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Die Stimme · 1937-03-26 · Heft 631 (26.3.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 631 (26.3.1937)
Date
1937-03-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Wien, Freitag 26. Märe 1937. — Nr. 631. Oll STIMME Seite 3 Vom Weltrverbattd der Allgemeinen Zionisten Unter Vorsitz von Dr. I. Schwarzbart fand Om 21. März in Lemberg eine Sitzung der Europazentrale der Leitung des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten bei Anwesenheit von elf Mitgliedern der Leitung statt. In den Beratungen wurde die gegenwärtige politische Situation in Palästina, die Lage in der allgemein zionistischen Bewegung in den einzelnen Ländern, des Irguns der allgemein zionistischen Arbeiter in Palästina, der allgemein zionistischen Jugendorganisationen in der Galuth, sowie die Grundsätze der Kongreß-Plattform des Verbandes besprochen. Der Vorsitzende der Landesorganisation für Weefcgalizien und Schlesien, Dr. Ch. Hilfstein, wurde in die Leitung kooptiert, und es wurde unter anderem beschlossen, eine gemeinsame Sitzung der Europa- und Palästina-Zentrale vor der nächsten A.-C.-Sitzung, sowie die V. Weltkonferenz des Weltverbandes anläßlich des XX. Zionistischen Kongresses einzuberufen. Neue Vorstände Im Spital der Kultusgemeinde Der Kultus Vorstand hat zuan Vorstand der neugesohaffenen Herzstation Dozent Dr. David Schärf, und zium Vorstand des Ambulatoriums für Oh r e.nkrankheiten Doktor Martin Buch.band ernannt. Dozent Dr. David Schärf ißt eine international anerkannte Kapazität in »einem Fach, Dr. Martin Buchband, der langjährige Assistent von Prof. Heinrich Neumann genießt einem ausgezeichnetem Ruf alß Operateur. Die Besetzung dieser beiden Abteilungen ißt ein weiterer Schritt zu dem durch die zionistischen Kultusvoreteher eingeleiteten Aufbau deß Spitals der Kultusgemeinde, das eine Reihe von hervorragenden leitenden Ärzten im seinem verschiedenen Abteilungen aufweist.. DAS IST DAS NATURREINES KOKOSNUSSFETT ECHTE H'k'ä.'mul! Die Erzeugung steht unter Aufsicht Sr. Ehrwurden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. 800 Touristen in den letzten Tagen in Palästina eingetroffen. Aus J e r usalem meldet die JTA.: In der letzten Zeit läßt sich in Palästina eine verstärkte Touristenbewegung feststellen. Innerhalb weniger Tage sind über 800 Touristen eingetroffen. Gegenwärtig weilt in Palästina auch die Witwe des früheren amerikanischen Präsidenten Taft. Sie hat Haifa, Jerusalem und andere Teile Palästinas besucht. Jüdischer Kulturpavlllon auf der Pariser Weltausstellung. Aue Paris meldet die JTA.: Auf Initiative des jiddischen Sohulverbandes und des jiddischen Schriftsteller- und Journalistenvereines in Warschau wird auf der Pariser Weltausstellung ein jiddischer Kulturpavillon amfgebaut, in welchem die jiddische Kulturbewegung in den verschiedenen Ländern dargestellt werden wird. In Bildern, Diagrammen usw. werden die Besucher über Schulwesen, Wissenschaft, Buch, Presse, Theater, Volkßibildungswesen, Malerei, Plastik und Körpererziehung des jiddischen Kulturkreises informiert werden. Die Organisierung des Pavillons übernahm der Mitbegründer und Leiter des Wilnaer Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts Dr. Max Weinreich. Polnischer Lehrerverband gegen Arierparagraph. Aus Warschau meldet die JTA.: Der polnische Lehrer verband, der etwa 55.000 Mitglieder zählt, hat einen Antrag auf Einführung des Arierparagraphen mit Ausschluß der jüdischen Mitglieder fast einstimmig abgelehnt. Hitlermedaille abgefeimt. Aus Tartu wird gemeldet: Der deutsche Generalkonsul in Tartu, Hermann, wurde von Hitler beauftragt, d-ie Olympia-Medaille dem früheren Präsidenten von Estland, Prof. Jaan Tönisson, zu überreichen. Prof. Tönisson, einer der Vorkämpfer für die Freiheit Estlands, Führer der demokratischen Mittelpartei, der