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Die Stimme · 1937-04-27 · Heft 639 (27.4.1937) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 639 (27.4.1937)
Date
1937-04-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit« 4 Dfl STIMMI Nr. 639. — Wien, Dienstag, 27. April 1987. Ernst Benedikt: Kaiser Joseph II« Beschlüsse der Konferenz betrafen einen engeren Zusammenschluß der WIZO-Föderationen des Baltikums. Ein Jude Gesandter der USA. in Peru. Aus Washington wird gemeldet: Der ehemalige Gesandte der Vereinigten Staaten in Schweden. Lawrence A. Steinhardt in New York, ist von Präsident. Rooßovelt zum Gesandten in Peru ernannt worden. Gesandter Steinhardt ist Jude. Die Einwanderung in Biro-Bidschan. Ans Moskau wird gemeldet: Offiziell wird mitgeteilt, daß im ersten Jahresviertel 1937 94 Familien und 199 Alleinstehende, insgesamt 469 Personen, in Biro-Bidschan eingewaudert sind. 64 von ihnen waren Spezialisten. Die Juden an den amerikanischen Universitäten. Aus New York wird gemeldet: Durch eine soeben abgeschlossene statistische Erhebung wurde festgestellt, daß sich unter den 1,150.000 Studenten, die an 1319 Universitäten und Colleges in den Vereinigten Staaten und Kanada studieren, 105.000 Juden befinden. Sie bilden 9T Prozent der gesamten Studentenschaft. Auf je 42 Junden entfällt ein Hochschüler, wohl der höchste Prozentsatz, den irgend eine Gruppe der Welt aufzuweisen hat. In New York, wo die Juden 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen, sind 50 Prozent der Studenten Juden. Das Frauenstudium ist unter den Juden weniger stark verbreitet als unter der übrigen Bevölkerung. Von der jüdischen Studentenschaft bilden die Frauen nur ein Drittel, von der allgemeinen die Hälfte. Rückgang der Frequenz jüdischer Schulen in Amerika. Aus New York wird gemeldet: In einem Überblick über „25 Jahre jüdische Erziehung in den Vereinigten Staaten“ stellt der pädagogische Leiter der .Jewish Eduoation Association, Israel S. Chiipkin, fest, daß die Frequenz der jüdischen Schulen seit 25 Jahren prozentuell gesunken ist. Von 800.000 im volksechulpflichtigen Alter stehenden Kindern besuchten ian Jahre 1935 200.000, also 25 Prozent, jüdische Schulen, während 1910 diese Schulen noch von 30 Prozent dieser jüdischen Kinder besucht worden waren. Ghipkin fordert die jüdische Öffentlichkeit auf, für das jüdische Schulwesen größere Opfer zu bringen, damit das jüdische Sehulwerk auf einer den neuzeitlichen Bedingungen entsprechenden Höhe gehalten werden könne. Die Schulgebäude seien den hygienischen Erfordernissen anzupassen und die Existenzsicherheit der Lehrer zai beseitigen. Bilanz der jüdischen Winterhilfe Berlin. Aus Berlin meldet die JTA.: Im „Gemeindeblatt für die Jüdische Gemeinde“ gibt Max Gundersheim einen Überblick über die Leistungen der Jüdischen Winterhilfe. Trotz erheblicher Abwanderung betrug der Gesamtrüokgang der eingegangenen Spenden im Vergleich zu 1935/36 noch nicht ein Achtel. Die Zahl der Betreuten habe sich, trotz einer ebenfalls erheblichen Abwanderung, nicht verringert, was zum Teil durch die steigende Not, zum Teil aber auch durch die Zuwanderung aus der Provinz zu erklären ißt. 15.561 Parteien mit 29.610 Personen wurden betreut. Über eine halbe Million Mark wurde zur Beschaffung von Bekleidungsgegenständen ausgegeben. Viertausend Helfer waren neben 130 Festangestellten zur Erfüllung der großen sozialen Aufgabe tätig. Die Juden in Spanien. Aus London wird gemeldet: Der spanische Generalkonsul in London hat der Exekutive der Weltorganisation der