Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 632 (1.4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 632. — Wien, Donnerstag, 1. April 1937. Dil STIMMI Seite 9 I RUNDSCHAU I JULIUS STREICHER merkt alles, keine jüdische Gemeinheit bleibt ihm verborgen. Nationalsozialistische Intuition macht ihn fähig, die Gefahren, die dem Deutschtum von Seiten der Juden drohen, restlos aiufzudecken. Jetzt ist er dahintergekommen, was der gesamten Wissenschaft seit Jahrtausenden ge heimgeblieben ist. Er hat gemerkt, daß die Juden einen unsichtbaren Aussatz durch die Länder schleppen, und daß ein Bazillus existiert, der nur in jüdischem Blut leben kann. Im „Stürmer“ der letzten Woche veröffentlicht er in alarmierender Form diese Entdeckung, gleichzeitig ankündigend, er werde Volksgenossen über diese Gefahr noch näher aufklären. Diesmal sagt er nur soviel dazu: „Wir möchten aber schon jetzt alle dringend warnen, nichts in die Hand zu nehmen, was ein Jude berührt hat. Man bringt sich sonst selbst •in Gefahr, sich mit einer furchtbaren Krankheit anzustecken.“ Es ist Zeit, daß wir den Kampf gegen diesen unerbittlichen, alles sehenden, alles entdeckenden Feind aufgeben. Was die Menschheit dreitausend Jahre lang nicht gemerkt hat, er merkt’s doch. Gegen seine intuitive Kraft helfen nicht einmal Tatsachen. Seit dreitausend Jahren infizieren wir andauernd die Welt mit unserm unsichtbaren Aussatz und niemand hat ihn noch von uns bekommen. Er kommt allerdings auch nur in jüdischem Blut vor. Trotzdem soll man nichts berühren, was ein Jude berührt hat. Julius Streicher wird sicher auch noch hinter unsere sonstigen Geheimnisse kommen, er wird sicher auch noch entdecken, daß unser Atem Pest verbreitet, und daß unter den Tritten eines Juden die Erde unfruchtbar wird. Es ist gescheiter, wir gestehen alles gleich ein. Unser Spiel ist ausgespielt. Dreitausend Jahre lang konnten wir es spielen, aber jetzt ist’s aus, jetzt ist Julius Streicher da und unsere Tage sind zu Ende. DREI JÜDISCHE SCHWIMMERINNEN wurden disqualifiziert, weil sie in Verteidigung der jüdischen Ehre sich weigerten, an der Olympiade in Berlin teilzunehmen. Ihre Namen sind , jedem in Erinnerung: Judith Deutsch, Ruth Langer und Lucy Goldner. Die Disqualifizierung lautet auf zwei Jahre, das heißt, sie läuft im Sommer 1938 ab. Die Disqualifizierung wurde in sehr gründlicher und umfassender Weise ausgesprochen. Die drei Jüdinnen sind auch von der Teilnahme an jedem internen Meeting ihres Klubs ausgeschlossen. Sie dürfen ihre Kräfte und ihr Können mit niemandem messen, und es darf vor allem die Außenwelt durch keinerlei offizielle Leistungsziffern erfahren, was sie können. Die jüdischen Schwimmerinnen haben alle Folgen ihres Handelns auf sich genommen. Aber ist es in Ordnung, daß der Schwimmverband so weitgehende Konsequenzen zieht, daß er die Schwimmerinnen, deren edle Motive auch der Gegner nicht bestreiten kann, förmlich zum sportlichen Tod verurteilt? Zwei Jahre Trainingverluist, zwei Jahre ohne Meeting sind sehr viel im Leben eines Sportlers, dessen Leistungsfähigkeit auf kurze Zeit zusammengedrängt ist. Zwei Jahre Ausschaltung kann bedeuten, daß man überhaupt nicht wieder zu Höchstleistungen gelangt. Wenn man die Sportlerinnen für zwei Jahre disqualifiziert, so soll man es so tun, daß sie wirklich nur zwei Jahre ausgeschaltet sind. Man darf es nicht so tun, daß sie auch nach Ablauf der Straffrist ausgeschaltet bleiben. Das oberste Sportgesetz ist das Gesetz des Fair play. Der Sinn des Fair play aber ist, daß man jedem die Möglichkeit gibt, ungehemmt zeigen zu können, was er leisten kann. Indem man den jüdischen Schwimmerinnen die