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Die Stimme · 1937-05-05 · Heft 641 (5.5.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 641 (5.5.1937)
Date
1937-05-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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IWÜeu, Mittwoch, 5. Mal 1937. — Nr. 641. Oll STIMMI Salta 3 Die Ausschaltung der jüdischen Ärzte aus den Spitälern Seit einigen Jahren werden bekanntlich jüdische Spitalsärate in den staatlichen Spitälern und Krankenhäusern Österreichs bei der Bestellung von Sekundärärzten übergangen, wodurch ihre weitere Existenz als praktische Ärzte und ihbesondere als Krankonkassenärzte untergraben wird, schon abgesehen davon, daß die ärztliche Ausbildung in Spitälern die Voraussetzung für die spätere ärztliche Praxis bildet. Die systematische Zurücksetzung der jüdischen Jungärzte hat große Unruhe hervorgerufen, 1 da darin eine Verletzung der verfaesungisgemäß garantierten jüdischen Gleichberechtigung gesehen wird. Eine Anzahl der auf diese Weise benachteiligten jüdischen Ärzte hat vor kurzem gegen den Staat die Klage auf Schadenersatz erhoben, weil sie auf Grund ihrer Qualifikation und Dienstzeit das Recht hatten, zu Sefcundärärzten bestellt zu werden. Die Gerichte haben den jüdischen Ärzten Recht gegeben und den Staat, allerdings nur zur materiellen Schadenegi.itmaohung verurteilt. Wie jetzt verlautet, will die Verwaltung der Spitäler und Krankenhäuser aus dem Urteil der Gerichte die Konsequenz ziehen und die Dienstordnung dahin abändern, daß die Ernennung von Sekundärärzten künftighin seitens des sozialen Ministeriums u nab hängig von Qualifikation und Dienstzeit auf Grund des freien Ermessens vollzogen werden kann. Gemäß den Erfahrungen der letzten Jahre muß in einer solchen Neuregelung eine Maßnahme erblickt werden, die den bisherigen Zustand der Ausschaltung jüdischer Ärzte aus den Spitälern legalisieren soll. Nebi-Musa: Straßenkämpfe in Jerusalem mpDtP nach Polen Abreise 13. Mai — billig, bequem, D-Zug Auskünfte: Dr. S. Tocker „In (Ile Welt“ W.M. Renner IX., Liechtensteinstraße 2, Tel. A 14-504 (nächst Schottenring) Späte Erkenntnis Aus Palästina wird uns berichtet: Kürzlich fand in Rechobotih eine Versammlung der Gruppe A der Allgemeinen Zionisten statt, bei welcher Dr. Glicikson, der Herausgeber der Tageszeitung „Haarez“ Klage darüber führte, daß viele Zusagen, auf Grund welcher die Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten in die Koalitionsexekutive eingetreten ist, nicht erfüllt worden seien. Dr. Glictkson erwähnte den WiTtschaftsrat, den besonders die Allgemeinen Zionisten aus England und Amerika verlangt hätten. Das Kontrollamt sei ebenfalls nicht ins Leben gerufen worden und die Frage der Arb eite bezieh ungen, die in letzter Zeit so akut geworden sei, harre trotz aller Zusagen der Arbeiterpartei beim Kongreß und nachher noch immer der Regelung. Dr. Gliokson ging so weit, daß er behauptete, die Koalition habe keinen Wert, und er machte dafür die Vertreter der Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten in der Exekutive verantwortlich. flibert Kendo, Wien, L Karntnerstrafli 4, Tel. R 26-3-78 Nur Freitag den 7. Mai ab 3 Uhr nachmittags : Freiwillig Misernns Nachlaß Direktor A. 1., Wien Wien, l.f Kärntnerring 15,2. Stodf.TBrfl (Lift) Freie Besichtigung In der Wohnung heute Dienstag und morgen Mittwoch von 10 bis 6 Uhr. I Palästina-Symphoniker konzertieren in Beirut. Aus Jerusalem wird gemeldet: Das Palästina-Symphonleorehester gab in Beirut ein Konzert, das