Agu'daö Jisroel mitgeteilt, daß die spanische republikanische Regierung jedes Ersuchen um Ziulassung der Einfuhr von rituellen Gebrauchsartikeln für die jüdischen Gemeinden in Spanien günstig erledigen werde. Auf Veranlassung der Madrider Regierung wird in Zukunft auch den rituellen Bedürfnissen der jüdischen Gemeinde Barcelona Rechnung getragen werden. Zum letzten Pessachfest wurden aus Mitteln der Aguda-b große Mengen Mazzoth an Juden in Barcelona gesandt. Hundertjähriges Jubiläum einer Synagoge in Bukarest. Aus Bukarest meldet die JTA.: Anläßlich der Feier des 100jährigen Bestehens der Bukarester Synagoge .JJnirea Sfanta“ (Heilige Einigkeit) fand ein Festgottesdienet statt, an dem Vertreter der führenden jüdischen Verbände und der Behörden tcilnahmen. Der an der Synagoge wirkende Rabbiner Doktor M. A. flalovy, der zurzeit als der bedeutendste Vertreter der rumänisch-jüdischen Geschichtsforschung gilt, gab in der Festpredigt einen Überblick über die Entstehung und Entwicklung des Gotteshauses. Ansprachen hielten feiner der Vorsitzende des Synagogenrates Levy Wexler, der Vertreter der jüdischen Religionsgemeinschaft im rumänischen Senat, Oberrabbiner I. Niemirower, der sephanlischo Oberrabbiner Sabetay Djaen, der Vorsitzende der Üiikaroster .Jüdischen Oemeindo Senator Binnan und, im Namen der Obe.’bilrgermcisters von Bukarest, Stadtrat Tanase, Revolutionen gehen immer auf die gleiche Art vor sich. Es hat sich in einer Gesellschaft aus geistigen, sittlichen oder materiellen Gründen Reformbedürfnis und Reformwille auf gestaut, die Reformen werden aber von den herrschenden Gruppen teils aus eigenem Interesse, teile einfach aus Beharrungsvermögen verweigert. E® versteift sich die Situation auf beiden Seiten. Weil man am Anfang einfache und relativ bescheidene Reformen verweigert hat, reagiert die Seite der Bevölkerung, die den Reformgeist vertritt, mit wachsenden Forderungen, was die andere Seite, die schon Gefahren für ihre Eerrecbaft sieht, zu verschärftem Widerstand veranlaßt. Auf der Seite der Masse bekommen schließlich die Radikalen und die Hemmungslosen die Oberhand, Die Forderungen steigern sich ins Ungemessene und ins Unmögliche. Jede Auseinandersetzung hat. aufgehört, es reißen die Dämme, und es wird die Gesellschaft, die die Reformen versäumt hat, zerstört. Die Masse als neuer Inhaber der Macht kennt keine Grenzen in der Ausübung dieser Macht. Es werden Dinge verwirklicht, an die ursprünglich niemand gedacht hatte, es werden aus den Reformforderungen, die im Geist der Zeit und in den Bedürfnissen der sich entwickelnden Gesellschaft begründet waren, Utopien und Maßnahmen, die mit dem Leben nicht mehr verträglich sind. Die Gesellschaft war in einen unnatürlichen Zustand geraten, weil man ihr natürliche Reformen versagt hatte. Jetzt werden alle Unnatürlichkeiten durchgeführt, die daß überhitzte menschliche Gehirn und die überreizte menschliche Seele zu produzieren vermag. So muß die Revolution an den Realitäten des Lebens zusammenbrechen. Die französische Revolution ist ausgebrochen, weil die Bodenreform verweigert wurde. Aber was sie dann an die Stelle der einfachen Bodenreform gesetzt hat, mußte auch wieder zusammenbrechen. Geistig war die französische Revolution ein Kampf um die Menschenrechte. Dieser Geist erlebte seine Karikatur im Jakobinismus. Die französische Revolution mußte darum auch geistig ihre schweren Rückschläge erleben. Aber es bricht tatsächlich mit der Revolution nur das zusammen, was überspitzt war, e3 bricht nur das zusammen, was über die wirklichen