Möglichkeit nimmt, innerhalb der zwei Jahre der Disqualifizierung sich auf Leistungen für später vorzubereiten, verletzt man ihnen gegenüber den Grundsatz des Fair play. Aber auch das Intoresse des österreichischen Sports würde es clen maßgebenden Stellen zur Pflicht machen, die Disqualiftzierung der jüdischen Schwimmerinnen rückgängig zu machen. Noch haben sie sich durch ihre Ausschaltung — in der Hoffnung, daß sie bald rückgängig gemacht wird — nicht entmutigen lassen, noch sind sie nicht außer Form gekommen, so daß es Ruth Langer gelungen ist, unter dem von Judith Deutsch aufgestellten letzten Österreichischen Rekord zu schwimmen. Diese Begabungen müssen nicht nur um ihrer selbst willen, nicht nur im Interesso dos jüdischen Klubs, denn sie angehören, sie müssen auch im Interesse des österreichischen Sports schleunigst wieder zum aktiven Sportleben zugelasson weiden. J ehuda. Kultusgemeindebudget angenommen Nach dem Expose des Präsidenten der Kulfcusgemeinde, Staatsrat Dr. Desider Friedman n, entwickelte sich eine Debatte, die zwei Abende in Anspruch nahm. Die verschiedenen Gruppen brachten durch ihre Redner Wünsche in bezug auf Jugenderziehung, Umschichtung, Fürsorge, kulturelle und religiöse Fragen vor, wobei — wie nicht anders zu erwarten — von der Union der vergebliche Versuch gemacht wurde, durch ein allzu durchsichtiges Heruimjonglieren mit Ziffern darüber hinwegzutäuschen, daß die Union gegen die saubere, korrekte umd sparsame Gebarung der Kultusgemeinde nichts Vorbringen kann. Das Budget wurde einstimmig angenommen. Die Änderung des § 97 des Statuts wurde noch nicht vorgenommen, da die Union ungeachtet diesbezüglicher Zusagen bei den Vorberatungen bei der Abstimmung den Saal verließ. Der Antrag des Finanzreferenten wird daher in einer der nächsten Sitzungen nochmals zur Abstimmung gebracht werden. Ein Nationaler Block in Litauen Am 17. und 18. März fand in Kowno eine Konferenz der Allgemeinen Zionisten, des Misrachi und der Judenstaatspartei statt, die sich zu einem „Nationalen Block“ Zusammenschlüssen. Es wurden eine Reihe interessanter Beschlüsse gefaßt, in denen es unter anderem heißt: 1. Die Konferenz verlangt den Ausbau der Zionistischen Bewegung im Sinne tatsächlicher Gleichberechtigung aller ihrer Teile. 2. In Erez Israel sollen Lebensfoed'imgungen geschaffen werden, die allen Schichten und Gruppierungen des jüdischen Volkes die gleichen Rechte und Arbeit&mögiiohkeiten im Lande, das dem ganzen jüdischen Volke gehört, gewähren und erhalten. 3. Die Konferenz des Nationalen Blocks appelliert an die Weltleibungen der Allgemeinen Zionisten, des Misrachi und der Judenstaatspartei, in allen Ländern, ihrem Beispiele zu folgen und gleichfalls Nationale Blocks dieser drei Parteien zu gründen. Allfance Israölile Universelle Landwlrtsclinfflltlr Schule Hlkvei-Israel (Palästina) Die landwirtschaftliche Schule IHikveh-lsrael (mit Internat) teilt mit, daß Schüler für das Schuljahr 1937/38 nur bis zum 3». Juni aufgenommen werden können. Beginn des Schuljahres am 1. November 1937. Aufnahmebedingungen: Mindestens Absolvierung einer 8-klasBigen Volksschule oder 5 Klassen einer Mittelschule, Älter 16 bis 18 Jahre. Der vollständige Kurs dauert 3 Jahre. Aufnahme von neuen Schülern erfolgt nur für den ersten Jahrgang. Den aus dem Auslande aufgenommenen Schülern verschafft die Schule das amtliche Einwnnderu"gszertifikat. Genauere Informationen erteilt die Leitung auf schriftliche Anfrage. Da die Erledigung der notwendigen Formalitäten längere Zeit beanspiucht, ist es ratsam, Anfragen und Aufnahmegesuche alsbald an die Leitung der Schule zu richten (Adresse: Agricultural chool Mikveh- Israel, P. O. B. 185, Tol-Avlv). 