Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 624 (2.3.1937)
- Date
- 1937-03-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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9k \Stimme Nr* 624 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Dienetag, 2* März 1937 19* Adar 9697 10* Jahrgang BR.Ä ORBIS-OSTERFAHRT nach POLEN ICZERNOÜHITZ ABFAHRT: 2 4. MÄRZ 1937 Aosk. u. Anmeldung,,: POLNISCHE! VERKEH1SBUI0 „OMIS" I., KdrntnerstraBa 4t (< 21-6-7^) OESTERREICHISCHES VERKEHRSBURO L, FrledrfohstraBa 7 (H 27-501)) u Qraban 20, (tj 29-0-35) Wir sind auf gerufen Die Leistungen für die Erhaltung der Organisation in der Galutli, für die Fonds und den Schekel sind den Allgemeinen Zionisten in Fleisch und Blut übergegangen. Trotz der Not der Zeit sind die Allgemeinen Zionisten die Erhalter der Organisation und ihre Beiträge für die Fonds steigen von Jahr zu Jahr. Dasselbe gilt von den Schekeleingängen, insbesondere in den kongreßlosen Jahren, in denen die anderen zionistischen Gruppen nichts oder fast nichts leisteten. Im Kongreßjahr aber ändert sich das Bild. Plötzlich haben die anderen Gruppen Geld" und sie erzielen hohe Schekeleingänge. Am Wahltag bringen sie alle ihre Anhänger zur Wahl und nur ein großer Teil der Allgemeinen Zionisten glaubt, daß die Zahlung des Schekels genüge. So kommt es, daß viele Allgemeine Zionisten es nicht der Mühe wert finden, zur Urne zu gehen. Diö Folge davon ist, daß die Allgemeinen Zionisten schlecht absohneiden und daß die Kongreßwahl die tatsächliche Stärke der Allgemeinen Zionisten nicht zum Ausdruck . bringt. Wieder einmal stehen wir vor eineT Kongreßwahl. Soll sich das alte Spiel wie-, derholen? Die Allgemeinen Zionisten, und nicht nur die in Österreich, führen berechtigte Klagen über ihre Benachteiligung bei der Zuteilung von Zertifikaten und über die Benachteiligung der allgemein-zionistischen Jugend durch die Histadriith in Erez Israel. Wollen die Allgemeinen Zionisten, daß das Unrecht, das ihnen zugefügt wird, aufhöre, dann müssen sie dafür sorgen, daß die Allgemeinen Zionisten in möglichst großer Zahl heim Kongreß als Delegierte erscheinen. Denn nur der Kongreß kann Beschlüsse fassen, die das uns systematisch zngefügto Unrecht beseitigen können. Es müssen aber solche Allgemeine Zionisten als Delegierte gewählt werden, die nicht fremde Interessen, sondern dio Interessen der Allgemeinen Zionisten beim Kongreß vertroten. Wer dafür Ist, daß sich gleiches Recht für alle Zionisten in der Zionistischen Organisation durchsetze, der erwerbe und verbreite den Schekel und melde sich bei seiner Bezirkssektion ungesäumt zur Arbeit. Unser Wahlerfolg muß unsere tatsächliche Stärke zum Ausdruck bringen. Wir sind aufgerufen und müssen uns bewähren. Zweiter Moslemitischer Kongreß Jerusalem, 28. Februar. (ITA.) Es wird berichtet, daß das Büro des Internationalen Moslemitischen Kongresses in Jerusalem, das unter dem Patronat des Mufti steht, Vorbereitungen zu einem zweiten Kongreß trifft, der im April oder Mal abgehalten werden soll. Der Kongreß soll ln Kairo, Damaskus, Genf oder Paris tagen. Mekka wurden aus der engeren Wahl ausgeschaltet, weil angeblich König Ihn Saud die Genehmigung zur Abhaltung des Kongresses ln dieser Stadt verweigert hat. Auf die Tagesordnung des Kongresses dürfte ein an die islamische Welt zu richtender Aufruf gesetzt werden, in dem