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Die Stimme · 1937-05-14 · Heft 643 (14.5.1937) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 643 (14.5.1937)
Date
1937-05-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit© 2 - «11 STIMMI Wien, Freitag, 14. Mai 1937. — Nr. 643. nur Frieden. Wahrheit und Freiheit nicht nur für rieh. Mindern für alle Welt anßtrebt und die im Menschen immer nur das Geschöpf de? einen Gotte? erkennt, der für alle da ist und alle geschaffen hat, Das jüdische Volk hat allen Nationen sein Bestes gegeben, aber es will nicht weiter das Objekt des Hasses aller sein. Es hat eingesehen, daß es sein Schicksal 6elbßt in die Hand nehmen muß, und daß es aus diesem Zustand der absoluten Hilflosigkeit zu eigenstaatlichem Dasein schreiten muß, um auf seinem eigenen Grund und Boden eich gemäß eeinenTOesetz zu sammeln und seine Mitarbeit, an dem Wohle der Menschheit nur mehr als geschlossene Nation zu leisten. Das ist ein Stieben, das in niemandes anderen Recht eingreift und der Kultur einen neuen weiten Bereich aufcchließt. Aber die Nationen, die das jüdische Gesetz zu dem ihren gemacht haben, aber nicht aueführen, gönnen dem jüdischen Volk nicht diesen Weg in die Zukunft. Selbst das Bemühen der jüdischen Jugend, mit ihrer Hände Arbeit die Qual von Jahrhunderten zu tilgen, wird verleumdet und herabgesetzt. Das 6ind Widerstände, die sehr ernst zu nehmen sind, die wir aber nicht als Maßstab für unsere Pflicht anerkennen, den Weg fortzuschreiten und dem jüdischen Recht im jüdischen Land eine neue Stätte zu bereiten. Wir haben die Assimilation zuriiekgewiesen und der jüdischen Jugend im nationalen, politischen Zionismus ein neues großes Ziel gegeben, das sich an die besten Kräfte der Seele und des Herzen« wendet. Wir haben für die Verfassung vom »Sinai nur Haß und Verfolgung geerntet. abpr um so stärker lebt sie in uns. Wir bleiben das auserwählte Volk, das als erstes von der Würde des Lebens, vom Recht des Menschen, vom Wert der Arbeit gesprochen hat, und unsere Zukunft wird, wenn sie sich in unserem Land öffnet, der Menschheit ein neues jüdisches Volk zeigen, das zu seiner alten Verfassung steht. Wir empfehlen! Für unsere Leser nur: INeudegger Fahrschulen Wien, VIII., Neudcggerg. 18 Tel. B 46-5-72 und'lnxendoif. (Nieder-Österreich). Prüfungserleichterung durch:. v!l Laufendes Auto ini Lehrsaal!! Die Stimme erscheint wegen der 'Feiertage nächste Woche mir einmal. Sie wird unseren Lesern Donnerstag früh zugestellt und ist Mittwoch abends bereits im Sfraßenverkauf zu haben. Zum bevorstehenden Chajes- Gedenktag Am 24. November 1937 (20. Kislew) jährt sich zum zehntenmal der Todestag des Oberrabbiners von Wien, Dr. Zwi Perez Chajes. Der Zionistische Landesverband bat beschlossen, diesen Gedenktag zum Anlaß zu nehmen, tun den allzu früh Verstorbenen, der für die Wiener Judenscbaft und die zionistische Bewegung so verdienstvoll gewirkt hat. besonders zu ehren. Es wurde bereits ein Komitee aus namhaften Persönlichkeiten gebildet, welches die Vorarbeiten bereits auf genommen bat. Abgesehen von einer Trauerandacht, die aus Anlaß der Jahrzeit stattflnden wird und einer besonderen Keren Kajemeth-Aktion wird an die Herausgabe eines Sammelwerkes gedacht, in welchem Zeitgenossen des Verstorbenen wertvolle persönliche Erinnerungen niederlegen sollen, die sich auf das Wirken von Zwi Perez Ohajes beziehen. Weiters wird eine Ausstellung vorbereitet, in welcher die Persönlichkeit und das Wirkern des Verstorbenen durch Schaustellung wichtiger Dokumente dargestellt werden soll. Der Zionistische Landesverband für Österreich ersucht hiemit alle Zionisten und Freunde des verewigten Oberrabbiners Zwi Perez Chajos, die sich im Besitze von Briefen und sonstigen Dokumenten des Verstorbenen