Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 624 (2.3.1937)
- Date
- 1937-03-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Oll STIMMI Nr. 624. — Wien, Dienstag, 2. März 1Ö37. krieges unter den Schutz dee Völkerbundes zu stellen.*) 2. Einst wurde der Kampf um die Emanzipation von den Juden in den einzelnen Ländern getrennt geführt. Ihr Schicksal hing von ihrer jeweiligen Regierung und der jeweiligen Gesetzgebung ab. Nach dem Weltkrieg trat die Judenfrage auf Grund der Friedens Verträge, die die Garantie für die Minderheitenreehto bilden, in ihr internationales Stadium ein. Sobald die Gleichberechtigung verletzt wurde, hatten wir die Möglichkeit, uns an den Völkerbund zu wenden, der sich verpflichtet hatte, diese Gleichberechtigung zu schützen. Ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit läßt die ganze Bedeutung dieses Berufungsrechtee erkennen. Als Hitler gegen die Emanzipation der Juden vorging, konnten die deutschen Juden auf internationalem Gebiete nichts erreichen. um Hitlers gesetzwidriges Vorgehen zu bekämpfen, denn die deutschen Juden hatten sich nicht als nationale Minderheit erklärt; die kleine Gruppe der Juden in Oberschlesien dagegen — Oberschlesien ist der Kontrolle des Völkerbundes unterstellt — konnte ihre Rechte erfolgreich vertreten, denn sie war als nationale Minderheit anerkannt worden (Bernheim-Petition 1933). 3. Unter Schutz der nationalen Minderheiten verstehen wir vor allem den Schutz ihrer juridischen und staatsbürgerlichen Gleichberechtigung sowie ihrer nationalen und kulturellen A u t o n o m i e. In einem Europa, das der nationalsozialistischen Epidemie zu verfallen droht, ist der Kampf um die Unverletzbarkeit der Person und des Besitzes der Juden an der Tagesordnung. Niemals vielleicht war die Notwendigkeit eines internationalen Schutzes für das Judentum so dringend wie heute, da in Ländern mit starkem Prozentsatz jüdischer Bevölkerung das Faustrecht wieder aufleht, ein ganzes Volk durch Boykott, Terror und Massenpogrome vernichtet wird, und da ein Land mit drei Millionen jüdischer Einwohner vor dem Völkerbund von einem „Abtransport” der Juden mittels Massenauswanderung zu sprechen wagt! Im Augenblick, da diese Zeilen geschrieben werden, wird dieser „Export” der polnischen Juden von der Tribüne des polnischen Parlaments herab vom Führer der Regierungspartei Niedzielski und sogar vom Außenminister Beck verlangt. Von diesem Export der Juden, der gefördert werden soll durch den Boykott, und für die die Sachverständigen eintreten, zu ihrer „Deportation“ wie einst im mittelalterlichen Spanien, ist nur ein Schritt... Auch Sliosberg ist der Ansicht, daß angesichts dieser drohenden Gefahr der Zusammenschluß aller Kräfte des Weltjudentums erfolgen müsse; das aber soll, nach Sliosberg, lediglich im Namen der Religion, des „jüdischen Monotheismus“ und nicht im Namen der jüdischen Nationalität, erfolgen. Warum nennt er kein Volk, das in der heutigen modernen Zeit des Freidenkertums sich lediglich auf der Grundlage der Religion zu einigen vermöchte?? Ist nicht der orthodoxe — oder besser gesagt: klerikale — Verband „Agudath Israel“ bereit, Millionen von Menschen aus dem Judentum auszustoßen, weil sie die rituellen Vorschriften nicht befolgen? Weigert er sich nicht, mit den größten jüdischen Organisationen zusammenzuarbeiten, weil er nicht inmitten „der Gottlosen“ zu tagen wünscht? Ich möchte mit dem Wunsche und. der Hoffnung schließen, daß sich unserer alljüdischen Vereinigung, dem Jüdischen Weltkongreß, recht bald auch die Personen und Organisationen anschüeßen, die längst überholte Vorurteile bisher noch daran gehindert haben. *) Der von der jüdischen Presse veröffentlichte Bericht hieß: „Der Kampf um die Emanzipation einst undjetz t.