Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 636 (16.4.1937)
- Date
- 1937-04-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Dil STIMMI Nr. 636. — Wien, Freitag, 16. April 1667. Jüdische Unternehmer« denket diemdi*«».... amimoi» und fordert anläßlich der FrUhJahrftsalson den Bedarf an Angestellten und Arbeitern aller Kategorien beim jüdischen Verein ffttr unentgeltlichen Arbeitsnachweis, 1., Kohlmesser gasse 4, Telephon U 27-0-65, an. Stolze fange luden Wo immer sich in dieser auf Neid, Gier, Wahn aufgebauten Mammonwelt eine Menscheninsel gebildet hat, die mit der einzigen Waffe, deren Gebrauch berechtigt, ja Pflicht ist: durch Arbeit das immanente Unrecht der herrschenden Ordnung zu überwinden sucht — stets wird der denkende, fühlende Zeitgenosse solcherlei Versuche begrüßen. Welch erhebender Gedanke, daß die vielbesprochenen „Phalansterien“ Fouriers, die von keinem der modernen Völker in Wirklichkeit umgesetzt werden konnten, von jenem uralten .Volke nahezu verwirklicht wurden, welches als erstes den Gemeinschaftssinn gefördert hat, welches nun im neuen Palästina dem Ideal der ausgleichenden Gerechtigkeit nahezukommen sucht in den Kwuzoth, welches die Feinde, die ihm Mangel an Arbeitsfreude, Tatkraft, Solidarität nachsagen, dadurch Lüge straft! Solch ein „autarkes“ Gemeinwesen ist auch der Stadtkibuz des „Hechaluz Ilaklal Zioni“ in der Rueppgasse: Produkt des Fleißes, der Liebe, der Aufopferung. Sachlich erzählen mir die Chawerim die Geschichte des Werken ihrer Hände, von Selbstlob und Überschwang frei — und doch klingt aus jedem Wort wohltuend — unaufdringlich der berechtigte Stolz des Arbeiters hindurch: Wir haben’s geschafft! Bis zum Herbst 1936 befand sich im Hause ein großes, verwahrlostes Magazin einer Möbelfirma; als der „Hechaluz“ seinen jungen Mitgliedern diesen Raum zuwies, mußte er vor allem erst bewohnbar gemacht werden. Kein Stück der Einrichtung, keine Tür, kein Fenster, die nicht von den neuen Bewohnern selbst hergestellt oder doch wenigstens für den Gebrauch adaptiert worden wären. Die handwerkliche Tüchtigkeit der jungen Leute, die sich das Baumaterial mühselig beschaffen, ist bewundernswert: in wenigen Monaten haben sie saubere, hübsche Gemeinschaf tsräume geformt. Es sind maximal zwei Dutzend Menschen (die Zahl ist immer schwankend), darunter einige Mädchen, im Alter von zwanzig bis dreißig Jahren. Sie haben alle die Hachscharah hinter sich, haben auf Gutshöfen gearbeitet, ein Handwerk erlernt — von den vielen Bewerbern haben jedoch nur die Tüchtigsten hier Aufnahme gefunden. So wird hier eine Art Elite herangebildet, die sich dereinst in Erez Israel bewähren soll. Streng geregelt ist der Tag im Kibuz, der von sieben Uhr früh bis elf Uhr nachts dauert- Einige der jungen Leute sind die ganze Zeit draußen auf Arbeit, die nicht beschäftigten Chawerim helfen den Cha,weroth bei den häuslichen Arbeiten, bisweilen klingelt das Telephon, und einer der Kibuz-Insassen begibt sich als „Retter in der Not“ in eine Privatwohnung, um eine Reparatur vorzunehmen. Denn unter den Chawerim befinden sich gelernte Glaser, Elektriker, Tischler, Tapezierer, Kürschner, Anstreicher, Maler. Der Lohn dient zur Bestreitung der bescheidenen Lebenskosten. Am Abend kommen sie alle wieder