Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 627 (12.3.1937)
- Date
- 1937-03-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Wien, Freitag, 12, März 1937. — Nr. 627. Oll ITIMMB Seit« 5 SCHMIDL-MAZZOTH kauft, wer Wert legt auf feinste Qualität SCHMIDL-MAZZOTH werden darum vom Wiener Publikum seit jeher bevorzugt ABER es muB auch auf die Extra* qualität der Marke Schmidt N. B., auf Grieß und Farvel aufmerksam gemacht werden DAHER SCHMIDL-GRSESS NUR IN PLOMBIERTEN SÄCKEN verlangen Sie ausschließlich Schmidl-Erzeugnisse aus der Fabrik Nathan Brodetzlcy, Zentrale: II., Leopolds* gasse 43, Tel.: A40-0-90 Arierparagraph — unrentabel! Einen lehrreichen Beitrag1 zur Frage österreichisch-deutscher Kulturbezieliungen hat jüngst die „Reichspost“ geliefert, indem sie einen berufenen Fachmann, den Präsidenten des Gesamtverbandes der österreichischen Filmproduktion, Dr. Hermann Paul, zu dem Problem der Filmkrise in Österreich das Wort gab Mit seinen Ausführungen hat Dr. Paul reiches Material gegen die Auffassung derjenigen geliefert, die die „Arisierung“ des österreichischen Films mit der Behauptung begründeten, eine österreichische Filmproduktion ohne Verbreitungsmöglichkeit in Deutschland sei unmöglich, weil sie finanziell nicht tragbar wäre. Jetzt erfahren wir, daß sich — zunächst auf dem Gebiet des Films — der Arierparagraph tatsächlich als unrentabel und wirtschaftlich schädlich erwiesen hat. Als erste Ursache der .österreichischen Filmkrise .gibt Dr. Paul die Tatsache .an, daß um die Jahreswende die österreichischen Produzenten über eine Million Reichsmark „eingefrorener“ Guthaben in Deutschland hatten und die A t e 1 i e r b e s i t z e r zur gleichen Zeit über ungefähr 1,200.000 „eingefrorener“ Reichs mark verfügten. Auch nach den sehr bescheidenen Auswirkungen der im Jänner 1937 getroffenen wirtschaftlichen Vereinbarungen zwischen den beiden Staaten bleiben davon 1,400.000 Reichsmark noch „eingefroren“. So rächt sich also die übereifrige Bindung an das Dritte Reich. Der Gewährsmann der „Keichspost“ gesteht, daß kaum ein Film bebao luhaCovice-Cecho- SLOWAKEI Hervorragende Heilquellen. Natürliche Kohlensäure- UÜdor. MoorbUder. ÜewührteWasserheil mstak. Modoinst ausgestutletes I n h a 1.1 o r u ro Saison: April Ms Oktober Auskünfte erteilt tttglioh kostenlos: M. U. Ur. S.FraukL Wien, 1., Scholli igijasBO 5 (17—18 Uhr). Prospokto usw, Ö E D O K, Reisebüro, Wien, I., Kärntnerstraße Nr. 32 gönnen wird, ehe er nicht an das Deutsche Reich verkauft ist, und sucht dies durch die Äußorung zu beschönigen, daß die österreichische Filmindustrie vor allem auf den Absatz im deutschen Sprachgebiet angewiesen ist. Er gibt aber selbst zu: „Darüber hinaus konnton die österreichischen Filmorzeugnisse b i s h o r in der ganzen Welt abgoset.zt werden.“ Nun ist dieser Absatz plötzlich katastrophal ins Stocken geraten und der Filrafaehmann gibt dies als zweite Ursache der Krise an: „Im letzten Jahro haben sich die Verkaufsmöglichkeiten österreichischer Filme im Ausland wesentlich verschlechtert. Durch dio Üborhandnahme der amerikanischen und englisohon Filme sind dio Exportmöglichkeiten nach gewissen Ländern, dio bis vor einem Jahre noch sichere Absatzgebiete waren, fast auf null gesunken. Wenn daher nicht Mittel gefunden werden können, die Verkaufserlöse österreichischer Filme zu erhöhen, droht ein Zusammenbruch unserer Filmindustrie, weil sie unrentabel ist-“ Leider hat es dor Fachmann unterlassen, die Mittel, dio ohneweitors gefunden worden können, um das verlorene Intorosso d©B Auslandmarkte« für die österreichische Filmproduktion zurüokzueroborp, gleich selbst anzugeben. Offenbar hat er gefürchtet, daß dio „Roichspost“ dor Eruierung des einzig wirksamen Mittels ihre Spalten nicht zur Verfügung stellen würde., Do^n es handelt sic|» in diesem 'jßalle nicht um unergründliche Launen eines wankelmütigen Publikums, sondern im Gegenteil, um einen besonders eklatanten Beweis von Treue und Anhäugliolikeit kunstsinniger Filmfreunde gegenüber liebgewonnenen Darstellern. Der Herstellungs o r t der Filme ist dem großen Publikum höchst gleichgültig; um so leidenschaftlicher ist sein Interesse für die Künstler. Wenn diese, von der Produktion ihres Heimatlandes ausgeschlossen, neue Wirkungsstätten finden, dann macht eben dieser neue Markt das Geschäft. