Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 625 (5.3.1937)
- Date
- 1937-03-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054338-3054381--6521-3062382- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 3× ep/1047930
OCR text
Nr. 625. — Wien, Freitag, 5. Mä.rz 1937. DIB STIMMI Seit« 3 aaassi ln Qualität unerreicht und darum vom jüdischen Publikum seit vielen Jahren bevorzugt sind Sdimidl-Mazzoth und alle anderen Schlflidl-Prodllkte, wie Mazzoth-Grieß und Farvel. Schmidl-Mazzoth werden aus feinstem Mehl hergestellt, sie sind das Beste vom Guten. Streng orthodoxe Aufsicht ran diw ornnn -irm bidv mn sorgt für peinliche Einhaltung der Kaschruth- Vorschriften. Schmldl-Grleß nur Kn plombierten Säcken der Grenze Tel-Aviv—Jaffa ans nordwärts verlaufen. Der anschließende Badestrand soll in einer Länge von 500 Meter erweitert werden, Die Trockenlegung dürfte etwa 234 Jahre, die Durchfüihrung des Gesamtprojekts acht bis zehn Jahre dauern und rund 1000 Arbeitern ständige Beschäftigung geben. Die Kosten der Trockenlegung und Anlegung von Straßen und Wegen werden mit 700.000 Pfund veranschlagt, die Baukosten mit 234 Millionen Pfund. Zur Finanzierung des Projekts soll eine Aktiengesellschaft gegründet werden. Bund jüdischer Frontsoldaten in der Frontmiliz Auf Grund -eines Befehls des Landesmilizkoanmandos Wien wird der Bund Jüdischer Frontsoldaten Österreichs korporativ der Frontmiliz eingegliedert. Dadurch sind innerhalb des Bundes weittragende organisatorische Änderungen notwendig, die im engsten Einvernehmen zwischen dem zum Landesmilizkommando entsendeten Bundeeführer Hauptmann Edlen von Friedmann und dem Landesmilizkommando diurchgeführt werden. Nach Aufstellung der Formationen werden diese im Raihmen eines Generalappelle vocn den führenden Persönlichkeiten der Frontmiliz und von Regierungsjbitgliedern begrüßt werden. (JTA.) Fauzi Bey wieder in Palästina? London, 1. März. (JTA.) Wie aus Jerusalem telegraphiert wird, sind Anhaltspunkte dafür vorhanden, daß der syrische Bandenführer Fauzi Bey el Kaukadyi nach Palästina zurückgekehrt sei und die Führung der im Hügelland operierenden bewaffneten Banden übernommen hat. Die Polizei wurde angewiesen, alle Anstrengungen zu machen, um sich des gefährlichen Rebellenführers zu bemächtigen. Der Terror Jerusalem, 2. März. Einige reiche sephardische Juden in Haifa erhielten arabisch geschriebene Drohbriefe, in denen sie zur Leistung höherer Beträge zugunsten der Terroristen aufgefordert werden. Unterzeichnet sind die Briefe vom „Verein heiliger Kämpfer“. Wie „Haboker“ meldet, hat die Polizei in S a m a r i a Vorkehrungen getroffen, tun eine im Norden arbeitende Bande von 70 Terroristen abzufangen, welche die jüdischen Orte in Samaria zu überfallen plant, weil jetzt ihre Lage im Norden wegen der polizeilichen Vorkehrungen unhaltbar geworden ist. Paläsüna-Mazzoth Karmel-Weine, Jaffa-drangen Shemen-Ollven-Salat-Oel sowie sämtlich inländische Mazzoth alle Lebensmittel und Sliwowitz MDB bttf liefert zu sehr hilligen Preisen franko Haus Samuel Halpern, Wien, II., Förstergasse 6 Telephon A 48-4-12 Ein Polizist erschossen Arabische Zeitungen melden, daß syrische Terroristen auf die Polizeibegleitung eines arabischen Lastautos unweit der Kolonie Bnot-Jaakob geschossen haben, nachdem sie vorher den We<* mit Steinen verbarrikadiert hatten. Ein Polizist wurde getötet, zwei Polizisten verwundet. Arabische Terroristen