Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 637 (20.4.1937)
- Date
- 1937-04-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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iW!«n, Dienstag 20. April 1937. — Nr. 637. Olt STIMMI Seite 3 k/it eme> SUdtiunty eMM Zwei Kibbuzim siedeln an einem Tag Notizen eines Photoreporters. mmm * tf ' Telephonanruf des Keren Hajessod, Jerusalem: „Fahren Sie mit dem Photographen Kluger nach Emek Hajarden. Zwei Kibbuzim siedeln.“ Kurze Ergänzung: Beide Kibbuzim — Ein Hakorefc und Massadah, aus der HaßchiOmer-Hazair-Bewegung und der Gordonia- Gruppe — sind sieben bis acht Jahre im Lande. Haben in Pardessim Bau- und Landwirtschaft gearbeitet. Die Gruppe von Hakoreh zählt 30 Burschen und Mädchen, die Gruppe von Massadah 20 Chawerim. Früh morgens, am Tage vor der Ansiedlung, führt uns der Zug durch den Emek — das Herz Erez Israels. Das Photographenauge sieht nach eigener Weise. Es ist nicht zu fassen, wie weit hier das Auge blickt; schier ertrinken kann es in des Emeke farbiger Weite. Hinter Beth Alpha wird es trotz des blühenden palästinensischen Frühlings immer schwüler. Wir nähern uns der tiefsten Senkung, Emek Hajarden wird sichtbar. Die schmalspurige Eisenbahnlinie läuft eingebettet zwischen grünenden Feldern. Der Zug hält an der während der Unruhen eröffneten Station Emek Hajarden. Im Auto fahren wir zu dem für die Ansiedlung bestimmten Boden. Nach Kongreßbeschluß von 1933 wurde eine besondere Sammlung eingeleitet — Mifa'l Arlosoroff, — deren Gelder für die Durchführung eines größeren Kolonisationsplanes auf Namen des verstorbenen Führers verwendet werden sollen; ein Drittel eihält der Keren Kajemeth und zwei Drittel der Keren Hajessod für die Ansiedlungskosten. Die Durchführung des Kolomisationsplaneß — in der Jordanebene — wurde nunmehr mit der Siedlung von EinHakoreh und Massadah begonnen. Eine alpine Landschaft, blühendes Tal, in greifbarer Nähe die Berge TranBjordaniens, in der Ferne des Herrn on schneebedeckter Gipfel. Chawerim aus den zu siedelnden Kibbuzim sind schon da, studieren die Pläne, vermessen die Grenzpfähle. Idyllische und doch sachliche Romantik, In den Nacbbarsiedlungen Aifikim, Dagania B., Beth Sera werden die letzten Vorbereitungen getroffen. Berge von kleinen Steinen werden in Säcke und Körbe gefüllt. Es wird gehämmert und genagelt. Morgen, vor Sonnenaufgang, geht es los. Im grauen Frühmorgen. Der Platz vor dem Wasserturm in Kibbuz Afifcim füllt sich Dpt Schützturm wi*4 gebaut V.'l I mit Chawerim. Die Liste wird verlesen, die Arbeitsrollen werden verteilt. Alle Kibbuzim 1 des Emek Hajarden haben Chawerim zu. Hilfe geschickt, fast 150 Helfer. Junge, frohe Gesichter der ganz Jungen; schlaftrunken die älteren, ruhig und gemessen die Watikim (die älteren Chawerim). Lastwagen formieren sich. Der Zug setzt sich in Bewegung, zuerst die Lastkraftwagen, auf denen die Materialien verpackt sind, dann Lastautos, vollgepfropft mit Menschen. Sie stehen zusammen mit den Hilfspolizisten und Chawerim mit Jagdgewehren. Dann kommt langsam der Wagen mit dem neun Meter langen Wachtturm. Der Turm ist mit Gras geschmückt und wirkt so friedlich! Es folgen Wagen mit Teilen von Baracken, Wände für verschiedene Gebäude, Arbeitsgeräte, Stacheidraht, Türen, Blechdächer, Zelte. Kisten mit Eßwaren usw.. Dieser Zug scheint