Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 636 (16.4.1937)
- Date
- 1937-04-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sott* 4 Dil 8TIMMI Nr. 686. — Wien, Freitag, 16. April 1667. Kurzberichte aus Er ex Israel ( Die Propaganda für die Ein» i bürgerung Die Werbeaktion für die Einbürgerung wurde um einen Monat verlängert. Trotz erfolgreicher Aufklärung.ipropaganda ist daß Resultat noch immer unbefriedigend. Es gibt im Lande im ganzen etwa 130.000 eingebürgerte Juden. Da es an die 100.000 Neueinwanderer, die noch keine vollen zwei Jahre im Lande wohnen, also keinen Anspruch auf die palästinensische Staatsbürgerschaft haben gibt, und bei etwa 50.000 Juden auß formalen Gründen die Ein bürgerschaft haben, gibt und bei etwa verbleiben noch über 100.000 Juden, die von der Möglichkeit der Einbürgerung biß ■ nun keinen Gebrauch machten. Ee ßind dies zum Teil aus westeuropäischen Ländern stammende Juden, darunter auch solche aus Deutschland, welche ungern auf ihre Staatsbürgerschaft verzichten, ferner Sephardim, die bis nun zum geringen Teil bloß erfaßt werden konnten und schließlich viele, die aiiß Nachlässigkeit und purem Konservatismus ßich von ihren alten Außweispapieren, die sie seit Jahrzehnten nicht gebrauchten, nicht trennen können. So befinden sich unter den jetzt um die palästinensische Staatsbürgerschaft einreichenden Bewerbern so manche, die eich noch mit einem Paß der österreichiech-ungarifichen Monarchie legitimieren. Das Budget Tet-Avivs Der Gemeinderat Tel-Avivs berät über dae Budget 1937/38. Die Einnahmen werden — einschließlich der Regierungssubvention von zirka 30.000 Pfund — auf 531.000 Pfund (gegenüber 464.000 im Vorjahre), die Ausgaben auf 512.000 Pfund (587.500 i. V.) geschätzt. _Club Brti linil — Honlitlicho liilrkMihtlon Leopoldif dl Montag, den 19. April 1937, 8 Uhr abends, im Heim: II. Praterstraße 13 KONZERTSANGER J. SEGAL-ROSEN BACH, TENOR in seinem neuesten hebräisch-palästinensischen Liederzyklus »EREZ ISRAELS AUFBAU IM LIEDE« Eine besonders ausgewählte, interessante Folge von hebräischen Kunstliedern, populär-palästin. Liedern und Horras, mit einem von J. Segal-Rosenbach dazu ver faßten verbindenden Text In deutscher Sprache, welche Illustrier« s vom Eres Israel der biblischen Zelt bis zum Erez Israel der Gegenwart. — Verbindender Text vorgetragen, deutsche Übersetzung der Liedertexte rezitiert durch: Richard MUller. — Klavierbegleitung: Lill Rlegler Englisches Judentum f ür jüdischeEinheit Kinder sollen nicht Kolporteure sein Über Initiative der städtischen Abteilung für soziale Fürsorge in Tel-Aviv haben die Zeitungsherausgeber beschlossen, vom 1. April anr Kinder unter 14 Jahren nicht mehr als Zeitungsverkäufer zu beschäftigen. Zwecks verläßlicher Kontrolle werden an die Kolporteure Lizenzen außgegeben, deren Nummern an den Kappen sichtbar zu machen ßind. Steigender Verbrauch von elektrischem Strom Die P. E. C. (Rutheniberggesellechaft) lie- . ferte an die Verbraucher im Jahre 1936 6514 Millionen Kilowattstunden, d. i. um . 15 Millionen mehr als im Jahre 1935. Die Jerusalem Electric Corp. lieferte im letzten Jahre 4% Millionen Kilowattstunden. Arabisch-jüdische Zeitung Am 26. März ist die erste Nummer des von der Histadrutih herausgegebenen Wochenblattes in arabischer Sprache „Chakikat al Amr“ (die Wahrheit im Worte) erschienen. Das Blatt ßoll der Verständigung zwischen Juden und Arabern dienen. Es soll in erster Reihe der Hetze in der arabischen Presse entgegen wirken. Außerdem wird bezweckt, die arabisch sprechenden Juden für den Zionismus zu gewinnen. Restaurant -tco Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs ä S 1*90 u. 2a60 II., Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke) Spaniolische