Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 631 (26.3.1937)
- Date
- 1937-03-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seit« O Dil ITIMMI Nr. 631. - Wien, Freitag, 26. Marz 1967. Jüdische Frau, vergiß nicht, heute noch für PESSACH zu bestellen SHEMEN PALÄSTINA-OLIVENÖL SHEMEN-SALAT-OLE TOILETTE-,HAUSHALTSEIFE ZAHNPASTE u. SHAMPOON Gen.-Vertr. für Österreichs S. RABINOWITSCH Wien, II., Z'rkusgasse 10 (Telephon R 48-7-38) Konzert jüdischer Künstler Im Marmorsaal des Hotel National gab Baby Pola und Gustav Schmeidler einen Konzertabend. In der Person des Fräulein Pola haben wir eine charmante, jugendliche Vortragsküttstlerin im Soubrettenfaoh kennengelernt, die als vielversprechender Nachwuchs vom Publikum stürmisch gefeiert wurde. Insbesondere hat die schöne, auf die Art von Martha Eggert und Gitta Alpar modulierte Stimme, die Zuhörer begeistert. Herr Sohmeidler, ein lyrischer Tenor, bereits in weiten Schichten des kunstsinnigen jüdischen Publikums von seinen Mitwirkungen bei verschiedenen Veranstaltungen der zionistischen Bezirksorganisationen bekannt, brachte Arien und Lieder und später liturgische und synagogale Gesänge zum Vortrag. Er sang mit tenoraler Überlegenheit die hohen und höchsten Töne mit viel herzhaftem Empfinden und den jüdischen Stimmen eigenen Timbre, welches ergreifend und immer faszinierend wirkt. Sascha Fi de rer, als Conferencier des Abends hat in witzig-launiger Plauderei sofort den Kontakt mit dem Publikum hergestellt und erntete einen Separaterfolg mit seinen lustigen Vorträgen in deutscher und jiddischer Sprache. lg. Zionistische Bezirkssektion-WlZO Vl/Vll gratulieren ihrem bewährten Sekretär Herrn OTTO, FRANKEL zu seiner stattgehabten Vermählung und wünschen herzlichst aitD bi» Neue palästinensische Kompositionen Soeben erschienen im „Ibneh“-Verlag (vormals Figaro-Hofmeister-Verlag) zwei Lieder sowie zwei Stücke für Violine oder Cello mit Klavierbegleitung des jungen Komponisten Julius Chajes, der seit einigen Jahren am Tel- Aviver Konservatorium tätig ist. Die interessanten Werke weisen eine Gegenüberstellung der beiden Stilarten auf, die das heutige jüdische Musikschaffen charakterisieren, und zwar sind Cajes' Lieder im neupalästinensischen Stil (beduinisch-yemenitisch) und seine Instrumentalwerke im altüberlieferten Stil (synagogal) gehalten. Besonders bemerkenswert ist die Harmonisation der Werke, die — aus der Tonart der Melodien entnommen — mit der Melodie ein einheitliches Ganzes bildet. Wir sind überzeugt, daß die Werke eine wertvolle Bereicherung der neupalästinensischen Musikliteratur darstellen und auch beim Publikum großen Anklang finden werden. k. „Brutal.“ Dies ist der Titel des in der nächsten Zeit erscheinenden Großfilms der Universal. Victor McLaglen, Binnie Barnes, William Hall, Jean Dixon sind die Hauptdarsteller des Films. Histadruth Ivrith. Wegen der Feiertage entfallen die Seminare und Vorträge, Samstag, den 27. März, und Samstag, den 3. April. Zion stische Bezirks-Sektion Innere Stadt, I., Bauernmarkt 8 veranstaltet am 30. III. 1937 um 8 Uhr abends einen PESSACH ABEND! Festiede: Gemeinderabbiner Dr. Murmelsteir Heitere Vorlesung Dr. Max Präger Hebr. Palast. Lieder: Konzertsänger Segall Rosenbach. Der sogenannte grüne Zahnbelag bei Kindern ist eine sehr häufig beobachtete Erscheinung, die dadurch entsteht, daß infolge ungenügenden Putzens Speisereste — vor allem klebrige Zuckermassen — Gärungssäuren bilden, die eine Entkalkung der Schmelzschichte und eine Besiedelung der Zähne mit grünen Fadenpilzen herbe’fübren. Deshalb sollen auch die Zähne der Kinder mit einer geeigneten Bürste und Zahnpasta gründlich und regelmäßig gereinigt werden Üdol-Zahnpasta reinigt gründlich, ohne den Zahnschmelz anzugreifen, desinfiziert, ist von angenehmem, köstlichem Geschmack und verleiht reinen Atem. Odol- Zah n pasta wird erzeugt nach den von der VV.