Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1937-03-12 · Heft 627 (12.3.1937) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 627 (12.3.1937)
Date
1937-03-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054338-3054383--6537-3062400
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

‘Wien, Freitag, 12. März 1937. — Nr. 627. bn triMMi fielt© 5 Ein (haluz stirbt... Der Ohaluz Ohaian Bruch aus der Kwuzah Tel-Amal wurde auf dem Weg von seiner Kwuzah nach Beth Schatta von Arabern durch einen Schuß niedergestreckt. Schwer verwundet lag er auf der Straße, wissend, daß er sterben müsse. Mit seinen letzten Kräften machte er kurze Notizen auf ein Blatt Papier. In wenigen Sätzen ist hier ein erschütterndes Dokument vom Sterben eines jüdischen Chaluz, eines jüdischen Helden, niedaigelegt. Die Palcor veröffentlicht jetzt den authentischen Text dieser Notizen. Er lautet: „Ein Araber hat auf mich aus dem Hinterhalt geschossen. Gert (der Name des nächsten Freundes des Ermordeten), nimm Bache für mich. Gruß an alle.“ Auf der zweiten Seite des Notizbuches stand geschrieben: „Genossen, es ist schrecklich, ln so jungen Jahren zu sterben. Genossen, warum kommt Ihr nicht?“ Auf der dritten Seite heißt es: „Gert, alles, was Ich besitze, gehört Dir und Werner (ein zweiter Freund), verteile es. Der Araber hat ein neues englisches Gewehr in der Band gehabt“ Auf der vierten Seite heißt es: „Gruß an alle Freunde und Genossen. Ich kann nicht mehr.“ Auf der letzten Seite standen die Worte: „Alles für unsere Freiheit.“ Der Vizebürgermelster von Tel-Aviv nach London abgereist. Aue Jerusalem wird gemeldet: Der Viizebürgermeister von Tel- Aviv, Dov H o s, hat sieh nach London zur Erledigung dringender städtischer Angelegenheiten begeben. 13.000-Pfund-Legat für Keren Kajemeth. Aus Jerusalem wird gemeldet: Der Keren Kajemeth Leisrael erhielt den Betrag von 13.000 Pfund, der ihm von einem Juden in Europa vermacht wurde. Der Name des Erblassers ist nicht bekannt. Verstärkte Baubewegung In Jerusalem. Aus Jerusalem wird gemeldet: Hier wird jetzt eine ganze Reihe von großen Gebäuden für öffentliche jüdische Einrichtungen gebaut. Bei diesen Bauten sind einige hundert jüdische Arbeiter beschäftigt, Beim Bau der Universitätsklinik, die von der „Hadassa" auf dem Skopus errichtet wird, sind augenblicklich über 200 Arbeiter beschäftigt, und ihre Zahl wird mit dem Fortschreiten der Arbeiten steigen. Im nächsten Monat werden bei diesen Arbeiten 500 Arbeiter beschäftigt sein. Die Arbeiten werden zwei Jahre dauern. In einem Monat beginnt die Anglo-Palestine-Bank in Jerusalem ein großes eigenes Gebäude zu errichten. Bei diesem Bau werden zirka 250 Arbeiter 1% Jahre beschäftigt sein. In Kürze beginnt auch die „WIZO“ ein Kinderheim zu bauen, bei dem über 100 Arbeiter beschäftigt sein werden. Ferner beginnt die Genossenschaft der Jerusalemer städtischen Autobusse „Hamekascher“ zwei neue Siedlungen für die Mitglieder der Genossenschaft zu errichten. Eine von diesen Siedlungen wird 40 Wohnhäuser und eine große Autobus-Garage umfassen. Die zweite Siedlung wird 100 Häuser zählen. Bialik-Prels für Schlmonowitsch. Aus Tel- Aviv wird gemeldet: Wie „Haarez“ mitteilt, hat die Jury den von der Tel-Aviver Stadtverwaltung gestifteten jährlichen Bialik-Preis in Höhe von 50 Pfund diesmal dem hebräischen Dichter David Sohimonowitsch für sein Poem „Mazewa“ verliehen. Der Koran Hebräisch. Aus Jerusalem wird gemeldet: Soeben ist der zweite Teil der von Dr. J. Riwlin hergestellten hebräischen Übersetzung des Koran erschienen; die restlichen Teile erscheinen noch in diesem Jahr. Riwlin arbeitete an der Übersetzung viele Jahre; sie wurde von Bialik durchgesehen. Das Mufti-Organ „Al Liwaa“ gibt der Befürchtung Ausdruck, daß „die Juden den Koran verkrüppeln“ werden, und fordert den Moslomitischen Rat zum Einschreiten auf. Vier jüdische Abgeordnete im Parlament des Irak, Aus Jerusalem wird gemeldet: Wie aus Bagdad berichtet wird, wurdtew in das neue Parlament des Irak vier jüdische Abgeordnete gewählt. Elisabeth Bergner reist nach Palästina. Aus Jeruealem wird gemeldet: Die Schauspielerin Elisabeth Bergner wird demnächst zu kurzem Aufenthalt in Palästina eintr offen. 