Sprache in der Türkei nicht -verboten. Aus Istanbul wird gemeldet: Die vor kurzem von den „Times“ veröffentlichte Nachricht, daß der Gebrauch fremder Sprachen in der Türkei verboten und Verstöße dagegen bestraft wenden sollen, wird von der türkischen Presse, insbesondere von dem halboffiziellen „Tan“, entschieden in Abrede gestellt. Hilfe für die emigrierten Studenten. Am 17. und 18. d. M. findet die ExekufcivsiLjung (Assembly Meeting) des „International Student Service“ in Paris statt. Unter den vielen Punkten der umfangreichen Tagesordnung wird auch die Frage der Fürsorge der deutschem Flüchblingsstudenten behandelt. Als einziger Jude nimmt an dieser Sitzung als Vertreter des „Weltverbanidee der jüdischen Studentenschaft“ sowie als Assemibly-Mitglied der I, S. S. Alexander Teich au« Wien teil. Zeire w'Hechaluz HamUrachi. Wir veranstalten am Mittwoch, den 28. April 1. J., eine große Lag-Baomer-Feier unter Mitwirkung bewährter Kunetkräfte. Gäste herzlich willkommen. London, 14. April. (JTA.) Der Board of Deputies of British Jewe befaßte sieh in seiner letzten Sitzung mit den Plänen für eine Reorganisierung des Joint Foreign Committee. Nach zweistündiger Aussprache wurde ein von Neville Laski gestellter und von Sir Osmond d’Avigdor G o 1 d s m i d unterstützter Antrag angenommen, demzufolge die Exekutive des Board, sowie der Vorsitzende der Kommission für Rechts- und parlamentarische Angelegenheiten und der Vorsitzende der Untersuchimgßkommission beauftragt werden, in Verhandlungen mit der Anglo-Jewißh Association über ein neues Abkommen zur Bildung des gemeinsamen außenpolitischen Ausschusses einzutreten. Verstärkte Abwehr Der Präsident des Board of Deputies, Neville Laski, führte u. a. aus: Seit mehr als vier Jahren stehen wir der Drohung de« Hitlerismus und seiner rassenantisemitisohen Doktrin gegenüber; diese Drohung wird J noch lange Gegenstand unserer Wachsamkeit sein müssen. Angesichts der Lage der Juden auch in anderen Ländern und im Hinblick auf das bevorstehende Erscheinen des Berichtes der König 1. Kommission für Palästina ist es notwendig, Meinungsverschiedenheiten zurückzustellen und für Geschlossenheit der Reihen im jüdischen Lager zu sorgen. Präsident Laski gab einen Überblick über die Arbeiten und Erfolge auf den einzelnen Tätigkeitsgebieten. Er wies auf die Hilfsarbeit für die Juden im Auslände bin und erwähnte insbesondere die Aktionen zugunsten der Juden in Deutschland. Der Hitlerismus, sagte er, bedeutet einen brutalen Angriff auf Zivilisation, Religion und di© ethische Basis des Fortschritts. Die ersten Opfer dieses Angriffs sind die Juden geworden, aber jedes freie und tolerante Land, alle demokratischen. Staaten sind Objekte dieses Angriffe. Wir begegneten diesem Problem, soweit es die Juden angeht, auf verschiedene Art und Weise, so auch durch tätige Hilfe für die Opfer. Neville Laski schilderte die besondere Notlage der Juden in Polen und sagte dann: Viel Zeit und Mühe sei zur Abwehr von Angriffen auf die jüdische Gemeinschaft in England aufgewandt worden. Die Saat des Judenhasses sei in England nicht auf fruchtbaren Boden gefallen. Die öffentliche Meinung verurteile im großen und ganzen de Versuche, Mißstimmung zwischen verschiedenen Gruppen von Bürgern hervorzurufen. Man dürfe aber noch lange nicht ruhen. Die Abwehrarbeit müsse energisch in jeder gesetzmäßigen Form, insbesondere durch das zu desem Zweck eingesetzte Koordinierungskom/itee, fortgeführt werden. Der Board werde auch versuchen, auf jene wenigen einzelnen Einfluß zu nehmen, die vergessen, daß die jüdische Gemeinschaft für das Verhalten jedes ihrer Angehörigen verantwortlich gemacht wird. Das Palästinaproblem Zuletzt, keineswegs aber in letzter Reihe, erklärte