Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 630 (23.3.1937)
- Date
- 1937-03-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3053752-3054338-3054386--6563-3062429- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 DIE STIMME Wien, Piormfiu Mürz 1937. — Nr. (333. 43.000 Siedler auf KKL.-Boden. Ans 'J er us alc m wird gemeldet: Nach den letzten Zäfdungen der Jcwish Agencig leben heute auf Kcrcn-Kajcmeth-Bodcn in Stadt und Land etwa. 45.000 Menschen, das sind 11 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung Palästinas. Auf Kindlichen Besitzungen des Keren Kajemeth leben 31.000 Personen, d. i. ein Drittel der jüdischen Landbevölkerung. Jabotinsky von General Hertzog emp fangen. Ai:*s J o h a im is 'b u r g wird gemeldet: Der Ministerpräsident der südafrikanischen Union, General Hertzog, empfing am 18. März den Präsidenten der Neu- Zionistischen Organisation, Wladimir Jabotinsky nnd da- Mitglied der Exekutive der N. Z. 0., Ing. »S. Y. Jaeobi. die sieh gegen ■wärtig zu Besuch in Südafrika befinden, in Ali lienz. Dm- Audienz folgte ein Frühsten dem die Minister Kemp und Groebler. der südafrikanische Kommissar für Palästina, Michael Ha.skcl, und die Untenstaatcöokretäre des Innen- und Außenministeriums beiwohnten. Tel-Aviv errichtet Max Nordau ein Grabmal. Aus Tel-Aviv wird gemeldet: Der Siadtrat von Tel-Aviv hat beschlossen, Max Nordau, der seit elf Jahren auf dem Friedhof von Tcl- Aviv beerdigt ist, einen Grabstein zu setzen, um dem beschämenden Zustand ein Ende zu machen, daß für den hervorragendsten Mitstreiter Theodor llerzls kein Grabdenkmal vorhanden ist. Die Rettung der jüdischen Kinder aus Deutschland. Aus Berlin wird gemeldet: Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland deilt mit, daß im Jahre 1936 604 jüdische Jugendliche ans Deutschland in Palästina und 237 in den Vereinigten Staaten, uni zwar bei jüdißchen Familien in 20 Staaten, untergebracht wurden. Die Aktion zur Unterbringung von Jugendlichen in Amerika soll jetzt verstärkt Werdern. „Ich bin nichts, aber der Jude Ist noch .weniger,“ Aus Zürich wird gemeldet: Im Rahmen einer Veranstaltung der Kadimah sprach Thomas Mann über Antisemitismus. Der Antisemitismus, so führte er aus, ist die „Aristokratie des Pöbels“, dessen Devise es ist: „Ich bin nichts, aber der Jude ist noch weniger.“ Jeder freie Mensch sollte gegen diesen Dünkel ankämpfen. Leider haben sich auch geistige Menschen der Pöbelherrscbaft zur Verfügung gestellt. Die Juden sind als geistiges Element von größter Bedeutung geworden, weil sie die ,Verbindungskomponente zwischen der mediterianed8chen und der europäischen Kultur sind; ihr historischer Anteil an der Kulturentwicklung ist ebenso groß wie der der Griechen. Daß die Juden immer noch unter uns wandeln, bedeute, daß sie noch eine große Zukunft haben; das Leben braucht sie noch. Neue litauische Verfassung hält Minderheitenschutz aufrecht. Aus K a u n a s wird gemeldet: Die neue litauische Regierung hat den Entwurf einer neuen Verfassung ausgearbeitet, der dem, Parlament nach den Osterferien unterbreitet werden wird. Die geplante neue Verfassung sieht Bestimmungen vor, durch die die kulturellen und nationalen Reckte der Minderheiten gewährleistet werden. 