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die jüdischen Regisseure und Mimen, die von der österreichischen Filmindustrie boykottiert werden, in Hollywood und Eng land neue Lorbeeren ernten konnten. Daher hat der holländische, schwedische und sonstige Auslandmarkt, der bis vor einem Jahr die Österreichische Erzeugung favorisierte, jetzt seine Gunst den amerikanischen und englischen Filmen zugewendet. Muß doch auch das Wiener Publikum, wenn es die Bergner, seinen bodenständigen Liebling, im Kino 6ehen will, einen englischen Film in Kauf nehmen! Das ist das Fazit einfr genialen Kulturpolitik, die das erhabene Gefühl, ein paar Juden losgeworden zu sein, mit dem Verlust des kunstsinnigen Auslandmarktes bezahlen muß. Der Gewährsmann der „Reichspost“ umschreibt das mit Zartgefühl: „Die Filmindustrie ist eine Schlüsselindustrie. Kommt sie in Schwierigkeiten, wird nicht nur eine Reihe anderer Industrien in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch in weiterer Folge eine Anzahl von Arbeitnehmern in ihrer Existenz bedroht.“ Nun, wir haben gezeigt, daß es sich in diesem Falle gerade umgekehrt verhält: Zuerst wurde eine Anzahl von Arbeitnehmern, nämlich die Juden, in ihrer Existenz bodrobt, und daraus resultiert die Schlamastik der ganzen Industrie. Trotz dem billigen wir die Schlußfolgerungdos Autors: „Filmhersteller und Ateliers haben das gemeinsame Interesse, einen Weg zu finden, der aus dieser Sackgasse herausführt und jedem die Existenzmöglichkeit sichert.“ Dor Filmfaohmann deutet diesen Weg bloß an, indem or auf die Ähnlichkeit der Verhältnisse in Prag, Budapest und Rom hinwoist, gleichzeitig aber auch auf die Tatsache: „Dennoch kann man in diesen Ländern von oinor Filmkrise nicht sprechen, da dort die verantwortlichen Stellen erkannt haben, daß der Film nicht nur Handelsware, sondern auch Kulturgut und Propagandamittel der Heimat ist.“ Das trifft besonders auf Budapest zu, das seine Franziska Gaal nicht der ausländischen Konkurrenz in die Arme trieb, sondern als Kulturgut und Propagandamittel der ungarischen Heimat zu seiner Filmproduktion horanzieht und dio Aufführung dieser Filme sogar in Deutschland durohzusetzen vermochte. Mit ein bißchen Energie ließ sich das erreichen. Bloß die österreichische Filmindustrie hat sich von Herrn Goebbels ins Bockshorn jagen lassen. Zuin Lohn für diese Unterwürfigkeit besitzt Bie jetzt Reichsmark-Guthaben, die „eingefroren“ sind. Hoffentlich wirkt dies auf ihren Gleicb- 8chaltungseifer a b k ü h 1 o n d. Nicht nur in der Filmindustrie entpuppt sich der Arierparagraiph als sohlechtes G o s c h ä f t. Nach einer Verlautbarung des offiziellen Fachblattes des roiohsdeutschen Buohdruckgewerbes haben die Zeitungen seit 41 Prozent zu buchen. Damit ist aber dor Abfall des Lesepublikums noch keineswegs zum Stillstand gekommen, sondern dokumentiert sich in immer neu auftauchenden Gerüchten betreffend die geplante Fusion bedeutender Zeitungen. Die deutsche Regierung muß es eich wohl große Summen kosten lassen, diese Gerüchte nicht zur Tatsache werden zu lassen. Diese Erfahrungen sollten auf Österreich mehr abschreckend wirken als zur Nachahmung reizen. Hoffentlich erweist sich die amtliche „Wiener Zeitung“ als gute Prophetin, wenn sie jetzt im schmerzlichen Gefühl mannigfacher Enttäuschungen mit den Paktbrüderu vom 11. Juli 193(1 schreibt: „Hierzulande hat eine wirtschaftliche und politische Praxis, dio den Bolschewismus nachahmt, keinen Kurswert und deswegen brauchen wir auch keine Ratschläge aus einem Milieu, das sich zwar der deutschen Joe Brown in König des Lachens Mitwirkend _ Mali Plcon Rotenturm-Kino mm Ein Warner Bros.-ClroJHustspIcl MüimmimmimmiiimiimiimMimiimiimiitimiuiiimiiiiimitiitmmiiiiiummimtimmimmiiiui Sprache bedient, aber Österreich nur aus selbstgewählter und anmaßender Perspektive kennt.