mir gewisse Ähnlichkeit zu haben mit den Goldgräberzügen aus Jack Londons Zeiten. Aber hier ist alles betont und unheroisch. Die Wagen treffen an den beiden Ansiedlung&hügeln ein. Der Turm muß im Zentrum des Punktes aufgeetellt werden, dann kommt als Hauptarbeit die Schutzwand. Für den Bau der Schutzmauer weiden dicke, fertige Holzwände aufgeetellt, die mit Chazaz (kleinen Stelen) gefüllt werden. Alles wird abgeladen und die ersten zwei Arbeitsgruppen konzentrieren ihre Tätigkeit auf die Aufstellung des Turms und den Bau der Scbutzwände. Der Boden gleicht einem Schachbrett. Die Teile der einzelnen Baracken, Eßzimmer und Magazin, werden auf die markierten Stellen gelegt. Die leeren Lastautos rosen zu den Ausgangspunkten zurück und bringen Hunderte von Pachim (Peiroleum-Bleohbehälter), gefüllt mit Chazaz. Jetzt fühle ich die Wucht des Geschehens in seiner großen Sachlichkeit. Um 6 Uhr sind wir am Platz eingetroffen. Jetzt ist es 6 Uhr 53 und das Gebilde der ersten Schutzwand ist fertig. Und während Ein Hakoreh mit der Chazaz-Füllung der Wände beginnt, sorgt man in Massadah für den Drahtverhau, der im Abstand von 40 Metern von. der Sohutzwand errichtet wird. Es geht alles ruhig vor sich und es fet doch wie in einem Ameisenhaufen. Verbissene Energie, Takt, Hingabe, Tempo. Man trägt Balken, schnell, sehr schnell füllt man Wände mit Chazaz, zieht die eisernem Wände des oberen Turmraumes hinauf, zimmert die Wände der Baracken, deckt die Dächer, richtet die eisernen Stützpfeiler des Turms auf, legt elektrischen Draht zum Turm und zu den Baracken, gräbt Gruben für die Aborte. Jede 45 Minuten ist eine neue Baracke fertig. Bald eteht der Turm vollendet; der Scheinwerfer wird hinaufgebracht, der Motor arbeitet. Gegen Mittag ist die Siedlung in großem Zügen fertig. Eine kurze Mittagspause. Der Photoapparatsah vieles, mein Auge sah mehr. loh sah in den Mittagsstunden das Eintreffen der Freiwilligen, die es sich nicht nehmen lassen wollten, mitzuhelfen, trotz der vorhandenen Kräfte: Chawerim, die nachts hn Kuhstall arbei'eten, Sohomrim, die vor. der Wacht kamen, die sich die verdiente Ruhe nicht gönnten. loh sah Lehrerinnen und eine ganze Schulklasse aus Dagamiab. Rührend war das Geschenk von zwei Bäumchen aus Jawniel, die neben dem Wachtturm gepflanzt wurden. Symbolisch wirkte das Geschenk der Schulkinder: zwei kräftige Schienen zur Stütze des Turmes . . . Gegen 4 Uhr unterbrach man die Arbeit. Es war feierliche Stunde, Man taute Honah, saß müde und glücklich — im Gras, summte Lieder, hörte die Begrüßungen der Chawerim aus den anderen Kibbuzim und des Rabbiners aus Tiiberias, der mit Segensworten die Größe der Tat schilderte. Eg war wie die Geburt eines Erstlings, die Geburt einer großen Liebe. KURZE NACHRICHTEN Österreichs Handelsverkehr mit Palästina. In den Monaten Jänner und Februar 1937 betrug die Ausfuhr Österreichs nach Palästina 5453 q im Werte von S 683.000, hievon Fertigwaren 3139 q im Werte von S 607.000. Die Einfuhr nach Österreich in der gleichen Zeit betrug 3039 q im Werte von S 111.000, wovon der Hauptteil auf Orangen und Grapefruit entfällt. Der Gesamtimport Palästinas im Jänner 1937 war um 10 Prozent höher als im Jänner des Vorjahres. Der Export im Jänner 1937 hat sich infolge der Rekordernte in Citrusfrüchten um 47 Prozent gegenüber dem Jännerexport des