1—IM Tu Deine Pflicht I -•/ \ W: , ’■ •F A -g;.vg Erwirb und verbreite den Schekel I Melde Dich zur Mitarbeit bei der nächsten Bezirkssektion! Holländisch-jüdischer Gelehrter Offizier der Ehrenlegion. Aus Amstcr d a in wird gemeldet: Der Präsident der französischen Republik Lebrun hat den bekannten holländisch-jüdischen Gelehrten Pr. W. J. de Haas. Professor der Staats Universität, in Leyden, zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Salzgewinnung aus dem Toten Meer um 70 Prozent gestiegen. Aus Jerusalem wird gemeldet: Der Export von Pottasche und Bromsalzen aus dem Toten Meer durch die Paiestine Polash Company ist im Jahre 1930 regen über dem Vorjahre um 70 Prozent gestiegen. Bel den Bromsalzeu allein beträgt die Steigerung 87 Prozent, bei Pottasche 0(5 Prozent. Der vermehrte Export ist zum Teil auf die ei höhten Anforderungen der Riistungsindustrie zurückzufiihren. Dr. Josef Rufeisen — 50 Jahre alt. Aus Prag wird gemeldet: Am 20. März vollendete Doktor Josef Rufeisen in Mährisch-Ostra,u, seit 15 Jahren Vorsitzender des Zionistischen Zentraiverbandes in der Tschechoslowakei, sein 50. Lebensjahr. Dr. Rufeisen nimmt nicht allein in der zionistischen Bewegung in der Tsechoslowakischen Republik, sondern auch in der Zionistischen Weltorganisation einen angesehenen Platz ein. Er ist Mitglied des Zionistischen Aktions-Komitees, fungierte wiederholt als Vizepräsident des A. C. und gehört .auch dem Bankausschuß der Z. O. an, dessen Beratungen er während der letzten A. C.-Tagung geleitet hat. Auf den Zionistischen Kongressen fanden seine Anregungen auf finanzwirtschaftlichem Felde viel Beachtung. Vortrag Dr. Alfred Werner. In unserer sohnellebigen Zeit sinken Wahrheiten oft zu Schlagworten herab, Worte, denen Heiligkeit anhaftet, werden als Scheidemünze des Alltags schmutzig und verbraucht, man vergißt ihren ursprünglichen hehren Sinn oder er wird im politischen Kampfe von Freund “und Feind umgebogen, ja sogar verfälscht. So ist auch den meisten die Bedeutung des Bibelwortes vom „auserwählten Volk“ verloren gegangen, zu unserem Schaden, denn an dieses Wort knüpft sich in gleicher Weise der unvernünftige Haß unserer Feinde wie die Sehnsuchtshoffnung unserer bedrückten, aber doch einem neuen Leben entgegensehenden Gemeinschaft. Im „Ring der Altherren-Verbände“ wird am Montag, den 5. April, Dr. Alfred Werner einen Vortrag über das Thema ,A u s e r w ä h 11?“ (M ytlios und Magie des jüdischen Volkes) halten, der sieh mit dem in der Auserwähltheit enthaltenen Fragenkreis läuternd a us e i n a nd o rse tzen will. Mussolini ira Juden viertel von Tripolis. Aus Rom wird gemeldet: Ministerpräsident Benito Mussolini besuchte am 17. März das Judenviertel von Tripolis, wo ihm die Bevölkerung einen begeisterten Empfang •bereitete. Die Makkabi-Jugend hatte eine Ehrengarde gestellt. Oberrabbiner Dr. Lattes hieß Mussolini im Namen der jüdischen Bevölkerung willkommen und sprach die Hoffnung aus, daß das faschistische Italien seiner Tradition des Schutzcvs der jüdischen religiösen Rechte stets treu bleiben werde. Mussolini zeigte sich hocherfreut über den herzlichen Empfang und sprach dem Oberrabbiner seine Genugtuung über die Huldigung der Juden von Tripolis aus. Pachtvertrag des jüdischen Werkdorfes in Holland verlängert. Aus A in s t e r d a m wird gemeldet: fin Oberhaus ries niederländischen Parlaments gab der Minister für Bauten und Straßen bekannt, daß der am 1. November 1936 abgelauf'ene Pachtvertrag des jüdischen Werkdorfes im Wieringernieerpolder für weitenzwei Jahre verlängert worden ist jüdische Zöglinge dorf. Gegenüber judenfein-liii-lier Stützung dieses Werkes durch die erhoben wurden. Regierung half i Stützung zu linge naeh Im Dezember gab es 132 aus Deutschland im Werkden Einwänden, die von Seite gegen die