Bedürfnisse der Gesellschaft, über die Not der Zeit hinaus will, es verschwindet nur das wieder, was an Unnatürlichkeiten und Lebenswidrigkeiten begangen wurde. Aus der französischen Revolution ißt, freilich erst nach neunzigjährigen Kämpfen, schließlich doch die neue Gesellschaft der kleinen besitzenden Bürger, hervorgegangen, organisiert in der Demokratie, die auf der Basis der Menschenrechte ruht. Jede Revolution muß zusammenbrechen, aber wenn es eine echte Revolution gewesen ist, wenn sie in ihrer Zeit und in den Bedürfnissen der Gesellschaft begründet war, so wird ihr Geist den materiellen Zusammenbruch überleben, um fortzuwirken in alle Zukunft. ♦ Es gibt in der Geschichte einen einzigartigen Fall von Revolution, die nicht von der Masse, sondern von oben, vom Beherrscher dieser Masse selbst, gemacht wurde. Das war die Revolution dee Kaisers Joseph II., und diese Rolle Josephs wird in dem Buch von Ernst Benedikt „Kaiser Joseph II.“ (Verlag Gerold & Co., Wien) greifbar plastisch dargestellt. Der Geist der Zeit konzentrierte »ich hier in einem Menschen. Die Masse hatte ihn noch gaT nicht erlebt, die Masse wollte die Revolution noch gar nicht, sie wollte nicht einmal noch ernstlich Reformen. Joseph war mit allen Vorzügen und Fehlem des revolutionären Geistes ausgestatfcet. Er fühlte richtig, wo und auf welchen Gebieten Reformen notwendig waren. Man kann ihn schlechthin als Vorläufer der französischen Revolution ansprechen, denn die geistige Richtung seiner Tätigkeit war die gleiche wie die Richtung der französischen Volkserhebung, die ein Jahr vor Josephs Tod die Dämme der französischen Gesellschaft niederriß. Die Menschenrechte waren die Grundlagen von Josephs Reformidee, aber die Widerstände, die er zuerst als Mitregent und dann als Kaiser erlebte, hetzten ihn in schwere Übertreibungen. Aus der Gleichheit der Menschen wurde Gleichmacherei, zugeepitzt bis zu der Forderung, daß alle Menschen in der Monarchie dieselbe .Sprache zu sprechen hätten, der Wunsch nach Sicherung eines menschenwürdigen Daseins für alles fand seine Karikatur in der Verordnung, daß Tote nur mehr in Säcken begraben werden dürfen, weil das Holz den Bedürfnissen der Lebenden, dem Wohlstand des Volkes zu dienen habe. Besonders interessant ist, daß Joseph auch die imperialistischen, expansiven Wahnideen der französischen Revolution im österreichischen Rahmen vorweggenommen hat. Josephs Revolution ist zusammongebrochen. Aber sie ist wieder nur in ihren Überspitzungen zusammengebrochen, während geblieben ist, was lebensfähig war, und vor allem das, was an der Revolution dos wirklich Geschichtliche ist: die Idee. Es hat sich manches erst viel später verwirklicht, es ist vieles noch heute nicht verwirklicht. Aber es lebt die Idee, und sie drängt nach fortschreitender Verwirklichung. Daß alle Menschen ein Recht auf das Leben haben, daß Ungleichheit, die aus der Geburt oder dem Vermögensstand abgeleitet wird, daß die Unterdrückung der Menschen, deren Meinung von deT der Mehrheit abweicht, gesellschaftsfeindliohe Ungerechtigkeiten sind, daß der Geist als die göttliche Lebenskraft der Menschheit frei sein müsee: diese josophinischen Grundideen haben Joseph und seinen persönlichen und organisatorischen Zusammenbruch überlebt, sie haben aber auch alle die überlebt, die sich später immer wieder gegen ßie auflehnen wollten. Sie werden, das möchten wir hier hinzufügen, ganz besonders auch die überleben, die heute gegen sie ankämpfen, wenn ihre augenblicklichen Erfolge auch noch so laut gegen Joseph zu sprechen