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Die Stimme · 1937-03-16 · Heft 628 (16.3.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 628 (16.3.1937)
Date
1937-03-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preisausschreiben! Leien Sie auf Seite 2 die Ankündigung der Werbeaktion der „STIMME". Es sind wertvolle Bücherpreise zu gewinnen ^Stimme V. b. b. 20 8 Nr. 6*8 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Dienstag, 16. März 1937 * 4* Nissan 3697 10* Jahrgang Billige u. bequeme OSTERFAHRT mit der „Czernowlfzer Allg. Zeitung11 nach Polen u. Czernowifz Abfahrt: 24. Närz 1937 Auskünfte und Anmeldungen: ausschließlich im Reisebüro „Marlenbrlicke”, Wien, I., Rotenturmstraße 26 S Telephon R 24-2-86/87 CSR. erfüllt jüdische Forderungen Schöne Seelen finden sich In der „Schönerem Zukunft“, einem betont* ■nationalem katholischen Organ, das in Deutschland gedruckt wird und im Wien erscheint, freut sich ein Mann namens Doktor Leopold Sprenger, daß es auch in den westlichen 'Kulturländern Antisemitismus gibt. Und so zitiert Sprenger zwei Aufsätze in der belgischen Zeitschrift „La Revue Catiholique“. Dem einen hat HiLaire Belloc verfaßt, mach . Angabe Sprengers ein enger Freund und Mitarbeiter Chestertons (dessen amtijttdisohem und noch mehr amtiengliischen Roman _ „Der Brunnen ohne Bo'dem“ von uns bereits besprochen worden ist). Belloc behauptet, daß die revolutionäre bolsohewietiisohe Bewegung und namentlich der . russische Kommunismus von Juden geleitet wird,, und daß gegenwärtig Moses Röeenberg an der Spitze der spanischem Bewegung steht. Nun sind sicherlich a/uch Juden unter den . Kommunisten, genau so wie Deutsche, Engländer, Franzosen usw. Die paar Führer jüdischer Abkunft, die mitgeholfen haben, im Rußland das Judentum znv erwürgen, läßt eben der Diktator Stalin einen naeh dem anderem wegknallen. Hauptsächlich aber stößt sich Belloc, dien Sprenger einem berühmten Historiker nennt — im Wirklichkeit äst er Romandichter —, daran, daß der Pariser Politiker Blum unter bolschewistischer . Kontrolle steht. Besagter Blum hat eben für seine Politik die Drei- .väertelmehnheit der französischen Kammer iöulangt,- und mir die G-esimnungsgemossem der Ribuaämörder, die ValLat und diie sonstigem Patrioten, halben gegen die Anleihe zur Verteidigung Frankreichs gestimmt. In die gleiche Kerbe haut der zweite Artikel, den Henry Beraud für den „G-ringoire“, geschrieben hat, eim übles Skandalblätitohen, dais sich von Vernaderungen der Juden, der Freimaurer, der Fremdem nährt, und zwar sehr gut nährt. Dieser Artikel hat der „Revue Catholique“ so gut gefallen, daß sie ihn im Wortlaut mititeilt. Dort hat Ihn da.nn Sprenger entdeckt und für die „Schönere Zukunft“ verwendet, Aus dieser Revue ist er dann in die Linzer „Neue Zeit“ gewandert. Auch Beraud befaßt sich also mit den „Tyrannen“. Er beschuldigt Leon Blum, daß er im Namen einer Rassensolidarität einer jüdischen Gruppe die Macht überantwortet. Darunter sind die jüdischen Beamiten in den Ministerien zu verstehen. Es geht also auch in Frankreich um Posten und Stellungen. Dem Beraud paßt es uioht, daß die Juden im Frankreich gleichberechtigt Kind, nachdem ihnen dio Vorfahren des Autors „in einer Anwandlung von Großmut die volle bürgerliche Gleichberechtigung merkammitem“. Dais ist nämlich so gewesen, daß man den Juden zuerst das Recht gestohlen und es