TJnterjiidisehen Ausbildungsnie<Ierlündische Rognerung erklärte der Minister, die eine Ursache, ilie-e Entcrvi'j-vveigern, da '.amtliche Zügvoilendet.er Ausbildung nach Dr. med. Sibylle Lichtenstein. An der Grazer Universität wurde am 18. d. Frau Sibylle L i e h t-e n s t e i n, Ausschußmitglicd der' Grazer WIZO, zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert. Die junge Ärztin ist die Gattin unseres G»'g. Dr. Adolf Lichtenstein, Vorsitzenderstellvortreter der Zionistischen Ortsgruppe, und Tochter des Kultusrates G.g. Max Tarter in Graz. Siegmund Jellinek achtzig Jahre alt. Am 17. März feierte der Nestor der. österreichischen Kantorenscliaft, Oherkantor Siegmuml J eil inek, in voller Rüstigkeit seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar, Vater unserer Gg. Dr. Karl Jellinek und des Oberlehrers Max Jellinek, wurde wegen seines ckaritativen Wirkens vom Bundespräsidenten mit der großen silbernen Verdienstmedaille ausgezeichnet. Er erfreut sich in der Stadt Hollabrunn größten Ansehens und war anläßlich des seltenen Festes Gegenstand zahlreicher Ehrungen. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, I., Kohlmessergasse 4, Tel. U 27-0-65, sucht dringend Stadien für: A) Kontoristen, Buchhalter,’ Handelshilfsarbeiter, Geschäfts* d jener, Packer, Inkassanten, Verkäufer, Ausiageiia-rrangeure, Kellner, Kranken pflege rinnen, Masseure, Bademeister, Nachluilfelchror und dehrerinnen für Mittelschulfächcr, Musiker für Konzert-, .Jazz- und SUrmnungskapelliMi. B) Arbeit für gewerbliche Kräfte aller Art — darunter auch Chemiker, Elektrotechniker (Tleiznugsteclmiker), Installateure, Bau-, Maschinen- und Chemieingenieure, Chauffeure Der Schweizer Staatspräsident Dr. Motta hat sieh im Rahmen der Debatte, die sich an die Anerkennung der Schweizer Unabhängigkeit und Staatshoheit durch Hitler ankniipi'le, aufs entschiedenste gegen die Behauptung zur Wöhr gesetzt, daß die politischen Zugeständnisse seitens des deutschen Staatsoberhauptes durch die Bereitwilligkeit der Schwei/, zu einem Kulturaustausch erkauft, worden seien. Kann es etwas Groteskeres geben, als diesen Argwohn und seine Abwehr? Ist nicht der Kulturaustausch eine Selbstverstündlichkcifc zwischen europäischen Staaten, und speziell zwischen deutschsprachigen? Und hat sich diese Selbstverständlichkeit nicht gerade zwischen der Schweiz und den anderen deutschen Ländern mit der Zwangsläufigkeit eines Naturgesetzes durchgesetzt? Seit im 13. Jahrhundert der Schweizer Ritter Rudolf von Ems in seiner „Weltchronik“ das Alte Testament in deutsche Reime gebracht, und in seinem Gedicht „Der gute Gerhard“ eine rabbinischc Erzählung ins deutsche Kaisermilieu verlegt hat, bis zur Berufung Einsteins aus der Schweiz, wo er seine Relativitätstheorie publiziert hatte, an eine reichsdeutsche Hochschule, hat die wechselseitige Bereicherung mit geistigen Gütern, wobei beide Teile abwechselnd Gebende und Nehmende gewesen sind, niemals geruht. Erst der Hall. Einstein hat in dieser Entwicklung die Rolle eines Marksteins gespielt, der dem natürlichen Zustand eino jähe Grenze gesetzt hat. Wäre der Verkünder der Relativitätstheorie ein Arier, dann hätten sich die deutschen Naaiführer kaum jemals versucht gefühlt, sieh mit dieser schwierigen, auch hochgebildeten Menschen oft unzugänglichen Materie kritisch auseinanderzusetzen. So aber ist der Gelehrte ein Jude, und das vereinfacht natürlich den Hakenkreuzköpferln die Stellungnahme zu dem Problem. Es ist selbstverständlich ein jüdischer Schwindel, dem