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Die Stimme · 1937-02-26 · Heft 623 (26.2.1937) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 623 (26.2.1937)
Date
1937-02-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Wien, Freitag, 28. Februar 1087, — Nr. 628. Ml STIMM! Seit« 5 _ „Mathilda” Verein tur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder Unter dem Ehrenprotektorat Ihrer Ehrw. Oberrabbiner Dr.J. Taglicht — Raobiner Dr. M. Rosenmann Samstag, den 27. »ebruar 1937, '/,9 Uhr abends, im Festsaale des Hotel Continental, II. Bez., Taborstraße Kr. 6 PURIM-REDOUTE mit großer Mitternachts-Akademie ES WIRKEN MIT: Franz Engel, Chiistl Giampletro, Hermann Leopoldi - Betja Milskaja, Josä Kanja, Adolf Garsson, Annemarie Linder, Bernard und Godell u. a. — Tanzkapelle Isy und Max Geiger — Juxbasar — Schönheitskonkurrenz — Kein Kostümzwang Rastlidie Karten 6 S 2’- an der Kassa and im Verein (Cali Buchtbaum)?•, Große Sperlgasse 4t, Tel. A 43*5.19, «rhSltlld» England und seine luden diercmler Weise diskutieren. — Talmudjünger der Joschibah wühlen am Purim aus ihrer Mitte einen durch Gelehrsamkeit, Geiet und Mutterwitz ausgezeichneten Kollegen zum sogenannten „Purimraw“, der oft mit scharfer Pilpulistik Themen tlber Aliasveros, Haman und Seresoh und deren Söhne parodierend behandelt; an diesem Vortrag beteiligen eich allo Kollegen, ebenso parodierend, in lebhafter Weiso. Sohon seit dem Mittelalter ist es ein allgemeiner, aus Italien eingeführter, noch heute im Osten Europas und im Orient üblicher Brauch, am Purim zur allgemeinen Belustigung und Erheiterung Maskeraden und Mummenschanz unter Absingung entsprechender Lieder zu veranstalten. Die „Verstellten“, wie die Masken im Osten genannt werden, gehen von Haus zu Haus und singen ihre Lieder unter Jubel und Tanz. Seit dem 16. Jahrhundert werden auch dramatische Stücke, stets Einakter biblischen Inhalts, zum Beispiel ein „Moses-Spiel“, ein „Josef-Spiel“, zumeist a.ber das „Aohasohwerosch-Spiol“ mit Gesangseinlagen zur Aufführung gebracht. (Über „Purimspiele“ siehe meinen Artikel im Jüdischen Lexikon). Es gab eine große Anzahl solcher Purimspiele und Purimlieder in verschiedenen Sprachon, zumeist Hebräisch und Jiddisch. Die meisten sind längst in Vergangenheit geraten. Schudt hat ein solches Purimspiel in jüdisch-deutscher Sprache, das in Frankfurt a. M. aufgeführt wurde, in seinen „Jüdischen Denkwürdigkeiten“ 1711 zum Ausdrucke gebracht. Einige Purimspiele sind im 18. Jahrhundert, andere im Laufe des 19. Jahrhunderts veröffentlicht worden. Erst in den letzten Jahrzehnten begann man die Purimlieder und Theaterstücke zu sammeln und so darf man hoffen, daß ein Stück echten jüdischen Volksgutes der Vergessenheit entrissen werden wird. 'Interessant und bezeichnend fiir die Wertung der Freudigkeit am Purim ist die Ansicht rabbinisoher Autoritäten, die sonst auf die Erfüllung der traditionellen Gebote strenge achten, daß zur Erhöhung der Fröhlichkeit und Heiterkeit am Purim ein ausdrückliches Gebot der Thora (Deuteronomium 22, 5), daß ein Mann keine Frauenkleider und eine Frau keine Männerkleidung tragen dürfe, am Purimtage nicht bindend sei, „da dies nur der Freudigkeit wegen (sc. nicht der Unzucht wegen) geschehe“. (Isserlis, Glosse zu Schulohan Aruch, - Oraoh Ohajim § 696). Wo jüdisches Volkstum lebt' und kräftig pulsiert, geht es noch heute, trotz Elend und Not, lustig zu. In den Synagogen vernichtet die Jugend Haman und seine Familie mit dem sogenannten Gragger (Ratsche). Man beschenkt eich gegenseitig und spendet reichlich den Armen. Auch alle befreundeten Nichtjuden werden