befinden, dieselben dem Zionistischen Landesverband, Wien, I., Marc-Aurel-Straße 5, im Original oder in Photokopien für die beabsichtigte Ausstellung leihweise zu überlassen. PARFÜMERIE HERMANN STARER I., SEILERSTÄTTE 20 Englische Schiffe laufen Tel-Aviv an Jerusalem, 10. Mal. (Palcor.) Der Dampfer „Sicilian Frince“, der am 7. Mal von London abgegangen ist, wird als erstes englisches Schiff seine Ladung an der Tel-Aviver Anlegestelle löschen. Es •wird angekündigt, daß englische Fracbtdampfer in Zukunft Tel-Aviv anlaufen werden, wenn sie Waren für diesen Hafen fühlen« JOSEF LEITMANN VORM. PAUL PLANER A. G., WIEN, II., PRATERSTR. 17 TELEPHON R 47-5-10 Elcktromaterial / Radio-Apparate / Beleuchtungskörper / Dauerbrandöfen / Gas-Apparate Sprecbmaschinen / Elektro Kosmetik / Elektro-Apparate / Glühbirnen in allen Stärken stets lagernd Befugte Radio-Reparaturwerkstätte * Günstige Tauschgclegenheiten ,< Bequemes Teilzahlungssystem Bruno Heilig: Wer ist schuld! Abschließender Bericht zur Aktion des Pauluswerks Den vierten und letzten Vortrag der Aktion des Pauluswerks hielt der Generalsekretär dieser Organisation, Kooperator Johannes Österreicher. In seiner Anlage war der Vortrag rein theologisch, doch stellte Östercsdcher zwischen seinen theologischen Anschauungen und der Realität des jüdischen Lebens so enge Beziehungen her, daß in einigen Punkten — und es waren die entscheidenden Punkte des Vortrags — die Reserve nicht gelten kann, die wir uns der Theologie gegenüber unterlegen. Die Methode, mit der 'die Redner des Pauluswerks auf die Juden einzuwirken suchten, spitzte sich immer mehr auf folgende These zu: Ihr Juden leidet aus eigenem Verschulden, ja ihr werdet mit den eigenen Waffen geschlagen. Anknüpfend an die natürliche tiefe Abneigung des Juden gegen den Nationalsozialismus kons'truiierte man direkte eistige Zusammenhänge zwischen dem jüdischen Verhalten gegenüber dem Christentum und dem Nationalsozialismus. Die Schlußfolgerung ergibt sich dann von selbst: Ihr Juden, da könnt ihr doch wirklich nicht einen Augenblick zögern, ihr müßt schleunigst fort von eurem Judentum, das sich mit eiserner Konsequenz in Nationalsozialismus um gesetzt 'hat; wer dien Nationalsozialismus nicht will, der kann fürderhin auch das Judentum nicht wollen.« Das klingt paradox, aber es war deT eindeutige Sinn dieser Aktion. * So hat Johannes Österreicher gesagt, die Juden hätten Jeschu von Nazareth darum nicht anerkannt, weil sie in seinen Lehren eine Gefahr für ihren völkischen Bestand gesehen hätten. Aus völkischem Eigennutz, aus Nationalismus im schlimmsten Sinne des Wortes hätten die Juden sich einer geistigen Botschaft verschlossen. Nun habe sich der Nationalismus gegen die Juden gekehrt, aus ihner eigenen Sünde ist der Quell ihres neuen großen Leidens geworden. Man könnte gegenüber dieser theologischen „Begründung“ des Nationalsozialismus auch aus jener Zeit, in der die Juden angeblich den völkischen Eigennutz und den Nationalismus erfunden haben, ausreichende Gegenargumente anführen, aber der Redner hat in seinen Ausführungen selbst genügend Stoff zur Widerlegung seiner Theorie geliefert. Er hat von Mysterium des Fortbestehens des jüdischen Volkes gesprochen und festgestellt, daß dieses Volk sich ohne die Mittel, mit denen Menschengruppen sonst zu Nationen werden, durch Jahrhunderte erhalten konnte: Ohne biologische Gleichartigkeit (da doch nach den Feststellungen einwandfreier Wissenschaft unter den Juden ganz verschiedene Rassen vertreten sind), ohne ein Zusammenleben unter gleichen klimatischen, wirtschaftlichen ua/d politischen Bedingungen, ohne den Zusammenhalt, den die technische Organisation eines Staates gibt, kurz ohne alles, was im allgemeinen zur Volkwerdung notwendig ist. Wie war das möglich, was hat