keinerlei wissenschaftliche, sondern höchstens eine — politische Bedeutung beizumessen ist, nämlich insofern, als der Versuch Einsteins, Unordnung in die Sternenwelt zu bringen, als Beweis für die — bolschewistische Veranlagung der Juden herhalten muß. Diese gediegene Beweisführung fanden wir übrigens nicht in einem Naziorgan des j Dritten Reiches, sondern in einem Wiener katholischen Blatte, das sonst oft sehr herbe Worte der Kritik über die kulturelle Unzulänglichkeit und Anmaßung des deutschen' Nationalsozialismus findet, aber in diesem speziellen Falle offenbar selbst ein Opfer des zwischen dem Hitler-Reiche und Österreich angebahnten Kulturaustausches wurde. Man kann es den Schweizern wahrlich nicht verübeln, daß sie eino solch o Infizierung mit den Geist, und Kultur vergiftenden Miasinon des Nazismus wie die Pest fürchten, so daß ihre höchste Autorität, das »Staatsoberhaupt, zur Beschwichtigung der Panik eingesetzt werden muß, die das Gerücht von einem bevorstehenden Kulturaustausch zwischen den heutigen Volksgenossen Wilhelm Teils und dem geistigen Zwing-Uri, das das Dritte Reich darstellt, in der Schweiz Iiervorgerufen hatte. Romain Rolland sagt in einem seiner Romane: „Nirgends wird so viel wertlose E raatzwaro eingeschmuggelt wie beim Austausch von Ideen.“ Und wie man aus don letzten Hitler-Reden weiß, wirft sich gerade das heutige Deutschland mit dem größten Eifer auf die Er/.öiiguug von E r s a t z w a ren. Die Wertschätzung, deren sich solche bei den Naziftihrern erfreuen, hat ja vor kurzem sogar dem im Exil verstorbenen Juden Dr. Fritz Haber, weil er als Ersatz für den C’liile- sowie ungelernte Arbeiter. G) Handwerkliche I Salpeter »Stickstoff aus der Luft zu gewinnen Palästina oder Südamerika aus wandern. und kaufmännische Lehrstellen für Knaben und Mädchen, tm sellien Verein sind derzeit offene Stellen für: Kindcil'rüuioin mit und ohne »Sprnelieukemitnhss. n für In- und Ausland, Erzieherinnen mit, MitM-cImlnaehhilfo und l'i'omdsnrarhen. Out oingrarbeitoto Konfektionsiulherinnen ('Werkstätten- und Heimarbeit;, Hauspersonal jeder Art. Diverse A u s 1 a n cl sstellen für dcutsoho E m i g r a n t e u. imstande war, die posthume Ernennung zum „D e u t, s c li e n“ eingetragen, immerhin war diesor Dr. Haber soviel »Judo, daß sein Ersatzstoff sieh als sehr nützlich bowährto und «einen Landsleuten das Purehhnltcn im Kriege über das von der Natur goetecktc Maß, das die Unzulänglichkeit dor deutschen Führung nicht abzuschätzen vermocht hatte, hinaus ermöglichte. Von den Ersatzstoffen, die die rassisch geeichten Nazi bisher geliefert halien, läßt sich ähnliches nicht behaupten. Da hilf zum Beispiel ein Professor Hermann Wirth im «Iahre 1933 einen Ersatz für die j fi d i s e li e B i b e 1 schaffen wollen, und zu diesem Zwecke eine angeblich ins zum vorchristlichen Jahre 2193 zuräckreichende ,JJra- L i n d a - C h r o n i k“ veröffentlicht, die er mit folgenden Worten anpries: „Die Ura-Linda- Chronik befreit uns Nordische ein für allemal von der tragischen Verirrung unserer Geistesgc.M'hichte, dem sogenannten Alten Testament. An Stelle dieses Alten Testaments mit seinem entwendeten, enteigneten Lelmgut tritt nun das ältere und älteste Testament des Nordens . Leider Avurdc jetzt chemisch festgesleilt,, daß das Papier dieses „ältesten Testament..:! des Nordens“ aus der Mitte des 19. Jahrhunderts j stammt, und das ganze Machwerk somit noch j keine hundert, Jahre alt. ist. „Entwendet“ und j „enteignet“ ist cs allerdings nicht, bloß