Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 639 (27.4.1937)
- Date
- 1937-04-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Dienstag, 27. April 1937. — Nr. 639. Oll tfIMMI Sette 3 Weizmann und BrocLtsky bei Ormsby-Gore London, 23. April. (JTA.) Der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Ag ncy Dr. Chaim Weizmann und das Mitglied und politischer Referent der Exekutive Prof. Selig Brodetsky wurden vom englischen Kolonienminister Ormsby-Gore zu einer längeren Besprechung über die aktuellen politischen Palästinafragen empfangen. Uber Verlauf und Ergebnis der Besprechung wird kein Bericht ausgegeben. Libanesischer Bischof für jüdisches Palästina Der arabische Bischof M/mbarreik, Oberhaupt der KathoMsoh-maronitißöbeu Kirche in Beiruth, der sich demnächst auif eine Europareise begibt, war der Redner bei einem Empfang, den die jüdische Gemeinde van Bedrutth für den maronitischen Patriarchen Arida veranstaltete. Der Bischof erklärte, daß die Maroniten am den Leiden der Juden tiefen Anteil nehmen. Die Juden hätten nach Palästina den Wohlstand und die Kultur gebracht; ihr Werk werde jedoch von Vandalen bedroht, die es zu zerstören versuchen. -Seine Gemeinde verfolge mit lebhaftem Interesse die Tätigkeit der Zionisten in Palästina und wünsche ihren Bestrebungen vollen Erfolg. Der Veranstaltung wohnten führende katholische Geistliche und arabische Journalisten bei. Die Rede des Bischofs wird als eine öffentliche Erklärung der Sympathie des Liibans mit dem Zionismus angesehen. Mir schadet kein Wetter und midi ermüdet nichts denn ich verwende ständig DIANA- FRANZBRANNTWEIN mit Menthol Für alle Zwecke der Körperpflege: Einreibungen (Massagen), als Mundwasser, zur Haarpflege bestens bewährt Soll In keinem Haushalt Vehlen In Jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „Dian a“ und nehmen Sie nur „Dian a“. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. hat, menst ist es eine Tragödie. Unmemschlich will man nicht sein, ganz menschlich kann man nicht sein, man kann nicht allen Flüchtlingen Aufenthalt und Arbeit bewilligen. Helmut Hirsch Bürger der UiA. Prag, 25. April. (JTA.) Vor einigen Wochen hatte das offizielle Deutsche Nachrichtenbüro mitgeteilt, daß der «staatenlose Jude“ Helmut Hirsch in Deutschland wegen „Landesverrates“ zum Tode verurteilt wurde. Aus anderer deutscher Quelle wurden Andeutungen gemacht, daß die Verurteilung des HiTech mit Attentatsplänen gegen hohe Funktionäre in Verbindung stehe. Diese Andeutungen erwiesen sich jedoch als leere Stimmungsmache. Wir konnten feststellen, daß Helmut Hirsch ein kaum 22jähiriger idealistisch veranlagter Student ist, dessen Eltern amerikanische Staatsangehörige sind, aber, da sie viele Jahre den USA. ferniblieben, über keinen amerikanischen Paß verfügten und einen Staatenlosenpaß nehmen mußten, als sie ihren Wohnort in Deutschland verließen und in die Tschechoslowakei kamen. Heute wird nun ans Washington telegraphiert: Das Staatsdepartement gibt bekannt, daß nach eingehenden, sehr schwierigen Ermittlungen festgestellt wurde, daß der im März in Deutschland wegen Landesverrates zum Tode verurteilte Helmut Hirsch amerikanischer Bürger sei. Der Botschafter Dodd sei angewiesen worden, der Reichsregierung davon Mitteilung zu machen. Mörder von Stawi vor Gericht Warschau, 22. April (JTA.) Vor dem Kreisgericht ln Kielce begann die Verhandlung gegen Juzef Rzpecki, Antoni Cbmiel, Jan Pjetras und Wladislaw Stempjen, die angeklagt sind, in dem Dorfe Stawi bei Jendzjew am 16. Oktober 1936 fünf Juden ermordet zu haben. Die Angeklagten drangen nachts in die Wohnung