in traditioneller W eiäe bedacht. In den kleineren Städten des Ostens ziehen noch heute die „Verstellten“ durch die Straßen, singen ihre Purimlieder und geben ihr Ahasveros-Spiel unter dem Jubel der Zuhörer zum besten. Am festlich gedeckten Purimtisch vergnügt man sich unter Gesang und Tanz an traditionellen Purimspeisen, an Wein, Met, Bier und Schnaps. Heute müssen wir uns ganz besonders des Purimfestes freuen. Denn wieder ist uns mehr als ein Haman erstanden. Die Not des jüdischen Volkes ist größer als je, Vernichtung und Untergang bedroht uns. Wir aber wollen ihnen glaubensstark und zukunftsfroh trotzen. Das jüdische Volk wird wie bisher auch die Haman© der Gegenwart überleben. Denn es schläft und schlummert nicht der Hüter Israels. _ XU'PIJRIM.,, —. Platte Nr. 1136: „Ein palästinensische« Volks» Uederrcotpourrl“ mit Orehesterbegleltuna unter Leitung von S. Petrusehka. — Doppelseitige 25 cm-Platte Mk. 2'50. — Dieses wundervoll zusammengestellte Volksliederpotpourri bringt Mordeehal Roth mit herrlicher Stimme zum Vortrag. Platte Nr. 1130: a) Shlr Ha-Emek ... Sambnrskl- Altermann; b) Palestlne Horras. — Beide Aufnahmen mit Chor und Orchester unter Leitung von S. Petrusohlca. — Diese Aufnahmen sind gesanglich, technisch und in Auffassung hervorragend. Platte Nr. 1114: Erstes Jiddisches Volksllederpotpourrl. — ö Lieder auf einer Platte, Ohk. Slrota Langspielplatten A S 2*30 usw. Musikhaus „EXCELSIOR“, Wien, Franz-Josefs-Kal 15 Reichsverband jüdischer Legitimsten Österreichs. Mittwoch,« den 3. März 1937, im Cafö Silier, I-, Schwedenplatz ö; ordentliche Vollversammlung. Hierauf Vortrag Wilhelm Peter von Hebra-Huze: „Die militär-geographische Situation Rußlands.“ Verband der Alten Herren Zionistischer Verbindungen Österreichs. Montag, den L März a. c., findet um 8 Uhr abends, Im Klublokale Cafö Bristol, L, Kärntnerring 2, ein Diskussionsabend über „Proletarischer Zionismus“ statt. Diskussionsredner: Dr. Leo Goldihammer und Dr; Leo Köppel. „Nord-Ost“ Jubiläum. Das vorbereitende Komitee für die Feier des 80jährigen Bestandes des Vereines, veranstaltet am 27. d, um 8 Uhr abends, in den Marmorsälen des Cafd National eine Komiteesitzung mit anschließender Purimfeier, bei freiem Entree. Angesichts der Bedeutung, die England als Mandatarmacht in Palästina heust« für das Judentum besitzt, ist es nicht uninteressant, einen geschichtlichen Rückblick auf das Verhältnis der Briten zu den Juden in der Vergangenheit zu werfen. Grell kontrastierten da zwei Epochen voneinander: Englands katholische und Englands protestantische Zeit. Die katholische Ära war für die Juden in England ein Zeitalter grausamster Verfolgung. Es ist eine wenig bekannte, aber für diese Ära kennzeichnende Tatsache, daß die antisemitische Ritualmord Verleumdung im katholischen Britannien zum erstenmal auftaucht, und zwar im Jahre 1144. Und wie überall hatte diese heimtückische Aufwühlung des gegen das Judentum als Konfession gerichteten religiösen Formalismus auch im englischen Geburtsland rein materialistische Wurzeln. Obwohl die Juden wie immer und überall auch im damaligen England ihre materiellem Mittel mehr als jede andere Gesellschaftssobioht in den Dienst gemeinnütziger Zwecke stellten, wurde ihre Lage immer bedrohlicher. Die Kirche trat ihrem „Einfluß“ entgegen und die Könige beeilten sich, dieser Forderung durch erpresserische Judensteuern Rechnung zu tragen. Auf diese Weise wurden die Juden zwar den Herrschern, in deren Beutel die unter verschiedenen Vorwänden auferlegten jüdischen Abgaben flössen, unentbehrlich, den dabei aber leer ausgehenden und nicht minder frommen, d. h. auf