in ihrem netten Eßraum zusammen, hören nach der Mahlzeit Referate an, lernen Hebräisch oder besprechen Fragen ihrer Gemeinschaft. Freie, das heißt: unausgenützte Zeit gibt es hier nicht... Welch ein Trost, daß hier diese paar jungen Juden den Mut aufbrachten, der Wahnsinnswelt Trotz zu bieten, sich dem zermalmenden Griff der Wirtschaftskrise zu entziehen und in fester, inniger Gemeinschaft Kraft und Frohsinn der Jugend zu entwickeln. Wenn man diese jüdischen Menschen: ungebrochen, zielbewußt, schlicht, von echtem Idealismus beseelt, mit jenen unserer Volksgenossen vergleicht, die in Kaffeehäusern oder in Vereinslokalen in zwecklosen Diskussionen ihrer Skepsis, ihrem Selbsthaß, ihrem Lebensüberdruß Ausdruck verleihen — kein Zweifel, zu wessen Gunsten der Vergleich ausfällt. Beim Abschied von dieser schönen Gemeinschaft netter, freundlicher, aufrechter junger Arbeiterjuden fallen einem die Verse ein, die H e r z 1 kurz nach dem sechsten Kongreß einem Kischinewer Waisenknaben ins Stammbuch schrieb: „Wann erscheint mir als gelungen Mein Bemüh’n auf dieser Erden? Wenn aus armen Judenjungen Stolze junge Juden werden.“ Dr. A. Werner. Der Tag dar jüdischen Jugend Der österreichische Makkabikreis hat die Leichtathletiksektion des Sportklubs Häkoah damit betraut, heuer den Tag der jüdischen Jugend zur Durchführung zu bringen. Ais Termin wurde der 6. Juni gewählt. An diesem Tag werden nach langer Zeit, wieder die besten deutschen Makkabisportler ihre Kräfte mit ihren Brüdern aus Österreich, der Tschechoslowakei, Ungarn und Polen messen. Sämtliche Zweige des Makkabieports werden bei diesem Fest mit ihren besten Kräften mitwirken. Die Turner werden große Massenfreiübungen veranstalten und eine Sonderriege stellen. Im Fußball wird noch eine besondere Attraktion vorbereitet. Im Handball wird mit dem Vivo A. C. aus Budapest verhandelt. Weiters werden Sondervorführungen im Hockey, Boxen, Ringen und Tennis stattfinden. Pannen unterwegs! Dem wißbegierigen Fahrschüler genügt es nicht, in Theorie und Fahren grfindlicnst unterrichtet zu werden, und den Führerschein zu erlangen; er will auch für seine spätere automobilistische Laufbahn Kenntnisse besitzen, die ihn befähigen, Pannen unterwegs zu beheben. Die bekannten Neudegger Automobil- und Motorradfahrschulen haben in Österreich mit großem Erfolge die Neudegger Pannenkurse eingeführt und finden Anerkennung in der Presse und bei allen Automobilisten. Anmeldungen in den Neudegger Fahrschulen, Wien, VIII., Neudeggergasse 18, Tel. B 46-5-72, und Inzersdorf (M. e.). Der weltberühmte Oberkantor Kusewicki aus Warschau wird Freitag, den 16. April, um 6 Uhr 45 abends, und Samstag, den 17. April, um 8 Uhr 30 morgens, einen Festgottesdieust im , Josefstädter Tempel. Wien, VIH., Neudeggergasse 12, abhalten. Eintrittskarten sind in den Tempelgebäuden Wien, II., Tempelgasse 5 (Ferdinandsstraße 23), ferner VTH., Neudeggergasse 12, zwischen 9 und 1 Uhr, sowie an der Konzertkassa Hohenberg, I., Operngebäude, erhältlich. DIE KINDER STIMME SUe&e fandet! Heute will ich eine ganz neue Art von Rätsel, die ich mir für eoich anisgedacht habe, bringen. Und zwar Bilderrätsel aus Palästina künde. ItSflll :k r *►' jt; mm mwmmtsmIm wm. hääSSääsi Auflösung der Rätsel aus der vorigen Nummer: Kammrätsel und Gleichungsrätsel von Chawer Samuel Jäger Kammrätsei: Senkrecht: Oase — Saul — Esau — Rede —Igel — Hals. Waagrecht: Oesterreich. Gleichungsrätsel: Riesenrad. Bilderrätsel: Mauserzeit. # Druokfehlerberichtigung: In der letzten Nummer der „K.