des 45jährigen Kaufmanns Mosche Schmulewitz ein und ermordeten ihn, seine 35jährige Frau Rachel, deren 75jährige Mutter Channa Kaufmann und die 23jährige Schwester Miral Kaufmann, sowie den Im Hause wohnenden 30jährigen jüdischen Lehrer Mosche Königstein in bestialischer Weise. Von dem Tumult erwachten die zwei Kinder des Hauses, der 12jährige Jankel und die 6jährige Feige. Einer der Mörder legte den Revolver auf die Kinder an, doch versagte die Waffe, so daß die Kinder flüchten und sich verstecken konnten. Den Mördern fiel eine kleine Geldsumme in die Hände. Der 12jährige Jankel hatte die Mörder erkannt und konnte ihre Namen angeben. Die Auflösung der B. B. In Deutschland Gegen Greise, Kinder und Kranke Berlin, 23. April. (JTA.) Die Beschlag-; nähme des Bne Britto-Eigentums erfolgte gleichzeitig in Berlin, Dresden, Köln, Dortmund, Nürnberg und in anderen Städten Deutschlands. In gewiesen Teilen Bayerns waren die Bne Britto- Institutionen bereits vor zwei Jahren durch -die Gestapo liquidiert worden. Verhaftet wurden im ganzen Reiche 185 führende Mitglieder der Bne Brith. Die meisten wurden nach einem eingehenden Verhör wieder in Freiheit gesetzt, unter ihnen der Großpräsident Rabbiner Dr. Leo Baeok. Eine Reihe Bne Brith-Funktionäre der Provimz- Logen ist noch in Haft. Am dritten Tag nach Bekanntgabe der Auflösung der 103 Bne Brith-Logen in Deutschland und der Beschlagnahme ihres Vermögens schritt die Gestapo zuir B esitz ergreiffung der Bne Brith.-! G e b ä u d e, in denen die Krankenanstalten, | Greis emasyle und Kinderheime untergelbracht waren. Viele Hunderte jüdische Greise, Kranke und Kinder wurden aus den Heimen getrieben und sind ohne Obdach. Die jüdischen Gemeinden stehen der neuen Lage hilflos gegenüber, da sie selbst über keine Räumlichkeiten verfügen, um die Hinausgetriebenen unterzubringen. Beamte der Jüdischen Gemeinde Berlin sind ununterbrochen auf der Suche nach Möglichkeiten der Unterbringung der obdachlosen 200 Greise der Berliner Altersheime der Bne Brith. Die meisten dieser Greise waren einst wohlhabende Bürger und hatten die Reste ihres Vermögens, oft viele Tausende Mark, den Bne Brith-Logen eingehändigt gegen die kontraktliche Verpflichtung, daß für sie gesorgt werden wird. Sonderangebot wertvoller jüdischer Bücher, tadellos und ungebraucht tu billigsten Preisen! Graetz H.: Geschichte der Juden im Altertum Leinen, Vorkriegsausgabe . . . S 4.— — Geschichte der Juden ln der Neuzeit Leinen, Friedensausgabe . . . S 4.— Jabotinsky Wl.s Philister über dir, Simson! Roman. Leinen ....... S 3.75 Fromer J.: Der Organismus des Judentums 336 Seiten. Broschiert (S 16.—) . S 2.— Joseplius Flavius: Jüdische Altertümer 2 Bände. Broschiert.S 3.— Gebunden ..S 6.— Klausner J.: Geschichte der neuhebräischen Literatur Gebunden.S 3.— Lacretelle J. de: Silbermann Roman Gebunden.S 3.— Lewisohn L.: Shylocks letzte Tage Roman. Leinen (S 12.—) . . . S 3.75 Nur bei R. Löwit (Dr. Max Präger) Wien, lv W o 11 z e i I e 6 Italiens Regierung gegen antisemitische Hetze Paris, 23. April. Von der italienischen Botschaft in Paris wurde der Jüdischen Telegraphen-Agentur erklärt, daß der juidemfeindliohe Ton, der von einigen Zeitungen in Italien angeschlagen wurde, nicht der Stimmung der italienischen Regierung entspricht. In den italienisch-diplomatischen Kreisen von Paris wird es unangenehm empfunden, daß die französische Presse jetzt beginnt, den judenfeindliehen Äußerungen in italienischen Zeitungen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Man befürchtet, daß nun auch die englische und amerikanische Presse die antijüdische Propaganda