4. Die Konferenz appelliert am die Arbeiterorganisationen in Erez Israel, sie mögen ihre Tätigkeit koordinieren und den Grundstein für die zukünftige vereinigte nationale Arbeiterorganisation in Erez Israel schaffen. 5. Die Konferenz verlangt, daß das jetzige ungerechte Wahlsystem zum Zionistischen Kongreß vom Aktionskomitee reformiert wird. 6. Die Konferenz stellt fest, daß die Be- Grund gebe, den palästinensischen Bürgern weiter doppelte Wahlstiimmen zum Kongreß zru konzedieren, und daß dieser unhaltbare Zustand, welcher weder im Einklang mit den zionistischen Interessen noch mit den demokratischen Prinzipien der Zionistischen Bewegung steht, abgesohafft werden müsse. 8. Die Konferenz beschließt, eine gemeinsame Wahlliste aller drei Parteien für den 20. Kongreß aufzustellen. 9. Die Konferenz stellt fest, daß die Resolution des 18. Zionistenkongresses bezüglich der Anerkennung der Histadruth Haovdim als einer einzigen Arbeiterorganisation in Erez Israel außer Kraft gesetzt werden müsse. 10. Die Konferenz stellt fest, daß der Beschluß, die Arbeitebeziehungen durch eine nationale Arbitrage zu regeln, bis heute nicht durchgeführt worden ist, woraus sich eine Gefahr für den Aufbau von Erez Israel ergibt. Die Konferenz fordert die Zionistische Exekutive und das Aktionskomitee auf, diesem Beschluß endlich und unbedingt durch Zufuhren. 11. Die Konferenz protestiert gegen die Verletzung der Alijahrechte des Mittelstandes und der Handwerker und fordert das Auswanderungsamt auf, mehr Zertifikate für diese Kategorien zur Verfügung zu stellen, zumindestens entsprechend dem Kongreßbeschhiß, wonach fünfzehn Prozent aller Zertifikate dem Mittelstände zugebilligt werden sollen. 12. Die Konferenz stellt fest, daß das jetzige Haehseharahsystem und die Auswahl j der Olim die Jugend demoralisiert, die Zionistische Organisation erniedrigt und den Sinn Mer Ghaluziuth verkrüppelt. 13. Die Konferenz fordert die Zionistische Exekutive und das Aktionskomitee auf, Bedingungen zu schaffen, die die Rückkehr der Revisionisten zur Zionistischen Organisation ermöglichen und fordert die Zemtralleitungen der drei Parteien auf, diese Forderung zu unterstützen. 14. Die Konferenz bedauert, daß letztens Bruderkämpfe zwischen Juden sowohl in Erez als auch in anderen Ländern vorgekommen sind und verurteilt am schärfsten jede Gewaltanwendung und Terrormaßnahme in der Zionistischen Bewegung, von welcher Seite sie auch kommen mag. 15. Bei der größten Anerkennung der Leistungen der Beamtenschaft der Zioni- OER JÜDISCHE BEST-SELLER _1936_ Josef Kastein JERUSALE Die Geschichte eines Landes Vornehmer Ganzleinenband S 12.60 „Was in diesem Buch über die Schwierigkeiten der Gemeinschaftsbildung, der Kultur, über die sozialen Gegensätze, über den jüdischen Arbeiter, über das Problem des Mittelstandes gesagt wird, ferner die Schilderung der Kwuzah und ihrer Fragen, das alles erschließt vielen, die in der Golah zum Land hingewendet leben, ganz neue Horizonte und gehört in seiner Gründlichkeit und seiner Sachkenntnis zu dem Wertvollsten, was wir an Palästinaliteratur besitzen.