außerordentlich erfolgreich war. Der Oberkommissar für Syrien, Graf de Martei, sowie führende Regierungsbeamte waren anwesend. Jerusalem, 29. April. (Palcor.) Die Gegnerschaft zwischen den Anhängern des Mufti und der Partei von Nashashibi führte gestern in Jerusalem wiederholt zu Ausschreitungen. Am Vormittag wurden in der Nähe des Damaskustores vier Autobusse in Brand gesteckt, die Saleh Abdo, einem Führer der Antimufti-Partei, gehörten; Abdo wurde vor kurzem bei einem Attentat verwundet. Auf Grund einer zwischen den Behörden und dem Mufti getroffenen Vereinbarung, wonach die Nebi-Musa Wallfahrer am Gründonnerstag und Karfreitag der griechischorthodoxen Kirche nicht durch die Via Dolorosa ziehen durften, hatte die Polizei den üblichen Weg nach der Altstadt gesperrt und versucht, den Pilgerzug abzuleiten. Die Pilger bewaffneten sich mit Steinen und Stühlen, mit denen sie die berittene Polizeipafcrouille bewarfen; die Polizei setzte sich unter Benützung von Stöcken und Revolvern zur Wehr, wobei ein arabischer Polizeiinspektor zwei Mohammedaner verwundet haben soll. Schließlich gelang es, die Menge zu zerstreuen; der Zug schlug trotzdem den verbotenen Weg ein. Infolge der Unzufriedenheit gewisser Elemente in der griechisch-orthodoxen Ge- Gemeinde mit dem neu ernannten Patriarchen kam es heute ziu einer Schlägerei, als der Versuch gemacht wurde, ihn an der Ausübung seines Amtes während des Gründonnerstag-Gottesdienstes zu verhindern. Angesichts der Spannung zwischen den Mufti- und den Nashashibi-Anhängern wurden die Straßen durch bewaffnete englische Polizisten abpatrouilliert. Erlösung von der täglichen Qual ist die sanft-scharfe Zionismus fr und Vaterlandsliebe Rom, 29. April. (JTA.) Die in Florenz erscheinende jüdische Zeitschrift „Israel“ veröffentlicht zum ersten Male einen Protest der Juden Italiens gegen die in letzter Zeit von einzelnen italienischen Zeitungen erhobenen Beschuldigungen und insbesondere gegen die Behauptung, daß Zionismus mit italienischer Vaterlandsliebe unvereinbar sei. Der Zionismus, so wird erklärt, sei keine pro-britische Bewegung, er sei überhaupt keine englische, sondern eine rein jüdische Angelegenheit und die Angriffe JÜDISCHER HUMOR Scholem Alejchem: Marienbad. Kein Roman, sondern eine sehr verwickelte Geschichte, die zwischen Warschau und Marienbad spielt. Kartoniert .S 5.98 Leinen.S 7.35 Scholem Alejchem: Arm und Reich. Zwei Erzählungen. Gebunden . S 2,84 Chajim Bloch: Das jüdische Volk in der Anekdote. 340 feiten. Leinen.S 4.20 Immanuel Olsvanger: Rejte Pomeranzen. Ost jüdische Schwänke und Erzäh hingen. Gebunden . ■ .S 2.84 Palästina lacht! Palästinensische Witze. Gesammelt und übersetzt von Josef Frän.kel .S —.30 Manuel Schnitzer: Rabbi Lach. Anekdoten. Gebunden . . . . S 1.50 Jüdische Schwänke. Aus „Rosinkes mit Mandlen“. Ins Deutsche ttbertngen von Dr. Präger und Dr. Schmitz. Leinen . . . S 5.98 Zangwili J.: Der König der Schnorrer. 3. Auflage. Broschiert .... S 1.60 Gebunden .. . S 2*50 Diese und die gesamte jüdische Literatur bei R, Löwit (Dr. Max Präger) Wien, I., Wollzeile 6 von Juden gegen England seien nicht weniger heftig als die von anderer Seite. Da« Bekenntnis italienischer Juden, zum Zionismus sei stets öffentlich und mit Zustimmung der Behörden in der Überzeugung erfolgt, daß es hier nicht nur um eine jüdische und humanitäre Sache, sondern auch um eine italienische gehe. Die Tatsache, daß der Zionismus in Sowjetrußland verfolgt wird, sei ein Beweis dafür, daß er keine Bewegung des Umsturzes ist. Die