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Die Stimme · 1937-04-09 · Heft 634 (9.4.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 634 (9.4.1937)
Date
1937-04-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Wien, Freitag, 9. April 1937. — Nr. 634. DII STIMME Die neuen Schwierigkeiten in Syrien Von M. Y. Ben-Gavriel Der syrische Lebeusraum, der in den kaum zwanzig Jahren seiner Unabhängigkeit eine buntere und weit ereignisreichere Geschichte durchlebte als alle anderen türkischen Nachfolgestaaten, steht wieder einmal vor Problemen, die seine staatliche Existenz außerordentlich komplizieren. Nach den vielen Jahren der Kämpfe um die Aufhebung des Mandats, die endlich zu einem Einvernehmen zwischen Syrien und Frankreich führten, traten plötzlich die nördlichen Anrainer auf den Plan und machten die Existenz des Sandecbaks Alexandrett.e zu einem Problem, das nicht nur Syrien, sondern auch Frankreich stark berührte. Nun, da die Alcxandrette-Frage halbwegs geordnet wurde, erhebt sich in einer anderen Ecke des Staates ein anderer Widerstand gegen die nationale Regierung. Im Djebel Drus, gerade dort, wo der nationale Befreiungskampf der Syrer seinen Ausgang nahm, kam es zu schweren bewaffneten Demonstrationen gegen die syrische Regierung, als sie einen Syrer zum Gouverneur dieses Gebietes ernannte, als sie also auch administrativ die Einheit des syrischen Lebensraumes demonstrieren wollte. Tausende bewaffnete Drusen zogen vor das Regierungsgebäude in Suedia, der Hauptstadt des Drusenlandes, und zeigten in der dort üblichen, Gewehrpatronen in großem Maße verschwendenden Weise an, daß sie auch weiterhin unabhängig, zumindest aber autonom, unter eigenen Gouverneuren bleiben wollten. Natürlich lösten diese Demonstrationen Gegenkundgebungen der syrisch-national organisierten Jugend aus, welche ein einheitliches und einheitlich regiertes, durchaus unpartikularistisches Syrien will. Wenn nun gleichzeitig auch. in andern Gebieten Syriens, und zwar nicht nur in Alexandrette, sondern auch im Gebiete der Aiauiten und in Bezirken, die an den Irak grenzen, sich eine starke, im Sinn der national-syrischen Sache als unpatriotisch zu bezeichnende Agitation bemerkbar macht, sind dennoch die Dinge im Djebel Drus die weitaus ernstesten. Denn, dies darf nicht vergessen werden, die Drusen waren die Seele des großen Aufstandes von 1925 und sind heute noch die militärisch stärkste geschlossene Gruppe unter allen Völkern Syriens. Wenn man von den, von der arabischen Presse angedeuteten ausländischen Einflüssen, die hinter den Ereignissen im Drusengebiet stehen sollen, absieht, ist vermutlich vor allem die Entwicklung, das heißt der fortschreitende Gestaltwandel des Orients der vornehmste Grund der Bewegung unter den Drusen. Dieses, was innere Verfassung und Religion betrifft, sehr geheimnisvolle Volk, befindet sich 'im Zustand einer natürlichen Lockerung der Feudalverfassung infolge Eindringens moderner wirtschaftlicher und wirtschaftlich-nationaler Ideen, tvas durchaus dem jähen Zusammenstoß zweier Weltalter gleicht. Die Jugend, die in breiter, schwärmerischer Begeisterung für ein allsyrisches Ideal, zum nationalen Kampf im Sinne dieses Ideals entschlossen ist, muß naturgemäß auf den Widerstand der Verteidiger des — ökonomisch und wahrscheinlich auch religiös, die Existenz der druisisohen Eigenart garantierenden — Feudalismus stoßen. Dieser Kampf, den jedes Volk des Orients im gegenwärtigen Jahrhundert irgendwie durchzufechten hat, dieser Kampf einer Art Lokalgegen diie weitere Staatspolitik, ist nicht nur ein Kampf der Sentimente, sondern auch ein Kampf um die Existenz des Drusentums. Man weiß, wiewohl das Drusengebiet in der Nähe des höchst modernen Beyruth liegt, über die Drusen vielleicht weniger als über das verschlossene Tibet. Man weiß, daß dieses Volk von kaum hunderttausend Köpfen seit jeher seine Freiheit mit der