die Mohammedaqer aufgefordert werden, die heiligen Stätten des Islam ln Palästina vor den angeblichen Absichten der Juden, sich ihrer zu bemächtigen, zu schützen« Der Schutz der jüdischen Minderheiten Von Prof. Simon Dubnow Im Herbst 1936 hat der Völkerbund eine | digung der Gleichberechtigung. Wir sind un - 1-J—- endlich bescheidener geworden: wir müssen unser nacktes Dasein gegen Pogrome, gegendenBoykottderjüdischen Arbeit, gegen einen von gewiesen Regierungen geduldeten planmäßigen Terror verteidigen. Es ist daher um so bedauerlicher, daß ßich in einem, eo kritischen Augenblick Menschen finden, die die Tätigkeit des Jüdischen Weltkongresses unterminieren, weil sie grundsätzlich dem Gedanken der nationalen jüdischen Minderheiten ablehnend gegenüberstehen. Mit Betrübnis stelle ich fest, daß Sliosberg zu diesen Gegnern gehört, der selbst oft genug im Vorkriegsrußland für die jüdische Politik eingetreten ist. Heute veröffentlicht Sliosberg in der „Revue de Genfive“ (Januar-Nummer 1987) unter dem Titel „Minderheitenrechte und jüdische Politik“ einen Artikel, in dem er den Weltkongreß, der die besten Kräfte des europäischen und amerikanischen Judentums vereinigt, z>u, diskreditieren sucht. Sliosberg greift zunächst grundsätzlich den von mir in meinen Schriften und Berichten vertretenen Standpunkt an, daß die Judenfrage international betrachtet werden muß. Aus mir unerfindlichen Gründen hält es Sliosberg für richtig, auf meinen Bericht für die Konferenz in Zürich im Jahre 19*27 zurückzugreifen. Diese Konferenz war eine Etappe zum Jüdischen Weltkongreß. Die Polemik hat besonders in den Teilen, in .denen sie sich gegen die von mir vor dreißig Jahren in meinen „Briefe über das a 11 e u n d das neue Judentum“ dar- (gelegten Gedanken wendet, eine Verspätung von zehn Jahren. Ich halte es für überflüssig, diese alte Diskussion von neuem zu beginnen Wenn ich trotzdem auf Sliosbergs Ausführungen eingehe, so geschieht dies keineswegs, um mich'zu verteidigen, sondern lediglich, um die Aufgaben des Jüdischen Weltkongresses noch klarer beraiiszuarbeiten. Soweit mein Bericht für die Konferenz in Zürich heute noch aktuell ist — Sliosberg macht geradezu einen „casus belli“ daraus — will ich im folgenden seinen wesentlichen Inhalt kurz zusammenfassen. 1. In West- und Osteuropa hat der Kampf um die Emanzipation des Judentums verschiedene Formen angenommen. Im Westen, wo die Juden im 19. Jahrhundert nicht als Volk, sondern als religiöse Gruppe innerhalb der Nation aufgefaßt wurden, wurde der Kampf um die Gleichberechtigung unter dem Kommission zum Studium der Anwendung der Grundsätze des Völkerbundpaktes eingesetzt. Im Dezember 1936 hat das Exekutivkomitee des Jüdischen Weltkongresses dieser Kommission ein von Dr. Stephen S. Wise aiisgearbeitetes Memorandum unterbreitet, in dem alle Übertretungen der Völkerbundgrundsätze in ihrer Anwendung zum Schutze der jüdischen Minderheiten in den verschiedenen europäischen Ländern aufgezählt werden. Der Jüdische Weltkongreß stellt in dieser Denkschrift fest, daß die antijüdische Politik Deutschlands von gewissen anderen Ländern teils stärker, teils schwächer nachgeahmt wird, und dies sogar von Ländern, die sich in den Naobkriegsverträgen verpflichtet haben, den Grundsatz völliger Gleichberechtigung ihrer Minderheiten anzuerkennen. Das Memorandum fordert, daß der Schutz der