“ Der englische Publizist und Diplomat Lucien Wolff, der damals Herausgeber des In London erscheinenden „The Jewish Guardian“ war, veröffentlichte den Bericht unter dem Titel „Die' neue jüdische D’plomat’e“. Unter diesem Titel zit:ert Sliosberg den Bericht, aber irrtümlich gibt er „The Jewish Chronicle“ statt „The Jewiäh Guardian“ an. Organisator( in) für soziale Arbeit wird von csl. jüd. Institut gesucht Genaue Offe» te mit Lebens'auf und Photo unter Chiffre: „Dauerstellung“ an d>e Redaktion der „Se l bstwe hr‘, Praha I, Dlouhä trida 41.° erbeten Das Letzte ist das Nett*ste . . . also am 13. Marz 1937 in die SofiCll$äl6 zu „NtSKEN, KliHSTUR lim DD“ Veranstalter: Jung WIZO Mirjam u J. K. J. Arrangement: Jüdische Kulturstelle Jüdischer Klub in Polen stimmt gegen das Budget Vor Abstimmung über das Budget im Sejm gab der jüdische Deputierte Dr. Sommerstein im Namen des Jüdischen Klubs eine Erklärung ab, in der er sagte: „Wir stehen auf dem Boden der Verfassung, derzufolge alle Bürger gleichberechtigt sind und deren Artikel 7 ausdrücklich bestimmt, daß Abstammung, Religion oder Nationalität der Bürger nicht eine Ursache zur Beschränkung ihrer Rechte sein dürfe. Die nunmehr auch in der Regierungsfront aufgekommene Tendenz, die Bürger nach ihrer Religion oder Nationalität zu differenzieren und darnach ihre Bürgerrechte und ihr Recht auf Arbeit und wirtschaftliche Existenz zu bemessen, steht in eklatantem Widerspruch zur Verfassung des polnischen Staates und ist nicht dazu angetan, alle Kräfte der Gesellschaft um die staatlichen Aufgaben zu konzentrieren. Um gegen die verfassungswidrige Entrechtung und Unterdrückung der Juden zu protestieren, werden wir gegen das Budget stimmen.“ Der agudistische Deputierte Minzberg, der dem Jüdischen Klub nicht angehört, erklärte, daß er ßich der Stimme enthalten werde. Auch er protestierte in bewegten Worten gegen den neuen offiziellen Kurs deT Beschränkung der jüdischen Rechte und der wirtschaftlichen Diskriminierung der jüdischen Bürger. Monat März: UltototoOtoat fiU „die StUMHe" Die Landeskonferenz hat bekanntlich die Intensivierung der Werbung für den Landesverband und seine Zeitung, „Die Stimme“, beschlossen. Dementsprechend haben wir den Monat März als besonderen Werbemonat für unser Blatt ausersehen. Es ist jedem Zionisten klar, wie notwendig und wichtig die Verbreitung der zionistischen Zeitung für die zionistische Idee ist. Wir zweifeln nicht, daß diese Einsicht allein genügen würde, alle Zionisten zur Arbeit für unser Blatt anzuspornen. Aber wir haben uns entschlossen, erföigreiche Arbeit mit we&tuoll&t Tlceiszto anzuerkennen. Es erhält der, der uns einen neuen Jahresabonnenten oder zwei neue Halbjahresabonnenten bringt, Theodor Herzls Buch „Alt* Neuland“ in Leinen (Ladenpreis S 7*80* Wer zwei Jahres- oder vier neue Halbjahresabonnenten bringt, erhält als Preis nach Wahl einen Band Josef Kastein: „Herodes“, „Uriel da Costa“ oder „Jerusalem, die Geschichte eines Landes“ (Ladenpreis S 12.60). Wer schließlich vier Jahres- oder acht Halbjahresabonnenten bringt, bekommt als Preis Adolf Böhms „Geschichte des Zionismus (Neuauflage, Ladenpreis S 