Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 640 (30.4.1937)
- Date
- 1937-04-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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OH STIMM! Nr. 640. — Wien, Freitag, 30. April 1987. Saite 0 F;' diger Verbindung mH den maßgebenden Faktoren des wirtschaftlichen Lebens, Und eo steht denn auch die Berufsberatung in ständigem Kontakt mit der Wirtschaft. Zünfte, Fachvereine, Arbeitgeber und Arbeitnehmer liefern dem Berufsberater durch Statistiken, Veröffentlichungen, Aussprachen, berufsk und licke Mitteilungen, die erforderliche« Informationen. Ist die allgemeine Wirtschaftslage nach außenhin auch zu manchen Zeiten und in manchen Ländern gleichmäßig aussichtslos, bei näherem fachmännischem Zusehen ergeben sich doch Differenzierungen. Selbst bei allgemein schlechter Lage gibt es aussichtsreichere und weniger aussichtsvolle Berufe, die in der Linie des Fortschrittes liegen, und absterbende Gewerbe. Allerdings gilt in Krisenzeiten doppelt das Schlagwort vom „richtigen Mann am richtigen Platz“. Bei der Frage, welcher Beruf nun tatsächlich ergriffen werden kann, sind abgesehen von diesen objektiv bedingten Umständen auch Tatsachen subjektiver Natur entscheidend; so die ökonomische Lage des Elternhauses, von der es zum Beispiel unter anderem abhängt, ob ein Beruf gewählt werden kann, der mit längerer Ausbildungszeit, mit größeren Kosten, mit Wechsel des Wohnortes und ähnlichem verbünden ist. Erst Neigung, Eignung und Arbeitsmarktlage in ihren wechselseitigen Beziehungen als Gesamtheit genommen, ergeben jene Grundlage, die zur Erteilung eines Berufsrates notwendig ist. Oft muß ein Faktor zugunsten der anderen beiden zurücktreten, meistens ist es nicht möglich, den idealen, sondern nur den unter den gegebenen Umständen bestmöglichem Weg einzuschlagen. Ist nun der Beruf fe.5tge.legt, dann gilt es, den richtigen Ausbildungsweg zu finden. Grundsätzlich gibt es für Vierzehnjährige, abgesehen von der Möglichkeit des Weiterstudiums zwei Wege zur -Erlernung eines Berufes: entweder die Aus- bildung in . einer praktischen Lehre oder der Weg über eine berufliche Fachschule (die, soweit es sich um ein Handwerk han- | delt, die Lehre ersetzt). Beide Wege haben , ihre Vor- und Nachteile, und die Wahl kann nur nach der Untersuchung des Einzelfalles individuell getroffen werden, doch kann ailgemein gesagt werden, daß heute in Anbetracht der ungenügenden Zahl der zur Verfügung stehenden Lehnstellen die Fachschulen immer mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Für die jüdische Jugend ist die Frage nach dem Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt das zentrale Problem. Über die allgemein geltenden Schwierigkeiten hinaus sind ihr aus Gründen politischer Natur eine ganze Reihe von Berufen versperrt, dier Zugang zu anderen zumindest sehr erschwert. Hier kann Abhilfe nur aus den eigenen Reihen kommen. 1. Es muß durch geeignete Propaganda innerhalb der jüdischen Unternehmerschaft durch Weckung des Solidaritätsgefühles gelingen, mehr Lehrstellen — vor allem im Handwerk — für die Jugend zu erringen. 2. Ein zu schaffender Fonds für berufliche Ausbildung soll den Jugendlichen durch Gewährung von Stipendien den Besuch der Fachschulen in weit stärkerem Ausmaße als bisher ermöglichem. 