cr- ' fanden. Aber auch als Erfindung repräsentiert j es keinen Originalwert, sondern stellt, Idoß eine j ins Germanische transferierte Nachahmung dor Königinliol'or Urkunden dar, dio im vn i :on Jahrhundert „entdeckt“ und von den Tschechen als Beleg für ihre jahrtausendealt'* Gesell i eilte begrüßt wurden, bis Professor M asa ryk diesem Traum kaltblütig mit der Entstellung ein Ende machte, daß cs sich um eine Fälschung handle. Der Gelehrte hat sich damals nicht gescheut, sich bei seinem Volke höchst unpopulär zu machen. Das hat ihn später nicht gehindert, als Präsident-Befreier der Tschechoslowakei den höchsten Ruhmestitel seines Landes zu genießen — immerhin ein erfreulicher Bewe.i*s, daß mau auch als Fanatiker dor Wahrheit politische Karriere machen kann. Hitler propagiert in seinem Buche „Mein Kampf“ die entgegengesetzte Methode. Und wie sieghaft sich dieser Standpunkt der obersten Reichsfilhrung bereits durchgesetzt hat, erhellt eindeutig aus der Angleichung selbst solcher wissenschaftlicher Werko, die bereits eino ruhmreiche Tradition zu verteidigen hätten, an dio Moral des Nazismus. So berichtet, wio unsere Leser schon wissen, dio eben erscheinende 8. Auflage von Meyers Konversationslexikon, daß Dollfuß be-» reits 1933 ermordet worden i»st, und zwar von einem „Marxisten“. Wenn das einst als Nach* schlagewerk unentbehrliche Loxikon schon mit Tatsachen, die noch in jedermanns Gedächtnis sind, so umspringt, dann kann man sich vorstellen, was für Geschichtsklitterungen mit weiter zurückliegenden Ereignissen, die den Nazi irgendwie unbequem sind, vorgenommen wurden, besonders mit solchen, an denen Juden beteiligt waren. Während sich jedoch über antisemitische Verleumdungen niemand aufregt, hat es heftigo Erbitterung in der österreichischen Öffentlichkeit hervorgerufen, daß auch der populäre Orden der Barmherzigen Brüder Objekt der nationalsozial-istischon Ehrabschneiderei geworden ist. Umsonst hat dio Wiener Zeitschrift dieses Ordens, „Der Menschenfreund“, vor einigen Monaten judenfeindliehe Argument« gegen das Aulbauwerk in Palästina veröffentlicht. Damals luit es noch keine Kulturkommission zwecks reibungslosen Austausches von geistigen Gütern zwischen Österreich und Hitler-Deutschland gegeben, und wahrscheinlich war das dio Ursache, daß dieser Artikel des barmherzigen „Menschenfreundes“ drüben unbeachtet und auf die Wertung des Ordens im Lexikon oluio Einfluß geblieben ist. Es ist also ein Zeichen von Mut, daß dio »Schweizer auf die Errichtung einer solchen Kulturkommission und auf den ganzen Kulturaustausch mit dem Dritten Reiche verzichten. Wahrscheinlich ist dabei die Erfahrung ausschlaggebend, daß das »Schlagwort ..Austausch“ nur eino Tarnung für einseitige Propaganda der Nazi bilden würde. Bestünde im Dritten Reiche ein aufrichtiges Interesse für Schweizer Kultur, dann hätten die Hakenkreuzler schon längst und öfter Gelegenheit gehabt, von dieser zu profitieren. Ein Berner Gerichtshof hat die „Protokolle der Weisen von Zion“ als Fälschung erwiesen. Die Nazi haben dies ali.u* nicht, zur Kenntnis genommen, sondern ihren „.Sachverständigen“, der sieh in Bern mit dein Nachweis der Echtheit der „Protokolle“ unsterblich blamierte, zur Leitung einer in Erfurt zentralisierten WcUpropaganda des Judenhasses autorisiert. In Chur hat das Gericht eindeutig fostgostollt, daß Frankfurter seinen Mord an dem Naziaigenton Custloif aus eigenem Antrieb und ohne jeden Helfer begangen hat. Das hindert die amtliche Propaganda des Dritten Reiches nicht, nach wio