22.60), oder Heines Werke in zehn Bänden (Ganzleinen, Tempel- Verlag, Ladenpreis 8 35*—). Wir betonen: Diese Preise gelten nur für j Werbungen von Abonnenten, die spätestens bis 81. März 1937 in unserer Administration angomeldet und nachgewieeen werden. Evakuierungs-Debatte auch in Rumänien Bukarest, 28. Februar. (JTA.). In einer der letzten Sitzungen des rumänischen Parlament« richtete der Deputierte N. Tica an die Regierung eine Frage, betreffend jüdische Massenaußwanderung aus Rumänien nach Palästina. Im vorigen Jahre, so führte er aus, hat Wladimir Jabotinsky einen Plan übeT Auswanderung von Juden aus Mittel¬ und Osteuropa nach Palästina verkündet; das. Ziel dieses Planes ist, daß in zehn Jahren aus Rumänien 800.000, aus Polen 750.000 Juden auswandem. Der rumänische Außenminister ist mit dem Bevollmächtigten der N Z. 0., Dr. W. von Weisl, der ihn im, Dezember 1936 besuchte, in Kontakt getreten. Welche Antwort hat er Dr. von Wedel erteilt? Hat er Herrn von Weisl, deT sich während der letzten Völkerbundtagung in Genf aufhielt, unterstützt? Der Berichterstatter der Permanenten Mandatskommission dee Völkerbundes hat festgestellt, daß Rumänien an einer Emigration seiner jüdischen Bürger nach Palästina interessiert Ist. Borichterstatten war unser Außenminister. Was tut die Kommission, um den Plan Jabotinskys über Auswanderung von jährlich 30.000 Juden aus Rumänien und 75.000 Juden aus Polen nach Palästina zu verwirklichen? Pogromkrawalle in Ungarn Budapest, 25. Februar (JTA.). In Buda-j pest und in Fünfkirchen kam es vergangener Woche zu schweren Ausschreitungen gegen jüdische Hörer. In Fünfkirchen ereigneten sich Mittwoch anläßlich einer angesagten Promovierung von drei jüdischen Modizinabsolventon scharfe Zusammenstöße. Dio Doktoranden sahen sich schließlich genötigt, sich von der Promotion zurückzuziehon und um einen mehrmonatigen Aufschub zu bitten. Beim Verlassen der Universität wurden sie und ihre Eltern wiederum von den angesammelten antisemitischen Studenten überfallen und mißhandelt. Um das Univcrsitätsgebäudo wurde ein Polizeikordon gezogen. Von der Universität begaben sich Gruppen nationalistischer Studenten in das Stadtzen- | trum und versuchten jüdische Geschäfte zu demolieren. Als sie hier durch dio Polizei an der Fortsetzung des Zerstörungswerkes gehindert wurden, begaben sich dio Demonstranten zur Synagoge von Fünfkirohen und schlugen dort die Fenster ein. Ministerpräsident Dr. D a r a n y i äußerte sich im Couloir des Abgeordnetenhauses zu Vertretern der Presse: „Die Demonstrationen sind vereinzelte Erscheinungen, aus denen keine verallgemeinernden Schlüsse gezogen werden dürfen. Ich braucho nicht zu sagen, daß keino Veranlassung zu irgend einer Beunruhigung vorliogt. Der ungestörto Gang der Vorlosungen wird gesichert worden. Nochmals wiederhole ich, auch vom Gesichtspunkt der höheren Interessen des Landes, den Wunsch, daß endlich alle solchen Versuche aufhören, denn andernfalls wird die Regierung gezwungen sein, mit schonungsloser Energie gegen jeden leichtfertigen Versuch der Ruhestörung einzuschreiten.