scheinen. * Vorteilhaft hebt sich, das muß hier auch noch festgestellt werden, der Kaiser Joseph Ernst Benedikts von dem Joseph ab, den wir jetzt in der Auffassung von Rudolf Henz auf der Bühne des Burgtheaters sehen können. Es soll durch die Heranziehung dieses Vergleichs nicht etwa ein Maßstab geschaffen werden, denn die wirklich historische Konzeption des Benediktseben Buches wäre in ganz anderen Maßstäben auszudrücken. Es soll nur darauf hingewiesen werden, daß in jenem Theaterstück in völliger Verkennung der Idee, die in Joseph lebte (und die mit Joseph nicht zugrunde gehen konnte, weil Ideen nie zugrundegehen), ein Kaiser auf die Bühne gestellt wird, der ganz unorganische und geistig unfundierte Gedanken in die Wirklichkeit umzusetzen versucht und am Unmöglichen scheitert. Er scheitert und damit ist er erledigt. Das ist nur ein halber Joseph, der Erdemwaller Joseph, der Mensch, der etwas will und nicht die Kraft hat, es durchzusetzen. Dieser halbe Joseph ist allerdings richtig gezeichnet. Aber es fehlt der andere, der historische Joseph, es fehlt der Joseph der Idee, der Joseph, der noch heute lebt, der noch heute uns gehört, mit dem wir immer verbunden bleiben. Ernst Benedikt hat den ganzen Joseph meisterhaft gezeichnet, den Joseph, der von 1741 bis 1790 gelebt hat, und den historisch gewordenen Joseph, der ein Jahr vor seinem Tod im Ausbruch der französischen Revolution erst wirkliob angefangen hat, zu leben und zu wirken — hinein in die Zukunft, in die Entwicklung der Menschheit, deren Gesetze er über alle seine Irrtümer hinaus doch richtig gesehen und erfaßt hat. Bruno Heilig. Mitteilungen des Beate Mthzoah Allgemein-zionistischer Handwerkerverband. XX. Bezirk: .Sämtliche Mitglieder haben sich an den Vortragsabenden jeden Dienstag um 8 Uhr abends im Herme XX., Jägerstraße Nr. 30 beim Sektionsführer des Verbandes, Herrn Weimraub, zu melden. Das Erscheinen ist Pflicht und wird auf der Mitgliedskarte bestätigt. Nächster Vortragsabend: Dienstag, den 27. April. Die Schekel-Propaganda ist energisch zu betreiben und jede Woche in der Sektion oder im Sekretariat, I., Marc-Aurel-Straße 5, die verkauften Schekalim abzurechnen. Sprechstunden von 12 biß 1 Uhr I., Marc- Aurel-Straße 5. Elternverelnlgung an der Volksschule der Israelitischen Kultusgemeinde, U., Castellezgasse 35, Mittwoch, den 28. April, um 8 Uhr abends, in der Zion. Bezirkssektion, XX., Jägerstraße 30, Vortrag: Oberlehrer Max Jellinek über „Erziehung des jüdischen Kindes“. Jüdischer Hochschulausschuß. Dienstag, den 27. April, um 8 Uhr abends, wird Im Zentralheim, IX., Alserstraße 26. ein Paläßtinafihn vorgeführt (mit Vortrag). Gäste willkommen! 1 Zionistische Bezirkssektion und „Club Erez Israel* _IJ., Praterstraße 13__ Mittwoch, 28. April, %9 Uhr abends, findet in unserem Heim, II., Praterstraße 13, eine große Lag B'Omer-Feier statt- Programm: Festrede Dr. Eli Strauß; Geigensolo: Kapellmeister Kurt Fuchsgelb; am Klavier Dirigent Dr. Weiß. Rezitation Dr. Meier Präger; Gesang: Icht; Knaben-Solo: Der Knabe Kafka I RUNDSCHAU I DIE REDE DARANYIS, des ungarischen Ministerpräsidenten, gibt dem Blatt den Wiener Assimilation, der „Wahrheit“, wieder einmal willkommene Gelegenheit, die antisemitischen Instinkte auf den Zionismus zu hetzen. Was der ungarische Minister Präsident gesagt hat, war so schlimm, daß sich zunächst nicht einmal die „Wahrheit“ einer scharfen Kritik enthalten kann. Aber nachdem sie diese angebracht bat, geht es los: Schuld sind die Zionisten! Der ungarische Ministerpräsident war bei allen Widersprüchen, die er