3. Von gewissen Gesichtspunkten aus ist die Gründung von Lehrwerkstätten angezeigt, in denen die Jugendlichen mit dem Ziele einer späteren Auswanderung zu Handwerkern ausgebildet werden können. Für Auswanderungszwecke wäre weiters die Errichtung eines regulären Lehrgutes (wiie sie zum Beispiel in Deutschland bereits bestehen) erforderlich, auf dem die Jugendlichen — Knaben wie Mädchen — in systematischer Weise praktisch für die verschiedenen Zweige der Landwirtschaft, Gärtnerei und für den landwirtschaftlichen Haushalt ausgebildet werden. Besondere Aufmerksamkeit verdient in diesem Zusammenhang die intellektuelle Jugend. Die Frage, ob Austritt nach der Untermittelschule oder Weiterstudium bis zur Matura, ob Besuch der ohnehin so überfüllten Hochschulen oder Ausbildung in einem nichtakademischen Beruf angemessen ist, muß rechtzeitig entschieden werden. All diese Probleme müssen in enger Zusammenarbeit mit den jüdischen Wirtschaftskreisen unter Berücksichtigung der Verhältnisse im Inland und den Möglichkeiten in den Ländern, die für eine eventuelle Auswanderung in Frage kommen, verantwortungsbewußt angegangen werden. Zusammenfassung. Aus dem bisher Gesagten ergeben sich für die jüdische Berufsberatung mit großer Dringlichkeit folgende Notwendigkeiten: 1. Gründliche berufskundlichc Aufklärung der austretenden Schüler und ihrer Eltern über die Anforderungen und Möglichkeiten der einzelnen Berufe unter Bedachtnahme auf die spezielle jüdische Situation zum Zwecke der Verhütung falscher Berufvorstcllungen und unechter Berufswünsche. 2. Sachgemäße Berufsauslese unter besonderer Berücksichtigung der Eignung, damit nicht — dies gilt speziell für das Handwerk — durch das Versagen einzelner nachteilige Verallgemeinerungen für die Gesamtheit entstehen. Es ist ein Gebot der Stunde, in neu zu erobernde oder nur schwer zu haltende Positionen nur wirklich Geeignete zu entsenden. 3. Schaffung von Unterbringungsmöglichkeiten durch Propaganda bei den Unternehmern, Bereitstellung von Stipendien für den Besuch beruflicher Fachschulen und Schaffung von Ausbildungsmöglichkeiten speziell für Auswanderungszwecke. pri*. sdAMioit CENTRAL """ ll.faborstr.8Br.Ui4.908 Einzelunterricht für schwächere Schüler Leitung: llilan OrOnwald Abs.d.Chajes-Pädagoglums Sprechstunde: Diens Trude Weiß, cand. med. tag 7 bis 8 Uhr abds „Abravanel" von Abraham Heschel Preis kart. RM. 1*20. Erich Reiß Verlag, Berlin W. 15. Diese aus Anlaß der fünfhundertsten Wieder« kehr des Geburtsjahres erschienene Schrift über Don .Jizchak Abravanel, aus der Feder von Abraham Heschel, dem Verfasser der bekannten „Maimonides Biographie“ (Erich Reiß Verlag 1935), vermittelt dem Loser einen eindrucksvollen und tiefen Einblick in eine an Geist und Geschehen reiche Epoche. Abravanel gehört zu den interessantesten Gestalten der jüdischen Geschichte in Europa. Staatsmann und Philosoph, Berater der Könige und Verkünder der meesianiseben Erlösung, berühmter Finanzmann und bahnbrechender Bibelerklärer, vereinigte er in sich volkstümliche Schlichtheit mit der vornehmen Gewandtheit eines spanischen Granden. Was hier von Abravanel, dem tragischen Ausläufer eines glanzvollen Zeitalters erzählt