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Die Stimme · 1937-04-01 · Heft 632 (1.4.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 632 (1.4.1937)
Date
1937-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. S.S.20 'Stimme Nr. 633 Wien, Donnerstag, I. April 1937 * 30. Nissan 3697 10. Jahrgang;;N AC h;HcN; jt•-fNVf:fr ■ M A3 RY -- -.ft^CUb? gM:Yc:'V SJURCM«*W«fe::^ JÜDISCHE ZEITUNG Warum werden die Juden verfolgt? Von David Lloyd George Die Behandlung dieses Themas durch den englischen Staatsmann Lloyd George, unter dessen Ministerpräsidentsohaft das englische Kabinett die Balfour-Deklaration erlassen hat, wird sicher das Interesse unserer Leser erregen. Die Juden sind dae bemerkenswerteste Volk, daß jemals auf dieser Erde wandelte. Als sie ein armes Volk van Bauern und Hirten waren, das auf einem rauhen Plateau lebte, niciht größer als Wales, schufen eie die erhabenste Literatur, die jemals geschrieben wurde. Ais die Juden in einer verachteten Provinz eines großen Reiches lebten, schufen sie eine Religion, die schließlich die Eroberer besiegte und heute die Grundlage des Glaubens der mächtigsten Völker ist. Die Tatsache, daß die Juden alle Widerwärtigkeiten und alle Trübsal als Volk überstellen konnten, beweist die ihnen eigene Vitalität und ihren Geist, der nicht ziu unterjochen ist. Ich will hier ein Wort von Walter Scott zitieren, der über die üble Behandlung der Juden im Mittelalter In England schrieb: „Es gibt kein Geschöpf auf der Erde, in Wasser oder in dier Luft, das Objekt einer .derartigen ununterbrochenen, allgemeinen und konsequenten V e r f o 1 gu n g ■ gewesen wäre, wie der Jude in dieser Periode. Normannen, Sachsen, Dänen und Briten, wetteiferten darin, ungeachtet aller Feindschaft, die sie untereinander hatten, so abscheulich, als ob die Religion, ihnen befohlen hätte, zu hassen, zu schmähen, zu plündern und zu verfolgen.“ Aber die Juden haben alle diese Versuche, , sie zu vernichten, durch dreißig Jahrhunderte ertragen und sie sind heute fünfmal und noch mehr zahlreicher und kräftiger als in. den schönsten Zeiten ihres nationalen Ruhms. Daß sie allen Vernichtungsversuchen entgingen, ist vielleicht dem Umstand zuzuschreilben, daß sie nie in allen Ländern gleichzeitig verfolgt wurden. Wenn Habgier und Bigotterie in einem Land zusammen wirkten, um die Juden zu mißhandeln, fanden sie immer in einem anderen Lande eine Zufluobtstätte. Dafür hatten wir erst kürzlich wieder ein Beispiel. Als Hitler die Juden aus allen höheren Positionen in Deutschland vertrieb, die sie auf Grund ihres Genies erlangt hatten, da öffneten Frankreich, England, Holland und Amerika ihre Tore den vom Nationalsozialismus Vertriebenen. Das Rote Meer hat noch immer in der kritischen Stunde für das verfolgte jüdische Volk eich gespalten. Die Juden nennen sich das von Gott auserwählte Volk. Sie haben das Recht, eich so zu bezeichnen, wenn man an eine wunderbare Periode in ihrer Geschichte denkt. Sie wurden durch die Vorsehung dazu bestimmt, die Verkünder der gewaltigsten geistigen Botschaft zu sein, die jemals vom Himmel kam. Niemand kann die Geschichte des jüdischen Volkes lesen, ohne zu verstehen, warum gerade dieses Volk dazu ausersehen war, diese so erhabene, aber gleichzeitig so herausfordernde Wahrheit zii verkünden. Das unverständliche •'Mysterium aber in der jüdischen Geschichte ist die Beharrlichkeit, der Grund und die Intensität ihrer Verfolgung durch die Jahrhunderte. Der Kontrast zwischen der Behandlung der Juden in christlichen Ländern und in mohammedanischen Ländern macht dieses Phänomen noch unerklärlicher. Die kriegerischen Nachfolger Mohammeds gewährten den Juden, die ihrerseits Christum und Mohammed als falsche Propheten bezeiohneten, volle religiöse Freiheit. Weder die Sarazenen noch die Mauren mischten sich in die religiösen Angelegenheiten der jüdischen Gemeindien. Diese staatsmännische Haltung brachte ihnen enorme Vorteile. Die von den Moslims erreichte hoho Stufe in Wissenschaft und Kunst ist den Juden z u z u s o h r e ijb en. Dje Q^rletlüchen