Vorjahres erhöht. Im Jänner wurden nach Palästina ebensoviel Waren eingeftihrt als in den letzten drei Monaten 1936. In Hinkunft rechnet man mit einer Senkung des deutschen Importes nach Palästina, weil für die Ausfuhr deutscher Waren, in denen mehr als 20 Prozent ausländischer Rohstoffe verarbeitet sind, nicht mehr die Bestimmungen der Haavarah (Transfer) gelten. Eine Stärkung des englischen und polnischen Importes, des letzteren auf Grund der neuen Bestimmungen über den polnisch-palästinischen Transfer, ist zu erwarten. Kapitalverkehr Polen-Palästina. Aus Warschau meldet die JTÄ.: In einem Vortrag sagte der Vorsitzende der Kommission für den Transfer zwischen Polen und Palästina, Ministerialrat Dr. Nieldzinski, Im Jahre 1932 seien aus Polen nach Palästina 5 Millionen Zloty Kapital transferiert worden. Der Transfer erreichte im Jahre 1935 die Summe von 50 Millionen Zloty. Diese 50 Millionen setzten sich aus 25 Millionen Geldüberweisungen, 23 Millionen Kapital von Einwanderern und 2 Millionen Zloty Ausgaben von Touristen zusammen. Zwischen 1932 und 1935 sind insgesamt 111 Millionen Zloty nach Palästina geflossen. Auf Grund dieser Kapitalbewegungen ist auch die Handelsbilanz zwischen Polen und Palästina fortgesetzt aktiv zugunsten von Polen. Fluglinie Brindisi—Haifa eröffnet. Aus Haifa meldet die JTA: Die Luftverkehrslinie Brindisi—Haifa, die von der italienischen Luftverkehrsgesellschaft „Ala Littoria“ beflogen wird, ist am 17. April eröffnet worden. Weder jüdischer Bürgermeister in Bombay. Aus London meldet dm JTA.: Zum drittenmal innerkalb von fünf Jahren ist in Bombay ein Jude mm Bürgermeister gewählt worden. Der neue Bürgermeister, Dr. E. Mosas, ist gleichzeitig der erste Angehörige der Bne Israel, der zu diesem Ehrenamt berufen wird. Die früheren jüdischen Bürgermeister waren Sir David Sassoon und Dr. Meir Nissim. Die Bne Israel, zu denen der neue Bürgermeister gehört, gleichen äußerlich den indischen Eingeborenen und sprechen den MaharaM-Dhalekt. Ihren Überlieferungen zufolge sind sie die Nachkommen von Juden, die nach der Zerstörung des zweiten Tempels am Palästina flüchteten. Bis vor wenigen Jahren lehnten sie eine engere Gemeinschaft mit anderen Juden ab und heirateten nur unter sich. Anderseits lehnten die weißen Juden Indiens eine engere Gemeinschaß und Eheschließung mit den Bne Israel ab, weil sie diese nicht als VoUjuden amahen. Das alles hat sieh in den allerletzten Jahren geändert. Uber 20.000 Radiohörer in Palästina. Im März 1936 wurde die Raidostation Jerusalem eröffnet. In sprunghafter Weise hat sich die Anzahl der Hörer bis Ende 1986 auf über 20.000 erhöht. Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Entwicklung läßt sich aus den Importzahlen erkennen. Eingeführt wurden: 1934 52.759 Pfund (davon aus den USA 25.031). 1935 81.873 Pfund (davon aus den USA 55.681). Einer der Begründer von Rischon-le-Zion gestorben. Aus Jerusalem meidet die JTA.: Im Alter von 78 Jahren verstarb einer der Begründer der ersten jüdischen Palästinakolonie, Rischon-le-Zion, Simcha Jacobson. Er kam mit den ersten Büuim 1882 nach Palästina. Cbajesrealgymnasium Wien XX.. Staudinger- Kasse 6. Anmeldungen täglich zwischen 8 und 1 Uhl in d« L'^ekfionerailei, Besonders billige jüdische Bücher Tadellose ungebrauchte Exemplare Constantin Brunner: Die Lehre von den Geistigen und vom Volke 2 Bände in Ganzleinen . . . S 12.