wird, von seinem dramatischen Lebenslauf, seinem Charakter und seinen Lehren über Gott, Mensch und Volk, wird jeden Juden von heute ergreifen. Denn dieses Leben erscheint in der Darstellung von Abraham Heschel als ein Gleichnis von dauernder Gültigkeit. Jüdisches Kulturtheater I., Kai 3, R 28-2-36. Jüdisches Kulturtheater: Täglich 20 Uhr: „Jud Süß“, Schauspiel in fünf Bildern (nach dem Lion Feuchtwanger’schen Roman) von Ashley Dukes, deutsch von L. Dämmert. Regie: Rudolf Weiss. Bühnenbilder: Gottfried Berger. — Sonn- und Feiertags Nachmittagsvorstellung um K4 Uhr: „Schwer zu sein ein Jud’“ von Scholem Alejchem, deutsch von Jakob Rosenthal. — Jüdische Volkshochschule: Hebräisch- und Englischkurse. Vorträge über jüdisches Brauchtum und jüdische Kulturgeschichte. — Sektion für bildende Kunst: Sonntag, 9. Mai, 11 Uhr vorm., in der Jüdischen Kulturstelle: Zusammenkunft der Interessenten für die Reise nach Paris zur Weltausstellung. — Jeder Jude zahlt als Mitglied der Kulturstelle nur S 1.50 jährlich. Ausstellung Anny Katz-Taussky: Graphische Werke (Bleistift-, Rötel-, Kreidezeichnungen und Heliographien). Die Ausstellung ist bis zum 8. Mai geöffnet und frei zugänglich. DIE KINDER-STIMME Emek-Lied pöj?n “Ntf | v T (Freie Übersetzung) 3. Dämmerung hüllt den Berg Gilboa Hufe donnern durch die Nacht Schreie hallen durch die Lüfte Durch die Felder Jisr’els. Schüsse fallen — horch* wer fiel Zwischen Beth Alfa und Nahalal? Was verkündet diese Nacht? . . . yl3*?an nna ^ck ca - : “ " $ v .W? Ssra *inft mo alaa sjy npvt *?lp “TT TTJ Akyir pöj nlTfeo Sdj ob> m .tp 'ö ■ T T T TT ♦ ♦ nö .fAiai kb*?# n'a t'3 - TT! Tt* M " 1. Ruhe Uberkommt den Müden Und dem Emsigen winkt Frieden. Helle Nacht erfüllt das Tal Jisr’el und Beine Felder. Taugesättigt, mondbeschienen Von Beth Alfa bis Nahalal. Was verkündet diese Nacht? Ruhig schlummert Israel. Schlafe, schlafe, Prachtgefllde Wir behüten deinen Schlummer. yvb nnuö hks (k “ **T“ T : TT yinfcö "iin nS'1? — T » “• T«“ *?Kpr pbj by hy* n:3*?i naoSö *?a C ** TT J T ” » * ,bbnj kdSk-itsö TT * T : ■ -; S'So nWj nö ,nö;*?Krir3 nööi *::•« TTJ niKBft p# ,poy nou »Tf v v r v t mötfö *b DK TTJ* •» T 2. Wie ein Meer wogt das Getreide Jubelnd schallt der Hirten Lied Das sind meines Landes Felder Das ist emek Jisr’el! Sei gegrüßt und sei gesegnet Von Beth Alfa bis Nahalal . . . Wm verkündet diese Nacht? « * . ,yy,lawa jav & ca *?2^2Ö vwn TP : vt,t fWllTfel '3PK VW tv : j - ♦*?Kjnr pö£ vn Tpi3B T I ’T J ♦*?*?na ny kd*?k iraö TT - TT- Lag b’omer J*1? Lag b’omer ist wieder ein Fest der Erinnerung: Unter den Schülern Rabbi Akiwaa wütete eine Seuche. Der Tag, an dem diese erlosch, blieb als Festtag geheiligt. Vor allem feiern die Schulkinder diesen Festtag; ist es doch Brauch geworden, ihnen diesen Tag freizugeben. Mit ihren Lehrern wandern die Kinder ins Freie, ins Grüne hinaus, spielen und tanzen und toben bis zum Abend. Ebenso ist es Brauch, daß die Kinder eich Pfeil und Bogen aus Zweigen bersteilen und auf ihren Ausflug nehmen, der für Ohederschüler fast der einzige des ganzen Jahres ist. Diese Pfeile und Bogen sollen an die Zeit der Befreiungskämpfe Bar Kocbbas erinnern, an denen sich Rabbi Akiwa samt seinen Schülern beteiligte. Lag b’omer — sj Im Omer Von