatoren unter Führung des Bruders Kedzioras, Alojsi Kedziora, hetzten die Ortseinwohner zu Gewalttaten gegen die Juden auf. Der Polizei gelang es jedoch bald, den Unruhen ein Ende zu machen. Im jüdischen Krankenhaus von Brest- Litowsk wurde 22 Juden, die während des Pogroms Verletzungen erlitten hatten, erste Hilfe geleistet. Exzesse in Kamien-Kaszynski In der ostpolnischen Stadt Kamien- Kaszynski ereigneten sich Dienstag, den 17. Mai schwere antisemitische Unruhen, die die Form einer regelrechten Eroberung der etwa 12.000 Einwohner zählenden Stadt durch die aus der Umgebung kommenden Bauern annahmen. Die Bauern stürmten die jüdischen Läden, warfen die Waren auf die Straße und zündeten sie an. Wie bei den Unruhen in Brest- Litowsk war auch diesmal die Ortspolizei den Bauern gegenüber machtlos, die sich zu immer gewalttätigeren Ausschreitungen hinreißen ließen und schließlich gegen Abend daran gingen, die Stadt in Brand zu Der Prozeß gegen Wilhelm Ryppel Warschau, 23. Mai. Hier hat am Freitag die Verhandlung gegen Wilhelm Ryppel begonnen, dessen „Erlösungsmarsch“ seinerzeit so viel Aufsehen erregt hatte. Ryppel, der Offizier der österreichischen Armee gewesen war, hat sich wegen Beleidigung der Polizei zu verantworten. Er soll am 16. November v. J., als dier von ihm geführte, mehrere hundert Mann starke Zug drei Stunden weit von Warschau aufgelöst wurde, den Polizisten „M ö r d e r“ zeigenden halben. Der Angeklagte gibt dies zu. Er erklärt je-' doch, daß er diesen Ausruf getan habe, als er 6ah, wie die Polizisten seine Leute mit Gewehrkolben bearbeiteten. Als der Ankläger Ryppel fragte, ob er denn geglaubt habe, wirklich den Marsch nach Palästina durchführen zu können, oder ob es sich nicht bloß um eine Demonstration gehandelt habe, antwortete der Angeklagte mit fester Stimme: Ich war durchaus davon überzeugt, daß wir unser Ziel erreichen und vor dio Tore Erez Israels gelangen worden. Eine solche Unternehmung ist ebensowenig eine Demonstration wie der heutige Prozeß. Auf weitere Fragen erklärt Ryppel, es sei Vorsorge für ausreichende Verpflegung für den ganzen Marsch getroffen worden. Es wurde sodann der Beamte vernommen, der mit der Auflösung des Zuges beauftragt worden war. Ryppel, erklärte er, habe sich geweigert, die Aufforderung zur Auflösung das Zuges zu befolgen. Er habe gesagt, die Polizei möge die Auflösung selbst durchführen und aus dem Zuge habe man gerufen: Ihr könnt auf uns schießen. Ad. Ryppel ruft aus: Als ich au der Spitze verzweifelter jüdischer Jugendlicher mai> schlierte, fühlte ich mich nicht als Advokat, sondern als einfacher unglücklicher Jude wie alle anderen auch. Ich wollte mit aller Kraft die jüdische Jugend aus Polen fortbringen und es ihr ersparen, Dinge zu erleben wie die, die in Przytyk, in Minsk-Mazowieok und jetzt bei der unerhörten Vernichtung von Brest-Litomsik geschehen sind. Diese Worte des Angeklagten machten auf alle, dio der Verhandlung beiwohnten, einen tiefen Eindruck. Die Verhandlung wurde sodann zwecks Vorladung weiterer Zeugen vertagt. 30. Mai: Fahrt nach Bratislava Mit Autobus. Abfahrt 8 Uhr früh, Marc- Aurel-Straße 5. Keine Wartezeit! Abfahrt von Bratislava um 20 und 22 Uhr und nach Vereinbarung' auch später. Die Autobusreise hat den Vorteil eines weitaus längeren Aufenthaltes in Bratislava, einer wesentlich kürzeren Rückfahrt, ferner sind im Autobus unsere ReLsoteilnehmor völlig unter sich. Preis für die reine Fahrt S 6.50. Mit Schiff. Abfahrtszeit bei Karten übern ähme und -ort werden bekanntgegeben. Rückfahrt ab Bratislava gegen 16 Uhr. Preis für die reine Fahrt S 5.—. Der Vormittag ist der Besichtigung der jüdischen und sonstigen Sehenswürdigkeiten gewidmet. Am Nachmittag wird ein internationales jüdisches Sportmeeting besucht, am Abend ein Gartenfest der Preßburger jüdischen Organisationen. Anmeldungen für Passagiere ohno Paß bis Dienstag, 16 Ohr. Für Passagiere mit gültigem Paß bis Donnerstag, 13 Uhr, I., Marc- Aurel-Straße 5, Tel. U 22-2-11. Zionistische Besirksi ektlon und WIZO Währing/ Weimarerstraße 7 Dienstag, den 25. Mai, 7*9 Uhr abends, Dr. Oskar Grünbaum, zionistischen Landesverbandes für Österreich: „40 Jahre zionistische Organisation" Präsident des Muttertagsfeier der jWIZO', Klagenfurt Die, wie alljährlich, von der WIZO Rlagonfurt veranstaltete Muttertagsfeier erhielt heuer durch den willkommenen Besuch der Frau Dr. Ada Kaestenbaum aus Wien eine ganz besondere Note, Aus ihrem reichen Wissen schöpfend, entwarf die Rednerin, von unseren Stammüttern beginnend über die lango Reihe historisch berühmt gewordener Namen jüdischer Frauen, ein Band bis zu unserer zionistisch-erzieherisch wirkenden Frau der Gegenwart. Begeisterter Beifall dankte der Vortragenden, auch als sie nochmals das Wort ergreifend, einen für Koren Hanaschiim hielt, der auf baren Boden fiel. Der Devise des , Abends: „Kinder eben zu Müttern“ folgend, kam nun die Jugend zu Worte. Durch vortreffliche Rezitationen jüdischer Schriftsteller zeichneten sich Erna _ Z oi ebner, Elfi Friedländer und Litti Fischbach besonders aus. Juno „musikalische Überraschung bot der jugendliche Pianist Friedrich Hauser, der mit anerkennenswerter Technik diesmal auch mit einer schönen Talontproibe eigener jüdischer Liederkompositionen hervortrat. Dem hierorts boroits eingebürgerten Brauche folgend, wurden zahlreiche K. K.-Schollenspendon, von kleinen und größeren Kindern ihren Müttern geschenkt. Für den überaus gelungenen Abend machte sich Frau Dr, Babad besonders verdient. Et, später, Appell fruchts p r e-