“ Dr. H. S. Polnischer Senator sagt: „Antisemitismus ist würdelose Angst ff Warschau, 8. Mürz. (JTA.) Im Verlauf der Generaldebatte über das Budget erklärte Senator Prof. Miehalowicz, der nationaJradikalen Studentenschaft fehle jedes Gefühl für Gerechtigkeit und für Würde. Zwanzig Christen stürzen sich auf einen wehrlosen Juden und machen ihn nieder. Mehrere kräftige Burschen gehen gegen ein Schwaches jüdisches Mädchen vor. Ein solcher Sadismus entspringt würdeloser Angst. Der jüdißchc Senator Trokenheim ihre Kramläden, die ihnen nicht das trockene. Brot einbringen, gegen manuelle Arbeit eintausehen. Aber man treibt die Juden aus allen produktiven Berufen hinaus. In OstgaIizien hat man 26 Güter parzelliert und an Bauern verteilt, darunter waren 16 jüdische Güter. Jüdischen Bauern aber wurde kein Stückchen Boden gegeben. Der zweite jüdische Senator, Rabbiner Prof. Schorr, führte aus: Die dreieinhalb wandte sich gegen die Behauptung, daß die j Millionen Juden in Polen wurden durch die Juden den Handel in Polen okkupieren. An j «autoritative Erklärung des Obersten Koe; Hand offizieller Statistik wies er nach, daß ^außerhalb des Rahmen« der p o 1von rund 400.000 Handelspatenten, die im , n i s c h e n Bevölkerung, ja außerhalb Jahre 1933 in ganz Polen ausgegeben wurder nationalen Minderheiten geden, 207.000 (52%) von Juden erworben stellt. Glaubt man, daß man sie außerhalb wurden. Würde man die Juden in die Staat-1 des Gesetze« «teilen kann? Sollen wir Juden liehen oder kommunalen Ämter oder in die lediglich Kandidaten für die Emigration Industrie hineinlassen, so würde sich ihr «ein? Diese Rolle, die man un« im heutigen Anteil am Handel radikal vermindern. Min-.Polen zuteilt, widerspricht dem Wort und destens 100.000 jüdische Händler würden | dem Geist der April-Konstitution. Rishon le Zion nur dieser Name bürgt für Echtheit und Güte Einkauf Palästina-Wein «siÄlr ‘■■Wisys v 's ' tv&m Autorisierter Alleinverkauf: GUSTAV WILDER Wien, IV., Rainergasse 31, Telephon U 42-4-84 Erfolge der Hakoah-Rlnger! Bei dem am 7. d. stattgefundenen Neulingsringen von Wien gewannen zwei Hakoahner bei starker Konkurrenz die ersten zwei Plätze, udn zwar im Fedorgewicht das verdienstvolle Leitungsmitglied der Ringsektion, Max Werner, der drei Schultersiege errang und damit bewies, daß er nicht nur ein tüchtiger Leiter, sondern auch ein hervorragender Ringer ist. Im Leichtgewicht siegto N o uberger ebenfalls in imponierender Art mit drei Schultersiegon. # Am 8. d. trug die Hakoah ihren fälligen Meister&ohaftskampf gegen Sp. CI. Slovan aus und Biegt© überlegen mit 2:19 Punkten. So ein hoher Sieg gegen die tüchtige Slovan- Mannschaft ist von einor Wiener Ringmann* schaft seit langem nicht erreicht worden. Internes Meeting des Schwinimklubs Hakoah. Kommenden Sonntag eröffnet der Schwimmklub Hakoah die diesjährige Saison mit einem großen internen Meeting ira Dianabad, bei welchem sämtliche Schwimmer und Schwim- Hakoah will der breiten Öffentlichkeit zeigen, was während dor Wintermonate geleistet wurde. Neuanmeldungen sind von sämtlichen Einschreibgebühren befreit. Ein Wasserballspiel zwischen zwei Hakoahmannschaften, sowie ein Schauspiel- und Gruppenispringen wird dieses Schwimmfest beschließen. Beginn H8 Uhr abend«. Paläsiina-Mazzoth Karmel-Woine, Jaffa-Orangen Shemen-Ollven-Salaf-Oel sowie sämtlioh inländische Naizoth alle Lebensmittel und Sliwowitz e HDS bVf liefert zu Bebr billigen Preisen franko Haus Samuel Halperiti Wien, II., Förstergasse 6 Telephon A 40-1-l'i iw. k merirmen an den Start gehen worden. Die Kumt Ihrer Entjjudunö ew$n Ei tr^0nisrückgang vour(ihrige sportliche Leitung des Sohwimmklubs abend«. Jüdischer Angestelltenverband „Emunah“, Wien, II., Pratoratraße 11. Samstag, den 18. März 1937, K9 Uhr abends, im Verband«- heim Vorlesung de« Herrn Dr. Alfred Werner: „Querschnitt aus eigenen Werken.“ —; Hebräisch- und Französisch-, sowie Englischkurse für Vorgeschrittene werden fortgesetzt. Anmeldungen und Au«, künfte an Wochentagen von 7 bis 9 Uhr