50 Jahre Londoner Auswandererasyl. Aus London meldet die JTA.: Der „Jewish Tomporary Shelter“ feiert in diesen Tagen daß 50jährige Bestehen unter Leitung seines Präsidenten Otto Schiff. Im Laufe der fünfzig Jahre ihrer Tätigkeit hat die Institution mehr als 1,180.000 Auswanderern Hilfe geleistet. Der Shelter versieht die Auswanderer mit Wohnung und Nahrung und stellt auch in gewissen Fällen einen Teil der Passagekosten zur Verfügung. Im übrigen gewährt er auch jede Art rechtlicher HUfe. DAS IST DAS ECHTE NATURREINES KOKOSNUSSFETT Die Erzeugung steht unter Aufsicht Sr. Ehrwurden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Durchschnittlich werden etwa 200 Personen in jeder Woche in Auswanderungsfragen unterstützt und beraten. In Krems wieder zionistische Gemeindemehrheit. Am 7. März fanden in Krems an der Donau die Wahlen in den Vorstand der Jüdischen Gemeinde statt. Unter den sieben Mitgliedern des Vorstandes sind wieder fünf Zionisten, und zwar: Josef Hirsch, Arnold Kerpen, David R a c hmuth, Karl R e p h a n und Siegfried Hirsch (Lengenfeld). Czermak spricht in Prag. Das Prager „Deutsche Haus“ kündigt für Freitag, den 12. März, einen Vortrag des ehemaligen österreichischen Ministers Dr. Emmerich Ozermak an. Der Vortrag findet im Schmeykal-Saal des Deutschen Hauses über Einladung der „Akademia“ statt. Das Thema lautet: „Die Judenfrage im Mittelpunkt des Weltinteresses.“ Es wird amüsant sein, wenn Czermak in dem aus jüdischem Geld gebauten und erhaltenen Deutschen Haus über die jüdischen Weltbolschewiken sprechen wird. Silberner Becher und Album gefunden. Vom Fundamt der Wiener Polizeidirektion, I., Bräumerstraße 5, wurde die Kultusgemeinde 'verständigt, daß ein silberner Becher mit der Inschrift „Die Vorstandsmitglieder des Bethausvereines“, ferner ein Album mit palästinensischen Photographien gefunden wurde. — Der Verlustträger wolle eich beim Fundamt melden. Rektor Hugo Bergmann id Warschau. Aus Warschau meldet die JTA.: Der Rektor der Hebräischen Universität in Jerusalem, Professor Dr. Hugo Bergmann, ist, von Prag kommend, am Montag mittags in Warschau eingetroffen. In seiner Begleitung befanden ßich der Direktor für Organisation und Propaganda bei der Universität, Herr Alfred Berger, sowie Herr Jakob Maggid. Dozent Dr. Grau verblieb zwecks weiterer Führung der Arbeit in der Tschechoslowakei. Am Nachmittag hielten Rektor Hugo Bergmann und Alfred Berger Ansprachen an die Vertreter der Presse. Abends fand eine feierliche Sitzung der Gesellschaft „Freunde der Hebräischen Universität“ statt. In den nächsten Tagen werden Rektor Hugo Bergmann und die Herren Alfred Berger und Jakob Maggid mit verschiedenen Kreisen der Warschauer Judenheit Zusammenkommen. Rektor Bergmann wird Ansprachen an die jüdische akademische Jugend über die Kulturprobleme Palästinas halten. In den Sälen der judaistischen Bibliothek findet eine Ausstellung der Jerusalemer Universität statt. Der Boykott ln Danzig. Wie aus Danzig gemeldet wird, hat Gauleiter Förster an die Bevölkerung den Auftrag erlassen, ab heute alle Jüdischen Geschäfte rücksichtslos zu boykottieren. Bisher haben nur die Nationalsozialister dieser Aufforderung Folge geleistet. Auf den Spuren B. H. Vor einigen Tagen bekamen die Redaktionen der Wiener Zeitungen eine Einladung der „Freiland-Liga“ zu einer Pressekonferenz, in der die Pläne zur Ansiedlung von Juden in Überseeischen Ländern besprochen werden seilten. Dr. Josef Kruk, Mitglied des Zentralkomitees der „Freiland-Liga“, werde im Zusammenhang miit der Erklärung des französischen Kolonienministers M o u t e t Über die Ansiedlung von Juden in französischen Kolonialgebieten Aufklärungen geben. Der Hinweis auf die Erklärung des französischen Ministers mußte von vomeherein Staunen erregen. Der Zeitungsleser weiß, daß der ersten Erklärung Moutets über die Frage der Judena/nsiedlung aufklärende Mitteilungen folgten, aus denen klar hervorging, daß Frankreich nicht an eine großzügige Siedlungsaktion denke, sondern daß es sich lediglich darum handle, einer beschränkten Anzahl von Juden auch den Rettungsweg nach den Kolonien zu öffnen. Der Jüdische Weltkongreß, der eifrig Möglichkeiten der Hilfe für geflüchtete oder in ihrem Wohnlamd zur wirtschaftlichen Vernichtung verurteilte Juden sucht, setzte sich sofort mit dem französischen Kolonienmiinisterium in Verbindung, um genaue Auskünfte über diese Pläne zu erhalten. Der Weltkongreß versandte dann an die internationale Presse einen Bericht, der, so hätte man gemeint, die Erklärung Moutets ans allen Diskussionen über die Frage einer jüdischen Massenauswanderung nach den überseeischen Ländern aussohalten mußte. Es hieß in dem Bericht: „An eine eigentliche jüdische Siedlung in den französischen Kolonien denke die französische Regierung nicht. Es würde sich lediglich darum handeln, auf Madagaskar, in Neu-Kaledonien, auf Guyana oder in anderen Gebieten eine gewisse Anzahl von jüdischen Flüchtlingen amzusiedeln.