das Judengeld erpichten VoLksmassen aber um so verhaßter. Dieser Zwiespalt der Interessen kam anläßlich der Königskrönung von Richard Löwenherz (1189) zum katastrophalen Ausbruch. Vor der Westminster-Abtei kam es zu einem regelrechten Pogrom, dem zahlreiche zu der Krönungsfeier herbeigeeilte Vertreter der Juden zum Opfer fielen und der sich trotz den Gegemmaßregeln des Königs auch auf andere Gebiete dies Landes ausdehnte. Bei dieser Gelegenheit stellte Richard Löwenherz den ersten* englischen „S c h u t z b r i e f“ für Juden aus. Die Abreise Richards zum Kreuzzug ins Heilige Land machte diesen Schutzbrief leider unwirksam. Es kam die tragischeste Zeit für die Juden in England. Zuerst gegen den Willen des schwachen Königs Johann ohne Land, der den Juden gegen Zahlung von 4000 Mark einen neuem Schutzbrief aussteilte und einen Presbyter Judacorum auf Lebenszeit ernannte, später aber (seit 1210) setzte, das Volk mit voller Unterstützung und Mitwirkung des Königs die Verfolgung der Juden fort. Im Jahre 1190 wurde die gauze bedeutende jüdische Gemeinde von York vernichtet. Bald wetteiferte der König mit dem Pöbel im Grausamkeit den Juden gegenüber. Dem reichen Juden Abraham von Bristol ließ er eine Woche lang jeden Tag einen Zahn ausreißen, um von fhon 10.000 Silbermark zu erpressen. Im Jahre 1241 erhielten die englischen Juden ein eigenes Parlament, das mit dem König „sowohl betreffs seines eigenen als auch ihres Vorteils“ verhandeln sollte. Als es aber in Worcester zusammemtrat, erpreßte der König von den versammelten Juden, indem er de sannt ihren Frauen und Kindern gefangen setzte, 20.000 Mark. Dergleichen Verhaftungen zu erpresserischen Zwecken waren die Juden noch öfter ausgesetzt. Im Jahre 1290 erfolgte ihre Ausweisung. 16.000 Juden verließen damals England und siedelten sich an den nächsten Küsten des europäischen Festlandes an. Ganz ohne Juden ißt das Inselreich aber niemals lange gewesen. War der jüdische Kaufmann, der jüdische Bankier verpönt, so brauchte man um so dringender jüdische Ärzte. Fehlte eine offiziell anerkannte jüdische Korporation, so gab es doch eine staatlich und kirchlich protegierte Judenherberge, das domus conversorum, das allerdings, wie der lateinische Name besagt, Missionszweeken diente. Aber nicht alle Juden, die von dem Asylreoht Gebrauch machten, ließen sich wirklich taufen. Es fehlte vielmehr auch in der Zeit von der Juden Vertreibung im dreizehnten bis zur offiziellen Wiederaufnahme der Juden im siebzehnten Jahrhundert nie längere Zeit auch an solchen Juden, die sich offen und kühn zum Glauben ihrer Väter bekannten, wie J, Rodrlgo Lopez, Arzt der Königin Elisabeth, und Joachim G a u n s e aus Prag, der das Bergwerkswesen in England modernisierte. Die berühmte Judengestalt aus dem „Kaufmann von Venedig“ zeigt deutlich den Übergang von der alten abstoßenden Auffassung vom Judentum zu einer ganz neuen Bestrebung, ihm menschlich näherzukommen. Noch ist Shylock Lustspielfigur, zur Erheiterung eines schadenfrohen Publikums bestimmt. Aber unter den Händen des genialsten Dichters und Menschengestalters blitzen tragische Lichter auf, die die Lacher durch die sie einigermaßen überraschende Erkenntnis erschrecken, daß der jüdische Popanz auch eine Seele und ein Seelenleben besitzt und dafür Verständnis heischt. Dieser jüdischen Sehnsucht kommt von der anderen Seite her der Protestantismus in seiner anglikanischem Form entgegen. Er erweckte in seinen Anhängern eine derartige Verehrung für das Alte Testament, daß sie sich nicht nur der Wiederansiedlung von Juden geneigt zeigten, sondern sogar Wert darauf