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Die Stimme · 1937-05-14 · Heft 643 (14.5.1937) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 643 (14.5.1937)
Date
1937-05-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sott« II Oll STIMMI Wien, Freitag, 14. Mai 1997. — Nr. 649. Sman Mathan Thorathenu ... iAIs man uns die Thora gab ... Den alten Quellen nacherzählt von Jakob M. Frostig Als Gott sich dem Volk Israel offenbaren wollte, um ihm seine Lehre zu verkünden — so erzählen unsere Weisen —, da lief ein Beben durch die Erde, alle Berge erzitterten und der Tabor und der Hermon und alle die großen Berge reckten stolz ihre mit ewigem Schnee bedeckten Häupter, indem sie hochmütig dachten: Sicherlich werde ich zur heiligen Stelle der Offenbarung Gottes auserwählt werden. Nur der Berg Sinai sagte in seiner Bescheidenheit: Nun soll die Herrlichkeit Gottes vom Himmel herniedersteigen, um dem Volk Israel seine Lehre zu verleihen. Wohl mir, daß ioh in der Nähe meiner großen Brüder stehe, so werde auch ich ein wenig der Glorie des Heiligen, gepriesen sei sein Name, ansiohtig werden, wenn er auf einem dieser großen Berge erscheinen wird. Gott aber sagte: „Weil du dich so demütig und bescheiden machst, so habe ich dich zum Ort der Offenbarung auserwählt.“ Wie es in der Schrift heißt ( Jeesaias 57, 15): „Ich bin bei den Niedergeschlagenen und die gebeugten Gemütes sind.“ Denn Stolz uijd Hoffart haßt Gott. Zu jener Zeit, erzählen weiters unsere Weisen, als die Völker der Welt die Unruhe der Natur bemerkten, den Aufruhr der Elemente sahen und vernahmen, daß eine neue Lehre dem Volk Israel vom Himmel verkündet werden sollte, da kam ein Schrecken über sie und sie versammelten sich alle bei Bileam, der der größte Zauberer aller Zeiten war und fragten ihn: „Großer Meister! Warum beben die Berge imd wanken die Hügel? Ist es etwa deswegen, weil Gott dem Volk Israel eine neue Lehre, die noch kein menschliches Ohr vernahm, kundtut? Und will etwa Gott wiederum, wie zur Zeit des Großen Noah, ab er eine neue Menschheit hat entßtehen lassen, eine Sintflut über uns bringen — eine Sintflut von Wasser, ja, vielleicht sogar eine Sintflut von Feuer?!“ Bileam aber, der nicht nur ein großer Zauberer, sondern auch ein großer Prophet war, der nach der Meinung unserer Lehrer sogar Moses gleicbziusetzem ist, sagte: „Wohl ist es wahr, daß Gott seinem Volke, das er aus der Sklaverei Ägyptens geholt hat, seine Lehre gelben will, daß es sie den Völkern weitertrage. Ich verstehe auch euren Schrecken und begreife euren Kummer: denn blutig sind die Wege jeder neuen Lehre, Feuer und Schwert beredten stets ihren Weg. Oft sind die Künder neuer Ideen Verbündete des Todes und seine treuen Diener. Noch immer hat jede neue Religion eine Sintflut von Feuer und eine Sintflut von Wasser, unschuldig vergossener, qualvoller Tränen mit sich gebracht. Aber diesmal könnt ihr beruhigt sein. Denn es heißt (Psalm 29): ,Haschern Os teamo jiten‘ Gott verleiht seinem Volke Stärke, daß es bis zum Ende der Tage aushalte und Künder seiner Lehre werde. Aber nicht durch Gewalt und Zwang soll diese göttliche Lehre verbreitet werden, denn es heißt weiters: „Haschern jewareoh eth amo begeh al o m“ — nur auf dem Wege des Friedens und durch ihn soll diese Lehre Gemeingut der Menschen werden. Wie er es schon im brennenden Dornbusch anzeigtie: Stets von innerer Glut