Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 632 (1.4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Oll STIMMI Wr. 632. — Wien, Donner«tag, 1. April 1987. 1 Jüdische Wacht in Erez Israel Das Amtsblatt für Palästina veröffentlicht eine Regierungsverordnung, die dem Oberkommissär Generalvollmacht erteilt. Alle Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordnung werden seinem Ermessen anheimgegeben, wobei jede diesem Zweck dienende Vorschrift oder Verordnung den Vorrang vor den bestehenden Gesetzen erhalten und vor keinem Gericht wird angefochten wer' den können. Die gewöhnlichen Mittel, die einer Regierung zum Schutze der friedlichen Arbeit zur Verfügung stehen, reichen also offenbar nicht mehr aus, wenn es den Arabern belieben sollte, wieder mit dem Terror zu beginnen. Die Verfassung und die normale Zivilgerichtebarkeit kann jederzeit suspendiert werden. Darin liegt die Feststellung, daß die in Palästina von neuem entstandene Bewegung umfangreicher und gefährlicher ist als bisher zugestanden wurde. Der Kolonienminister bat noch vor wenigen Wochen im Unterhaus von lokalen Unruhen gesprochen, dies aber in einem Zeitpunkt, in welchem der Oberkommissär sich schon entschlossen hatte, seinen Urlaub abzubrechen und auf dem schnellsten Wege sich nach seinem Amtssitz zu begeben. Er ist inzwischen in Jerusalem eingetroffen, hat die Unruhegebiete in Galiläa durchfahren und dann das Vollmachtgesetz verkünden lassen, das edn Land des Völkerbundes jederzeit unter Diktatur stellen kann. Ob eine so tiefgehende Maßregel in den Verhältnissen begründet ist, mag zweifelhaft erscheinen. Denn inzwischen war bereits eine ziemliche Einschränkung des Bandenwesens eingetreten. Sie ist allerdings weniger der Entschlossenheit der Mandatsverwaltung zu zusohreiiben als vielmehr der Tatsache, daß 6000 Juden in die Sicherhedtspolizei eingereiht wurden und daß jüdische Mannschaften die Sicherung der Verkehrswege übernahmen. Die energische Haltung des Jisohuw und seine feste Absicht, den Schutz der Frauen und Kinder, der Arbeit und der Siedlungen selbst in die Hand zu nehmen, hatte fast augenblicklich gewirkt. Daß die Mandatsregierung zum Ausnahme geseta greift, ist vor allem wohl der neuerdings zu bösartigen Dimensionen auflaufen' den internationalen Unruhe und der Propaganda Italiens unter den Mohammedanern zuausohreiiben. England beginnt sich auf die neuen Möglichkeiten einzustellen. Unter englischer Patronanz erfolgt der Zusammenschluß der vorderasiatischen islamischen Staaten, der Türkei, des Iran, des Irak und Afghanistans unter dem Namen „Orientbund“, wobei die religiösen Unterschiede zwischen Lunna und Sohia, einstweilen wenigstens, zuriickge stellt werden. Daneben bildet sich eine Art von arabischer Union, an der der Irak, Jemen, Syrien und Libanon teünehmen. Der Irak gehört demnach beiden Konstruktionen an. Es ist bezeichnend, daß die6 zugegebenermaßen über ausdrücklichen Wunsch Englands geschieht. Auch dieser Bund steht also unter englischer Kontrolle, die sich zwei Feuer ins Eisen legt. Die Beteiligung Iraks, das mit England durch ein politisches Sonderabkommen verbunden ist, an beideu Bündnissen wird Großbritannien die Möglichkeit einer Kontrolle über diese beiden Bündnisse verleihen und seine Interessen in diesem Teile der Welt sichern. Die freundschaftlichen Beziehungen Englands zur Türkei, Irak und Saudia werden ihm das erleichtern. Mag sich also Mussolini bei «einer Lybienreise feierlich als „Schwort des Islam“ habe proklamieren lassen — eine Bezeichnung, die nur dem „Herrn aller Gläubigen“, dem Kalifen in Konstantinopel zukam — England hat