einige Male Präsident der Republik war, lohnte es ab, die Medaille zu empfangen. Mitteilungen des Baalelt Mlkxoah Mittwoch, den 81. März entfällt die Zusammenkunft. Freitag, den 26. März entfällt die Sprechstunde des Referenten. Noch wissen viele Zionisten nicht, daß die Buchhandlung R. Löwit (Inhaber Dr. Medr Präger), Wien, I., W o 11 z e 11 e 6—8, früher Roteiiturmstraße, größte Auswahl an jüdischer und hebräischer Literatur bietet, jedes jüdische Buch unverbindlich zur Ansicht versendet und auch gern Teilzahlungen für größere Anschaffungen gewährt. Wenden Sie sich für Ihren gesamten jüdisch-literarischen Bedarf an Dr. Präger (R. Löwit), Wien, I., Wollzeile 6—8, Telephon R 25-4-53. Shemen Palästinaprodukte, Generalrepräeentanz: Rabinowitsch, U., Zirkusgasse 10, Tel.: R 48-7-38. Das Budget der Kultusgemeinde Mittwoch trat der Vorstand der Kultusgemeindie zur Beratung des Budgets für das Jahr 1987 zusammen. Es weist einen Ab gang von rund 300.000 Schilling auf, für dessen Ausgleichung das Präsidium dem Kultus Vorstand bestimmte Vorschläge macht. Die Inanspruchnahme der Kultusgemeindeist entsprechend der Verschlimmerung der allgemeinen Situation wesentlich gestiegen, während aus derselben Ursache heraus sieh auf der Einmahmensedte Schwierigkeiten ergeben. Die Kultusgemeinde ist aber trotz allem allen ihren Aufgaben gerecht geworden und sie beabsichtigt auch im neuen Budgetjahr ihre Institutionen voll aufrechtzuerhalten und zum Teil auch auszubauen. In Zeiten der Not ist die Kultu-gemeinde die einzige Stelle, die helfen kann, wie sich überhaupt auf Grund der Entwicklung der .Dinge das jüdische Leben in allen seinen Auswirkungen immer mehr auf die Kultusgeimeinde konzentriert. Vermehrte Aufgaben müssen darum vermehrte Anstrengungen zu ihrer Bewältigung hervorrufen. Zu Beginn der Sitzung verlas Dr. Josef Löwenherz den Bericht der Amts dir ektion, dem wir folgendes entnehmen: Rückgang der Juden in Wien . Das Matrikel amt der Kultusgemeinde gibt 99 Anzeigen über Austritte aus der israelitibekannt, daß' in der ‘ Zeit vom 1. Jänner biß ‘ sehen Religionsgemeinschaft eingelangt, wäh- 28. Februar 1937 die Zahl der Trauungen 157 ' read im Rabbinate der Kultusgemeinde 39 Perbetragen, der Scheidungen 47, der Geburten j sonen ihren Eintritt ins Judentum, beziehungs- 106, und zwar 54 männliche und 52 weibliche, i weise ihre Rückkehr zum mosaischen Glauben der Stejbefälle 517. I vollzogen haben. Von dein magistratischen Bezirksämtern sind Die Pessach-Aktion der Kultusgemeinde renz zwischen dem Ergebnis von 1936 und dem Präliminare von 1937. Rückgang der Einnahmen Die rückläufigen Einnahmen müssen durch besondere Mittel ergänzt werden. Die ein» zelnen großen Posten stellen sich folgendermaßen dar. Zunächst das Friedhofwesen. Im Jahre 1936 wurden 17 Beerdigungen I. Klasse, 46 Beerdigungen II. Klasse, 245 Beerdigungen III. Klasse, 558 Beerdigungen IV. Klasse gegen Erlag der vollen Taxe durchgeführt, während 440 Beerdigungen IV. Klasse zu ermäßigter Gebühr übernommen und 1135 Beerdigungen unentgeltlich durchgeführt wurden. Es wurden also von 2534 Leichenbegängnissen 1135 ganz unentgeltlich übernommen, während bei 440 Beerdigungen ein Beitrag geleistet wurde, der auch nicht annähernd die Selbstkosten deckt. Wenn das Budget hier doch eingehalten werden konnte, so war das auf eine rechtzeitige Regulierung des Taxwesens zurückzuführen. Der Andrang der Bedürftigen zur Pessach- Aktion ist im heurigen Jahre ein ganz besonderer und trotz größter Sparsamkeit sind für diese Aktion große Mittel erforderlich. Die Aktion erstreckt sich auf die Verteilung von Lebensraittelpaketen, von Mazzoth, ferner auf die Armenausspeisung in neun Ausspebestellen, auf die Veranstaltung von Seder-Abenden für Unbemittelte usw. Sederfeiern für die Schuljugend Über Intervention der Kultusgemeinde wurden zahlreiche Kinder