gaben drei Schüsse in die von einer jüdischen Arbeiterfamilie bewohnte Baracke ab. Die Kugeln schlugen in das Bett ein, in welchem des Arbeiters Kind schlief, blieben aber in der weichen Decke stecken, so daß das Kind ohne Verletzung davonkam. Zwei Frauen schwer verletzt In das Haus des höheren Polizeioffiziers in Jerusalem S e 1 i m-E ffendi Hanna kam ein Araber und bat um Wasser. Als die Mutter des Offiziers ihm das Wasser reichte, versetzte ihr der Araber einen Messerstich. Bei der Flucht verletzte er auch eine junge Verwandte des Offiziers. Beide schwerverletzten Frauen wurden in das Hospital gebracht. freund hat weit und breit Empörung hervor* gertifen. Wie jetzt bekannt wird, kamen die drei Terroristen nach zwei Uhr nachts in die Wohnung' von Dr. Lehr mit der Ausrede, daß sie ihn zu einem Krankenbesuch abholen wollten. Als er ihnen in der Tür entgegenkam, streckten sie ihn durch drei Revolverschüsse nieder. Die Polizei setzte eine Belohnung von 500 Pfund für jede Mitteilung, die zur Entdekkung der Mörder führen könnte, aus. Weitere 500 Pfund setzte die Polizei als Belohnung für die Eruierung der Mörder des deutschen Chaluz Chaim B r u k aus. Eine Schafherde geraubt Eine bewaffnete Araberbande bemächtigte sich der Schafherde der jüdischen Kolonie Mizpa. Die eintreffende Polizei wurde von arabischen Schützen, die eich in den umliegenden Bergen versteckt hielten, beschossen. Während die Polizei mit der Abwehr dieses Feuerüiberfalles beschäftigt war, gelang es der Bande, -die Herde fortzutreiben. Wiedereinberufung von Hilfspolizisten Jerusalem, 3. März. (JTA.) Mit Rücksicht auf die Fortdauer des von den arabischen Terroristen geführten Kleinkrieg sind zahlreiche frühere Hilfspolizisten wieder zum Dienst einberufen und mit Waffen versehen worden. Arabische Aktion gegen den Terror Jerusalem, 2. März. Die arabischen Notabeln in Haifa beschlossen in einer Zusammenkunft, eine Propaganda-Aktion gegen den Terror, der das gesamte Wirtschaftsleben hemmt, in den Moscheen durohzuführen und auch einen öffentlichen Aufruf gegen die Terroraktionen zu erlassen. Tel-Aviv wird moderner Badeort Tel Aviv, im März. Das Stadtgebiet Tel-Aviv soll durch Trockenlegung eines Meeresstreifens erweitert werden. Aus dem Mitteilungsblatt der Stadt Tel-Aviv erfahren wir, daß das sogenannte Grünblatt-Projekt (nach dem Initiator Architekt Grünblatt benannt), vor der Verwirklichung stehe. Der Plan sieht die Trockenlegung eines über 134 Kilometer langen Streifens Strandboden durch Errichtung einer langen Schutzmauer vor. Es soll eine Fläche von 345.000 Quadratmetern gewonnen werden, die der Ausgestaltung Tel-Avivs zu einem modernen Kur- und Badeort dienen wird. Gleich hinter der Schutzmauer sollen ein breiter Prora enadenweg und Fahrwege angelegt werden. 72.15 Quadratmeter sind für die Errichtung einer Parkanlage, 14.400 Quadratmeter für einen offenen Spielplatz mit Schwimmbassin bestimmt usw. Nur 30 Prozent der Fläche (103.500 Quadratmeter) sollen verbaut werden (Hotels, Kaffeehäuser, Kinos, Theater, Vergnügungsetablissements, Bazar u. dgl.). Das neugewonnene Gelände wird von Czermaks Vorträge Herr Czermak ist nun mit seinem Juden vertrag vor deim „Christlichen Volksverneim Neuban“ erschienen und hat sich dort, wie die „Korrespondenz Austria“ berichtet, mit dem Widerhall seiner Thesen in den Kreisen der Judensohaft befaßt. Er verwahrt steh gegen die Gleiohsetzung von Nationalsozialismus