jedenfalls einen gewaltigen V orsprung. England betreibt eben eine nüchterne Realpolitik. Aber gerade darum muß England eines wissen: Unbedingt sicher ist einzig und allein die jüdische Bevölkerung Palästinas und die einfachste Raison würde fordern, daß das Verhältnis zwischen England und den Juden von jeder Belastung befreit wird. Eine starke jüdische Macht sichert das Land unter allen Umständen und für jede Eventualität. Sie wirkt durch ihre bloße Existenz und sie bildet auch einen bedeutsamen Hintergrund für Verhandlungen zwischen Juden und Arabern im Lande, deren unverrückbare Grundlage die Bai four-Deklaration und das Mandat bleiben müssen. Die arabische Union findet innerhalb ihres riesigen Territoriums ungeheuerliche kulturelle und zivilisatorische Aufgaben, bei deren Lösung ihr sicherlich jüdische Mithilfe gerne gewährt würde, die hiebei kein eigensüchtiges Interesse verfolgt und nur dem Frieden dienen will. Diese Feststellung zeichnet die Linie einer jüdischen Politik vor. Ihre Elemente sind: Ungestörte jüdische Einwanderung, Mandat |mus ist der Träger des Willens, aber auch mit dem Ziele der jüdischen Eigenstaatlichdes Vertrauens der jüdischen Massen, keit, jüdische Arbeit, Erweiterung und Kräf- Daraus ergibt sich für ihn die Pflicht, das tdgung der jüdischen Landwirtschaft, Siche- Baseler Programm und das Ziel der jüddrung durch jüdische Kraft. Dieses Prosehen Lebensforderungen gegen jeden Vorgramm setzt zunächst die volle und unstoß der immer lauernden Assimilation zu eingeschränkte Herstellung der jüdischen verteidigen und kein Kompromiß anzu- EinÜgtkedt voraus, die von dem Parteiwahnnehmen, das das eine Mal mit Verspresinn, von allem „rechts“ und „links“ beohningen, das andere Mal mit Drohungen freit werden muß, wie dies der Weltverfband versucht ward. Es gibt keinen Verzicht, der Allgemeinen Zionisten fordert. Die keim Nachgeben gegenüber englischen und zionistische Einheit . aufzubauen ist au ob arabischen Einschüchterungsversuchen und, Wir empr«hl«n I a ■ Für unsere) Leser nur: INeudegger Fahrschulen Wien, VIII., Meudeggerg, 18 Tel.,B 46-5-72 undTriiüersdorf (Nrö^er^stelrrelöh) \ Prüfungserleichferunö durch i.!! Laufendes Auto im Lehrsaal!! ingf die Hauptaufgabe des kommenden Kongegenüber den inner jüdischen Feinden; es resses, der für alle zionistischen Organe gibt nur das Baseler Programm mit dem en Primat des unverwässerten nationalen, Ziel der jüdischen Freiheit im jüdischen Zionismus wird betonen müssen. Der Zioofe-I Land. JOSEF LEITMANN VORM. PAUL PLANER A. G., WIEN, II., PRATERSTR. 17 TELEPHON R 47-6-10 ElekfromateriaJ / Radio-Apparate / Beleuchtungskörper / Dauerbrandöfen / Gas-Apparate Sprecbmascbinen / Elektro Kosmetik / Elektro-Apparate / Glühbirnen in allen Stärken stets lagernd Befugte Radio-Reparaturwerkstätte * Günstige Tausohgelegenheiten Bequemes Teilzahlungssystem Der Guerillakampf geht weiter Jerusalem, 30. März. (JTA.) Vor den Pessachfeiertagen hatte die Polizei zur Sicherung der Ruhe während der Feiertage verschiedene Maßnahmen ergriffen, die je' doch nicht verhinderten, daß einige kleinere Terrorakte vorkamen. Während der Pessacbtage haben etwa 10.000 Juden die Klagemauer besucht. Hier kam es zu keinem Zwischenfall. Am zweiten Peesachtag wurde die Kolonie Sedjera in Galiläa von Arabern eine halbe Stunde lang beschossen. Polizei trieb die Angreifer zurück. Araber überfielen am 29. März in Jenln bei Haifa vier Automobile und beraubten die Insassen. Auf der nach Tel-Aviv führenden Straße wurde ein reicher Araber durch Schüsse verwundet. Er erklärte, von Arabern angegriffen worden zu sein. Acht Araber, die beschuldigt