“ Panarabismus, wie er wirklich ausneht Während der Unruhen in Palästina wurde die panarabische Bewegung als Schreckgespenst hingestellt. Die panarabischen Bestrebungen sind eine beliebte Ausrede für Antizionisten und berufsmäßige Nörgler. Jede Nachricht, die ihnen in ihr Konzept paßt, wird aufgebauscht und ausgeschrotet. Es gibt allerdings aber auch einen sehr maßgebenden Politiker, der leider die zweifellos vorhandenen panarabischen Bestrebungen übermäßig ins Kalkül zieht. Das ist der Oberkommissär von Palästina Sir Arthur Wauchope. Er war eo auch, der zur Zeit der Unruhen Nuri Pascha aus dem Irak nach Palästina rief. Im Irak herrschen heute die Kurden, und Nuri Pascha sitzt im Exil in Kairo. Kein Hahn kräht mehr nach ihm. Wo ist die angeblich geschlossene Front der arabischen Fürsten. Ihn Saud hat dem Mufti von Jerusalem, der eine panarabische Konferenz nach Mekka einberufen wollte, energisch ahgewinkt und hat sagen lassen, daß er eine Verquickung von Politik und Religion nicht wünsche. Die Regierung von Irak hat dem arabischen Komitee in Jerusalem kurz und brutal gesagt, daß die Araber Palästinas vor die königliche Kommission gehen müssen und daß sie sich mit den Juden verständigen sollen. Syrien und Libanon haben ihre eigenen Sorgen und haben dem arabischen Komitee in Palästina ebenfalls deutlich abgewinkt. Diese Haltung der arabischen Staaten ist augenscheinlich auf den Vorstoß der Türkei zurückzuführen, die plötzlich Alexandrette verlangt hat und schon zu verstehen gegeben hat, daß sie demnächst Ansprüche auf Mossul in irgend einer Form erhoben wird. Das öffnet den Arabern die Augen. Die Araber beginnen zu begreifen, wo ihr Feind steht, und wem gegenüber sie sich zur Wehr setzen müssen. Panarabismus und arabischer Antizionismus sind also keineswegs so gewichtige und aktuelle politische Faktoren, daß sie die proarabischo Politik Wauchopes rechtfertigen würden. Die panarabische Bewegung kann daher auch kein ernstes Hindernis für den Aufbau des Jischuw sein, wenn England will. Wül es? Ständige Sprechstunden des Präsidiums und der Fach* referenten des Zionistischen Landeskomitees Präsident: Dr. Oskar Grünbaum, Montag uni Donnerstag von 12 bis 1 Uhr. Fondsreferent: Vizepräs. Dr. Paul Berger, nach telephonischer Anfrage. Vizepräsidentin: Sabine P a ß w e g, nach telephonischer Anfrage. Organisationsreferent: Vizepräs. Dr. Richard P o k o r n y, Dienstag Val bis H2 Uhr. Finanzreferent: Dir. Hermann A p t e r, Montag, 12 bis 1 Uhr. Schekelreferent: Dr. Abraham Groß, Montag, 19 bis 20 Uhr. Jugendreferent: Dr. Isidor K1 a b e r, Donnerstag, 12 bis 1 Uhr. Pressereferent: Dr. Liechtenstein- Rappaport, Freitag, 11 bis 12 Uhr. Veranstaltungsreferent: Ignatz Müller, Montag, 12 bis 1 Uhr. Alijahreferent: Dr. Leon Preis, 1. und 3. Mittwoch im Monat, 1419 bis K20 Uhr. Chaluzreferent: Dr. Fiechel P i c k h o 1 z, •täglich von 9 bis 10 Uhr. Palästinaamtreferent: Dr. Alois Rothenberg, nach telephonischer Anfrage. Jugendangelegenbeiten: Erwin R o 11 e r, Montag, 19 biß 20 Uhr. Kulturreferent: Dr. Wilhelm Stein, Donnerstag, % 12 bis % 1 Uhr. Jugendangelegenbelten: Doktor Michael StoinbeTg, Donnerstag, 12 bis 1 Uhr. In allen laufenden Angelegenheiten de* Zionistischen Landesverbandes ist Herr Dr. F. P i c k h o l z täglich von 9 bis H14 Uhr zu sprechen. Ein vielseitiger Hausfreund ist Diana- Franzbranntwein mit Menthol. Gleichviel, ob man ihn zur Mund- und Zahnpflege gebraucht, oder als Haarwasser, oder als Zusatz zura Wasch- und Baüewassor, ob er zu Massagen (Einreibungen) verwendet wird, immer leistet er dio besten Dienste. In überaus vielen Haushalten ma<? man Diana nicht mehr missen, denn wer ihn nur einmal erprobt hat, bleibt ein treuer, weil zufriedener Freund. In allen besseren Geschäften erhältlich. Bitte aber ausdrücklich Diana zu verlangen.