Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 628 (16.3.1937)
- Date
- 1937-03-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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T" 11 —il I Seit« 2 DU tTIMMI Nr. 628. — Wien, Dienstag, 16. März 1087. Monat März: fiU „die Stuuto*e" Die Landeskonferenz hat bekanntlich die Intensivierung der Werbung für den Landesverband und seine Zeitung, „Die Stimme“, beschlossen. Dementsprechend haben wir den Monat Mürz als besonderen Werbemonat für unser Blatt ausersehen. Es ist jedem Zionisten klar, wie notwendig und wichtig die Verbreitung der zionistischen Zeitung für die zionistische Idee ist. Wir zweifeln nicht, daß diese Einsicht allein genügen würde, alle Zionisten zur Arbeit für unser Blatt anzuspornen. Aber wir haben uns entschlossen, erfolgreiche Arbeit mit wcdmllcH Preisen anzuerkennen. Es erhält der, der uns einen neuen Jahresabonnenten oder zwei neue Halbjahresabonnenten bringt, Theodor Herzls Buch „Alt* Neuland" in Leinen (Ladenpreis S 7-80. vier neue Halberhält als Preis Wer zwei Jahres- oder jahresabonnenten bringt, nach Wahl einen Band Josef Rasteint „Herodes“, „Uriel da Costa11 oder „Jerusalem, die Geschichte eines Landes“ (Ladenpreis S 12.60). Wer schließlich vier Jahres- oder acht Halbjahreeabonneqten bringt, bekommt als Preis Adolf Böhms „Geschichte der zionistischen Bewegung“ (Neuauflage, Ladenpreis S 22.60) oder Heines Werke in zehn Bänden (Ganzleinen, Tempel- Verlag, Ladenpreis S 3$.-). Wir betonen; Diese Preise gelten nur für Werbungen von Abonnenten, die spätestens bis 31. März 1937 io unserer Administration angemeldet und nachgewiesen werden. Die Ohnmacht der englischen Verwaltung Jerusalem, 14. März. (JTA.) Im Verlauf 1 den verwundet und ins Hospital nach Afule der vom Waad Leumi einberufenen Sitzung der Führer des Jischuw, in welcher über die Frage der Sicherheit im Lande beraten wurde, machten die Berichte über die Terrorakte arabischer Banden gegen die kleineren jüdischen Siedlungen in Galiläa und im äußersten Norden einen erschütternden Eindruck auf di-e Anwesenden. Einer der Reiner berichtete über die Antwort, die ein hoher Regierungsbeamter in Galiläa einer jüdischen Delegation erteilt hatte. Dieser für die öffentliche Ordnung verantwortliche Beamte erklärte, er sei unter den jetzigen Umständen gar nicht in der Lage, gewissen jüdischen Kolonien im Norden den notwendigen Schutz gegen die Angriffe der arabischen Terroristen zuteil werden zu lassen. Der Waad Leumi beschloß, die jüdische gebracht. Kirslers Zustand ist ernst. Die anderen jüdischen Pflüger griffen sofort zu den Waffen und erwiderten das Feuer, woraufhin die Terroristen verschwanden. Polizeipatrouillen verfolgen die Spur der Terroristen. Auf das jüdische Viertel von Safed wurden in der Nacht aus den umliegenden Hügeln von drei Seiten Schüsse abgegeben. Weder Polizei noch Militär, welches in der Stadt anwesend war, erwiderte das Feuer; dagegen wurden jüdische Passanten von einer Patrouille britischer Polizei untersucht. Stanislaw Sluga gestorben Stanislaw S1 u g a, der polnische Arbeiter, der von einem jungen Araber in Ness Ziona angeschossen wurae, ist heute seinen Verletzungen erlegen. Zahlreiche Juden hatten handelt hat, ist nach Palästina zurückgekehrt. Wie aus London telegraphiert wird, hat die Gesandtschaft des Hedschas in London offiziell die Meldung englischer Zeitungen dementiert, daß König Ibn Saud seinen Untertanen verboten hätte, sich in palästinensische Angelegenheiten zu mischen. H lferuf einer arabischen Stadt Jerusalem, 11. März. (JTA.) Zahlreiche Einwohner des arabischen Städtchens Samaria im Distrikt Nablus erhielten in den letzten Tagen Erpressungsbriefe, in welchen ihnen mit dem Tode gedroht wird, falls sie nicht bestimmte Summen zum arabischen Terrorfonds beisteuern. Die Einwohner von Samaria wandten sich an die Regierung um Schutz gegen diese Erpressungen und die angedrohten Überfälle. Zu Schießereien zwischen Polizei und Terroristen kam es an der Brücke Bnot Jaakob und zwischen Raima und Akko. Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt II., PraterstraBe 13 Mittwoch, 17. März 1937, 8 Uhr abends, findet im Heime unserer Sektion ein Vortrag des Herrn Dr. David Rothblum über, Don tsak Abravanel* Abberufung des Schatzmeisters der Palästina-Regierung? Jerusalem, 11. März. (JTA.) Einer Meldung der arabischen Tageszeitung „El Liwaa“ zufolge wird der Leiter des Finanzdepartments der PalüstlnareigienuTig, Mr. Johnson, der einen längeren Urlaub angetreten und sich nach London begeben hat, nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren. Das Gesetz der Wüste Von M.y. Ben-gavriel (Jerusalem) Bevölkerung in den kleineren Siedlungen m sich für die dreimal wiederholte Bluttransfusion Galiläa und den Kolonien im äußersten zur Verfügung gestellt. Die Leiche ist bis zur Norden zu % verstärken.; Grenze von Jaffa von einem jüdischen Zug be- In seiner Schlußaneprache gedachte der gleitet worden; die Beisetzung erfolgte am Vorsitzende dee Waad Leumi J. Ben Zwi katholischen Friedhor bei Jaffa. Sluga, der Im des polnisch-oh ristlioheü AAeiter» Stanislav &,{?£3j£1*tand’ war M,tglH!d der H,Sta' Sluga, der als Opfer des arabischen Terrors in einer jüdischen Kolonie gefallen ist. nDD in Baden bei Wien, im Hotel-Restaurant David Scf>ey Jlnnagasse Mr. 23 Pension: pio Person pro Tag S 9‘—, Frühstück: Kaffee, Bi, Mazzes. Mittagmahl: Suppe. Fleischspeise nach Wahl, Beilage, Mehlspeise. Jause: Kaffee, Mazzes. Nacht nahl: Fleischspeise nach Wahl, Beilage. Zimmer inkl. aller Abgaben einbettig S 3*— bis S 4—, zweibettlg S 4-— bis S*—. Anerkannt gu'e Küche. Gute Bedienung. Schöne Speiselokale. Telephon 319. Anmeldungen werden bi327. März 1931 entgegengenommen Autobus verbrannt Jerusalem, 10. März. Ein jüdischer Autobus, in dem eine Gruppe englischer Soldaten eine Rundfahrt machte, geriet in Beirut vor dem Gebäude der amerikanischen Universität in Brand und brannte vollkommen ab. Es besteht der Verdacht, daß Brandstiftung vorliegt. Wiederaufleben des Streiks? Jerusalem, 14. März. (JTA.) Aus Potach Tiikwa wird gemeldet, daß nach den jüngsten blutigen Ereignissen in Jerusalem arabische Arbeiter, die von den arabischen Exporteuren beschäftigt werden, welche die Ernte der jüdischen Pflanzer aufgekauft , haben, beim Verpacken der Früchte nicht In dem au Tel-Aviv angrenzenden Jaffaer j zur Arbeit gekommen si/nd. Auch in einer ” ’ ptedh.© von Plantagen haben arabische Arbeiter ihre Arbeitsplätze verlassen. Jude in Jaffa niedergestochen jüdischen Viertel Florentin ist am Mittwoch ein Jude namens Mosche Gaon durch Messerstiche schwer verletzt worden. Er wurde in das Hadas6a-Krankenhaus nach Tel-Aviv gebracht. Zwei Jüdische Feldarbeiter verletzt Jerusalem, 14. März. (JTA.) Eine arabische Bande, die, wie man annimmt, aus Transjordanien herübergekommen war, unternahm einen Feuerüberfall auf eine auf einem Felde der Kolonie Rfar Tabor im Norden Palästinas arbeitende Gruppe jüdischer Pflüger. Zwei junge Pflüger, Schlomo Rothstein und Jakob Kirß 1 er, wurniimiiiimiimiiuumimjiiiiiiiuiJiiiiiitmimiimtmitiiiiiiiiiiiimiimiuiiniiiiimumitmiiiiimtnimj Wer seinen Sohn kein Gewerbe erlernen läßt, hat ihn gleichsam zu>m Räuber erzogen. (Talmud, Kiddusohim 29 a) * Aus einem kleinen Funken entsteht ein großer Brand. (Ben Sira 11, 80) Drei