in Italien zum Anlaß nehmen könnte, gegen die gegenwärtige Politik des Faschismus Front zu machen. Dekalogtafeln — auf amharisch Rom, 25. Ajpril. (JTA.) Nach der Eroberung Abessiniens durch Italien hat sich eine Kommission des Papstes nach Aksum begehen, um die Geheimnisse der koptischen Kirche zu ergründen. Vor allem galt es, die im Kloster von Aksum verborgen gehaltenen angeblichen Originaltafeln der Zehn Gebote zu sehen und eie auf ihre Echtheit zu untersuchen. Jahrhundertelang waren die Tafeln im Kloster eingeschlossen und nur der Oberpriester hatte Zutritt in das geheimste und heiligste Gemach. Niemand bat die Tafeln beschrieben, außer einigen christlichen Missionären, die sie im 17. Jahrhundert gesehen und als die „echten Tafeln“ bestätigt haben sollen. Nach den Feststellungen der päpstlichen Kommission handelt es sich um eine ganz grobe und plumpe Fälschung, die nur darum so lange leben konnte, weil die Tafeln niemandem gezeigt wurden. Abgesehen davon, daß die Tafeln von Aksum in ihrem Aussehen völlig von der Beschreibung der Tafeln Moses abwedohen, ist ihr Text in amharischer Sprache abgefaßt, überdies tragen sie auch drei griechische Buchstaben. Die deutschen Flüchtlinge in Dänemark Kopenhagen, 25. April. Im dänischen Rundfunk hielt JusÜzmimlster Steinoke einen Vortrag Uber das Emigrantenproblem. Es befinden sich zur Zelt in Dänemark 1512 Flüchtlinge aus Deutschland, davon 845 Juden. Dazu kommen noch die in Dänemark zur Ausbildung untergebraohten Chaluzim aus Deutschland, zur Zeit 168 an der Zahl, die nach Palästina abwandem werden. Die Zahl der Emigranten, meinte der Minist or, darf nicht künstlich vermindert werden, sofern Dänemark seine demokratischen Grundsätze über das Asylrecht in Ehren halten will, darf aber auch nicht größer sein mit Rücksicht auf die im Lande herrschende Arbeitslosigkeit. Kein Tag vergeht, ohne daß man im Ministerium eine Entscheidung über irgend ein Em%rantanschioksal su troffen Antisemitische Unternehmungen in Amerika „Arbeiter am Rande“ New York, 22. April. (JTA.) Der Vorsitzende der Kommission für Wirtschaftsfragen beim American Jewish Congress, Rabbi J. X. Cohen, hat die Ergebnisse einer sechsjährigen Untersuchung über die Ursache jüdischer Arbeitslosigkeit in New York in einer soeben veröffentlichten Broschüre niedergelegt. Der Verfasser gelangt zu der Feststellung, daß viele öffentliche Unternehmungen, Banken, Versicherungsgesellschaften, sonstige Arbeitgeber und Arbeitsvermittlungsstellen die Diskriminierung gegen Juden so weit getrieben haben, daß diese „Arbeiter am Rande“ geworden sind. Rabbi Cohen erhebt gegen die New-Yorker Telephomgesellschaft, die Gasgesellschaft und die Western Electric Comp, den Vorwurf, daß sie jüdische Stellenwerber unterschiedlich behandeln und dadurch das New-Yorker Gesetz über die bürgerlichen Rechte verletzen, durch das es Öffentlichen Unternehmungen verboten wird, bei der Beschäftigung von Arbeitern Unterschiede auf Grund von Volkszugehörigkeit, Hautfarbe oder Religion zu machen. Die gleiche Beschuldigung erhebt Rabbi Cohen gegen die drei größten Banken von New York, die Chase National Bank, die National City Bank und Guaranty Trust Comp., sowie gegen eine Reihe von Versicherungsgesellschaften. Die jüdische Öffentlichkeit, schreibt der Verfasser, muß zu der Erkenntnis geführt werden, daß der Ausschluß aus einem Beruf oder einer Beschäftigung wegen Zugehörigkeit zum Judentum weit mehr als bloß wirtschaftliche Folgen hat. Das seelische Leiden und die Enttäuschung der also Betroffenen sind viel tiefer als die Empfindungen derjenigen, die aus allgemeinen