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Die Stimme · 1937-03-19 · Heft 629 (19.3.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 629 (19.3.1937)
Date
1937-03-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Kr. 629. Wien, Freitag, 19. März 1937. DIE STIMME Sott« 3 DAS IST DAS ECHTE Illltl NATURREINES KOKOSNUSSFETT Die Erzeugung steht unter Aufsicht Sr. Ehrwurden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersbwrg. Wieder Sturmtage in Erez Israel „Finanzielle Rassenschande“ Das ist ein Wort aus dem reich »deutschen Schatz, und die Vorstellung, die es wecken soll, dringt jetzt auch in Österreich ein, als Folge des Kulturaustausches. Das ist teils eine Erscheinung der austrodoutschen Assimilation, teils ein Geschäft. Hauptsächlich das letztere. Von den Juden leben, ist eine Weltanschauung geworden, die sich bezahlt macht. Und so ist auch Karl Nowak, der Herausgeber des „Wirtschafter“, zum Hakenkreuz abgewandert. Der Mann sieht aus wie aus Streichers „Stürmer“ herausgeschmi'tten, aber dieses Exterieur hält ihn nicht ab, sich nach der Berliner Doktrin umzustellen. Sein Blatt galt einstmals als beachtenswert. Heute geht es ihm so wie den früher so hochangesehenen medizinischen Fachblättern Deutschlands, die jetzt jeder Leser angewidert. wegwrrft. Karl Nowak war, als noch der Generaldirektor Berliner lebte, ein Bewunderer der Genialität dieses Wirtscbaftamannes. Ais Berliner starb, erhielt Nowak vier dicke, fette Todesanzeigen, und er brachte sie in seinem „Wirtschaftler“, in einer sohwarzgeränderten Ausgabe, die das Lob des Toten in langen Dithyramben kündete. Darm kam die „Affäre“, über den toten Berliner konnte, sollte, mußte jedeT den Jauchentopf aoisleeren. Dem Karl Nowak ist es nun eingefallen, daß auch, er sich umstellen muß, und so ist Mitte Februar in einer Beilage zu seinem Blatt ein Aufsatz herausgekommen, der über den toten Berliner alles das zusammentrug, was nationalsozialistische Ideologie nun einmal über Juden zu sagen weiß. Die „finanzielle Rassenschande“ wird darin abgewandelt — der Uniwersitätsprofessor Dr. Knoll scheint das gelesen zu haben — und schließlich wird mit dem kleinen Wi r t s c h af t s p o gr o m gedroht, Und wer schrieb diesen Aufsatz? Der ungarische Jude Stefan K o r e i n, dessen Familie in der Slowakei lebt. Wae dem Arier Nowak zu schmutzig ist, läßt ©r durch den jüdischen, sagen wir, Ehrenmann, besorgen. Man kann über dieses Thema nichts weiter sagen. Nowak gehört zu Korein, Koredn gehört zu Nowak, und beide zum Hakenkreuz. Ausweisung Smolars auf unbestimmte Zeitverschoben. Aus Berlin meldet die JTA.: Nach Verhandlungen zwischen dem amerikanischen Generalkonsul in Berlin, Douglas Jenkins und Konsul Geist einerseits, und dem Stellvertreter des Gestapo-Oberhaupts Himmler, Herrn Heydrick, anderseits wurde die Wirksamkeit der Auisweisimgtsorder der Gestapo gegen dien Chefkorrespondentender Jüdischen Telegraphen-Agentiir, Boris Smolar, auf unbestimmte Zedt verschoben. Eine Abordnung deis Vereins der Auslandspresse erschien beim Chef der Presseabteilimg des Berliner Auswärtigen Amtes, Herrn Aschmann, und ersuchte ihn, dahin zu wirken, daß die Ausweisuingsorder gegen Boris Smolar zurückgezogen weide. Irische Politiker gegen antisemitische Hetze. Aus Dublin wird gemeldet: Der jüdische Abgeordnete des irländischen Parlaments Robert Brisooe, der in dem Kampf um die Unabhängigkeit Irlands eine hervorragende Rolle gespielt hat, hielt eine Rede zur Abwehr verleumderischer Angriffe des Abgeordneten Beiton. Insbesondere verwahrte sieh Abgeordneter Briecoe gegen die Gleichsetzung von Judentum und Kommunismus. ,Die Juden seien gute Bürger des Staates und bereit, Freud und Leid ihrer Mitbürger ebenso zu teilen, wie sie in der Vergangenheit an dem Kampf für die nationale Unabhängigkeit teilgenommen haben. Außer Briecoe verwahrten sich auch mehrere nichtjüdische Abgeordnete aufs schärfste gegen das Hineintragen von Judenhaß in die Beratungen des Dail. In diesem Sinne sprar ohen u. a. der Finunziminister Sean MoEntee und der FtlhreT der