Waffe verteidigte und unzähligemale gegen dje Türken aufsfcand, daß es sowohl die Mohammedaner, wie auch diie Christen nicht sehr liebt — die großen Christenmetzeleien des Jahres 1860 waren ein Werk der Drusen — und daß es, anderseits, alle jene Eigenschaften in sich vereinigt, die man als ritterlich bezeichnet. Was aber beinahe völlig unbekannt ist — wiewohl ihr Gelbiet von tausenden Reisenden durchquert wurde — ist Inhalt und innere Organisation ihrer Religion, welche so charakteristisch und fundamental für sie ist, wie die jüdische Religion für die Juden oder die parsische für die Parsen, weil — wie eben nur bei diesen drei Völkern — Religion und Nation hier identisch sind. Sicher ist nur, daß sie den Fatimidenkhalifen Häkim (996—1020) als Messias und gleichzeitig als Gott verehren, jenen Khalifen, der in manischer Verfolgungssucht den Kampf nicht nur gegen Juden und Christen, sondern auch gegen die Hunde und — gegen die Frauen führte. (Trotzdem aber steht die Frau bei deu Drusen weit btiibier ib bei den Arabern; sie ist denn Manne beinahe gleichberechtigt.) Ihren Namen führen sie vermutlich auf jenen Daraei zurück, der unter Häkim nachzuweisen versuchte, daß die Seele Adams auf ’Ali, den Schwiegersohn Mohammeds und dann auf diie Fatimiden, insbesondere auf Häkim übergegangen sei. Als das Volk den Propheten steinigen wollte, floh er nach dem Libanon, wo er die Sekte der Drusen gründete, die heute längst keine Sekte mehr ist, sondern bereits alle charakteristischen Merkmale einer gesonderten Volksgruppe angenommen hat. Dieses etwas mysteriöse Bergvolk, das jahrelang den Krieg gegen Frankreich führte, — in den palästinensischen Angelegenheiten verhielten sich die Drusen, die auf dem Karmel wohnen, im allgemeinen neutral — beginnt sich wieder zu rühren. Ihr alter Führer, der Sultan Atrasch Pascha, der auch der Führer Syriens im großen Aufstand war, sitzt noch immer in der Verbannung in Transjordanien. Er, ein weitsichtiger und erfahrener Politiker, der über die Grenzen seines Volkes hina/ussiebt, rät den Drusen, den Kampf aufzugeben. Einer seiner Verwandten aber, der Emir Hassan el Atrasch, der Führer der drusischen Natipnalpartei, wenn man so sagen darf, ist weiterhin für den Kampf um die volle Autonomie des Djebel Drus. Es ist sicher, daß auch diese Schwierigkeit schließlich irgendwie überwunden werden wird. Aber, und dies ist wesentlich, sie ist ein Symptom für die Art der Politik, die heute im Orient getrieben wird. Es ist durchaus anzunehmen, daß die Drusen von einer auswärtigen Maoht — vielleicht sogar, ohne daß sie es wiesen — ermutigt und in irgend einer Form unterstützt werden, nicht anders wie gewisse arabische Kreise im palästinensischen Aufstand des Vorjahres und wie die vor zwei Jahren im Irak rebellierenden Stämme. Da es nun eine ganze Reihe von Elementen in der Politik des Vorderen Ostens gibt, die, an einer Konsolidierung der Verhältnisse in Syrien — (und auch in Palästina) — sehr wenig interessiert, bereit sind, jede Krise im neuen Wachstumsprozeß der orientalischen Völker für ihre Zwecke auszunützen, ist es nicht schwer, an diese, auch von der arabischen Presse vertretene Erklärung der neuen Beunruhigung Syriens zu glauben. Induslrlesorg en Von Joseph Schur (Tel-Aviv). nach England und die hiesige Industrie hat das Nachsehen. Was die Banken anbelangt, so ist es eine bekannte Tatsache, daß der Kredit heute äußerst gedrosselt wird, weil sich die Banken liquid erhalten wollen. Es genügt ihnen nicht, 1634 Millionen Pfund Einlagen zu haben, die sie mit 1 bis 2 Prozent verzinsen, sondern sie hüten diesen Nibelungenschatz und verhindern sorgfältig dessen Weiterleitung in die Wirtschaft. Wenn ein Bauherr einen erstrangigen Hypothekarkredit sucht, erhält er ihn nicht unter 9 Prozent, und da selbst bei optimistischer Berechnung ein Haus sich heute mit maximal 7 Prozent verzinst, rentiert es sich natürlich