Ursachen arbeitslos sind. Viole geben, in dem Bemühen, diese verwerfliche Schranke zu übersteigen, jüdische Bindungen bewußt und systematisch auf. Es gibt Marannen des 20. Jahrhunderts, die von der Furcht beherrscht sind, als Juden entdeckt zu werden. Wenn die jüdische Gemeinschaft ihrer Jugend bei ihrer gewaltigen Anstrengung um wirtschaftliche Anpassung nicht zu Hilfe kommt, dann kann es moralische und soziale Folgen von katastrophalem Ausmaß geben. Die Broschüre ist Hie erste in einer Reihe von Schriften über Ausmaß und Gründe der Zurücksetzung von Juden auf verschiedenen Gebieten in den Vereinigten Staaten. Die Arbeiten sind dazu bestimmt, einen Weg zur Beseitigung dieser Zustände zu zeigen. Der Boykotterror in Polen Warschau, 22. April. (JTA.) Die antisemitische Terrorwelle in Polen dauert ungesohwächt an, was zur Folge hat, daß immer wieder Bewohnerschaften ganzer jüdischer Städte wirtschaftlich vollkommen ruiniert und dem Hunger preisgegeben werden.- Im Verlauf eines einzigen Tages sprachen im Innenministerium in Warschau Abordnungen der Jüdischen Gemeinden von Kattowitz, Czenstochau, Truskolas, Klobuck, Krcepice, Kalysz, Czechanowce und Sokolow-Podlaski vor. Sie erklärten, daß in ihren Städten die Nationalradikalen derartigen Tenor entfalten, daß das gesamte Wirtschaftsleben lahmgelegt ist. Sämtliche' jüdischen Geschäfte werden von Streikposten blockiert. Fast täglich kommt es zu Zusammenstößen. Die Abordnungen baten das Innenministerium, die lokalen Behörden anzuweisen, den unerträglichen Zuständen ein Ende zu machen. In Bialyistok tagt gegenwärtig die Delegie-rtenversammlimg der 60 jüdischen Gemeinden des Kreises Bialystok. In den Berichten wurde festgestellt, daß die jüdische Bewohnerschaft von mindestens 20 Städten des Kreises als Folge des Boykott-Terrors wirtschaftlich vollkommen ruiniert ist. Man hat deshalb den Ausländskorrespondenten zu verstehen gegeben, daß das italienische Ministerium für Presse und Propaganda in Zukunft die judenfeandMohe Propaganda in einzelnem italienischen Zeitungen unterbinden werde. KURZE NACHRICHTEN 127 jüdische Einwanderer in Palästina eingetroffen. Aus Jerusalem wird gemeldet: Mit dem Schiff „Galil“ sind 127 jüdische Einwanderer in Palästina eingetroffen. Französisches Interesse am Hafen von Tel-Aviv. Aus Tel-Aviv meldet die JTA.: Die französische SoctäM Generale de Surveillance hat 400 Aktien der Tel-Aviver, Hafengesellschaft erworben. Ein King-Georges-Park in Nathania. Aus Jerusalem wird gemeldet: Die nach dem Philanthropen Nathan Straus benannte Kolonie Nathania hat beschlossen, in der Kolonie einen zentralen Park zu schaffen und ihn zur Erinnerung an die Krönung des Königs Georg von England „King-Georges-Park“ zu nennen. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope und mehrere prominente britische Einwohner in Palästina werden der Namensgebungszeremonie beiwohnen. 28.000 organisierte Zionisten in Amerika. Aus New York wird gemeldet: Bel einer Tagung der Ncw-Yorker zionistischen Ortsgruppenleiter wurde, bekanntgegeben, daß die Zahl der Mitglieder der Zionistischen Organisation Amerikas gegenüber dem Vorjahr um 26% gestiegen ist und jetzt 28.000 beträgt. Baltische WIZO-Konferenz in Tartu. Aus Tartu ln Estland meldet die JTA: Hier wurde in Anwesenheit von 43 Delegierten, die über 3000 zionistische Frauen repräsentierten, die erste Konferenz der WlZO-Föderationen der baltischen Länder abgehalten. Frau Rosa Blumenfeld hielt die Eröffnungsansprache, woraufhin das Mitglied der Exekutive der Welt-WIZO, Frau Ramona Goodman, London, Geschichte und Ziele der WIZO darlegte. Die