Ausführungen der Zeitschrift „Israel“ richten sich auch gegen die Ansichten, die vor kurzem von Professor Paola Orano in seinem Buch „Die Juden in Italien“ geäußert worden sind. Von den italienischen Zeitungen setzt nur noch „11 Tevere“ den Feldzug gegen die Juden fort. Das Blatt nimmt hauptsächlich die Tatsache, daß in einem Werk über hervorragende zeitgenössische Italiener Juden perzenbuell sechzehnmal häufiger angeführt sind als Nichtjuden, zum Anlaß seiner Angriffe. Glück und Zufriedenheit durch einen Haupttreffer bei Schelhammer! Die erste Ziehung der 37. Klassenlotterio beginnt schon am 12. Mai d. J. Über n MILLIONEN SCHILLING werden in dieser Lotterie ausgelost. Durch einen Losbezug beim HAUPTTREFFER-BANKHAUS Schelhammer & Schattera Filiale: XIII., HadikgasseöOa sichern Sie sich die Hoffnung auf dieses Glück. — Lospreis: VsSß*—, V» S 12*—, V, S 24*—, 1/1S48*—. DtC' den* DUUtu Das brennende Erlebnis der Umkehr und Einkehr hat dem deutschjttdischen Schrifttum in den letzten Jahren mannigfachen dichterischen Ertrag gebracht. Gemeint sind hier nicht so sehr die epischen Darstellungen des Deutschjudentums in der Art von Feuchtwangers Roman „Geschwister Oppenheim“ oder Dramen, wie Bruckners „Rassen“, die, aller künstlerischen Qualitäten ungeachtet, in ihrer Breite den Schriftsteller zn zeitgemäß-zoitgebundenen Polemiken drängen, die der Verdichtung des Stoffes abträglich sind; es ist vielmehr Aufgabe der Lyriker gewesen, alles, was uns in den letzten vier Jahren leidvoll, vielleicht aber auch trostreich bewegto, in gültiger, kristallener Form als menschliches Dokument den Überdauernden darzutun. Es Ist wahrhaft erschütternd, Ernst Lissauer s Gedichtsammlung „Z e i t c n w c n d e“ (Anzengruber-Verlag, Wien) zu lesen, denn seine gereimten freien Rhythmen (eine Form, die er ganz besonders meistert) und mächtigen Strophen offenbaren eine Zerrissenheit der Seele, ein inneres Verbluten, das erschaudern macht. Die Sprache: bald an fl io Psalmen Davids, bald an die Apokalypse dcß Johannes gemahnend; die Religion: Altes und Neues Testament; die Volkheit: Judentum und Deutschtum; die Zeit: Ehegestern und Übermorgen — und n i rgends dio Überbrückung von Thesis und Antithesis durch eine befreiende Synthesis, weil eine solche nicld "Pstirren kann, weil die Kluft zwischen dun Extremen — das Menschcnhorz spaltet! Einer, der sich, dem Schriftsteller Jakob Loewenberg vergleichbar, zeitlebens mehr vom Deutschtum als vom Judentum ungezogen fühlte, wird von der fleischgewordenen Brutalität zur Umkehr gezwungen. Sie will ihm nicht gelingen; mag Lissauer diie deutsche Sprache als seine Mutter, Judenväter und deutsche Väter, Jesaia und Luther beschwören — wo mündet das Suchertum dieses Aufgestörten? „O Volk, mein Volk! Welch Volk ist denn nun mein? Wie eine Kiepe voll Gescbichtsgestein Schleppe ich zweier Völker Last. Den Deutschen Jude, deutsch getarnt, Dem Juden deutsch, treulos an Israel — Hört ihr die Klapper, welche weithin warnt? Aussätzig von der beiden Völker Fehl!“ Auch in Georg Mannheimers „Liedern eines Juden“ (Verlag Neumann & Co., Prag-Karlin) wurde die Verzweiflung des deutschen Juden Gestalt, des im deutschen Geist Ansässigen, dem die Gewalthaber das Rocht auf deutsche Sprache und deutsches Erlebnis absprechen. Aber anders als Lissauer ringt sich Mannheimer, der »einen Gedichtband „allen Kämpfern für den Judenstaat“ gewidmet hat, zur Erkenntnis des uns vorgezeichneten Weges durch. In seinem Zyklus „Lieder der Verbannung“ überwiegen noch dumpfe Erbitterung und tatlose Qual, aber das „Lied der Überfahrt“ zeigt die mähliche Wandlung an. Hieß es beim bitteren Abschiednehmen noch: „Ich sah nur die Heimat hinter mir und vor mir das Exil“, so nimmt im Verlauf der Reiße das Wissen des Rechten Resitz von ihm: „Da sah ich auf einmal die Heimat vor mir und hinter mir das Exil.