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Die Stimme · 1937-02-26 · Heft 623 (26.2.1937) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 623 (26.2.1937)
Date
1937-02-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite ö Oll 8TIMMI Nr. 628. — Wien, Freitag, 26. Februar 1887* DIE KINDER-STIMME Heut ist Purim> morgen ist s aus, Gebt's mir an Kreuzer, werft mich hinaus I (Alter Purimvers.) Vortrag Dr• Martha Bofmann Im. Verein für jüdische Geschichte und Literatur (L, Wiesingerstraße 11, Cafö Atlashof) spricht Montag, den 1. März, um %8 Uhr Frau Dr. Martha Hofmann über: „Die Auffassung der Josefsgcstalt bei Thomas Mann“. Gäste willkommen. Auch du kommst doch sicherlich morgen abend zur Haköah-Redoute in die Sofiensäle. Du wirst dich sicherlich besser unterhalten als anderswo und förderst durch deinen Besuch den jüdischen Sport in Österreich. Karten bekommst du bei allen Hakoahnern und im Sekretariat des Sportklubs Hakoah, I., Wiesingerstraße 11. Wegen der Kleidung brauchst du dir keine unnötigen Sorgen und Ausgaben zu machen, denn die Devise lautet: Was Ihr wollt! Der MiSal Bizzaron muß über Auftrag der Exekutive der | Jewish Agency bis zum 1. März abgeschlos- ‘ sen sein. Daher werden alle Gg. ersucht, ( noch ausstehende Abrechnungen bis zu diesem Termin mit dem Büro dee Keren Hajessod, Wien, I., Marc-Aurel-Straße 5, durchzuführen. Vortrag Prof. Max Eislers. Der Misrachi-Landesverband un-1 die Jugendzentrale veranstalten Samstag, den 27. d. M., y,9 Uhr abends, in ihrem Hei:u, Wien, IL, Praterstraße 60, einen großen Festabend, an dem Universitätsprofessoi Dr. Max Eisler über das Thema „Palästina — ein Kulturbericht“ sprechen wird. (Mit Lichtbildern.) Vortrag Dr. Isaac Breuer. Sonntag den 28. d-, 8 Uhr abend3 * 5, spricht Dr. Isaac Breuer (Jerusalem) über die Lasre in Palästina und über den religiösen Aufbau, unter dem Motto „Ein ernstes Wort in ernster Zeit“ im Mittleren Konzerthaussaal, Ul., Lothr.ngerstraße 20. Karten bei der Palästina-Zentrale der Agudae Jisroel, II.. Im Wern 6, erhältlich. Telephon: A 46-0-15. Dr. Krüger-Heim. Generalversammlung Montag, den 1. März, um 18.30 Uhr im Heime, TI., Ma.lzgasse 7. Anträge sind’ drei Tage vorher schriftlich beim Vorstand einzubringen. DU Wiener wissen, warum sie Jahr für Jahr ihren Mazzothbedarf in der Schmill-Fabrik decken. Seit Jahrzehnten wissen sie nämlich, daß die Qualität der Erzeugnisse dieses Unternehmens von keinem anderen Produkt erreicht wird. Schmidl-Mazzoth sind an Geschmack und Bekömmlichkeit das Beste! Die Fabrik hat sich unter der Leitung des Herrn Nathan B rode t z k y zum modernsten Betrieb auf diesem Gebiet entwickelt. Neue Badeanlagen, eine gründliche und durchgreifende Renovierung der Fabriksräume bieten absolute Gewähr für peinliche Reinlichkeit und einwandfreie Kaschruth. Die religiösen Vorschriften werden unter Aufsicht des Rabbiners Babad strengstens eingehalten. Besonderen Genuß wird den Konsumenten heuer die bekannte Spezialmarke „N. B.‘‘ (Mazzoth, Grieß und Farvel) bereiten. GROSSFLEiSCHHAUERE ZENTRALE iX., BERGGASSE NUMMER 19 lElf PHONNUMMEl/ A 17-3-90 un* A lß-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen t. -^^Fleisch untei Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinatsdei israelitischen Kultus* gemeinde Wien Autozustellung kostenlos IX.,Bergga8se 15, XVIII.,Währingerstraße 71 „Hurra! eine Jaffa-Orange!