verzehrt sein, . stets eine lofhe Fackel für die Völker, wie es der Prophet (Jessaias 42, 6) kündet: ,Ich gab dich zum Lichte den Nationen'; aber zugleich bescheiden bleiben, wie der Dornbusch es ist, stets am Rande des Weges ausharren-d, em Anrainmer des Lebens. Diese Lehre Gottes soll einst in die Herzen aller Menschen einziehen, aber ohne Gewalt und ohne Blutvergießen; ohne Scheiterhaufen und ohne Zwang. Vielmehr durch Adel der Gesinnung und Reinheit der Herzen; durch Selbstheiligung und Entschlackun g.“ Als die Völker dies aus dem Munde Bileams vernahmen, da kehrten sie beruhigt in ihre Behausungen zurück und harrten der kommenden Dinge, die sich in der Wüste Sinai zutragen sollten. Und der Jalkut Schimoni fragt: „Warum hat wirklich Gott die Thora in der Wüste verkündet?“ „Weil“, antwortete er, „die Wüste Fr eil anrl ist, niemand kann auf sie irgend welchen Anspruch erheben, um anzuzeigen, daß ebenso die Thora Freiland sei und keinem Volke der Welt allein gehöre. Alle Völker der Welt haben gleichen Anspruch auf die Thora...“ „Zu jener Stund’“, erzählt Rabbi Aba hu dm Namen des Rabbi Johanan, „als Gott die Thora dem Volke Israel gab, da zwitscherte kein Vogel und keiner schlug auch nur mit den Flügeln; kein Ochs brüllte und kein Schaf blökte; die Engel des Himmels hielten mit ihren ,Kadosch, Kadosch, Kadosch' inne, und kein Mensch brachte ein Wort hervor; das Meer bewegte sich nicht und die ganze Welt stand still, Schweigen überall, bloß die Stimme Gottes donnerte: ,Ich bin der Ewige..“ Fürwahr, die Welt hielt inne, die Menschheit horchte auf. Sie konnte das Ereignis am Sinai nicht begreifen’. Es stieg über ihr Fassungsvermögen. Wie, sagten die Völker zu einander und bewegten nachdenklich ihre Häupter; diese aus der ägyptischen Sklaverei entflohenen Knechte wollen ein Reich Gottes auf Erden gründen, wo kein Unterschied sein soll zwischen arm und reich, zwischen Herr und Sklave, wo es keine Bedrücker und Bedrückte gehen soll? Ist das möglich?... Und ihr Führer Moses ruft ihnen im Namen ihres unsichtbaren Gottes zu: „Und ihr sollt mir sein Reich von Priestern und ein heiliges Volk“ (Exodus, 19, 6). Jeder ein Heiliger, jeder Priester und Diener dieses allumfassenden Gottes. Jeder soll die Verantwortung dieser Auszeichnung auf seinen Schultern tragen! Ist das möglich? ... Und sie sagen, daß man diesen Gott mit ganzem Herzen, das heißt mit beiden Teilen des Herzens und seiner Triebe — mit dem bösen und mit dem guten Trieb — lieben muß. Ist das möglich? ... Manche von ihnen aber sagten: „Wer ist überhaupt dieser Gott dieses Vol-' kes, der vom Himmel hemiedersteigt, um seinem Volke eine noch nie geahnte Lehre zu geben? Ein Gott — den man nicht sehen, nicht hören und nicht antasten kann — ein ,Gott — Idee1, der von Ewigkeit zu Ewigkeit dauert und diese ganze Welt, sowohl das Gute als auch das Böse, das Licht und die Finsternis geschaffen hat? Und die Götter Chanaans, Elams und Mizrajims sollen bloß Götzen und Nichtigkeiten sein? Unmöglich, unmöglich!“ sagten siie ungläubig. Dariß der Ewige, wie der Midrasch erzählt, alle sieben Himmel auf, u.m den Völkern der Welt zu zeigen, daß niemand außer ihm auf Himmel und Erde vorhanden sei. Rabbi Tanchuma aber erzählt: Als Gott Israel die Thora geben wollte, da wandte er sich zuerst zu den Kindern Esaus und zu den Kindern. I&maels und fragte sie: „Wollt Ihr meine Lehre empfangen?