und Antisemitismus und hebt stolz hervor, daß seine Anschauungen über die Judenfrage schon früher, zu Luegers Zeiten, ausgesprochen worden waren. Das ist ja richtig. Schneider, Gregorig, Bielohlawek, Purscht haben auch schon Schußgeld für Juden gefordert. Aber ändert dieser Streit um die Priorität etwas an der moralischen Bewertung einer Bewegung, die Menschen haßt, weil sie einer bestimmten Abkunft sind? Es ändert auch nichts an ihrer politischen Bewertung. Denn in einer Zeit, die von Krisen und seelischen Erkrankungen erfüllt ist, noch weiter Haß zu predigen, ist Staatsfeindschaft und »bleibt es. Es erregt immer neue innere Unruhe und verhindert die innere Befriedung. Daß Herr Czermak dies nicht versteht, ist bedauerlich. Es ist dazu auch noch heiter, wenn ein in Daciee 'Datsehitz) in Mähren als Sohn tschechischer Eltern geborener Mann für die bodenständigen Deutschen das Wort führt. Herr Czermak will wieder weismachem, daß die höheren Berufsschichten im christlichen Österreich für die Juden reserviert werden. Ist das wahr? Ist Herr Czermak von irgend einem Juden gehindert worden, Professor in Hollabrunn zu werden? Hat irgend ein Jude jemals auf Grund seines jüdischen Bekenntnisses eine Stelle erlangt, die er einem Christen weggenommern hat? Haben Juden Goethe, Schiller, Grillparzer verhindert, Goethe, Schiller, Grillparzer zu werden? Wenn ein Jude etwas wird, dann, muß er mehr gelernt haben und besser qualif iziert sein als sein , christlicher Konkurrent. Das wollen die Czermaks nicht wahr haben und so fühlt sich Czermak für verpflichtet, festzustellen, „daß der Nutzen, den die Juden dem christlichen Volk gebracht haben, verschwindend klein ist gegenüber den unermeßlichen Schäden, die christliche Kultur und christliche Wirtschaft unter jüdischer Einflußnahme erfahren haben.“ Wieso haben Juden die christliche Kultur und die christliche Wirtschaft geschädigt? Sicherlich sind diese beiden in den letztem vier Jahren schwer geschädigt worden. Aber von den Nationalsozialisten! Über die trauen sich die Czermak und Genossen nicht zu reden. Und es ist doch, sagen wir, grotesk, wenn sich Czermak auf Dollfuß beruft, den Deutsche ermordet haben. Herr Czermak untersteht sich dann (dem Bericht der genannten Korrespondenz zufolge), das Folgende öffentlich zu sagen: „Einzelentgleisungen berechtigen bestimmt nicht zum Vorgehen gegen jene Gesamtheit, dieser einzelne angehört. Wenn diese Entgleisungen aber nicht weit davon entfernt sind, fast einen Charakterzug der Gesamtheit Tausend Pfund für Ergreifung der Mörder von Bruk und Lehr Purim-Botschaft des Präsidenten Roosevelt Jerusalem, 1. März. (JTA.) Der von arabischen Terroristen ermordete aus Deutschland stammende jüdische Arzt Dr. Josef Lehr war 43 Jahre alt. Er war der einzige Jude in der arabischen Stadt Beisan. Er kam auf Bitten von Arabern in die Stadt, um den Kranken, ausschließlich Arabern, Hilfe zu bringen. Seine Frau wohnte in Haifa. Der tückische Mord an dem jüdischen Menschen¬ Washington, 1. März. (JTA.) Der Präsi- [ schaft verbreiten: dent der Vereinigten Staaten Franklin D. | „Das Gedenken an die wunderbare Erlö- Roosevelt, der aus Anlaß jedes jüdisung des jüdischen Volkes aus der Gefahr sehen Neujahrsfestes eine Glückwunschbot-1 der Vernichtung, mit der es vor so vielen schaft an die Juden der Vereinigten Staaten ‘ Jahrhunderten ein Haman bedroht hatte, ergehen läßt, hat in diesem Jahr auch das sollte