Länder dagegen waren im Vergleich damit bettelarm. Das war die Folge des Einflusses das Klerus, der die Juden bedrückte und ihre Aktivität hemmte. Was kann also die Erklärung für den jahrhundertealten Haß sein, dem die Juden, in Europa ausgesebzt sind? Das malariabringende Insekt, das gesunde Menschen mit dem Judenhaß infiziert, summt uns heute mit demselben scheußlichen Ton und dem gleichen tödlichen Gift um die Ohren wie einst in den Tagen Torquemädas. Religiöser Fanatismus hat einige der brutalsten Attacken auf die, Juden in Europa auf dem Gewissen. Aber der Anta-, goniemus zu Israel ist nicht ausschließlich; und auch nicht hauptsächlich religiöser Natur. Der wahre Grund liegt in dem durch die Jahrhunderte andauernden Entschluß der Juden, ihre Persönlichkeit als ein eigenes, ausgeprägte® Volk in ihren Wohnländern nicht zu verlieren und ihre Individualität als orientalische Nation zu bewahren. Die Engländer ©teilen eine Mischung verschiedener Rassen dar. ■ Trotzdem sind sie ein Volk. Aus einer unübersehbaren Rassenmißchung entstanden, haben die Vereinigten Staaten von Nordamerika einen zu hundert Prozent amerikanischen Typus hervorgebracht. Aber der Jude bleibt Jude in alle Ewigkeit. Er ist heute noch ebenso Hebräer in seinem Sentiment, in seinem Stolz und in seiner nationalen Treue, wie zur Zeit, als er aus Palästina vertrieben wurde. Die Zerstreuung über die ganze Erde hat diese nationale Solidarität nicht verwischt, sondern konsolidiert. Die Juden lehnen es ab, guto Mixer zu sein. Als sie Sklaven in Ägypten waren, da waren sie nicht wie andere Sklaven. Es war in den Tagen ihres persischen Exils, vor mehr als 2000 Jahren, daß Haman zum König Aobaswerosch sagte: „Es lebt ein Volk zerstreut und versprengt unter deine Völker in allen Provinzen deines Reiches. Sie haben andere Gesetze als deine anderen Völker, und das Gesetz des Königs halten sie nicht und dem König bringt es nichts ein, wenn er sie duldet. Wenn es dem König gefällt, so möge er einen Erlaß berausgeben, daß sie vernichtet weiden sollen.“ Diese Isolierung war der Grund zu so manchem Pogrom. Die Juden sind nicht allein dafür verantwortlich. Das mittelalterliche Ghetto war keine jüdische Erfindung, sondern der Nationen, unter denen die Juden lebten. Die Juden durften weder Grund und Boden besitzen, noch ihn bebauen, noch auf dem flachen Lande leben. Die Zünfte verboten den J u d e u ein Handwerk zu erlernen oder auszuüben. Sie durften nicht einmal für die Länder kämpfen, die ihnen, widerstrebend und grollend ein nicht immer sicheres Obdach boten. Unter diesen Umständen äst die Beschuldigung, die Juden seien Feiglinge, die| niedrigste aller Verleumdungen. Wenn man sie mittun ließ, haben sie tapfer dort mitgefochten, wo man sie als gleichberechtigte Bürger behandelte. So fochten in Frankreich die Juden tapferer als die Franzosen. In England haben sie die Gleichberechtigung durch eine Loyalität und Tapferkeit quittiert, die im Weltkrieg herrlich in die Erscheinung trat. Der erfolgreichste und glanzvollste englische General im Weltkrieg war der australische Jude General M o n ash. In Deutschland verdächtigt man die Juden, daß sie einen kommunistischen Staat errichten wollen. Es ist richtig, daß die grundlegenden Prinzipien des russischen Bolschewismus aus den Schriften von Karl Marx abgeleitet werden, und daß vielleicht die bolschewistische Revolution zusammengebrochen wäre ohne Trotzkij, der der größte Improvisato-r.revolutionär er Armeen seit Danton und C a r n o t ist. Aber diese Kritiker des Judentums veigessen, daß die Juden in der Vergangenheit in Ländern wie Rußland und Deutschland durch soziale Ungleichheit und industrielle Knechtschaft mehr gelitten haben als irgend ein anderes Volk. Kein Land hat das Recht, Loyalität bis über den Tod hinaus von einem Volk zu verlangen, dem es das elementare Recht der Menschlichkeit vorenthält. Wird der Jude fair behandelt, dann ist er überall ein loyaler Bürger. Manche Juden behaupten, die Juden seien nur eine eigene Religion, aber keine eigene Nation. Der größte