— Jakob Fromer: Der Organismus des Judentums 336 Seiten. Broschiert S 2.— Mirjam Harry: Der Fluch des Götzen Roman eines Jerusalemer Kindes. Ganzleinen .S 4.— Heinrich Heine: Bekenntnis zum Judentum Auswahl aus seinen Dichtungen, Schriften und Gesprächen. Ganzleinen S 6.50 Wladimir Jabotinsky: Philister über dir, Simson! Roman. Ganzleinen ..... S 3.75 J. de Lacretelle: Silbermann Roman. Ganzleinen.S 3.— Manuel Schnitzer: Rabbi Lach Jüdische Anekdoten. Kartoniert S 1.50 Irene Nemirowsky: David Golder Roman. Ganzleinen.S 3.75 Nur bei R. Löwif (Dr. Max Präger) Wien, l.; W o 11 z e i I e 6 85. Geburtstag des Historikers Henry Pereira Mendes. Aus New York wird gemeldet: Der hervorragende jüdische Historiker Rabbi Henry Pereira Mendes, Nestor der sephardischen Gemeinde von New York, feierte am 13. April seinen 85. Geburtstag. Rabbi Mendes ißt im Jahre 1920 als Rabbiner der New Yorker spanischen und portugiesischen Judengemeinde in den Ruhestand getreten. Er befaßte sich seither ausschließlich mit wissenschaftlicher Arbeit. Zur Zeit arbeitet er an einer neuen Bibelübersetzung. Rabbi Mendes ist Mitbegründer des Jewisii Theological Seaninary, an dem er eine Professur für jüdische Geschichte inne hatte. Er war Vizepräsident des Verbandes der amerikanischen Zionisten und der Alliance IsTaelite Universelle. Die Gemeinde, an der er als Rabbiner wirkte, wurde schon im Jahre 1655 gegründet und war die einzige jüdische Gemeinde von New York zu Lebzeiten George Washingtons. Alt werden und jung bleiben mochte jeder. So schwierig es scheint, es Ist dennoch leicht erreichbar durch ständige, sorgsame Körperpflege. Ein hervorragendes Mittel dazu ist DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Massagen (Einreibungen) mit Diana - Franzbranntwein erfüllen mit verjüngender Kraft. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege. Und dabei sehr billig. In jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „Diana* und nehmen Sie nur „Diana*. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. Elisabeth Bergner kauft eine Farm in Palästina. Wie der Wiener JTA-Vertreter von Verwandten der Sohauspielerin Elisabeth Bergner, die bekanntlich aus Wien stammt, erfährt, hat Elisabeth Bergner bei Gelegenheit eines Besuches in Palästina einen Bodenkomplex erworben. Sie beabsichtigt, eine Farm zu errichten, wo sie sich mit ihrem Gatten, dem Regisseur Paul Czinner, längere Zeit hindurch aufhalten wird. Ein neuer Ordenssekretär der amerikanischen Bne Brith. Aus New York meldet die JTA.: Als Nachfolger des verstorbenen Generalsekretärs des amerikanischen Ordens Bne Brith, I. M. Rubinow, hat die Leitung des Ordens in Cinoinati Morris Bisgyer in Washington zum Ordenssekretär ernannt. Oberhaupt der Jeschiwa in Kowno gestorben. Aus Kowno vrrd gemeldet: In Kowno starb im Alter von 60 Jahren das Oberhaupt der Jeechiwa Ez Ghajim, Rabbi Samuel Chaim Jantscbuk. Tausende bekannter Rabbiner zählen zu seinen Schülern. Professor Samuel Klein gestorben. Im Alter von 92 Jahren starb in Wien der gewesene Professor der Wiener Universität und bahnbrechende Begründer der Wiener Augenheilkunde, Prof. Dr. Samuel Klein. Professor Klein führte im Laufe der Jahre 5000 Staroperationen durch. Sein Lehrbuch der Augenheilkunde gehört zu den Standardfflwta Medizfe,