sind, in der Fahrräder 1937 Nähmasdilnen auch Regen Teilzahlung IX., LIechtenstelaatraBe 27 IV.. Wledner HanalRlrafle 8 vergangenen Woche auf jüdische Arbeiter in den Feldern von Kfar Tabor geschossen zu haben, wurden zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Ein bei der Schießerei verwundeter Araber erlag seinen Verletzungen. Ein Poüzeidetachement, das zur Unter Zweifel —, während eine gleiche Anzahl In Ländern Europas lebt, wo ihre Lage sich nicht nur nicht bessern, sondern wahrscheinlich noch verschlimmern dürfte. Russische Judestsiedlimgett — ein Bluff In Rußland haben sich zwei groß angekündigte Pläne zur Ansiedilung von Juden in der Krim und in Biro-Bidsohan als Fehl- Schläge erwiesen. Der erste, 1924 mit dem Ziel unternommen, eine Art jüdischen Staat im Staate, eine Art jüdische Republik zu schaffen, ist, wie ich wohl sagen darf, zusammengebrochen. Die Zunahme der jüdischen landwirtschaftlichen Bevölkerung in deT Krim betrug nur zwei bi« drei Prozent trotz der Tatsache, daß sehr große Geldsummen aus- Amerika eingingen. Das Gleiche kann von Biro-Bidsohan gesagt werden, das als großzügiger Entwurf zur Lösung des jüdischen Problems in Rußland propagiert wurde. Man erzählte uns, daß es edn ausgedehntes und fruchtbares, suchung des Mordes an einem Beduinen Gebiet sei, das eine sehr gioße Zahl von nah8 Rechobot entsandt worden war, wurde von einer starken Gruppe bewaffneter Beduinen angegriffen; es war gezwungen, sich zurückzuzdehen und um Verstärkung anzusuchen. Auf Seiten der Polizei sind keine Toten zu verzeichnen. Notwehr Jerusalem, 90. März. (JTA.) Das Berufungsgericht hat die Verurteilung des jüdischen Einwohners von Tlberias Nisslm Toiedano zu zwei Jahren Gefängnis aufgehoben. Toledano war verurteilt worden, well er sich bei den Unruhen am 19. Februar zur Wehr gesetzt hatte. Nach dem Freispruch durch das Be rufungsgericht wurde er sofort auf freien Fuß gesetzt DU dcäuyt Anfangs August fimdiet der Jubiläums-Kongreß statt. Bereits am 15. Mai wird voraussichtlich die Schekel-Abrechnung stattflnden. Verliert keine Zedtl Werbet von Mann zu Mann für den Absatz des Schekels! Meldet euch zur Mitarbeit in den Bezirkssektionen und beim Landeekomdtee! Der Reiohsvertretung Deutschland wurden für der Juden in Borufsumschich- Taguttg des Council for German Jewry 500.000 Pfund für deutsche Juden London," 26. März. (JTA.) Am Montag,'den Vereinigten Staaten und verschiedenen den 22. März, hielt der Council for German europäischen Ländern bestimmt. Jewry unter dem Vorsitz von Sir Herbert Samuel in London eine Sitzung ab. Es wurde beschlossen, für das neue Rechnungsjahr ein Budget von 500.000 Pfund festzusetzen. Davon wurden 171.000 Pfund für die Arbeit der Zionistischen Kommission bewilligt, die sich mit der Ansiedlung deutscher Juden in Palästina befaßt. 150.000 Pfund wurden für Hilfeleistung an deutsche Flüchtlinge in Großbritannien, Vortrag Professor Brodetzky: 6i/2 Millionen Juden gefährdet PENSION ECKSTEIN neu renoviert tung und -Ausbildung von AuswanderungsanWärtern in Deutschland und für Emigrationsausgaben 137.000 Pfund bewilligt. London, 25. März. (JTA.) Professor Selig Brodetzky, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency for Palesfcine, hielt in London einen Vortriag über die Lage der Juden in der Welt, in der er unter anderem ausführte: Man kann sagen, daß 6 Millionen Juden in Ländern leben, wo ihre Position zufriedenstellend ist und bleiben dürfte. Zu diesen Ländern gehören Großbritannien und das British Empire, die Vereinigten Staaten, Frankreich, Belgien, Holland, Skandinavien und die Tschechoslowakei — nur bestehen