legten, selbst als Verwandte und Abkömmlinge von Juden zu gelten. Zu diesem Zwecke bedienten sie sich der Fabel, daß Juden schon mit Julius Cäsar nach Britannien gekommen seien und sich dort angesiedelt hätten. Historisch nachweisbar ist dies nicht Geschichtliche Tatsache ist vielmehr, daß die Juden erst unter Wilhelm dem Eroberer und dessen unmittelbaren Was ist am 6. Htäcz tos? Ball des Makkabi IX in den Sälen des Ingenieur- und Architekten Vereines, I., Eschenbachgasse Nr. 9 Nachfolgern in England Aufnahme und Förderung fanden und mit handelsrechtlichen Privilegien ausgestattet wurden, die ihnen aber durch die Gegenaktion der katholischen Kirche zum Verhängnis wurden. Nunmehr, in der protestantischen Ära, gestalten sich die Dinge gerade umgekehrt. Jetzt ist die religiöse Strömung den Juden günstig, aber wirtschaftliche Kreise, die die jüdische Konkurrenz fürchten, legen ihrer offiziellen Wiederaufnahme immer wieder Hindernisse in den Weg. Am nächsten schienen sie dem Ziel ihrer Repatriierung in England, um die sich besonders die holländischen Juden bemühten, unter Oliver Cromwell zu sein. Doch auch der mächtige Lord und Protektor ließ es schließlich nur bei inoffizieller Tolerierung einzelner reicher Juden bewenden, die sich in England unter stillschweigender Duldung der Obrigkeit etabliert hatten. Gleichzeitig mit diesen ■Sephardim kamen aber auch Aschkenasim, meist arme Vertriebene, vom Kontinent ins Inselreich, wo sie nicht bloß den Widerstand der christlichen Behörden, sondern auch den noch größeren ihrer reichen Glaubensgenossen zu besiegen hatten. Noch bis ins 19. Jahrhundert dauerte die gegenseitige Absperrung der sephardischen und aschkenasisohen Juden voneinander fort, da jene ihren Kampf um die Anerkennung als gleichberechtigte Bürger durch die Einwanderung der letzteren erschwert glaubten. Der Kampf um die Gleichberechtigung der Juden in England zog sieb noch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hin und immer wieder, wenn die Juden sich schon am Ziel glaubten, stellten sich ihnen Hindernisse in den Weg. So konnte zum Beispiel Baroin Lionei de Rothschild, der 1847 in London zum Parlamentsmitglied gewählt worden war, seinen Sitz im Unterhaus nicht einnehmen, weil dies an die Ablegung eines christlichen Treueides gebunden war. Erst 1860 wurde der Parlamentseid abgeändert und seitdem sitzen Juden im Unterhaus und auch im Oberhaus des englischen Parlaments, und mehr als irgendwo anders stehen ihnen in England nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis alle staatlichen Ämter, einschließlich dier höchsten, offen. Dr. Hugo Spiegler. Vortref flldi-Ma izoth werden unter Aufsicht des ehrw. ortn. Rabbinates der Israel. Ku tu«*1 gemehde, Wien, Oberrab. BabatJi erzeugt ■re»« *pv xrTTs owa oninn Vortiefllidi-Mazzoth brauchen ketneReklamema'dien, um populär zu werden. Durch ihre Qualität allein führend vor altem andern, weil sie aus feinstem 0 gr. Weizeomeh1, auf echten Spezial-Lehmöfen gebacken sind. Billigkeit trotz prima Qualität, weil keine großen Ausgaben für Reklame und Aufmachung f das Prinzip ist: täglich f isehe Vortrefflich •Mazzoth, Grieß, Mehl, Farwel und Patent (Reibadi). Verkaufsstellen in allen Bezirken Wiens In der Fabrik kein Detail-Verkauf. Kosten Sie und Sie sagent Vortrefflich nur Yortrefflldi-Mazzothprodukte zu Pessach I Vortrag Dr. Wilhelm Stein in Innsbruck Dienstag, den 16. Februar 1937, sprach vor der Zionistischen Ortsgruppe Innsbruck Herr Dr. Wilhelm Stein aus Wien über das Thema: „Die Juden ira neuen Europa.