-St.“ stand in der Rubrik: „Wovon sprechen die Kinder in E. I.“ irrtümlich statt * Ein Besuch in der Druckerei Von Erich Deutsch, 13 Jahre. An einem schulfreien Vormittage durfte ich mit der Dodah Lilli die Druckerei besuchen, in der die „Kinder-Stimme“ gedruckt wird. Schon lange hatte ich mir gewünscht zu sehen, wie eine Zeitung gemacht wird. Noch che wir in das Haus kamen merkte ich, daß hier eine große Druckerei sein muß, denn das Stampfen uud Dröhnen der Maschinen hörte man schon auf der Straße. Mit einem Aufzug fuhren wir in den 2. Stock, wro die „Kinder-Stimme“ für den eigentlichen Druck erst vorbereitet wird. Wir kamen in einen riesig großen Raum, in dem nichts als riesig lango Tische standen und auf denen, an denen und in denen nichts war als Fächer mit Lettern (Buchstaben). Eine Unmenge Lettern, geordnet nach ihrer Größe und nach ihrer Zusammengehörigkeit zu einer Schriftart oder einem Schriftgrad liegen dort. Es war Die Aufgabe des Rätsellösers wird darin bestehen, das auf dem Bilde dargestellte palästinensische Landeserzeugnie hebräisch zu benennen, sowie den Ort seiner Herkunft zu finden. Wer über Erez Isrea.1 gut Bescheid weiß, wird es bald lierau »haben. ein fortwährendes Kommen und Gehen'in den schmalen Gängen zwischen den Tischen. Handwagen, vollgetürmt mit Lettemkasten, rollten dazwischen, daß wir rasch zur Seite springen mußten; ein Stoß damit . ans Schienbein hätte genügt, um vierzehn Tage schulfrei zu bekommen. Alle arbeiteten mit größter Geschwindigkeit und ohne zu sprechen — ich kam mir wie in einem Zauberreich vor, wo sieh alles auf geheime Befehle, die ich nicht hören kann, vollzieht. Endlich wurde aber doch gesprochen und sogar sehr viel und heftig, denn der Oberzauberer, der Setzer, hatte eine Anzahl Blöcke auf den Tisch gelegt, die waren schon am Tage vorher zusammengesetzt worden, und mit einem Blick sah er, daß diese Lettemblöoke zu lang waren, um in dem Eisenrahmen, der sieht wie ein Backblech aus, Platz zu finden. Die Blöcke wurden mit einem Bindfaden mehrmals umwickelt, damit sie beim Hineinhetoen in ihr Eisenbett nicht auseinanderfallen. „Mit wem fangen wir an“, fragte der OberzaubcTer, und ohne eine weitere Antwort aibzmwarten, hatte er in einer Minute alle Blöcke in den Rahmen gehoben, die Bindfaden abgewiokelt und schon war der sogenannte Satzspiegel fertig. Der wurde nun zu einer Maschine getragen, eine Walze wurde in Druckerschwärze gebadet und dann wie ein Nudelwalker über den Satzspiegel geführt. Ein Bogen Papier wurde darauf gelegt, ein Druck mit einem Hebel, und schon stand die „Kinder-Stimme“ auf einem einzelnen Blatt fertiggedruckt da. Dieses Blatt, den Bürstenabzug, schauten wir uns jetzt an. Mir kam alles ganz richtig vor und doch entdeckte die Dodah Lilli noch kleine. Fehler, denn in jeder Druckerei. treibt das sogenannte Druckfehlerteufelchen sein Unwesen. LILIAN GRÜNWALD: Nachdruck verboten. Mir kam das alles sehr interessant vor und ich fragte, ob wir nicht eine Führung machen könnten, damit meine Kollegen das auch sehen. Da sagte der Oberzauiberer ganz schnell: „Das'fehlt uns noch!