sind, Gott verhaßt: Wer anders spricht als er denkt, wer für seinen Mitmenschen (vor Gericht) Zeugnis oblegen kam und das unterläßt, und wer gegen seinen Mitmenschen in einer Strafsache als Einzelzeuge auftritt. (Talmud) Verurteilter Jude Anläßlich der Beschießung eines arabischen Lastkraftwagens waren in Kfar Saba zwei Juden wegen verbotenen Waffenbesitzes verhaftet worden. Der eine von ihnen, Jehoschua Riesenbach, wurde nunmehr zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Sein Vater, Zwi Riesembaoh, wurde freigesprochen. Der Mufti wieder in Palästina Jerusalem, 11. März. (JTA.) Der Mufti von Jerusalem, Haj Amil el Husseini, der zuletzt in Bagdad mit König Ghazi vom Irak und im Hedschas mit König Ibn Saud über politische Angelegenheiten der Araber ver- Im Tal hinter den durchaus neuzeitlichen Häusern der Jerusalemer jüdischen Villenvorstadt Rechaviah liegt die mittelalterliche Klosterfestung Musallabi und jenseits des Klosters, ein paar Steinwürfe von Rechaviah entfernt, ein Steinbruch, in dem Beduinen arbeiten, in Kleidern und mit Bewegungen, die sich nicht geändert haben seit der Zeit des Altertums der Wüste. Hier, wo an schönen. Sabbathtagen die Leute von Rechaviah spazieren gehen, nicht anders wie in irgend einer europäischen Stadt, fielen gestern plötzlich ein paar Schüsse: ein Beduine bekam einen Schuß in den Kopf und starb, ein anderer wurde verwundet. Der Verwundete und einige andere Beduinen sagten der Polizei, daß jüdische Burschen auf sie geschossen hätten. Soweit der Bericht der Regierung. Was nicht in diesem Bericht steht, ist etwa folgendes: Vor allem weiß man noch nicht, ob es jüdische oder arabische Burschen waren, denn in den letzten Monaten wurde eine sehr große, fast kaum mehr zu übersehende Zahl von Arabern von arabischen Terroristen „bingelegt“; die Schützen von Rechaviah werden voraussichtlich ebenso wenig wie alle andern Schützen der letzten Monate ermittelt werden denn die Mühlen der palästinensischen Polizei mahlen derart langsam, daß selbst eine Zeitlupenaufnahme kein sichtbares Resultat ergäbe Waren die Schützen aber wirklich Juden, dann ist die Schießerei sicher nicht zu begrüßen, aber sie ist irgendwie verständliche Reaktion auf all das, was in den letzten Monaten über Palästina verhängt wurde, von dem sich selbst der genaue Zeitungsleser im Ausland keine rechte Vorstellung machen kann. Die Schüsse von Rechaviah mögen die Antwort gewesen sein .auf das, was einige Stunden vorher in der Nähe der Klagemauer geschah, als ein nichtahnender Beter von einem arabischen Terroristen aus dem Hinterhalt niedergesohoesen wurde. Man darf, wer immer ibn verübte, den Mord von Rechaviah nicht verherrlichen. Aber wenn man die grauenhafte Tatsache völlig versteht, daß die Einwohner Palästinas, Juden und Araber, seit Monaten vogelfrei sind, schütz- und hoffnungslos einer Bande von Terroristen ausgeliefert, dann ist es vielleicht verständlich, daß eines Tages selbst in einem höchst modernen Rechaviah, das aber in einem Land am Rande der Wüste liegt, das Gesetz der Wüste schließlich doch in seine Rechte tritt. Mehr als achtzig Juden sind während der Unruhen des vergangenen Jahres gemeuchelt worden, unzählig 6ind die Überfälle ßeit der offiziellen Beendigung der Unruhen und kaum zwei Wochen sind vergangen, daß man einen Zwanzigjährigen und dann den Arzt von Beth-sche’an, nur weil sie Juden waren, bestialisch ermordete. Man hat trotzdem noch immer auf eine Än- Weil sie Ghettobänke ablehnten 54 jüdische Studenten in Wilna relegiert Wilna, 14. März. (JTA.) Der Senat der Wilnaer Universität sprach die Relegierung von 54 jüdischen Studenten aus, well sie sich geweigert