Minderheiten rechte, für sämtliche Völkerbund mit* glieder, auch für die zukünftigen, abermals als obligatorisch erklärt werden müsse. Dieser Schritt des Jüdischen Weltkongresses kann in den Augen derer, die sich von den drängenden Problemen der Aktualität blenden lassen, vielleicht lächerlich erscheinen. Immer wieder hört man, der Völkerbund sei ohnmächtig. Es ist au der Zeit, den bornierten Standpunkt aufzugeben, dem zufolge die augenblickliche Schwäche des Völkerbundes — die gewissen politischen Ereignissen zuzuschreibeu ist — ewig dauern wird. Der Völkerbund ist nach Beendigung des Weltkrieges nicht aus abstrakten Grundsätzen heraus entstanden, sondern aus dem Selbsterhaltungstrieb der Völker, die nur mit Grauen an die Wiederholung einer derartigen Katastrophe zu denken vermochten.. Sollte der Völkerbund — wie die Faschisten und Nationalisten wünschen — tatsächlich verschwinden, so müßte sehr bald ein neuer Völkerbund geschaffen werden. Aus diesen Gründen erscheint die jüngste Entscheidung des Jüdischen Weltkongresses durchaus vernünftig, unter der Voraussetzung wohlgemerkt, daß ihre Durchführung entschlossen und energisch weitergeführt wird. Dieser Beschluß steht mit der historischen Tätigkeit des „Comitö des D61egations Juives“ im Jahre 1919 in Paris in unmittelbarem Zusammenhänge-: diese Tätigkeit setzte die internationale, in den Friedensverträgen, ausdrücklich festgelegte Anerkennung der Rechte d er . j ü dis c.h en Minderheiten durch. Die Gewährleistung der Minderheitenrecbte ist die einzige juristische Grundlage, auf die sich das Judentum im Kampfe um seine Rechte zu stützen vermag, sobald diese durch irgend eine Regierung verletzt werden, und die Verfassung des betreffenden Landes sich zum Schutze dieser Rechte als unzureichend herausstellt. Der Völkerbund ist unsere einzige Berufungsinstanz bei den schweren Verstößen gegen unsere durch den Völkerbund garantierte Gleichberechtigung. Es versteht sich von selbst, daß dem juristisch. ausgezeichneten Memorandum des Weltkongresses ganz bestimmte Taten folgen müssen. Die Tendenz einiger Regierungen, sich von der Kontrolle des Völkerbundes zu befreien, um den Juden gegenüber freie Hand zu haben, muß bekämpft werden. Zu diesem Zwecke muß man sich mit den anderen nationalen Minderheiten ins Einvernehmen setzen und die pan europäisch eMinderheiteu-Union Wiederaufleben lassen, nachdem Hitler-Deutschland diesem Organismus im Jahre 1938 einen tödlichen Stoß versetzte, indem die unqualiüzierbaro Haltung der deutschen Delegierten die jüdischen Delegierten veranlaßt^, ihren Austritt aus dieser Organisation zu vollziehen. Heute muß der Kampf qm das Rocht und um Gerechtigkeit unter Umständen geführt werden, deren ganzes Grauen man sich bei Abschluß dös Vöikorbundpaktes einfach nicht hat vorsteUen können. Heute handelt es eich nicht mehr um die Vertei« (SIETA ROBERT IN ALEXANDER DU UONEU BARRYMORE clizaieth «llan - jessn ealfh HKIEldEOME CU KOR ELITE i. OPERN n iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiimmiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiini Zeichen der Assimilation fortgesetzt. Die Juden, die bereit waren, die Ma-ske der Wirtsvölker, die sie angenommen hatten, als ihr wahres Gesicht zu betrachten, waren überaus zahlreich. Es gab gleichsam wie vor Zeiten eine Art Maranenbewegung. In Osteuropa dagegen gab es Millionen