nicht mehr, mit geborgtem Geld das Haus größer zu errichten, als es die eigenen Mittel geistatten. Da bisher weitaus die Mehrzahl der Häuser fast nur von geborgtem Gelde gebaut wurde, kann man. sich leicht ausreohnen, was dieser Faktor für die hiesige Bautätig- Erlösung von der täglichen Qual ist die sanft-scharfe In fast allen Ländern hat man die Wichtigkeit der heimischen Industrie erkannt und die früher geübte Benachteiligung der Industrie zugunsten der Landwirtschaft wieder aufgegeben. Man weiß jetzt, daß Landwirtschaft und Industrie keine Feinde sind, daß einerseits eine starke Industrie der beste Konsument der landwirtschaftlichen Produkte ist und daß anderseits eine gesunde Landwirtschaft ein erstrebenswerter Kunde für die Industrieerzeugnisse jiedes Landes darstellt. Von dieser Erkenntnis ausgehend leiht 1. die Regierung der Industrie ihren Schutz, teils durch Aufträge, teils durch Zölle, Exportprämien usw. 2. Ist jede Bank bestrebt, sieh Industrien anzugliedern, zu welchem Zweck industrielle Gründungen angeregt und Kredite leicht, gern und billig gewährt werden. 3. Hat nach den vielem Kriegsjahren in Europa und Amerika auch die Arbeiterschaft eingesehen, daß sie auf Gedeih und Verderb mit ihren Brotherren verbunden ist. Sie ist infolgedessen bestrebt, ihre Forderungen nicht zu überspannen, damit die Konkurrenzfähigkeit der Industrie nicht leidet. 4. Ist aber auch das Publikum, die Schichte der Konsumenten durch intensive Propaganda und Aufklärung zur Einsicht gekommen, daß es unvernünftig ist, ausläu- . dische Erzeugnisse zu kaufen, wenn man I die. Schlüsselindustrie des Landes, beinländisobe erhalten kann. Sie gibt daher deutet. Sie .stockt, völlig umd mit ihr die von dem Inlamdsprodukten bei seinen Einkäufen ihr abhängigen Ziegel-, Holz-und Glasinduden Vorzug. stnen, und aus diesen Gründen haben auch Dank dieser Einsicht sind in dem letzten zahlreichen Bauhamdwerker keine Ar- 20 Jahren in Süd- und Osteuropa, aber auch . ■ in Asien, Südamerika und Afrika nationale Wenn schon die Hypothekarkredite, die Industrien entstanden, die florieren, Gewinne «absolut sicher sind, so teuer sind und so abwerfen und das Aktienkapital gut verßöhwer gegeben werden, um wieviel mehr zinsen. erst die Weohselkrediite, die im der Industrie Anders in Palästina. Statt daß die palägebräuchliche Kreditform. Zuerst wird gestinensische Industrie von beiden Regierunsiebt und nicht ganz einwandfreie Wechsel gen, vom Sochmut und vom Government, gewerden nicht angenommen, trotzdem sie fördert würde, ist das Gegenteil der Fall, durchaus nicht schlecht sein müssen. Naoh- Die Sochnut hat kein Geld und keine her bekommt aber der Fabrikant noch nicht Maoht, und ihre Industrioförderung beruht alles bezahlt: 8 Prozent Kommission, K. K. daher nur auf guten Wünschen, mit denen L.-Gebühr, werden abgezogen, so daß kaum die Industrie aber nicht viel an fangen kann. 90 Prozent ausbezahlt werden. Oder aber Das Government, das Geld und Macht beauch nur 60 bis 75 Prozent, je nach der gesetzt, hat für die jüdische Industrie kein troffenem Vereinbarung. Daß der Fabrikant Gefühl. Die Beamten haben mit dem jüdi- ,vgut“ sein muß, um die Kundeiuwechsel bei sehen Wirtschaftskreisen keinen Kontakt den Banken überhaupt begeben zu können, und wissen nicht, wo die Industrie der ist selbstverständlich und trotz all dieser Schuh drückt. Die Zollwünsohe werden Vorsichtsmaßnahmen wird es noch gerne nicht berücksichtigt und japanische und itagesehen, beziehungsweise oft verlangt, daß lienisohe Waren kommen zu derartigen außerdem noch außerordentliche Sicher- Schlenderpreisen ins Land, daß es für die heitern durch Verpfändungen von Eigentumshiesige Wirtschaft aussichtslos ist, dagegen werten des Fabrikanten geleistet werdem. amzukämpfen. Exportprämien werden natür-t Ich glaube, daß es in Europa kein Wuebelioh keine gegeben, Taxen und Gebühren* rer wagt, derartige