-V. der Zahnärzte Wiens approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der Zahnärztlichen und Phannakognostischen Institute der Universität Wien. DIE KINDER-STIMME Befreit Befreit! — Ruft jubelnd die Natur, Befreit! — So ruft’s aus Tal und Höhen laut, Grün schmückt der Wald sich, bunt die Flur, Und alles Starre — sieh! Es taut... Ober Seder-Ordnung Aue einer alten Hagadah (XV. Jahrhundert). Das hebräische Original iet im Germanischen Museum in Nürnberg. Auf seine Hände schüttet der Hausherr Wasser Und danket Gott dafür, daß eie nun nasser. Befreit! So rufst auch du, mein Volk, in treulichem Gedenken, StillhaJtend in des Alltags wilder Hast, Erzählst von Wundem, göttlichen Geschenken, Die dich befreit von Sklavenhast. Erzählst von Sklaven dienst und Not und Fron, Von Unterdrückers starrem Sinn und Plagen, Von Mosis Treue und von Pharaos Hohn, Von nächtlich raschem Auszug, kühnem Wagen... Wie sie vorbei an Meeresflut gezogen, Trockenen Fußes: heil und unversehrt, Und wie der Feinde Roß und Reiter in den Wogen Verschwanden, keineT wiederkehrt... Doch du, Israel, auch du zogst durch der Völker Fluten, Gingst heil und unversehrt hervor mit Sdegessang. Sie aber schwanden in den Gluten Des Weltgerichts, das sie verschlang... So zieh auch weiter durch der Völker wogend Schäumen, Wohin dein Moses, wo dein jüd'scher Sinn dich weist, Wenn eie auch wettersdhwer und drohend heut’ sich bäumen:.; Sie weichen scheu zurück — vor jüd’schem Geist... Flora Grünwald Ohne Febl’n nach altem Brauche, Petersilie in den Essig tauche. Die Knalben suchen das Dessert, Zu stehlen Ihrem Vater wert. Die Schüssel lassen in die Höh' sie schweben Und nun feierlich das Gebet erheben. Nach dem „Brot der Armut und der Pein“ Schüttet man den zweiten Becher ein. An seinen Vater rieht’ der Sohn die Frage: „Warum gesohiehet also an diesem Tage?“ Die zehn Plagen werden geschildert Von den zehn Plagen die erste Plage: Blut in jeder Stellung und Lage. Von der zweiten Plage sprich: „Frösohemengen alles beschlich.“ Finger Gottes ist es, dies Gottes der Reinheit, Die dritte Plage — Insektenkleinheit. Vierte Plage: Es kamen ohne Zahl Reißende Tiere nach Gottes Wahl. Fünfte Plage, Pest genannt, Brachte sie aus Rand und Band. Aussatz und Geschwür’ im Schlund Brachen hervor jede Stund. Die siebente Plage, Hagel und Wellenschaueir, Versetzte alles Lebende in große Trauer. Ja, das Fest der Befreiung ist wohl ein Freudenfest, aber auch ein Fest der wehmutsvollen Erinnerung. Einst, als unsere Väter noch im Heiligen Lande weilten, da war es ein Fest der ungetrübten Fronde. Aus allen Städten und Dörfern, von Norden und Süden, von Osten und Westen zogen die Stämme Gottes hinauf nach Jerusalem, der heiligen Stadt, und am Rüsttage des Festes sammelten sich hunderttausende der Söhne Israels am Temipelberge, ein jeder sein Opfertier mit sich führend. Dann öffneten sich die Pforten des heiligen Hauses und die Opfernden strömten hinein in den Vorhof, wo lange Reihen der Priester standen, um in goldenen und silbernen Gefäßen das Blut der Opfertiere aufzufangen und zum Altar Gottes zu bringen, während die Lewiten mit feierlichem, herrlichem Gesänge die Opferhandlung begleiteten. Wieder öffneten sich die Pforten, und nachdem die erste Abteilung den Vorhof verlassen, trat die zweite herein und nach dieser die dritte. Dann zogen sie in ihre Quartiere, um das Pessachlamm zu braten; am Sabbath aber warteten sie am Tempeiberge, bis die Nacht angebrochen war. Das war ein wahrhaftes Freudenfest, da gana Israel speisen durfte gleichsam vom Tische Gottes, verzehrend das gottgeweihte Opfer. Nicht durfte davon essen der Heide, auch nicht der Israelit, deT seinem Vater im Himmel