von Juden, die sich für ein eigenes Volk hielten; s/e hatten zahlreiche nationale Eigenarten bewahrt, darunter ihre Sprache (jiddisch als tägliche Umgangssprache, hebräisch als Literaturspraohe). Als das Selbstbestimmungsrecht der Völker in Kraft trat, erklärten sie .sich in den verschiedenen osteuropäischen Staaten als nationale Minderheiten. Und dank dieser Politik vermochten sie sich nach Schluß des Welt- Endlich der neue Eubnoii) Soeben beginnt zu erscheinen: Simon Dubnow Weltgeschichte des jüdischen Volkes Kurzgefaßte Ausgabe in drei Bänden. In Verbindung mit dem Verfasser bearbeitet von Dr. A. Steinberg. Ermäßigter Subskriptionspreis für alle drei Bände (Umfang über 1800 Seiten im Lexikonformat), Ganzleinen S 63. - Band I ist sofort lieterbar! Nach siebenjähriger Vorbereitung erscheint nunmehr die schon lange erwartete Volksausgabe der zehnbändigen „Weltgeschichte des jüdischenVolkes“ von Prof .Sim on Dubnow. Es ist ein Meisterwerk entstan den, das unsere und die kommenden Generationen ergriffen, erschüttert und in atemloser Spannung lesen werden. Verlangen Sie auf acht Tage unverbindlich zur Ansicht Dubnow, Volksausgabe, Band I. Lieferung erfolgt auch gegen Teilzahlung von nur S 5.— monatlich. R. LOWIT, Wien, I., Fleisch, markt 1, oder Buchhandlung R.Löwi*,Wien, U.,WoBlzeiIa6 Palästinafragen im Unterhaus Inland oder Ausland? London, 25. Februar (JTA.). Im Unterhaus hatte Herbert W i 11 i a m s im Hinblick darauf, daß Palästina vom Kolonienministerium durch Einbeziehung in die von England geschlossenen Handelsverträge als Inland behandelt wird, während das Schatzamt es als: Ausland behandle, indem es ablehne, die Bestimmungen der Imperial Preference auf Palästina anzuwenden, eine Untersuchung über die verfassungsrechtliche Stellung Palästinas zu England gefordert. Kolonienminister Ormsfoy Gore erwiderte auf diese Anfrage, durch eine solche Untersuchung könnte keinem nützlichen Zweck gedient werden. Handelsverträge würden im Einvernehmen mit der Palästinaregierung in geeigneten Fällen auf Palästina ausgedehnt, da die Kontrolle der ausländischen Beziehungen dieses Gebietes auf Grund des Mandats der britischen Regierung anvertraut sei. Dadurch würden aber die juristischen Schwierigkeiten nicht berührt, die einer Ausdehnung der Imperial Preference auf Palästina im Wege stehen. Mussolini berät mit Antisemitenfiihrer Rom, 28. Februar (JTA.). Großes Aufsehen erregte hier der Bericht der offiziellen Presse- Agentur Agoncia Stefaui, daß der Regierungschef Mussolini in eiuer Sonderaudienz dem Publizisten Giovanni Proz i o s i, Mitherausgeber der Monatsschrift „La Vita Italiana“, empfangen hat. Preziosi hat seine Zeitschrift ganz in den Dienst der prodeutschen uudantijüdischon Bewegung gestellt. Er hat die „Protokolle der Weisen von Zion“ für Italien übersetzt und bearbeitet. Mitherausgeber von „La Vita Italiana“ ist Farinacci, früher Sekretär der fasohiß tischen Partei, Der Empfang Preziosis durch Mussolini hat in Italien und auch im Ausland vielfache Kommentare hervorgerufen. Man weist darauf hin, daß gleichzeitig eine Reihe Zeitungen in Rom in Artikeln die Notwendigkeit einer antisemitischen Gesetzgebung in Italien begründet, und daß gegenwärtig der Präsident der italienischen Arbeiterföderation, Cianetti, an der Spitze einer großen Delegation in Deutschland als Gast Julius Streichers wellt