“ Ausgehend von den innerpolitischen Wirren um dem Dreyfuß-Prozeß Ende des 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts zeigte der Vortragende auf, daß dieses Ereignis den Ausgangspunkt für den ungeheueren Umbruch des politischen Denkens bedeutet, in dem wir heute leben. In Frankreich wurde zuerst an Stelle der Ideale der Humanität: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit für alle Menschen, die nach der französischen Revolution das ganze 19. Jahrhundert beherrscht haben, da» Ideal vom gemeinsamen Blut. Boden und gemeinsamer Geschichte gesetzt. In Frankreich entstand der Gedanke des Syndikalismus, der im Gegensatz zum Marxismus die ständige Gliederung der Gesellschaft predigt und statt der evolutionären Durchsetzung von Reformen, die Tat, die Durchsetzung mit Gewalt und Macht setzt. Diese neuen Ideale haben wohl die französische Jugend befähigt, im Weltkriege bis zum Endsiege durchzuhalten, sie haben sich aber im klassischen Lande des Humanitätside'als nicht durchgesetzt. Hingegen sind aber nach dem Weltkriege diese Ideale in den faschistischen Staaten zum Durchbruch gelangt. Pa,- rallel mit diesen politischen Gedankengängen ze:gt. auch die Philosophie des 20. Jahrhunderts einen völligen Umschwung. Der durch das Humanitätsideal begünstigte und Ende des 19. Jahrhunderts überspitzte Individualismus macht einem ausgesprochenen Kollektivismus als betonter Nationalismus Platz. War das 19. Jahrhundert von der Ratic der Vernunft beherrsch^ galt in dieser Periode nur die ßtreng rationale Wissenschaft, so bricht sich im 20. Jahrhundert der Glaube in Form von irrationalen Momenten, zum Beispiel die Intuition nach Bergsohn (Frankreich) als eigentlich schöpferisches Element, kurz eine Ar* Mythus (siehe Deutschland) Bahn, dies umsomehr, als auch im der exaktesten Wissenschaft der Physik heute eine Krise herrscht. Zur Zeit der Dreyfuß-Affäre lebte Th. Herzl in Paris. Es ist daher verständlich, daß de.- von ihm ausgelöste politische Zionismus in seinen 'Anfängen von gleichen Gedanken ausgeht, wie sie eingangs dargelegt wurden, daß der Zionismus zuerst ein reiner Nationalismus ist. Sehr bald aber brach sich der jüdische Genius Bahn, der den nationalistischen Zionismus mit den großen ethischen Idealen des Judentums Gerechtigkeit und Nächstenliebe durchtränkte und damit zur wirklichen Erneuerungsbewegung des jüdischen Volkes machte. Im Lichte dieses ungeheuren Umbruch besehen, in dessen Ablauf wir leben, ist es aber sicher kein Zufall, daß das jüdische Volk zum dritten Male darangeht, um sich in seiner alten Heimat wieder festzusetzen, denn vielleicht ist es berufen, wie schon einmal vor 2000 Jahren, neuerlich den Versuch zu machen, seine Ideale, die ethischen Ideale der Propheten, in der Menschheit zu verbreiten. Herr Prof Stein d hat es verstanden, den Zuhörern in äußerst fesselnder Weise ein Bild über die geistigen, politischen und sozialen Strömungen unserer Zeit zu entwerfen. Seine klaren Ausführungen wurden mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und mit großem Beifall aufgenommen. D>e Tiefe der Gedankengänge machte den Vortrag zu einem der besten, der der hieeigen Judenscbaft bisher geboten wurde, PENSION ECKSTEIN-Mil neu renoviert Htetadruth Ivrith-Purlmfeier. Samstag, den 27., 8 Uhr abends, im Fe»tsaa! de« Caf£ Central, U„ Taborstraße 8, Purimfeier. Eröffnung: Präs. Dr. D. Rothblum; Festrede: Prof. J. Gelernter; Gesang: Hilde Dulitzkaja: Violinkonzert: K. Fuchsgelb, am Klavier: G. May; Gesang: Oberkantor C. MarguJ 6, am Klavier; Rut Friedmann. Regiebeitiag. Vorher* 6.80 Uhr abends, Bibelseminar, Dae Liceraturseminai; entfall' diesmal.

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