ihnen dann durch einen Akt der Revolution wieder zurüokgegoben li,at. Beraud erinnert «ich mit Schaudern daran, „'daß der erste Umstürzler Rußlands Kerenski hieß (der ein ehriisflialier Russe ist), die Umstürzler im Deutsch.la.mdis Rosa Luxemburg (dio ennordot wurde), 'der Umstürzler Bayerns Kurt Eisner (dar ermordet wurde), der Umstürzler Österreichs Otto Bauer (der das Judentum verleugnet und gehaßt hat), der Umstürzler Italiens Claudio Treve-s (der nie ein Judo war), und daß' der Umstürzler Kataloniens den Namen Moses Roseiuberg führt..“ Er heißt nicht Moses und ist als Gesandter im Auftrag seiner Vorgesetzten Regierung in Spanien" gewesen, das er übrigens Prag, 13. März. (JTA.) Ministerpräsident / s t a a 11 i c h u n g .des Dr. Milan Hod2a empfing geltem in einer|Volksschulwesens Audienz die Vertreter der jüdischen Minderheit. Abg. Dr. Angel o G o 1 d s t e i n, Abgeordneten Dr. Chaim Kugel und den Vizepräsidenten der Jüdischen Partei in der GSR., Ing. Zucker. Die Delegation überreichte dem Ministerpräsidenten ein Memorandum und trug die'kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Forderungen der jüdischen Minderheit vor. Der Ministerpräsident konstatierte; daß die Regierungserklärung im Parlament vom 18. Februar d. J. über die Regelung, der nationalen Politik sich selbstverständlich auch auf die jüdische Minderheit bezog. Die vorgetragenen Forderungen, welche sich auf der Richtungslinie der Regierungspolitik bewegen, erkennt die Regierung als berechtigt und gerecht' an und wird darum die Vert hebräischen (es handelt sich um. sieben hebräische Schulen ln Karpathorußland) durchführen; weiter wird die Regierung bei Behandlung des in der Vorbereitung befindlichen Gesetzes über Einführung der Sonntagsruhe im ganzen Gebiet der Republik auf die religiösen Gefühle der orthodoxen jüdischen Einwohnerschaft Rücksicht nehmen; sie wird ferner die produktive soziale Fürsorge für die jüdische Jugend, besonders im Osten der Republik, durch Subventionierung der in Betracht kommenden jüdischen Institutionen in dem gleichen Maße unterstützen, wie es bei den anderen nationalen Gruppen der Fall ist. Auch hinsichtlich der anderen vorgetragenen Forderungen und Wünsche. sagte der Vorsitzende der Regierung zu, daß sie im administrativen Wege günstig und ' bef r i e d i g e n d erledigt werden würden. Osterrebe m Polen Abreise 24. März — billig, bequem, D-Zug Auskünfte: Dl*« Sa TOClCCT „In die Welt“ W. M. Renner IX., Liechtensfceinstraße 2, Tel. A 14-504 (nächst Schottenring) Neue Lander-Komitees des jüdischen Weltkongresses Paris, 11. März. (JTA.) Vom Büro des Jüdischen Weltkongresses wird, über .Bildung und Tätigkeit neuer Läuderkomitees des Jüdischen' Weltkongresses folgendes mitgetellt:; . England: Die British Section des Jüdischen Weltkongresses hat für den 8. April die führenden englisch-jüdischen. Organisationen zu einer Konferenz nach London einberufen. ■*' Die Exekutive der Federation' hat einstimmig beschlossen, dem Fonds der British Section für den Jüdischen Weltkongreß einen Jahresbeitrag zur Verfügung zu stellen; ferner wurde eine Resolution angenommen, die . a.