durch Schulkollegen, in deren Elternhaus Sederfeiern stattfinden, eingeladen. Diese Bemühungen waren von großem Erfolg begleitet, so daß zum Beispiel am Akademischen Gymnasium bis auf fünf Kinder alle Schüler an einem privaten Sederfeste teilnehmen. Diese fünf Schüler sind zu einer von der Kultusgemeinde veranstalteten Sederfeier eingeladen. Die Kultusgemeinde veranstaltet acht eigene Sederfeiern für Schulkinder, die sonst keine Gelegenheit hätten, an einer solchen teilzunehmen. Bei vier Feiern erhalten die Kinder ein vollständiges Nachtmahl, während bei den vier anderen, die am Nachmittage abgehalten werden, eine Jause verabreicht wird. Die Zahl der Anmeldungen zu diesen Feiern beträgt 827. >Auch für erwachsene Gehörlose wird eine eigene Sederfeier für zirka 60 Personen veranstaltet, die von einem Tauibstummenlehrer geleitet werden wird und eigene Gottesdienste für Gehörlose werden am Pessach im kleinen Tempel in der Tempelgasse abgehalten werden. Das Finanzexpose Weniger Scheidungen Interessant ist dag Kapital Scheidungstaxen. Hier ist ein Rückgang zu verzeichnen, der aber vor allem auf die erfreuliche Tatsache des Rückganges der Scheidungen zurückziiflihren ist. Im Jahre 1936 gab es in Wien 331 Scheidungen gegenüber 406 Scheidungen im vorangegangenen Jahre. Im Budget wirkte sich das derart aus, daß die Eingänge auf diesem Posten von 23.167 auf 15.741 S zurückgegangen sind. Auch hier wurde eine Regulierung der Taxen vorgenommen, die eine imgüustige Verschiebung des Budgets verhinderte. Ein empfindlicher Rückgang ist auf dem Gebiet der Betliausspenden, und zwar von rund 98.000 auf rund 83.500 S zu verzeichnen, während der Erlös aus den Befchaussdtzkarten um 8000 S zurückgegangen ist. Dann ergriff der Präsident der Kultus gemeinde , Staatsrat Dr. Desider Friedmann das Wort, um in seiner Eigenschaft als Finanzreferent das Finanzexposö zu erstatten. Er stellte zunächst fest, daß sich die Kultusgemeinde an die bisherige Gepflogenheit gehalten habe, das Budget auf Grund des tatsächlichen Ergebnisses des vergangenen Jahres zu erstellen. F&r 1937 sind Ausgaben von 6,311.580 S präUminiert, während die Einnahmen mit 6,006.980 S angenommen sind, so daß sich ein Gebarungsabgang von 304.600 S ergäbe. Im Jahre 1936 waren 6,228.730 S Ausgaben und 6,027,970 S Einnahmen präliminiert, so daß man mit einem Abgang von 200.760 S rechnete. Die tatsächlichen Ergebnisse des Jahres 1936 zeigen eine Überholung der Ansätze des Budgets auf beiden Seiten. Die Ausgaben waren tatsächlich 6,837.865 S, die Einnahmen 6,818.770 S, so daß das Defizit auf 24.095 S herabgedrückt wurde. Es ist hervorzuheben, daß gewisse Aktionen, und zwar die Deutschland- und Flüchtlingshilfe, die Aktion „Kinder aufe Land“ und die Winterhilfsaktion ins Budget nicht eingebaut wurden. Das geschah darum, weil budgetäre Mittel für diese Aktionen überhaupt nicht vorhanden sind, so daß diese nur in dem Maß durchgeführt werden können, als anderweitige, niohtbudgetäre Mittel dafür zur Verfügung stehen. Im Jahre 1986 waren diese Aktionen noch im Budget enthalten. Der Umstand, daß dies diesmal nicht der Fall ist, ergibt eine entspreche’'de Diffe¬ Spital, Altersheim, Kinderambulatorlen Im Spital haben sich die Verpflegskosten auf 14.97 S pro Tag erhöht gegen 14.80 S bn , Jahre 1935 und 12.30 S im Jahre 1934. Die Summe der Verpflegstage betrug im Jahre 1935 noch 60.771, während sie im Jahre 1986 auf 59.866 zurückging. Das Spital erforderte einen Zuschuß von 100.015 SJ, wobei nur ein geringer Teil auf außerordentliche Ausgabe, besonders die Einrichtung der Radiumstation entfiel. Iin Altersheim stieg das Defizit im Jahre 1936 auf 185,936 gegen 174.307 S im Jahre 1935. Wir müssen mit dieser Tendenz im Jähro 1937 weiter rechnen, zum Teil darum, weil die Zahl der Pereonen, die für Ango-

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