“ Die Kinder Esaus, aus deren Schoß später das große römische Reich hervorgegangen ist, fragten: „Was steht denn in deiner Thora?“ Da antwortete ihnen Gott: „Du sollst nicht morden!“ Da sagten die Kinder Esaus: „Das Schwert und das Handwerk des Morden« ist das Erbe, das uns unser Großvater Esau zurückließ, wie es heißt (Genesis 27, 22 und 40): ,Und die Hände sind die Hände Esaus... Von deinem Schwerte sollst du leben...‘ Wir können deine Thora nicht annehmen!“ Da wandte sich Gott an die Kinder Iemaels, die die Ahnen der arabischen Nationen waren, und fragte sie: „Wollt ihr meine Lehre annehmen?“ Die aber fragten: „Was steht denn in deiner Thora?“ „Du sollst nicht stehlen!“ Worauf sie erklärten: „Wir sind herumwandernde Nomaden und wir können deine Thora nicht annehmen, denn schon von unserem Großvater Ismael. heißt es (Genesis 16, 12): ,Er wird ein wilder Mann sein, seine Hand wird er überall anlegen.1 “ Da wandte sich Gott an die Kinder Israels und fragte sie: „Wollt ihr meine Lehre annehmen?“ Da sagten sie einstimmig: „Alles was Gott befiehlt, wollen wir befolgen und hören.“ Und weil Israel sich willig bereit erklärte, die Thora treu zu befolgen imd zu halten, noch ehe es hörte, ob man die Gebote dieser Thora befolgen könne, da wurde es von den Nationen verhöhnt und zugleich gehaßt... Wie im Traktate Saibbath 88a erklärt wird: „Warum heißt der Berg der Offenbarung Sinai? Weil an diesem Berge die „Sin a h‘, der Haß zwischen Israel und den Völkern entstanden ist. Zuerst wollten die Völker die Lehren des Herrn nicht übernehmen und dann beneideten sie und verfolgten sie Israel, weil es seine Lehren übernommen hat; zuerst haben sie die Auserwähltheit verschmäht und hassen Israel, weil es auf seine Schaltern das schwere Schicksal des Erwählts-eins genommen. Weil sie von ihren t-ierfratzigen Götzen, die -ihnen nur Angst ein jagen, und vor denen sie sich nur fürchten, und die sie in ihrem Inneren hassen, nicht lassen können, verfolgen sie Schawuot in Erez Israel n \ ~ Zs*»;*'/? Aus Stadt und Land bringen die Juden dem Keren Kajemeth Erstlingsfrückte Israel, weil es sich dem Gott der. Liebe zu* gewandt hat imd weil es auf diesen Gott hofft und vertraut.“ Sobald aber das Schicksal Israels erfüllt und die Zeit der Leiden um. sein wird, da werden alle Völker sehbnd und wissend Werden, wie es heißt (Jesaias 11, 9): „Denn voll wird die Erde der Erkenntnis des Herrn sein wie die Wasser die Meeresbiefe füllen“, und wie Zephania prophezeit (3, 9): „Dann werde ich den Völkern reine Lippen schaffen, daß sie alle den Namen des Ewigen an rufen und ihm -Schulter an Schulter dienen.“ Das wird die Zeit sein, wo der Traum Jesaias’ und Michas’ vom ewigen Frieden in Erfüllung gehen wird, wo es keinen Klassien- und Rassenhaß geben wird, keine Bedrücker und keine Bedrückten, keinen Unterschied zwischen arm und reich, oben und unten, dann wird sich auch bewahrheiten, was Jesaias (35, 10) voranssagte: „D iie durch den Herrn Befreiten werden heim kehren und nach Zion mit Jubel zurü ck k ommen, ewiger Lohn wird auf ihrem Kopfe sein, Wonne und Lust treffen sie an, es weichen Kummer und Schmerz...