Staatsmann, den die Juden in unserer Zeit hervorgebracht haben, Professor Dr. Ohajim Weizmann, hat die Schwierigkeit dieses Problems erkannt, ist es mutig, weise und geschickt angegangen. Das Resultat seiner Bemühungen wird andauern und die Juden in den Stand setzen, einen größeren Beitrag zur Erhöhung der Zivilisation zu leisten, als irgend ein andere® Volk auf Gottes weiter Erde. Diese Lösung findet einen Präzedenzfall und ihre Rechtfertigung in der Geschichte eines anderen Volkes — des irischen Volkes. Irland ist heute frei darin sein Geschick zu gestalten. Seine Söhne und Töchter halben volle Freiheit, einen irischen Staat aufzubauen. Dort werden die besonderen Fähigkeiten, Charaktere und Genies des irischen Volkes ihren Beitrag zur Zivilisation der Welt leisten. ZIMMERKLOSETTE, BIDETS alle Krankenmöbel auch EeihweSse od. Teilzahlung. Bandagen-MikoBaaehj Taborstraße 23 Generalvollmacht für Wauchope Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur meldet, ist im palästinensischen Amtsblatt die Palestine (Defence) Order in Council 1937 veröffentlicht worden, womit dem Oberkommissär Generalvollmachten erteilt werden. Zunächst wird festgesetzt, daß „Palästina“ den als Transjordanien bekannten Teil des Mandatsgebietes nicht umfaßt. Ferner wird zur Vermeidung von Zweifeln erklärt, daß jede Bezugnahme auf Palästina in dieser Order oder in den Orders von 1931 Die bevorzugte Zahnpasta! und 1936 auch eine Bezugnahme auf die angrenzenden Territorialgewässer in sich schließt. Weiter wird erklärt, daß diese Order mit dor Proklamation in Kraft tritt. Im zweiten Teil, der die V e r t e i d igungsvorsebriften enthält, wird der Oberkomntissär ermächtigt, die ihm nach seinem uneingeschränkten Ermessen als notwendig oder angebracht erscheinenden Vorschriften für die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit, der Verteidigung Palästinas, der Aufrechterbaltung der öffentlichen Ordnung, die Unterdrückung von Meuterei, Rebellion und Aufruhr und für die Aufrechterhaltung der für das Leben der Allgemeinheit notwendigen Hilfsmittel und Dienste zu erlassen. Als solche Vorschriften werden unter anderem angeführt: Verhaftung und Deportierung von Personen, Beschlagnehmen jeglichen Eigentums, Abänderung oder Suspendierung jeden Gesetzes und Anwendung jeden Gesetzes mit und ohne Modifizierung. Entschädigung an Personen, die durch die Vorschriften betroffen werden, Einsetzung von Schnell- und Militärgerichten, Bestimmungen für UrteUsberufungen usw, Ein Paragraph. setzt .fest, daß eine Verteidigung® Vorschrift und jede Verordnung, die auf einer solchen Vorschrift getroffen wird, Wirksamkeit erlangt ohne .Rücksicht darauf, daß sie etwa .mit einem bestehenden Gesetz unvereinbar sei. Der Oberkommiesär kann, wenn er es für richtig hält, die ihm zustehenden Funktionen dem kommandierenden General der Streitkräfte übertragen. In der Order wird dann festgesetzt, daß kein Urteil als ungültig erklärt werden darf mit der Begründung, daß die Bestimmungen der auf Grund früherer Orders erlassenen Vorschriften nicht mehr in Kraft gewesen seien. Die Orders von 1931 und 1936 werden wohl mit dieser neuen Order außer K r a f t gesetzt, aber die auf Grund der genannten Orders erlassenen Vorschriften bleiben weiterhin wirksam. Aktionskomitee 20. April in Jerusalem Jerusalem, 29. März. Wie von der Zionistischen Exekutive mitgetedlt wird, wurde die Sitzung des Aktionskomitees', die nach einem früheren Beschluß in London stattfinden sollte, endgültig nach Jerusalem einberufen. Sie beginnt am 20. April. * Es ist nicht einzusehen, aus welchen Gründen plötzlich die Sitzung des A. G. nach Jerusalem einberufon wurde. . Die Gründe, die jetzt für Jerusalem sprechen, müssen doch auch vor 14 Tagen vorhanden gewesen sein. Es steht zu befürchten, daß zahlreiche Mitglieder des A. ‘C. aus beruflichen Gründen nicht in der Lage sein werden, nach Jerusalem zu kommen. Leicht ist das nur für Beamte der Fonds und. der Organisation. VII., KAISERSTRASSE 123 ★ IX., AISERSTBASSE 6

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