“ Auf Madagaskar könne allenfalls ein Versuch mit der Ansiedlumg von 30 Familien gemacht werden. Es wurde hinzugefügt., daß dabei weder an Handwerker noch an Kanfleaite gedacht werde, sondern lediglich an Techniker, Landwirte und einige Ärzte. Die Einwanderer müßten auch über eigenes Kapital verfügen. landwirtschaftliche Siedlungen in der Form und im Ausmaß der palästinensischen seien nicht denkbar. Es könnten hie undda einige Güter entstehen, die sich vielleicht eines Tages günstig weiterentwickeln könnten. Das französische KoJonienminiisterinm habe den Vertretern des Weltkongresses ausdrücklich erklärt, daß es vor Illusionen warnen möchte. >1« Diese Dinge müssen jedem, der die Probleme der jüdischen Auswanderung mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt, noch in frischer Erinnerung'sein, denn seit der Erklärung Moutets und den ihr folgenden Kommentaren sind erst knapp sechs Wochen vergangen. Und jetzt kommt ein Abgesandter der ■ ■. IJPIIlgg»WWWl!HiiW«ia Old Shatterhands „Freiland-Liiga“ extra aus Paris zu uns, um für die Pläne dieser Organisation ausgerechnet auf der Basis der Erklärungen Moutets, ausdrücklich mit Berufung auf mißverstandene und richtiggestellte Mitteilungen zw werben? Der Widerspruch wurde durch die Aufklärungen Dr. Kruks nicht aus der Welt geschafft. Man hörte, daß in London und in Panis Komitees gebildet worden sind, unter deren Mitgliedern auch Männer von gutem Namen sind, und man hörte außerdem nichts anderes als — die Namen derselben Länder, die seinerzeit in der Erklärung des Ministers Moutet genannt worden waren. Das war alles. Der Referent enthielt sich jeder Mitteilung über die praktischen organisatorischen Pläne, die die „Freiland-Liga“ zmr Verwirklichung ihrer Pläne hätte. Es mußte erst einer der anwesenden Journalisten in einer Anfrage auf das primitive Problem der Finanzierung einer großzügigen Auswanderung und Ansiedlung von Juden hiinweisan. Darauf bekam man eine erstaunliche Antwort: Es gebe in Amerika einen Fonds für die Ansiedlung von Juden außerhalb Palästinas und außerdem besitze auch die ICA. Gelder für Siedlungszwecke. Schließlich wurde ohne Namensnennung noch auf einen großen westlichen Bankier hingowiesen, der erklärt habe, er werde für Geld sorgen, wenn einmal das Land da sei, m dem die Juden untergebraebt werden können. Übrigens, so fügte Dr. Kruk hinzu, sei Amerika anch nicht in der Weise kolonisiert worden, daß man zuerst das Geld bereitgestellt und dann die Auswanderer nach dem neuen Erdteil gebracht hätte. Das war, kurz zusammengefiaßt, das Ergebnis der Besprechung mit dem nach Wien entsandten Vertreter der „Freiland-Liga“. Die Konferenz war also nichts anderes als eine neue Warnung vor Illusionen. Die „Freiland-Liga“ hat nichts und es steht nichts hinter ihr. Sie will mit Geldern operieren, die ihr nicht zur Verfügung stehen und sie kann sieh nicht einmal darauf berufen, daß die Organisationen oder die Stiftungen, in deren Händen diese Gelder sind, auch nur ein Pfund für die Zwecke der „Freiland-Siedlung“ zur Verfügung gestellt hätten. Das Versprechen eines mysteriösen Bankiers kann aber vollends keine Basis für eine ernsthafte Aktion sein. Es ist kaum nötig, sich mit solchen Finanzieningsplänen überhaupt auseinanderzusetzen. Wir wollen trotzdem, damit uns niemand der leichtfertigen Ablehnung fremder Pläne zeihen könne, noch folgendes feststeilen: Die fremden Fonds, die die „Freiland-Liga“ für ihre Zwecke gewinnen möchte, beziffern sioh nach den Mitteilungen Dr. Kruks auf einige Millionen Dollar. In Palästina wurden bisher über 250 Millionen Dollar investiert! Es ist nach Palästina auch viel Privatkapitail geflossen, aber die Basis der Erlösung des Bodens und des Aufbaus des Landes ergab sich doch aus dein Leistungen der großen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.