“ Daß es bald in -unseren Tagen geschehe. Amen, Weamen. »Baale Mlkzoah« Allg, Zion, Handwerkerverband Montag, den 31. Mal, um 7>8 Uhr abends, findet im Saale des Zion. Landesverbandes für Österreich, Wien, I„ Marc-Aurel-Straße 5, die ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Ansprache deB Delegierten des LandeskomiteeB im Verbände, des Präsidenten der Palästina-Amtskommission, Dr. Leon Preis, über Alijah und Handwerkerverband. — 2. Bericht des Vorstandes. — 3. Erteilung des Absolutoriums. — 4. Wahl des neuen Vorstandes und Ausschusses. — 5. Festsetzung der Mitgliedsbeiträge. — 6. Eventuelles. Die Mitglieder werden aufmerksam gemacht, daß Anträge 8 Tage vor der Generalversammlung beim Vorstand einzubringen sind. Die Generalversammlung ist beschlußfähig, wenn ’/a der Mitglieder anwesend Ist. Ist diese Zahl nicht erschienen, findet 1 Stunde später eine neue Generalversammlung statt, welche ohne Rücksicht auf die Anzahl der erschienenen Mitglieder beschlußfähig ist. Erscheinen zur Generalversammlung ist Pflioht! Zutritt haben nur Mitglieder des Verbandes .Baale Mlkzoah*. Der Vorstand. Dez 1. }uti ist ein Schicksalst<zg. An diesem, Tage findet die Kongreßwahl statt. Selten noch war dw richtige Auslese der Kandidaten so notwendig wie diesmal. Die im Landesverband organisierten Zionisten werden nur solchen Männern und Frauen ihre Stimmte geben, die seit Jahren unermüdlich für die Organisation und für die Verbreitung der zionistischen Idee in Österreich wirken. Sein Wahlrecht kann aber nur ausübeti, wer bis Ende Mai den Schekel erwirbt. Erwerbet daher sofort den Schekel und meldet euch bei eurer Bezirkssektion oder Ortsgruppe zur Wahlarbeit! Festbankett zu Ehren Direktors M. Meier und seiner Gattin Regina Aus Anlaß des 50jährigen Geburtstages und der Silbernen Hochzeit ihres langjährigen Obmannes Direktor M. Meier, der eich mit seiner Gattin alt; Förderer ebaritativer Vereine einen Namen gemacht bat, veranstaltete der Humanitäre Verein Horodenka in Wien zu deren Ehren am Lag b’Omer ein Festbankett, a.n dem Vertreter jüdischer Korporationen, Bethaus- und charitatiiver Vereine wie auch des jüdischen Schaußpielerverbandes teiilnahmen. Diie Veranstaltung legte neuer lieh Zeugnis ah für die Sympathien, deren sich Direktor Meier und seine Gattin erfreuen, Der Obmann des Vereines, Dr. S c h e r z e r, würdigte die Verdienste des Jubelpaares und überreichte ihnen das Silberbuch-Dipkxm de« K. K. L. Großer Applaus erfolgte, als Doktor Scherzer die Ernennung des Direktors Meier zum Ehrenpräsidenten bekanntgab und a.us diesem Anlasse eine Widmung vom Vereine Horodenka, bestehend aus zehn Bäumen äm „Garten Horodenka“ im „Ohajes-Walde“ feierlich überreichte. Dr. Tartakower sprach über die Bedeutung de« Lag b’Omerfeetes und würdigte die Verdienste des Jubelpaares als Pifomiere des Zionismus in Horodenka, worattf weitere Begrüßungsansprachen folgten. Von den .künstlerischen Darbietungen gefielen ganz besonders die Rezitationen Rosl Safier« und Geeangsvorträge des Solisten des Tempels „Beth Israel“ M. Schwarz. Zum Schlüsse dankte der Jubilar Herr Meier ftir die Ehrungen. Das Ehrendiplom betrachtete er zugleich als Ehrung sämtlicher Mitarbeiter des Vereines Horodenka. Der Sektion Prater ist es gelungen, den bekannten Oberkantor Schalom Katz aus Kisehinew wieder für die Sch-awuot-Feiertage,. d. i. 16. und 17. Mai, als Vonbeter zu gewinnen. Die Sektion hofft, daß alle Gesinnungsgenossen diese seltene Gelegenheit benützen werden, um ihn zu hören. Juden! Spendet m mr m anmonch Schwuoth m mn Keren Knietnefh t

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