Bedingungen zu stellen, aber für jede einfachste Transaktion in ge- Das alles ißt eher dazu angetan, die Induniug großer Höhe der Industrie auferlegt.; strie zu erwürgen, als sie zu fördern. Die Lieferungsaufträge, die das Government ] Was nun die Arbeiterschaft betrifft, so ist zu vergeben hat, wandern fast durchwegs ihr Verhältnis zu den Fabrikanten ungefähr Tu Deine Pflicht! Erwirb und verbreite den Schelcel I Melde Dich zur Mitarbeit bei der nächsten Bezirlcsselction I Salto 3 NEUE JÜDISCHE BÜCHER JerusdialaJIm, den... Briefe junger Menschen schildern Eres Israel Gesammelt und herausgegeben von Rudolf Melitz Ganzleinen S 6-30 Herbert Friedenthal Die unsichtbare Kette Roman eines Juden Ganzleinen S 6.60 Dr. Rudolf Levy Palästina ABC Ein handliches Nachschlagewerk Kartoniert $ 4-40 Das jüdische Sportbuch Mit vielen Bildern, Tabellen und Zeichnungen Kartoniert S 6-60 Buchhandlung R. Löwit Wien, I., Wollzeile 6, Tel. R 25-4-53 dasselbe wie man es in Europa, beziehungsweise Mitteleuropa, im der Zeit unmittelbar nach dem Kriege beobachten konnte. Die Forderungen sind sehr groß und stehen vielfach nicht mehr im Einklang mit der durch die Krise geschwächten Leistungsfähigkeit der Industrie. Bei der Disziplin der Arbeiterschaft ist allerdings zu hoffen, daß eine bessere Erkenntnis sich Bahn brechen wird, heute allerdings ist die Haltung der Arbeiterschaft noch ein Hemmschuh für die Ind'ustrieentwioklung. Ein arger Schaden für die hiesige Industrie sind aber die großen Importe auis fast allen Ländern. Es bestehen Handelskammern fast aller Staaten. Diese sind in Wirklichkeit nichts anderes als Exportförderungsinstitute der betreffenden Staaten und sie alle sind mehr oder weniger feindlich zur hiesigen Industrieentwicklung eingestellt. Endlich sind durch die Transferabkommen mit Deutschland (Haawerah) ebenso wie auch mit anderen Staaten, die Interessen der hiesigen Industrie schwer geschädigt worden und die angeblichen Schutzbestimmungen sind nichts als Augenauswisoherei. Es ist sehr zu bedauern, daß auch die hiesigen Wdrtscbaftsinstitute (mit alleiniger Ausnahme des Industriellenverbandes) nicht die Interessen der Industrie vertreten, sondern egoistische, der Industrie abträgliche Interessen (Bank, Handel, usw.). Die Tozeret-Haaretz-Kampagne ist gegenüber all diesen Tatsachen leider fast machtlos. Es bleibt nichts anderes übrig, als durch eine große Propaganda allgemein die Wichtigkeit der Industrie darzutun, und zu beweisen, wieviel Menschen in der Industrie und wie wenige in den Banken beschäftigt sind. Erst vor wenigen Monaten hat in der Schweiz, in Holland, im Frankreich das Industriekapital nach langen schweren Kämpfen über das Finanzkapital den Sieg errungen. Auch hier muß dieser Kampf ausgefoohten werden und mit. der Wiedereinführung des Wechsels in den hiesigen Zahlungsverkehr und dem Rückzug der Banken enden. Sonst geht die palästinensische Wirtschaft zu Grunde und mit ihr könnten die Industrie und die Banken begraben werdem. GRABSTEINE in wokdicek FORM AUS 0 E N WERKSTÄTTEN WULKAN u NEUBR.UNN IRRE NN WEG 110- ST. MARX* SEIT l8?2 Aus der jüdischen Gemeinde Wie wir erfahren, hat der Kultusvorstand in einer Plenarsitzung vom 7. April d. J. Herrn Dr. Max Wachstein zum Assistenten der H. med. Abteilung (Primarius Prof. Dr. HeßO bestellt. Berichtigung. In das vor kurzem in unserem Blatte erschienene Gedicht „Theodor Herzl vor dem ersten Kongreß“ von Alfred Werner hatte sieh ein Druckfehler eingeschlichen. In der zweiten Zeile heißt es selbstverständlich nicht der Geiger Sorge“, sondern „der Geier Sorge“. J.-Segal-Rosenbach-Konzert im Klub Erez Israel. Im Rahmen eines Klubabends wird Montag, den 19. d. M. Segal-Rosenb:i'h in seinem neuesten hebräisch-palästineiusiselien Liederzyklus „von Erez Israel (biblische Zeit) bis Erez Israel (Gegenwart)“ zu hören sein,

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