sich in seinen Auslassungen leistete, doch gleichzeitig klar genug, daß man hätte verstehen können, wie sehr ihm alle Juden miteinander zuwider sind. Er hat zuerst ganz allgemein von einer überjudiung Ungarns gesprochen und ebenso allgemein den wirtschaftlichen „Raumgewinn“ der Juden in Ungarn beklagt. Dann hat er sich im speziellen gegen die Ostjuden gewendet. Die Taktik ist verständlich: Den Riß im jüdischen Lager, der besonders in Ungarn von Seiten der „Bodenständigen“ verursacht wurde und offen gehalten wird, noch zu vertiefen, um den Juden auch die letzte Widerstandskraft zu nehmen. Der Jude, der die Dinge sehen will, wie sie sind, dürfte solcher Rede gegenüber nur die Sprache der absoluten und bedingungslosen, eins ehr änkunigslos en Abwehr finden. Die „Wahrheit“ aber sucht und findet die Möglichkeit, dem ungarischen Ministerpräsidenten noch einen Tip zu geben, wie man Juden gegeneinander hetzen kann. Dabei meint sie gar nicht bloß den ungarischen Ministerpräsidenten, sie spricht natürlich im wesentlichen nach Österreich. Sie ist damit alter Übung treu geblieben. Die Antisemiten sollen sich doch nicht lange den Kopf darüber zerbrechen, wer alles Unheil angerichtet hat, denn es ist doch so einfach, daß es nur die vaterlandslosen Zionisten sein können. Merkwürdig diese Unbelehrbarkeit der Assimilation, die ihresgleichen nur in der Unbelehrbarkeit des Antisemitismus hat- Wie dieser es nicht wahrhaben will, daß keine Judenverfolgung gesellschaftliche Probleme zu lösen vermag, obwohl er auf zwei tausend jährige erfolglose Versuche nach dieser Richtung zurückblicken kann, so wird die Assimilation scheinbar nie einsehen, daß der Antisemitismus nicht differenziert. Jud ist Jud und wie es bei Leasing heißt, der Jude gehört verbrannt. Gern akzeptiert der Antisemitismus Sonderargumente gegen diese oder jene Gruppe des Judentums, gern verfolgt er den Ostjuden, weil er aus dem Osten ist, den Zionisten, weil er Zionist ist, aber ebenso gern den Assimilanten, weil er Assimilant ist. Neben Deutschland hat besonders Ungarn schlagende und blutige Beweise für diese Tatsache geliefert. Zionismus gibt es seit vierzig Jahren, Antisemitismus seit zweitausend Jahren. Der Zionismus ist entstanden, weil Juden von Verstand und Ehrgefühl erkannt haben, daß es einen Ausweg aus unserm Unglück nur geben kann, wenn wir aufhören, Spielball der Launen anderer zu sein, und anfangon, unter Schicksal selbst zu gestalten. So steht es tatsächlich um die Frage Antisemitismus, Assimilation und Zionismus. Man möge den Antisemitismus ruhig weiter gegen uns hetzen. Sie retten sich damit nicht, das garantiert ihnen die zweitausendjährige Geschichte der Judenverfolgungen. Wir aber wissen, daß wir auf dem sichern Weg in die sichere Zukunft sind. Und das Judentum wird mit uns gehen, nicht mit ihnen. ZUM BURGTHEATERPROBLEM haben wir festgestellt, daß das Burgtheater keine Veranlassung habe, den Antisemitismus auf seiner Bühne das Wort zu erteilen, denn die Juden waren immer die treuen und begeisterten Anhänger dieser Anstalt, sie stellten einen nicht unwesentlichen Teil des Publikums dar, vom Orchester und den Logen bis hinauf zu den Studentenplätzen. Zur Illustrierung dieser unserer Feststellung erzählt uns ein Leser folgendes Erlebnis: „Am Tage der Eröffnung des Wiener Zionisteakongreseee im Jahre 1918 kam ich von einer Reise zurück nach Wien. Tch wollte den Abend im Burgtheater verbringen und gLj zur Kasse, um mir eine Karte zu kaufen. Ich wandte mich an die K&v

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