“ Lis'suuers Gedichte: streng-ernste Oden; Mannheimers Verse: bald im Rhythmus der Bäukelliedcr, bald lyrische Reportage (,,Kischinew“, „Großwardein“, „Standrecht in Tel- Aviv“) oder einprägsame Ballade („Die Ballade vom Weißen Berg“, „Die Ballade vom Leutnant Trumpeldor“, „Chauffeur Popper“, „Der unbekannte Soldat“). In allen Gedichten, die freilich künstlerisch nicht immer gleichwertig sind, ein und derselbe starke Drang aus dem Zeitelend ins Licht der Freiheit, eis die Erfüllung des Herzenswunsches dem Dichter Herzensjubelverse entlockt: „Scbaloui! Wie andern in der Fremde klingst du Wort, wie anders in der Heimat singst du Wort Schalora!“ Eiu neuer Dichter ist Arnold Hahn, der unter dem Titel „Das Volk Mess ias“ im Eigenverlag „siebenmal sieben Sonette zum Ruhme der Juden“ veröffentlicht hat. Wie anders der Ton, der uns aus diesem Psalter entgegenklingt! Zielsicherheit, Stolz, Bewußtsein der Sendung Israels unter den Völkern, aber auch gütiges Verständnis für die Nöte der Niohtjudenheit sprechen die weise Sprache dessen, der den Berg bereits erklommen hat. Das trefflichste Motto für dieses Buch könnte eine Midrasch-Stelle bilden: „Jede Not, an der Israel und die Weltstämme teilhaben, ist eine Not, jede Not Israels allein ist keine Not.“ Bewundernswürdig ist die Fähigkeit Hahns, seinen oft philosophischen Erörterungen das Kleid einer Strophenform anzupassen, die sich, im Grunde genommen, für abstrakte Gedankengänge nicht recht eignet. Deshalb findet man auch in dem Buche hier und dort sprachliche Härten. Von diesen ästhetischen Einwendungen abgesehen, ist dieser sprarligo.’brmtc Ko-mos jüdischen Lcidwissens, jüdischer Kilösimgssclmsiirlit von hohem Erlebniswert. Ein Buch des Trostes, der Vora.ussage messianiseber Zeiten der Allbruderliebe; um dem Erlöser die Bahn zu bereiten, ist das Volk Israel gewifit, den bittem Weg zu gehen, wie Gott befohlen: „Doch Treu um Treu! Gedenk auch du der Worte: .Und wärst du an des Himmels End verstoßen, Ich will dich sammeln und von dannen holen.'“ Der berühmte Dichter Karl W olfskehl, der dem Kreis um Stephan George angehört hat, ist schon seit Jahrzehnten mit dem Zionismus verbunden. In dem Gedichtband „Die Stimme spricht“ (Schocken-Verlag, Berlin) redet der Siebzigjährige aus besserem Wissen seinen erschütterten Volksgenossen in Deutschland mildernden Trost zu. In Strophen, deren strenger Bau und deren einfach Mare Diktion an alte protestantische Kirchenlieder erinnert, in freien Rhythmen, deren knappe Wucht an Martin Bubers Bibeliibortragung gemahnt, lebt das heroische Element des Judentums wieder auf, die Glaubensstärke mittelalterlicher Rabbi n en, gepaart mit der Lebensgewalt der Hasmonäer. Edle Kraft entströmt den reinen Verseu dieser zwei Dutzend Gedichte, die uns aus dem nutzlosen Grübeln, dem törichten Kleinmut aufrichten wollen zur Empfängnis der Heilbotscbaft. Ein Gedichtband, den auch junge, begeisterungsfähige Menschen lesen und sprechen müßten, um durchglüht zu werden: „Wollt nicht zurück, .Jung lechzt das Land. Was war, ist Tand, Ist Tod — ihr seid Im WanderMeid: Fortgehn ist Leid, Fortgehn ist Glück — Bleibt nicht zurück!“ Dr. A. Werner. 83

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