iu den Juden von heute den Glauben Purim-Fest zum Anlaß genommen, um die an die Zukunft stärken; das Bewußtsein Juden Amerikas zu begrüßen, Er ließ i des strahlenden Erbes, das ihnen zuteil durch das Radio die folgende Bot-1 wurde, möge ihr Selbstbewußtsein erhöhend DAS MEISTERWERK Jüdischer Geschichtsschreibung! Soeben erscheint: Simon Dubnow Weltgeschichte des jüdischen Volkes Volksausgabe in 3 Banden Ermäßigter Subskriptionspreis für alle drei Bände (Umfang über 1800 Selten im Lexi ko n f o r m a t). Ganzleinen Nur S 63.— Band I Ist sofort lieferbar! Band II erscheint Ende April, Band lil Ende Mai 1937 Verlangen Sie den I. Band auf acht Tage unverbindlich zur Ansicht. Verlangen Sie ausführlichen Prospekt Lieferung erfolgt auch gegen Teilzahlung von nur S 5.— monatlich R. Löwit, Wien, I., Fleisch» markt 1, Telephon R 21-4-25 auszumachen, ißt es dann. ein gar so großes Unrecht, wenn die geschädigte bodenständige Mehrheit nach Abhilfe ruft?“ Das ist nicht mehr politische Kritik, auch nicht mißverständliche Auffassung, sondern einfach Nationalsozialismus. Diie Hakenkreuzler sagen es nur offener und deutlicher. iiiiiiiiiiimmimiiiiiniiiiiimiiiiiiiiiiiiMiiiimiiiiiiiniiiiiMiiimmiiiiiiiiiumiiiiiiiiiiiiuiiimiiiiiiiiiiv Werbemonat der „Stimme“ Der Monat März wurde als Werbemonat für die ,Stmme“ festgesetzt. Lesen Sie die Anzeige auf Seite 4, aus der Sie erfahren, daß wir diesmal für die Werbung neuer Abonnenten wertvolle Bücherpreise ausgesetzt haben. TEPPICHHAUS .SCHEIN I., Tuchlauben 25 VII., Mariahilferstraße 76 Moderne Vorhangstoffe, Netzstoffe, Möbelstoffe, Möbelkretonne, Englisch-Leinen, Chintze. Alle Qualitäten Teppiche Aus der Provinz In einer Versammlung der Vaterländischen Front an Linz hat Staatssekretär Zernatto nach einem Bericht der „Linzer Tagespost“ u. a. gesagt: „Wir sind weit davon entfernt, den Bolschewismus zu unterschätzen, aber auch weit davon entfernt, ihn zu überschätzen. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß die bodenständige Bevölkerung mit bolschewistischen Ideen am wenigsten zu tun hat. Wir wissen aber, und das gilt vor allem für Wien, daß 80 Prozent der bolschewistischen Agitatoren Juden sind. Wir werden scharf auf sie achtgeben und uns gegen sie wehre n. Wir haben schon bei einem früheren Anlaß gesagt, daß man den Bolschewismus nicht mit Reden über die Juden bekämpft, sondern mit Arbeit und Arbeitsbeschaffung. Zu diesem Zweck ruft ja die Regierung alle Kreise auf, sich an der Investitionsanleihe zu beteiligen. Wenn man Judentum und Bolschewismus in dieser Weds-e miteinander in Verbindung bringt, so begeht man den Fehler, die Kreise zu unterstützen, die, wie der Staatssekretär sagte, gegen den Bolschewismus heulen und die Diskussion sozialer Probleme ansschließen. Im übrigen müßte die Rechnung im ganzen amfgestellt werden. Wenn die Agitatoren zu 80 Prozent Juden sein sollen — es gibt auch Juden, die nicht bolschewistisch sind —, so sind 20 Prozent Nichtjuden. Und außer ihnen sind ja noch diejenigen da, die nicht Agitatoren sind, sondern einfach Bolschewiken oder Kommunisten, die Gefolgschaft jener Agitatoren. Und die sind zu 100 Prozent Nichtjuden. Staatssekretär Zernatto hat bisher viel staatspolitisohes Verständnis bewiesen. Wir nehmen an, daß die „Linzer Tagespost“ ihre ureigenen Provinzkomplexe in der Weise abreagiert hat, daß sie ihre Ideen in den Bericht hineimschrieb. Jedenfalls wird eine Erklärung gut sedru