diese normalen Notwendigkeiten ersetzt? Es war ein unzerreißbares geistig-sittliches Band, ein Band, das stärker war als alles Materielle, als das Biologische und Physiologische, als Staat und Tod und Teufel, das unserer Nation den Inhalt gegeben hat. Wir haben bewiesen, daß wir nicht eine Nation im völkischen Sinn sind, sondern eine Nation von geistigem Gehalt, eine Nation, die sich die Qualität der Nation erworben hat durch die höchste Schöpfung, deren Menschen fähig sein können, durch die religiöse Schöpfung. Die Nation, wie wir sie verstehen und wie wir sie auch sind, ist das gerade Gegenteil der Nation, die sich in Adolf Hitlers Lehre, aber auch in manchem anderen „nationalen“ System kundgibt. ‘So haben wir auch damals, vor fast zwanzig Jahrhunderten, geistig-sittlich und nicht biologisch, nicht rassisch oder völkisch gedacht und gehandelt. Mit aller Entschiedenheit lehnen wir die Vaterschaft des Nationalsozialismus und aller anderen Entartungen dieser Welt ab, die ganz aus sich selbst hieraus und ohne jüdische Beihilfe, ja gegen alle jüdischen Warnungen entartet ist. Johannas Österreicher hat den Gedankengang, daß die Juden an ihrem eigenen Unglück schuld seien, ja dieses direkt verschuldet und die Instrumente für ihre Ver- ^I^N^^E^^OSTET DAS, 1/4 kq Paket GROSCHEN, folgung selbst geschmiedet hätten, weiter ausgedehnt auf das Unglück der ganzen Welt. Eß ist eine bekannte theologdßche These, daß daß Reich Gottes erat erfüllt sein werde, wenn Israel seinen Wideratamd gegen die katholische Kirche aufgegeben habe. In normalen' Zeiten interessieren uns solche Thesen nicht, wenn sie aber in so stürmischen Zeiten, wie wir sie heute erleben, in die* Öffentlichkeit geworfen werden, müssen wir uns mit ihnen aiuseanandensetzen. Wir bedauern, die Auseinandersetzung auf weltlicher Ebene führen zu müssen. Wir sind dazu berechtigt, weil sich ufasere Gegner nicht aurückihalten lassen, die Theologie zur weltlichen Wirklichkeit zu machen. Die Welt ist an grauenhafter Unordnung, das ganze Funktionieren der Gesellschaft ist in Frage gestellt, es ist die Hölle auf Erden ausgebrochen. Und man sagt, das Heil der Welt werde nur durch unsere Halsstarrigkeit bmitangehialten. Wir sind schuld nicht nur an unserem Unglück, sondern am Unglück der ganzen Welt. Wir aber meinen: Die christliche Welt bat sich souverän eingerichtet, und wenn diese Einrichtung nicht funktioniert, so liegt das einfach daran, daß 'diese christliche Welt ihre eigenen, zum großen Teil von uns stammenden Lehren noch immer nicht in die Praxi« des Lebens umgeeetzt hat. Wir halben sie nicht gehindert, es zu tim, im Gegenteil, wir mahnen sie durch unsere bloße Existenz und eben durch unsere Hartnäckigkeit im Festhalten an unseren Glauben, daß säe endlich ernst mache mit diesen Lehren, ernst mache vor allem uns gegenüber, den Schwachen, an dienen sie in erster Linie ihre sittlichen Auffassungen bewähren könnte. Johannes Österreicher hat einen katholischen Autor zitiert, der diese unsere Auffassung bestätigt. Dieser Autor meint, man könne den Juden nur durch die Tat beweisen, daß sie sich irren, indem man die christliche Idee verwirklicht, sie folgerichtig in das tatsächliche Leben überführt, denn je mächtiger der Einfluß der christlichen Überzeugung a/uf das private Leben der Ohnisten, auf das soziale Leben der christlichen Völker und auf alle Beziehungen in der christlichen Gemeinschaft wäre, um so offenbarer würde die jüdische Anschauung vom Christentum widerlegt werden. Hier ist der Kernpunkt des Problems ge- SEKTION LEOPOLDSTADT, Volkertsprengel, Cafö Kaiser Josef, Hemestraße 25 Vorführung des neuen PaUSstlnafllms - Vortrag Dr. Richard Pokomy: „Geschichte der RitualmordlUge" und Dr. Abraham Schmerlen „Unsere Stellungnahme am SO. Zionistenkongreß11 