||e zionistischen Gruppen Englands auf fordert, der.. British Section i des Jüdischen Weltkongresses ihre vpUe Unterstützung zuteil werden zu lassen. An der Sitzung der Federation der englischen Zionisten nahmen Prof. S. Brodetsky und viele andere zionistische Führer teil. Rumänien: In Bukarest hat sich ein Regionalkomitee für Altruinänien für den Jüdischen Weltkongreß' gebildet. Das Präsidium bilden . Adv. M. Segal, Ph. Röeenstein und Adv. S. Frank. In Indien wurden in den folgenden Städten Komitees für den Jüdischen Welt kongreß gebildet: Bombay, Kalkutta und Coandn. Ferner gründete Dr. M. Laserson auf seiner Reise durch Britiisoh-Arabien ein Komitee , in Aden. I n Ägypten wurden Komitees für ‘ den Jüdischen Weltkongreß in Port' Said, in Kairo und in 'Alexandrien errichtet. Brodetsky und Schertok zur tage: London, 13. März. Bei einer von der Zionistischen Föderation von Großbritannien und Irland in London veranstalteten Massenkundgebung gab Prof. Brodetsky den Besorgnissen Ausdruck, von denen die Judeu in allen Ländern der Welt angesichts der Lage in Palästina erfüllt seien. Trotz der vor Monaten erfolgten offiziellen Beendigung von Arabers trojks und Terror . herrscht im Lande starke Unsicherheit; insbesondere in den letzten Wochen haben sich die Verhältnisse in beunruhigender Weise verschlechtert. Im Monat Februar allein gab es, elf Mord fälle und eine große Zahl von Raubüberfällen auf den Landstraßen. Daß diese Vorfälle völlig unpolitischen Charakter tragen sollen, wie dies der Kolonienminister im Unterhaus erklärt hatte, sei schwer anzunehmen. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß mit dieser Kampagne versucht wird, eine Entscheidung in der jetzt von der Royal Commission behandelten Sache vorwegznnehmen. In diesem Lichte gesehen, ist es eine ernste Sache, daß die Fortdauer der Hetze zugelassen wird, daß man die Entstehung einer gefährlichen Situaberelts verlassen hat. Beraud schwingt sich dann zu einer frenetischen Anklage gegen Karl Marx auf, der bekanntlich nichts mit efem Judentum zu tun halben wollte. Aber der französische Sozialismus ist doch von den Ariern Babeuf, Saint Simon, Fourier, Gäbet, Proudbon, von Blanqui, Guesdo bogründet worden, seine Wortführer waren Jaunes und Millerand, alles Arier. In Italien waren Turafei, Fenri, Labriola, wieder Arier. Und was die russischen Bolschewiken an.betrifft, so mag Beraud seine Anklagen an den deutschen Generalstaib adressieren, der Lenin und Trotzki in plombierten Waggons nach Rußland gebracht hat. Sprenger. hat recht: Es . gilbt auch außerhalb des deutschen Kreises Antisemiten. Aber wenn man prüft, w>as vsio eigentlich zur Begründung ihrer Haltung?u sagen haben, so kommt immer dasselbe heraus wie bei unseren bodenständigen Schimpfern: der Fntterneiid. - Wenn man die Juden -, verhungern lassen könnte, dann, so glauben .sie,, ist die „schönere Zukunft“ gesichert. Aberl dazu gehört nicht Geburt und Abkunft, sondern Wissen und Kenntnis. Das Geschrei über den Kommunismus wird schon zu einer wirklichen Gefahr. Es ist eine sehr raffiniert betriebene Kampagne des deutschen Nationalsozialismus, der mit Hilf© dieser Propaganda seine Verbrechen übertünchen und eine Offensive in den Westßtauten betreiben will, um auch dort die Demokratie ausizuheben und auch dort Elemente ans Ruder zu bringen, die, zu jeder sachlichen Arbeit ungeeignet, nichts anderes zu leisten vonmögen als fälschen, über die Juden zu schimpfen und das Volks vermögen zu vergeuden. Das ist dann die schönere Zukunft, die mit dem Faiust.recht und dem Kuüppel operiert. Herr'*’Sprenger id in guter Gesellschaft' tion durch