haben, Plätze auf der linken Seite der Hörsäle (Ghettobänke) eirazun ohmen, und a.ls die Professoren sie aufforderten. nicht stehen zu bleiben, sondern sich aiuf die ihnen zugewiesenen Plätze zu begeben, zum Protest die Vorlesungen verließen. Das Vorgehen des Senats gegen die 54 Juden hat in jüdischen Kreisen Entsetzen hervorgerufen. Von dien michtjüdisohen Studenten der Wilnaer Universität, die an den barbarischen Exzessen toiilnahmeri, wurden bisher kaum zwei relegiert. derung gehofft. Die arabischen Terroristen verstanden diese abwartende Haltung falsch; eie sahen in ihr den Ausdruck der Schwäche, sie sahen, daß von Seite der Juden ebenso wenig Gefahr drohe, wie von Seite der von ihnen terrorisierten Konnationalen und wie von der Seite der Polizei, die ein paar Marktschreier verhaftet und verbannt, die Führer und die ausführenden Organe aber nicht zu fassen weiß. Nun gingen plötzlich an einem wunderschönen Vordommertag die Revolver los, nachdem am gleichen wunderschönen Tag wieder ein Jude gemeuchelt worden war; der Brauch der Wüste, der nun schon so lange von der einen Seite, ohne Antwort zu finden, geübt wurde, stieß mit einem Male auf das Gesetz der Wüste, auf Gom: auf Blutrache. Es ist ein unmenschlich hartes, erbarmungsloses Gesetz) ein durchaus nicht individuell gerechtes, allein die Solidarhaftung anerkennendes Gesetz, wie es in den weiten Räumen der Wüste heimisch ist, wo es eine geregelte Polizeitätigkeit der Behörden nicht gibt. Es mußte dieses unmenschliche Gesetz des Blut-um-Blut auch auf die Räume am Rande der Wüste übergreifen, da es sich erwies, daß die Behörden dieser Lebensräume den Brauch der Wüste, die Durchsetzung eines Willens durch die Waffe, von ihren Grenzen nicht abzuhalten wußten. Die Lustwandler von Rechaviah und mit ihnen alle Einwohner von Jerusalem wurden bestraft, indem man sie nach Hause schickte und den Ausnahmszustand über die Stadt verhängte. Wenn aber auch die Nervosität in den Straßen Jerusalems groß genug und der Gerüchte nicht wenige waren — des Sabbaths wegen gab es ja keine Zeitungen — konnte doch nicht von einer Panik gesprochen werden. Das plötzliche Auftauchen von Stahlhelmen in den Straßen und das Vorbeisausen der Masehinengewehrwagen hatten nach den vielen Unruhemonaten des vergangenen Jahres ihren Schrecken verloren, insbesondere, da man ja seit Monaten mit einem neuen Ausbruch rechnete. Damit ist aber leider die Sache nicht erledigt. Wenn auch heute, am Morgen nach dem Mordtag, das Leben der Stadt weiter- .geht, wie bisher, ist der Druck nicht gelockert und die Wirtschaft des Landes ist durchaus nicht fröhlich gestimmt, denn Revolverschüsse, Militärbewegungen und Ausnahmszustand dienen keineswegs dazu, die ohnehin verschüchtert gewordenen ökonomischen Ambitionen wieder aufzumuutern. „Wenn es heute nicht losgeht“, sagt der Mann in ,der Straße, „wird es gelegentlich der Nebi-musa-Prozession oder gelegentlich der Veröffentlichung des Berichtes der Königlichen Kommission losgehen, denn die Araiber rüsten auf allen Linien.“ Nun, die&o beiden Termine sind sicherlich gefährlich, aber, dies scheint gleichfalls jedem Einsichtigen sicher, wenn die Regierung in konsequenter Weise mi-cht wollen wund, wenn sie gewisse arabische Kreise vom Ernst ihres Nicbt-Wollens überzeugt, daran werden diese Daten ungestört Vorbeigehen. Dann wird der Brauch der Wüste mählich wieder aius Palästina verschwinden uud mit ihm auch das in Aufbaoiräumon letzten Endes nicht übliche Gesetz der Wüste. Das Reisebüro „In die Welt“ veranstaltet am 24. März eine außerordentlich günstige Oster-* reise mich Polen. Auskünfte: Dr. 8. Tockeiv IX., Liechtemsleinstraße 2, Tel. A 14-504.