Ch. Fünftel. Was bedeutet dies? Omer Maß, war ein Maß Getreide (gleich 43 Eiern, zirka 1.62 Kilogramm), das unsere Väter, solange sie im Lande Israel lebten, am ersten Pessachtage darbrachten. Vom Tage nach dieser Darbringung — vom zweiten Pessaohtage an, werden — nach einem alten Gesetz — sieben Wochen lang — bis Schawuoth —■ die Tage gezählt. Diese Zeit heißt die Zeit des Omerzählens. Hebräisch: S’firathha-omer TöjWl'DD von .Ti'DD — Zählen. V T “ * t TM Lag bedeutet eine Zahl*), nämlich }'b SO 4- 3 83, also: 1öJ)3 3*^ 88 Im Omer. r i *) Siehe Zlffemspiel (Nr. 17) der „Kinderstimme“. jCieSe Itindec! Ihr entsinnt euch wohl noch meines Vorschlages, den ich euch vor, etlichen Wochen machte: in Briefwechsel mit Kindern in Erez zu treten. Nun, während ihr noch überlegt, ob und was und wie und wann ihr dies tun werdet, ist eine Antwort darauf bereits aus Palästina eingetroffen. Darauf hatte ich gar nicht gehofft, um so weniger, als ich überhaupt nicht daran dachte, die „Kinder-Stimme“ könnte in einem Kibbuz in Palästina gelesen werden. Die Heimat sendet uns ein Echo. Sie hat gehöTt, empfangen und ist gleich tätig bereit, uns zu geben. Ueief aus tcsi Istati Liebe Kinder! Ich habe zufällig in der „Kinder-Stimme“ gelesen, daß Ihr gerne mit palästinensischen Mädels und Jungens in Briefwechsel treten wollt. Da dachte ich mir, wie wäre es, wenn ich Euch etwas von Palästina und unserem Leben hier erzählen würde. Fürs erstemal will ich Euch erzählen, daß ich in einem Kibbuz bin; wißt Ihr, was das ist? Es ist nicht so wie eine Jugendbewegung, mit ihren Zielen, mit ihrer Idee, ihren Forderungen an ihre Mitglieder (D'nin). Davon habt Ihr ja schon alle gehört, aber für diejenigen, die es nicht wissen, will ich cs gerne erklären. Unser Leben im Kibbuz ist ein auf die Dauer eingestelltes, also nicht vorübergehende«. Der Kibbuz ist eine große Bewegung, mit einigen tausend Mitgliedern, die in verschiedenen Orten ln kleineren und größeren Gruppen (JlU^B) leben. Wir sind hier in Rischonle-Zion 180 Leute, 18 Kinder und zwei Großmütter. Nicht alle Kameraden (D'ljin) sind hier, ein großer Teil ist in Beth Schan, unserem Ansiedlungsplatz. Doch davon ein an« dereemal Unser Leben ist auf kommunaler Basis aufgebaut. Das heißt, alles ist gemeinsam. Der Verdienst, Ein- und Ausgaben, die Küche, die Kleiderverwaltung die Wäsoherei, Lese-, Speisezimmer und das Kinder haus, wo alle Kinder gemeinsam erzogen werden. Diesesmal wollte ich Euch nur ein allgemeines Bild geben. Ich stelle mir unseren Briefwechsel so vor, daß Ihr mir Fragen stellt und ich sie beantworte und Euch jedesmal gleichzeitig über irgend etwas erzähle. Fragt viel und alles, was Ihr wiesen wollt. Mit kräftigem 01*? Bl VaÜy Heller, Kibbuz Hassade Ri schon - Ie - Zion, Palestina, Rätselecke Magisches Quadrat (hebräisch) Von Samuel Jäger 1. Kind. 2. Hühnerstall. 8. Tür. * Schaut, was mir da passiert ist... Wer von Euoh hilft mir, das richtig zusammenzusetzen? Auflösung des Bilderrätsels aus Paläetinakundes Bild 3 Name: Brot — öft^ vr Erzeugungsort: Emek Jisreel — pö)? Bild 4 Name: Wolle — iöV V V Erzeugungsort: k’zar Giladi '1^3 *1BJ Logogriph: Israael, Israel. Geographisches Palindrom: Mur, Rum. Scherzrätsel: 1. Sie kostet alles. 2, Goldregen. 9955