“ Georg Beer in der „Nation“. Zu beziehen: Durch Jede gute Buchhandlung oder direkt vom Verlag R. Löwit, Wien, I., Fleisch mark! 1, Tel. R 21-4-25 Säcäsnnänärä Schlüsse des Kongresses, wenn deT 20. Zio niefcenkongreß nach dem alten Schekelstisohen Büros, hält es die Konferenz für System einberufen werden sollte, in den unmorallisch, daß diese Beamten einen be- K arddnalfragen nicht durch eine Mehrheitisträohtliohen Prozentsatz an Delegierten für abstiimmung, sondern nur auf Grund eines die Kongresse stellen, die übeT das Schick- Übereinikomm'ens zwischen allen Kongreßsal der Bewegung zu entscheiden und die Parteien angenommen werden können. Tätigkeit der Zionistischen Institutionen zu 7. Die Konferenz stellt fest, daß es keinen kontrollieren haben. TEPPICHHAUS H. SCHEIN I. , Tuchlauben 25 VII., MarlahllferstraBe 76 Moderne Vorhangstoffe, Netzstoffe, Möbelstoffe, Möbelkretonne, Englisch-Leinen, Chintze. Alle Qualitäten Teppiche KURZE NACHRICHTEN Ergebenheitsadresse der Juden Englands an König Georg. Aus London meldet die JTA: Die Juden Englands haben am Donnerstag, den 25. März, König Georg VI. anläßlich der Thronbestei-, gung eine Ergebeinheitsadresse überreicht. Mengelberg, leimte das Angebot einer Die m*>rrmc,hume erfolgte durch Vertre- Deutschlandtournee ab, da etrn 20 Mitglie- , . -[-> r.:® i» n der seines Orchesters — das wi ganzen aus tei des Boaid of Deputies ot Bi itish Jew.s 4S Musikem besteht _ jwi€n sind, die sich und der Anglo-Jewish Association, die zu hartnäckig weigern, an der Deutschland- Von der Universität in Jerusalem. Palcor meldet: An der Hebräischen Universität soll demnächst em Museum jüdischer Altertümer gegründet werden. Die Mittel werden dem vom südafrikanischen Juden Kutcher vermachten Legat von 45.000 Pfund entnommen werden. Der Bau des Hebräischen Gymnasiums in MukaCevo beendet. Aus Mukaöevo meldet die JTA.: Am 11. April findet die Chanukkath-Habajit-Feier anläßlich der Vollendung des Baues des Hebräischen Gymnasiums in MukaCevo statt. Das Gymnasium präsentiert sich mit seiner stattlichen Front und dem schönen, zweckentsprechenden Turnsaal als würdiges Denkmal des jüdischen Schulwerkes. Die Feier umfaßt am Vormittag den eigentlichen Festakt im Turnsaal mit Festreden, Deklamationen und Chören, am Nachmittag die Generalversammlung des Hebräischen Schulvereines für Karpathorußland und am Abend ein Festkonzert. Mengelberg konzertiert nicht in Deutschland. Aus Amsterdam wird gemeldet: Der Dirigent des Konzertgebouw-Orchesters, Dr. Josef Löwenherz wurde zum Amtsdirektor und Ersten Sekretär der Wiener jüdischen Gemeinde bestellt. iiiiiniiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimmiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimmiiiiiiiiiiinm Der Jaffaer Hafen. Aus Jerusalem wird gemeldet: Sämtliche arabische Zeitungen behandeln heute in längeren Aufsätzen die prekäre Lage dies Hafens von Jaffa. Es wird darauf hingewiesen, daß seit fast einem Jahr kein einziger Passagierdampfer in Jaffa vor Anker gegangen ist. Die arabische Presse meldet, daß eine Anzahl der jüdischen Viertel von Jaffa demnäch««- in das Verwaltungsgebiet von Tel-Aviv übergehen werden. Erlösung von der täglichen Qual ist die sanft-scharfe Großer Brand in der Westend Synagoge in New York. Aus New York meldet die JTA.: Nach dem Pessacli-Morgengottesdienist brach im der Westend Synagoge der Shaare Tefila-Gemeiinde ein Feuer aus, das das Innere des Gebäudes vollständig vernichtete. Die Bundeslade und zwölf Thorarollen verbrannten. Dei* Schaden wird auf 200.000 Dollar geschätzt. GRABSTEINE IN W 0 R 01 GER FORM AUS 0 i N VVf RKSTAM EN WülKAN u NEUBRÜNN «.RINNWEG 110' ST. MARX ' SEIT l8<?2 jenen Körperschaften gehören, welche das Vorrecht genießen, vor dem König ziu erscheinen. tournee teilzunehmen. Mengelberg ist der Ansicht, daß das Orchester imvollständig keine guten Konzerte geben könne. Internationale Kraftfahrerlaubnisse in Palästina. Aus Jerusalem meldet die JTA,: Die Pälästinaregiermg hat der Automobile Club and Touring Association of Palästina die Ermächtigung zur Ausgabe von internationalen Zertifikaten für Kraftfahrzeug&f internationalen Führerscheinen und wtef~ ' nationalen F iskalerlGubnissen erteilt,.