Neville Laski, wolle er auf das Palästinaproblem Mnweisen. Der Aufbau Palästinas und seine Entwicklung durch unser Volk, sagte er, . stand stets im Vordergrund unseres Interesses. Die Zukunft Pa 1 ästinas ist jetzt in den Schmelztiegel geworfen; es wäre unklug von mir, auf Voraussagen über das, was auf Grund des Berichtes der Kgl. Kommission geschehen könnte, Bezug zu nehmen; doch ist dies eine lebenswichtige Angelegenheit für uns alle und unsere ernsteste Auf merksamkeit muß auf sie gerichtet sein. Wie sie fälschen Im Verlauf der La Guardia-Diskussion hatte der „Völkische Beobachter“ eine angebliche Äußerung Benjamin Franklins zitiert, in der dieser vor der „Judengefahr“ gewarnt haben soll. Mit dieser Fälschung wurde dann in den Vereinigten Staaten operiert. Nun haben zwei amerikanische Historiker von Ruf unabhängig voneinander festgestellt, daß eine solche Äußerung niemals von Franklin gemacht worden ist, daß sie nicht überliefert wurde und daß die von den Nazis angegebene Quelle überhaupt nicht existiert. Der Herausgeber der Broschüre, in welcher der Ausspruch stehen soll, hat niemals da« Origin a 1 vorzeigen können, es ist also die gleiche Methode wie bei den „Protokollen der Weisen von Zio n“. Prof. Board von der Universität New York, der sich mit einer genauen Untersuchung der Behauptung beschäftigt hat, stellt fest, daß Franklin „mehrfach Beweise von Philosemitismus“ gegeben und zum Bau einer, Synagoge sogar 5 Pfund beigesteuert bat, einen für damalige Zeiten recht hohen Betrag. Hingegen findet eich unter seinen Aussprüchen, in denen er von Einwanderern spricht, folgende Bemerkung über deutsche Einwanderer: „An die Freiheit nicht gewöhnt, verstehen sie (die deutschen Einwanderer) nicht in gemäßigter Weise von ihr Gebrauch zu machen.“ als Museum für Landwirtschaft und Naturwissenschaft von seinem Wirken und Streben zeugen. Dieses Institut soll sowohl der Wissenschaft als auch der Praxis der palästinensischen Landwirtschaft dienen. Über diesen objektiven Zweck hinaus soll das Beth Gordon auch das Andenken an die hohe und beispielgebende Persönlichkeit A. D. Gordons bewahren. Zu diesem Zwecke enthält das Gordon- Hauß neben den Ausstellungsräumen, einem Laboratorium, der landwirtschaftlichen Bibliothek und einer wissenschaftlichen Kartothek die „Plimat Gordon“, das Gordon-Zimmer. Hier sollen alle Schriften A. D. Gordons gesammelt werden, aber auch Aufsätze und Bücher über diese einmalige Persönlichkeit des modernen Judentum«. Alle Zionisten, die einschlägiges Material über Gordons Leben und Wirken besitzen, werden ersucht, dasselbe an die Adresse Beth Gordon, Dagania Alef, Poet Kineret, Palästina, übersenden zu wollen. J. Manoach. Beth Gordon Anläßlich des 15. Todestages A. D. Gordons wurde in Dagania ein Gordon-Haus errichtet, das dem Andenken dieses großen jüdischen Arbeiterphilosophen und Arbeiterführers gewidmet ist. Hier in Dagania, wo Gordon in täglicher geistiger und physischer produktiver Tüchtige Weißnäherin Spezialistin in feiner Herrenwäsche macht Änderungen und Flickarbeiten, empfiehlt sich den werten Damen. Geht auch ins Haus. Zu erfragen unter Telephon R 63-3-41 Ortsgruppe Krems. Am 6. d. M. hielt Herr Samuel W e i n* traub, Obmann der Zion. Sektion Zwlsohenbrücken, im Heim der Zion. Ortsgruppe Krems, einen beifällig aufigonommenen Vortrag über da« Thema: „Zionismus der Gegenwart?1 Der Referent befaßte sich i.m 1. Teil seines Referats mit der außenpolitischen Lage des Zionismus und dem Verhältnis zur Mandatarmacht. Im weiteren Verlauf seiner Rede besprach er eingehend die innerzionistische Situation und erörterte hierbei die Bedeutung der bevorstehenden Wahlen für den XX. Kon- Arbeit dem Ideal der Rückkehr de« jüdischen