“ Der Prophet Elia Von einem unbekannten Dichter. Möge bald bei uns erscheinen Elijahu, der Prophet, Mit dem König, dem gesalbten. Der aus Davids Haus entsteht! Der geeifert, wo's die Ehre Des erhab’nen Namens galt, Der hinzutrat und versöhnet Auch Israel allsObald. .Solch' ein Mann, der zwölf Geschlechter Sah auf dieser Welt entstehen, Dessen Kleidung, als ein Merkmal, War mit härnem Gurt verseb'm. Der den Götzendienst vernichtet Und erbaut dee Herrn Altar, Dessen Ausspruch hat bewirket, Daß kein Tau noch Regen war! Der da ging um aufzusuchen Einen sichern Rubeort, Dem die Raben Speise brachten, Der verkündet Gotteswort. Wegen seiner ward gesegnet Das Gefäß, gefüllt mit Mehl, Und die Witwe' ward ernähret Durch die kleine . Neige öl. Als zum Ewigen er flehte, Wurde sein Gebet erhört, Feuer fuhr vom Himmel nieder, Und das Opfer war verzehrt. Als das Volk nun dies gesehen, Fielen sie aufs Angesicht, Riefen aus: „Nur Gott wir dienen, Einem andern Wesen nicht!“ Möge uns der Herr gewähren, Zu erfüllen sein Gebot, Den Propheten bald uns senden, Uns befrei'n aus aller Not. Übersetzt von L. Stein. Prlv. SchUleihoit CENTRAL ll. raborstr. 8 B L U 14*908 Leitung: llllan QrOnwald Aba. d. Chajea-Pttdagogtutna Trude Weiß, «and. med. Täglich 2 Stunden Spiel und Turnen im Freien Einzelunterricht für schwächere Schüler Sprechstunde) Dienstag 7 bis 8 Uhr abds- Wie spielen und lernen dabei etwas Hebräisch 79. Spiel: Adam, wo bist du? Zuerst wird ausgezä/hilt, wer als Erster drankoramt, einzuschauen. Dann wird besprochen, bis wieviel dieser zählen wird (bis 100, bis 200,' 500 oder 1000). Derjenige, welcher nun einschaut, bedeckt seine Augen m/it den Händen und beginnt laut zu zählen. Währenddessen verstecken sich die übrigen Kinder. Wenn der Einschauer bis zur vereinbarten höchsten Zahl gezählt bat, müssen alle bereits gut versteckt sein. (Der Einschauer darf nicht schwindeln und herumsohauen.) Dann geht er auf die Suche, wobei er ruft: Adam, wo bist du? Hat er nun ein Kind entdeckt, so versucht er, es auf die Schulter zu schlagen. Gelingt ihm dies, so kommt nun dieses Kind zum Einschauen dran. Entläuft es ihm, muß er trachten, ein anderes zu erwischen, oder kommt noch einmal dran. Text in. Text IT. Text I. Adam, Adam, »DTK T T wo bist du? ajäkkah? .?ns*K TV“ eins achat nnx zwei sch’täjim D;nu> drei schalosch T vier arba sir« fünf chamssch «ton sechs sch«sch tM sieben schäwa acht sch’monäh nptott* neun teseba zehn äßär *7 zwanzig äßrim dreißig sch’loschim . vierzig arbai'm •t r fünfzig chamischschim enwsrr *j sechzig schischschim siebzig sebiw-im achtzig schmonim neunzig tisch-im hundert me-ah nne T** zweihundert matsjim c'mw x achte me-ot dreihundert schalosch me-ot frfwa x vierhundert arba me-ot Din» yaik Dieser Zahlentext gehört gleicherweise zura vorigen Spiel, da i/m Hebräischen nicht Alepb, Bet/h, Gimel gezählt wird. Als Ziffern werden die Buchstaben nur zur Numerierung von Seiten und Abschnitten verwendet, und zur Darstellung von Daten und Jahreszahlen. Die Sohrifttypen zum vorigen Spiel wurden den Fibeln: Dawar, v. I. Herzberg und Iwri onauohi v. Stengel, die an den Volksschulen in Gteforauohsind, entnommen«