irischen Arbeiterpartei W. Norton. Max Kollenscher gestorben. In Tel-Aviv ist Max Kollenscher, einer der bekanntesten Führer des deutschen Zionismus, im 62. Lebensjahre gestorben. Sein Tod ist ein schwerer Verlust für die „Stimme“, die wiederholt ausgezeichnete Artikel K oll pusch ers über die Entwicklung in Palästina veröffentlicht hat. Kollensohers Aufsätze wurden wegen ihrer Sachlichkeit und Gründlichkeit stets gerne gelesen. Neuer Hebräischkurs für Anfänger Zion. Bezirkssektion VI11/IX. In der hebräischen Sprachschule wird anfangs nächster Woche ein neuer Anfängerlcurs eröffnet. Näheres unter Nr. ß 52-0-12 oder im Heim, IX., Wüihringerstraße 6—8 (Eingang Hörlgasse 2), joden Abend außer Freitag. Etwa um die Mitte Dezember haben in Erez Israel die arabischen Überfälle wieder begonnen und sie haben in dieser Woche einen gewissen Höhepunkt durch die Ermordung von drei jüdischen Siedlern erreicht. Was inzwischen sich ereignet hat, geht aus einer der Palästinaregierung überreichten Erklärung der Jewish Agency hervor, die fentstellt, daß zwölf Juden und zehn Araber von den Terroristen ermordet worden sind. Die Denkschrift gibt auch einen äußerlichen Grund für diese Ereignisse an: Die Praxis des Obersten Gerichtshofes, der alle unter dem Ausnahmszustand gefällten Urteile abgemildert oder kassiert hat. Diese Form -der Amnestie — die just die jüdischen Verurteilten Dicht berücksichtigt hat — ist von dien Scharen des Fauzi Bey und seiner deutschen Mithelfer als klare Ermunterung aufgefaßt worden, ihre Aktionen von neuem aufzunehmen. Sie gehen aus dem Hinterhalt gegen jüdische Siedlungen, gegen jüdische Häuser in den Städten vor, und sie rauben reiche arabische Familien aus, die sich der von den Banden ausgesonnenen Sonder Steuer nicht unterwerfen wollen. Unter den Juden besteht kleine Geneigtheit, die passive Defensive, die im Vorjahre strikte beobachtet worden ist, auch jetzt noch beizubehalten. Die Taktik der bloßen Abwehr war bei den vergangenen Unruhen durch die allgemeine Lage geboten. Diesmal ist die Situation eine andere. Die Mandatsverwaltung hat so gut wie jeder gewußt, daß die arabische Propaganda nicht einem Augenblick aussetzt und daß sie den sogenannten Streik nur darum abgebrochen hat, lim die Orangenernte einzuholen. Das Zusamimenspiel des Obersten Komitees mit den Banditen war offenkundig und weder die arabische Presse noch die Anhänger des Mufti machten ein Hehl daraus, daß die Untersuohungskommission die Sache nur aufschiebe. Aber die Palästinaverwaltung hat keine vorbeugenden Maßnahmen getroffen, die Kommission nahm mit sichtlicher Freude die Aussagen der Araberführer entgegen und reiste dann ab. Gleich darauf trat auch der Oberkommissär seinen Urlaub an. Diio Araber haben dies in ihrem 'Sinne gedeutet, und die Juden mußten zur Situation Stellung nehmen. Sie haben von der Regierung oder von dem Regierungstorso das Recht gefordert, sich bewaffnen zu diirfeu. Wenn sie im Vorjahre es ablehnten, irgendwie aktiv vorzugehen und nach Tunlichkeit eine Verschärfung zu vermeiden, so füllt in diesem Jahre für sie jeder Anlaß zur Reserve fort. Es sind bis jetzt schon wieder zwölf jüdische Todesopfer zu verzeichnen, etwa ein Dutzend Personen miehr oder minder schwer verwundet. (Die arabischen Toten sind Opfer der Blutrache oder der Erpressung.) Die Behörden versagen auf der ganzen Linie und auch bezüglich der inneren Festigkeit des Militärs darf man Zweifel hegen. In verschiedenen Orten sind Waffendiebstähle aus englischen Objekten vorgekommen, die nicht aufgeklärt wurden; in Haifa bat es sich sogar ereignet, daß tausend Handgranaten aus einem Militärdepot gestohlen wurden und daß ihr Abgang erst nach zwei Wochen entdeckt wurde. Welche Bewandtnis immer es mit diesisn Zwischenfällen hat — sicher ist, claß die Verwaltung die Dinge sorglos hat sich entwickeln lassen, und daß sie der neuerlichen Erneute unvorbereitet gegenübersteht. Die Juden werden aus dieser Lage ihre Schlüsse zu ziehen haben, der Jiscbuw sowohl wie das ganze jüdische Volk. Der neuerliche arabische Angriff, der mit den