troffen. Hier ist auch widerlegt, daß wir das Kommen des Reiches Gottes (wir verstehen darunter einen menschenwürdigen Zustand d e r Erd e) verhindern. Es haben die Christen nach den durch uns vermittelten Geboten Gottes zu leben, ja nach dem von Österreicher z u s t i m m e n d verlesenen Zitat hätten sie geradezu uns zu b eweiaen, daß sie es zu tmn imstande und willens sied, wären eie uns also verantwortlich für die Durchführung dieser Gebote in Ihrem täglichen Leben. Also*. Nicht weil wir an Opposition zur Umweit stehen, ist sie in Unordnung, sondern wir stehen zu ihr in Opposition, weil siö in Unordnung ist. * Johannes Österreicher, der letzte Redner in der Aktion des Potuluswerkes, hat mit seinen Darlegungen an die Anschauungen des erstem Redners, des Professor* Hildebrand, angeknüpft, indem er auch vom J udenproblem als Weltproblem sprach, so wie Hildebnand das jüdische Volk als Menschheitsvölk angespTOChen und dargelegt hat, daß sich kn jüdischen Schicksal daß MmsohheAtesühäckeal spiegle. Die beiden Redner halben recht. Das Judenproblem ist weit hinaiusgewachsen über die j tischen Grenzen. An der Schärfe des Juderaproblems zeigt sich die Schärfe aller Weltprobleme. An der Verfolgung der Juden zeigt sich der sittliche Zustand der Verfolger. Die Menschheit wird ihre Probleme nicht lösen können, so lange sie das Jndenproblem nicht gelöst hat, denn am Judenproblem hat die Menschheit ihre sittliche Reife zu er weißen und solange sie nicht — iim Geiste unserer für die Ewigkeit geltenden Gesetze — zu sittlicher Reife gelangt ist, wird sie keines ihrer Probleme lösen können, wird sie von Katastrophe zu Katastrophe taumeln. Wir sind nicht die Verursacher des Unglücks der Welt, an uns zeigt sich der Grad des Unglücks der Welt, des Unglücks, das diese Welt allein verschuldet hat, für das sie voll verantwortlich ist, gegen das wir durch unser Bemühen um die Verwirklichung einer sittlichem Weiltordniung hartnäckig und unter unsagbaren Opfern seit Jahrtausenden ankämpfem. DR. ISAA C DYN WIEN, VI., LOQUAIPLATZ18 TEL. B 29-6-41 GEBÄUDE VERWALTUNG, REALITÄTEN, HYPOTHEKEN Muttertagsfeier der WIZO Samstag veranstaltete die WIZO ihre Muttertags feiar, zu der dos zionistische Publikum Wiens wieder in großer Zahl erschien. Nachdem Frau Dr. M. Scheuer-Goldefi in längerer, fesselnder Rede zum Thema „Unsere Kinder wandern“ gesprochen hatte, brachte das Spielmann-Quartett (die Herren Gustav S p i e 1 m a n n, Julius Sc h w a r z, Richard G o 1 d n e r und Eugen Schwarz), sorgfältig studiert und fein abgetönt, ein gedankenreiches und großes Können verratendes Streichquartett von Julius Chajes zur Aufführung, in dem der Zauber dor palästinensischen Landschaft mitziuJdingon scheint. Olga Fuchs rezitierte hierauf Gedichte von Else Lasker-Schüler, Teile ans Lissauers Jephta-Drama und einiges aus „Das Hohelied“ in formvollendeter Weise; es ist gewiß nicht ihre Schuld, wenn das Publikum durch die lange Dauer des gesprochenen Wortes ermüdete. Den Abschluß des Abends bildeten Gesangsvorträge von Maria Winkler-Fialko, aus denen das schöne hebräische Wiegenlied „Numab, numah“ hervorgehoben sei; als anschmiegsamer Begleiter erwies sich Fritz Berneck. PENSION ECKSTEIN-Semumi neu renoviert „Semads Sendung." - Ecetg*iis dec Saison Dk Aufführung von „Semaels Sendung“ in den Jüdischen Künstlerspielen gehört zu den großen Ereignissen der diesjährigen Wiener Theater saison, Das gesamte literarisch interessierte Publikum von Wien, Theaterdirektoren und Schauspieler, haben die Vorstellung besucht. Das Stück bleibt weiter auf dem Spielplan der Künstlerspiele und wird während der Feiertage bei kleinen Preisen auch nachmittags um Ai Uhr (sowohl Sonntag wie Montag) gegeben.

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