nachfolgenden Debatte betdlig- „ zr „ „ * tem sich die Herren Gg. David Rachmuth, Karl Yflwl HB XutäR ISfeWj floil Am öflw .GofCtan. I Rephau und. Dr, Brian 0fogeft DIE NEUFASSUNG DES § 1U gab im Bundeskulturrat dem Referenten, Universitäts- Professor Dr. Arzt, wieder einmal Gelegenheit, seiner antisemitischen ' Gesinnung Ausdruck zu verleihen. Er erklärte: „Werde die Gesetzesvorlage genau gehandihabt, dann müsse es gelingen, ln unserem Vaterlande vielfach von volksfremden Elementen eingeführte Handlungen, die man nicht mehr als Unsitten bezeichnen könne, da sie Tötungsdelikte seien, zu beseitigen.“ Hier wird also behauptet, daß „volksfremde Elemente“, lies Juden, „vielfach“ die Abtreibung praktizieren. Unsere Antisemiten sind bei Pausohalbeschuldigungen der Juden gewöhnlich mit gefälligen und frisierten Statistiken zur Hand. Im vorliegenden Fall hat man das nicht einmal gewagt. Wäre es doch unmöglich gewesen, die Abtreibungsdelikte in Tirol, Vorarlberg, Salzburg, Steiermark und Kärnten „volksfremden Elementen“ anzulasten, also im größten Teile Österreichs, wo es auf hunderte Kilometer kn Umkreis keinen jüdischen Arzt und keine jüdische Hebamme gibt. Wenn man der Terminologie des Professors Arzt folgt, dann sind die Abtredibungsdelikte in den Alpenländern nicht „volksfremd“, sondern „bodenständig“. Von einem Universitätsprofessor müßte man wohl erwarten, daß er bessere Argumente haben müßte als das Sohlagwort „Dar Jud is’ schuld!“ Die Abtreibung dieser Gesinnung, die alles in Politik, Wirtschaft und Privatleben nur vom antisemitischen Gesichtspunkt betrachtet, würde Österreich nur nützen. Die Regierung aber muß gefragt werden, ob es dem Professor Arzt gestattet ist, die jüdischen Ärzte mit einer derartigen Panschalverleumdung zu belegen. Herr Professor Arzt kann des Beifall« der Nationalsozialisten sicher sein. Wir und die Kulturwelt sind anderer Meinung. Judentum, Europa und Asien, Ethik Aphorismen Von J. Borak Judentum Die Juden sind die Grande Nation der Geschichte. Die Juden wurden, wie Napoleon, von angsterfüllten Feinden von der Welt abgeschlossen. Darum war das Ghetto eine Art St. Helena der Juden. Da die Juden nicht als ein eigenes Volk, sondern nur als bloße Konfession gelten wollteny wurden sie zu einer Sonderrasse gestempelt. Europa und Asien Europa ist das Land der Systeme, Asien ist das Land philosophischen der HJdigiomn. Europa ist das Land der Erkenntnis, Asien ist das Land der Erleuchtung. Nicht nur das Licht kam aus dem Osten. In Asien ist auch die Wiege der Menschheit gestanden und alles Leben überhaupt entstanden. Ex Oriente lux, hotno, vital Ethik Die Ethik anderen. des Starken: Beherrsche die Die Ethik des Großen: Beherrsche dich selbst» Der Starke erniedrigt, der Große erhebt. «iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiniiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniin Das Buch Esther in Noten gesetzt Ln Max-ScbwageT-Verlag, Wien, H., Ziricusgasse 50, hat der bekannte Londoner Kantor Reverend A. Perlzweig ein überaus interessantes Werk erscheinen lassen, das namentlich die Aufmerksamkeit der Kantorenwelt auf sich lenken dürfte. Zum erstenmal wurde die Megillah, deren richtiges Vorlesen manchmal auch gewandten Kantoren Schwierigkeiten bereitet, in Noten gesetzt, und samt dem punktierten hebräischen Text sowie den Neginos in einem schönen Band herausgegeben» Dieses Werk, das auf Grund langjähriger Erfahrung eines hervorragenden Kantors und Musikforsebers der Öffentlichkeit übergeben wird, bietet dem Interessenten die Möglichkeit einer korrekten Wiedergabe, Betonung und Phrasierung, überdies die Grundlage für vergleichende Forschungen. Bestellungen sind zu richten »n deni Verlag Max Schwager, Wien, H., ZirkusJ