Boykott und sonstige Propaganda zuläßt. Prof. Brodetsky kam sodann auf die Anregung zu sprechen, andere Siedlungsgebiete als Palästina für die Juden zu erschließen. Er sprach diesen Vorschlägen jeden Wert ab. Die Erfahrung lehre, daß es kein Land gibt, das eine wesentliche Rolle bei der Lösung der gegenwärtigen jüdischen Probleme spielen könnte. Gewiß könnten und müßten die Juden überall in der Welt siedeln, und so: ihre jahrhundertelange Wanderung fortsetzen. Aber im Falle Palästinas handle es sich nicht um eine Fortsetzung dieses Wandems über die Welt; Siedlungsprojekte in anderen Ländern würden diesen Tatbestand nur verdunkeln. Revisionisten sollen zurückkehren! Der Redner kam nunmehr auf die Spaltung innerhalb der zionistischen Reihen zu sprechen, di© durch den Austritt der Revisionisten aus der Organisation entstanden ist. Von den Zionisten . werde nicht© inniger gewünscht als ein einiges Volk. Bemerkungen, die in der letzten Zeit auf der anderen Seite öffentlich gemacht wurden, hätten den Eindruck vermittelt,' daß irgend ein Anerbieten gestellt worden' sei. Man habe sogar den Ausdruck „Round Table. Konferenz“ gebraucht. Man habe geglaubt, daß sie bereit sind, Frieden zu schließen, zusammenzuarbeiten und daß nur ihre verruchten Gegner es nicht wollen. Die Revisionisten hatten ihren Platz.in. der Zionistischen Organisation und haben ihn hier auch heute. Die Sitze auf dein Kongreß stehen für sie bereit. Sie können noch heute abends kommen. Round Table- Konferenzen sind unnötig. Wir sind ja nicht zwei kriegführende Nationen. Prof. ‘ Brodetsky erinnerte daran, daß die Revisionisten den Kongreß verlassen haben, weil dieser der Ansicht war, daß seine Beschlüsse durchgeführt werden müssen und seine Arbeit nicht durchkreuzt werden darf. Die politische Arbeit des Kongresses zu durchkreuzen, selbständig zur Regierung zu gehen, zum_ britischen Kolonienministerium, heiße eine ändere Politik als die des Kongresses zu verfolgen; dies müsse verboten bleiben. Weil der Kongreß diesen Standpunkt vertrat, seien die Revisionisten ausgesohieden. Angesichts der Gefahren, die . d©m jüdischen Volk drohen, dürfe es nicht zugelassen werden, daß man mit unserem einzigen politischen Besitz spielt. Man dürfe sich auch nicht durch Angriffe ,a u f Palästinaämter irreführen lassen. Die Frage der Zuteilung von Zertifikaten sei geprüft worden und habe ergeben, daß Betarim hunderte Zertifikate erhalten haben und daß ihre Beschwerden unbegründet sind. Trotz der Spaltung in unseren Reihen, schloß Prof. Brodetsky, glaube ich auch _ weiter, daß die Zukunft des jüdischen Volkes von einheitlicher politisch e r F ü h r u n g abhängig ist, wie Herz es ge-. sagt hat. Ich hoffe, dafi die Revisionisten den Irrtum ihres politischen Verhaltens einsehen werden. Kein Kompromiß in Lebensfragen Mosche S h e r t o k erklärte jede Drosselung der Einwanderung für. untragbar. . Deu Juden werde oft der Vorwurf gemacht, sagte- Shertok, daß sie zu keinem Kompromiß bereit seien. Man könne aber schwer von Menschen ein Kompromiß iu Fragen von Tod oder Leben erwarten. Angesichts der rasch fortschreitenden Verschlechterung der jüdischen Lage in der Welt bedeute die Möglichkeit stärkster jüdischer Einwanderung ohne Verdrängung des arabischen Volkes für die Juden eine Lebensfrage. Häuft und i/eefceUet de*i Sekekd!

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