weltpolitischen Vorgängen in direkter New York, 15. März. (JTA.) Anläßlich der am 15. März in New York stattgefundenen Anti-Hitler-Demonstration, die vom American Jewish Congress und vom Jewish Labour Committee gemeinsam veranstaltet wurde, sind aus Europa von hervorragenden Staatsmännern, von Vertretern der europäischen Kultur und von großen Organisationen Zustimmungßkundgebungen in New York eingetroffen. Kundgebungen sandten unter anderem Sir Norman A n g e 11; Henry B 6 r e ng e r, Gesandter und Senator; L6on J o rill a u x, Generalsekretär der Contederation du Travail; Professor Jacques Hadamar d, Mitglied der Academio Fran$aise; Paul Langevin, Professor am College de France, Mitglied der Academie Fran§aise; Victor Basch, Professor honoris causa an der Sorbonne, Präsident der Liga für Menschenrechte; Jean Longuet, ehemaliger Deputierter. Der jüdische Historiker Professor Simon Dubno w, jetzt in Rig'a, schrieb: „In der Finsternis, die der Nazismus über Europa heraufbeschworen hat, erwarten wir einen Lichtstrahl aus dem freien Amerika. Das Volk Israel hat keinen größeren Feind als fliesen neuen Amalek, der die historische Nation ausrotten will. Laßt uns wieder einmal den alten Schwur der Bibel geloben: .Ewiger Krieg zwischen uns und Amalek!‘ Boykottiert den Herd des Menschenhasses, des Rassenhasses und des internationalen Krieges!“ Heinrich Mann sandte die folgende Botschaft: „Ich begrüße Ihre großen, mächtigen Verbände. Ich wünsche Ihnen den Sieg. Der Feind ist roh und tückisch. Klug ist er nicht, auch nicht innerlich stark. Er Verbindung steht, richtet sich gegen England und gegen uns. Das arabische Komitee, das heuchlerisch sein Bedauern über die Morde ausgesprochen hat, schreibt sie der kommunistischen Agitation und der Notlage unter den Beduinen zu. Das mag für die Araber als Erklärung ausreichen. Für uns handelt es sich um einen vorbereiteten Überfall, der gutem Vernehmen hach in einer arabischen Geheimkonferenz auf transjordanischem Boden beschlossen worden ist. Diesen Angriff muß das jüdische Volk zuriiekwerfan. Über diese Notwendigkeit kann und darf es keine Diskussion und kein Eingreifen außenpalästinensischer Diplomatie geben. Die jüdische Öffentlichkeit hat die ernsteste Pflicht, dem Jiscbuw jede erdenkliche und mögliche Hilfe zu leisten. Mit Protesten und sentimentalen Beschlüssen ist es freilich nicht getan. Geld und Menschen! wird zuletzt in sein eigenes Verderben rennen, nachdem er vorher möglichst viel Unheil angerichtet hat. Die Menschen, die er bedroht, können diesen Feind nicht achten. Aber sie müssen alle Anstrengungen machen, damit er kein Unheil mehr anrichtet und damit es ihm nicht gelingt, den Krieg zu entfesseln. Es wäre wahrhaftig eine Schande für die Menschheit, wenn ein so schlechter Feind gegen sie Erfolg hätte. Was ist denn das für ein Feind, der immerfort lügt und betrügt. Wenn er die Juden haßt, dann haßt er eigentlich alle Menschen. Er zeichnet besonders die Juden mit seinem Haß aus, nicht als ob sie der Menschheit Schaden gebracht hätten, sondern im Gegenteil: die Menschheit verdankt den Juden die höchste Wohltat, ihre Moral, die Moral der Bibel. Darum haßt der Feind die Juden. Alle sozialen Verbesserungen, um die hart gekämpft wird, führen auf die Moral der Bibel zurück. Die Freiheit des Gewissens, das Recht auf unser Leben sind moralische Eroberungen, und sie müssen immer aufs neue gegen einen Feind verteidigt werden. Verteidigen wir sie!“ Lion Fouchtwanger schrieb: „Trotzdem die Hitler-Leute während der vier Jahre ihrer Herrschaft die ungeheuerste Lügenpropaganda entfaltet haben, welche die menschliche Geschichte kennt, beginnt sich der Nebel zu heben, und es besteht kein Zweifel mehr, daß im Ernstfall die ganze Welt gegen Hitler-Deutschland Zusammengehen würde. Daß dem so ist, das ist mit in erster Linie dem Feldzug zu verdanken, den Amerika für die Wahrheit führt. Ich begrüße also Ihren Kongreß aufs wärmste. New York demonstriert gegen Nationalsozialismus s Für Freiheit, Recht und Leben!

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