über die Lage der Juden in Südafrika /. (fadlstUafkceUe du »Stiu VlacU Hikofatoeg. Wie wir bereite mitgeteilt haben, veranstaltet die „Stimme“ Gesellschaftsreisen nach Nikolsburg und Eisenstadt. Die Reise nach Nikolsburg findet an einem Sonntag Ende April oder Anfang Mai statt. Das genaue Datum wird noch bekanntgegoberi. Der Fahrpreis beträgt S 9.50, mit Mittagessen S 11.75. Das Mittagessen wird selbstverständlich in einem Koscher-Restaurant eingenommen. Anmeldungen nehmen entgegen: Die Administration der „Stimme“, das Büro des Zionistischen Landesverbandes und alle Sektionen. In Nikolsburg wird das new jüdische Zentralmuseum und das alte Ghetto besichtigt. Für sachkundige Führung ißt gesorgt, — Über die Reise nach Eisenstadt erfolgen demnächst nähere Mitteilungen, Juden aufnehmen könne. Eiu Enthusiast sprach von zehn Millionen Juden. Der Fünfjahrespian von 1936 sah die Austeilung von 1000 Familien jährlich vor, aber ich habe den Verdacht, daß auch das nicht verwirklicht wurde. Ist Palästina 420*000 Juden Zum Schluß kam Professor Brodetzky auf Palästina zu sprechen und führte aus: Die jüdische Bevölkerung in Palästina beträgt 420.000 Seelen und hat 30% der Bevölkerung des Landes erreicht. Die Juden, die nach Palästina gehen, fühlen, daß eie die wirtschaftliche Basis ihres Lebens ändern müssen. Ihre Aufgabe hier besteht nicht mehr darin, wie in anderen Ländern Lücken ausziufüllen und anderen zu dienen. In Palästina wollen sie ein Wirtschaftssystem aufbauen, das auf einem jüdischen: Leben basiert, wo Juden für Juden schaffen und wirken. Administrativkomitee der Jewish Agency London, 80. März. (JTA.) Auf der in den letzten Tagen in London abgehaibenen. Konferenz zionistischer ..und aiohtziontetischer. Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency wurde endgültig beschlossen, die - geplante Tagung des Administrative Committee der. Jewish Agency for Palestine im nächsten Monat nicht stattflnden zu' lassem Ferner wurde auf der Konferenz beschlossen, ein auf Parität zwischen Zionisten und Nichtzionisten basierendes kiel- - nes Administrative Committee in Palästina einzusetzen, welches sich in der Hauptsache, mit den wesentlichen Problemen der zionistischen Politik zu be-, fassen haben wird. Die Mitglieder des Komitees sind noch nicht endgültig ernannt. Kasteins Geschichtswerk Was bedeutet es für unsere Zeit, für unser Volk? Heute, da ein gewaltiger Umbruch durch das Judentum geht, da viele, die ihm schon entglitten und entfremdet waren, sich ihrer Herkunft wieder besinnen, da eine ganze junge Generation nach einem neuen Sinn und neuer Zukunft sucht, weist Ihnen dm Werk Kasteins den Weg zu sich selbst, zu ihrer Gemeinschaft und ihrer geschichtlichen Sendung. Auf wenige geistige Menschen läßt sich heute das Wort „Lehrer“ in der hohen königlichen Bedeutung, die es für unser Volk hatte und hat, anwenden. Josef Kastein ist einer von ihnen. (Georg Beer in der „Notionu.) Histadruth Ivrlth — Jomhalvrim Sams tagden 10. April, 8 Uhr abends, findet der diesjährige „Jom haivrlm“ (Hebräertagung) ira Vortragssaal des Cafö Central, II., Taborstraße 8, statt. (Kein Konsum!) Tagesordnung: t "Eröffnung: Präsident Dr. D. Rothblum. 2 Begrüßungen. 8. Die hebräische Bewegung: Dr. D. Rothblum- 4. Das hebräische Buch im Jahre 5687: Dr. U. Tartakower. 5. Jüdische Erziebungsfragen in Wien: Prof. J. Gdernter. 6. Die Kultnsgeraelude, die jüdischen Parteien und kulturelle Arbeit in Wien: M. Ungerfeld. 7. Debatte und Beschlüsse- Zu dieser. Tagung sind alio Ilobräischspreohenden sowie alle Freunde de« Hebräischen elngeladen. Schriftliche Einladungen worden nicht ausgeseadet,