entfremdet war durch sündiges Tun, auch nicht derjenige, der unbeschnitten war, selbst wenn die Bevschneidung hatte unterlassen werden müssen. Nur in Reinheit und Heiligkeit durfte das Pessaohopfer genossen werden. Da kamen eie zusammen aus allen Gauen des heiligen Landes, ein Volk von Brüdern. Von allen diesen Herrlichkeiten ist uns nur noch die Erinnerung geblieben; aber auch die Fähigkeit, sie wieder zu erlangen. Prlv. Schülerhoit CENTRAL!!./ (aborstra^e 8B Sprechstunde: Dienstag von 7 bis 8 Uhr abds. Telephon U 14-908 Gew. Schu!na<hhllfe Gymnastik Hebräisch Bastelkurse Achte Plage war: Heuschreckenarten Stürzen sich auf Felder und Garten. * * ¥ Der Hund den Herren beißt und leitet — Der in Finsternis einhersohreitet. Der Engel in Hof und Haus Den Erstgebornen macht den Garaus. Der Auszug mmm Im ersten Monat am 15. Tage Ward Israel erlöst von der Plage, Um Mitternachtsizeit setzte der Treiber Auf den bespannten Wagon die Weiber. Ganz. Israel schnürte die Bündel, Und mit ihm ziehen allerlei Gesindel. Hinter ihnen stürmt Pharao mit Infanterie', Und die Generale mit der Kavallerie. Auch an Pharao kam die Tour — Blinder Eifer schadet nur. Gott die Truppen Ägyptens verwirrt; In das Meer er sie einquartiert. 0 Herr! So reich an Lob und Macht! Erhell’ den Israeliten die Nacht. Vor ihnen ein Gottesengel flog Und hinten eine Wolkensäule zog. Alle Israeliten durchschritten Das gespalt’ne Meer in der Mitten. Mirjam nahm die Pauken und begann: „Dem Herrn will ich singen“ stimmet an. Von David Heinrich Müller und Julius von Schlosser «nnramwnmiiiranimffliminmffliduiiiiiiiiiniiiiiuimiiiiiiimiiiiiiniiiniuiiiminiinnimnimffl „Dies ist das Brot des Elends, das gegessen haben unsere Väter im Lande Mizrajim.“ In manchen Haggadoth steht (diese s) in manchen (wie dieses), in T : manchen beides. Vielleicht können wir diese beiden Lesarten erklären: In alten Zeiten lebte ein rechtschaffener, aber armer Mann, niedergedrückt von Kummer und Sorgen, mit den Seinen im tiefsten Elende. Alles, was er besessen, war bereits verkauft; sogar seine Kinder mußten als Sklaven dienen. Da besuchte ihn ein Jugendfreund, ein überaus reicher Mann, ein Großgrundbesitzer, und sprach zu ihm: „Komm mit mir, ich setze dich als Verwalter auf eines meiner großen Güter; dann bat all deine Not ein Ende!“ Nun begann ein Leben voll Glück und Freude, voll Wohlstand und Behagen für die Familie, die früher so unglücklich gewesen war. Und jedesmal am Jahrestage des frohen Ereignisses, da zog der Vater zum Andenken an sein früheres Eiend seine alten Lumpen an und verteilte, so geikleidet, reiche Geschenke an Frau, Kinder und Gesinde. Das war dann stets eine große Freude, wenn die Kinder den Vater in den zerrissenen und beschmutzten Gewändern erblickten.- Da geschah es, daß der Verwalter den Zorn des Grundherrn auf sich lud, der ihn forttrieb und ihm alles nahm, was er besessen und ihm nichts ließ als das Bettlergewand, das er mitgebracht hatte. Der arme Mann, dessen Kinder als Sklaven dienen mußten, ist Israel in Mizrajim. Da kam sein Jugendfreund, der Herr der Welt, der Heilige, gelobt sei er, und brachte Israel in das Land, das er den Vätern zugesohworen. Nun hatto alle Not oin Ende und am Jahrestage der Erlösung sprachen wir: „Wie dieses, war das Brot des Elends; es ist nur eine Erinnerung, damit wir im Glück der Zeit des Elends nicht vergessen.“ Aber wir haben unsern Freund erzürnt und mußten hinwegziehen aus der herrlichen Heimstätte, die er uns gewährt hatte. So müssen wir denn wieder essen das Brot der Verbann >W N£rn Sri »dieses ißt Tf~ T t ■* T das Brot des Elends“, das unsere Väter gegessen im Galuth Mizrajim; und noch müssen wir das Brot dor Verbannung essen; möge uns der Allgütigo recht bald daraus erlösen! Hagadah sehet PessactL Dr. M. Lehmann.