“ freut sich der Kenner. Jaffa-Orangen schmecken so famos! Ich nehme Jaffa-Orangen zu allen Mahlzeiten und auch in der Zwischenzeit, wenn ich durstig oder erfrischungsbedürftig bin. Aber Jaffa-Orangen müssen es sein, denn Jaffa- Orangen sind saftiger und süßer! Purimfeier. Der auf dem Gebiete der Charitas allseits bekannte Caföfcier S, Buchsbaum veranstaltet am Mittwoch, den 3. März, X9 Uhr abends, in seinem herrlich renovierten und modernst eingerichteten Kaffeehause, II., Kleine Pfarrgasse 21, anläßlich de3 Purimfestes eine & k a d e m i e mit Tanz Erstklassige Kräfte und die Musikkapelle M. Geiger unter persönlicher Leitung bestreiten das Programm. Entree frei, keine erhöhten Preise. Purim-Redoute. Samstag, den 27. Februar, im Festsaal des Hotel Continental Purim- Redoute mit Mitternaehtsakademie des Vereines „Mathilde“ zugunsten armer jüdischer Schulkinder. Restliche Karten ä S 2.— an der Kassa erhältlich. 1. Oifn Pripetschok. — 2. Bel mein Rebbn is gewen a Geneive. — 8. Amol is gewen a Masse. — 4. Wenn der Rebbe lacht. — 5. Amul is gewen a klein Jiddele. — 6. A Briefele der Mamrnen. — 7. Hot Haschern Jisborach arupgeschikt a Hintele. — 8. Frägt die Welt a alte Ki sehe. — 9. As der Rebbe Ahbimeleeh. Dieses wundervoll zusammengestellte Volkslieder-Potpourri bringt Morde oh ai Roth mit herrlicher Stimme zum Vortrag. Mordechai Roth ist Palästinenser. Verlangen Sie gratis den Katalog über alle modernsten Platten. Grammophone und Radioapparate vom Musikhaus „Excelstar“, Wien, I., Franz-Josefs-Kai 15. Purim ist ein lustiges Fest. Kinder und Große dürfen eich verkleiden, dürfen Wein trinken und schicken einander Geschenke, Schlach Manoth — Sehlaohmones. Aber wie bei den meisten jüdischen Fe- Dieses Purimspiel aus alter Zeit wurde von einem wandernden Spielmau n, Itzikl Fiedele, jiddisch niedergeschrieben. in deutscher Sprache von Siegfried Kapper (1858) veröffentlicht. Solche Purimspiele gab es an manchen Orten, so zum Beispiel in Frankfurt a. M. und Cernowitz. — Ich habe das Stück für euch sehr gekürzt, weil hier nicht der Platz ist, ein ganzes Büchlein abzudrucken. Immerhin werdet ihr einen Hauch des kräftigen Humors aus der guten alten Zeit herausspüren. Vielleicht probiert ihr einmal mit diesem Text Theater zu spielen und dichtet noch einige Szenen dazu. Schreibt mir dann, wie ee ausgefallen ist. Der Ansager: Glück zu, meine lieben Leut’, Alle, die ihr hier beisammen seid! Wir wer’n spielen ein schön’ neu’ Spiel, Geheißen ist es das Ahasverusspiel! Weil Gott (gelobt sei er) geboten hat, Purim lustig zu sein, So bab’n wir drauf gemacht das Spiel lustig und fein. — Drum räumt auf und räumt aus! Schmeißt die Stub’ zum Fenster ’naus! Die Tisch auf die Bänk'l Die Bücher auf die Schränk’! Die Henn’ zum Hahn! Das Weib zu ihrem Mann! Die Magd zu ihrem Knecht! Damit daß jedem gescheh’n soll sein Recht! (Tische und Bänke werden nun auf die Seite geräumt.) König: Der König Ahasverus bin ich genannt, Hundertsiebenundzwanzig Länder hab’ ich unter meiner Hand, Schlimme Reden tat Königin Vaschti mir sagen, Da ließ ich sie aus dem Lande jagen. Nun bfingt mir schöne Mägdlein her — Eine neue Königin finden ist gar schwer. Esther (wird vor den König gebracht): Allergnädigster König, Ich hin für dich zu wenig! Denn der König ist von edlem Geschlecht, Eine arme Wais’ zu nehmen. ist für ihn nit recht. Drum soll er bleiben bei seiner Krön’ in Ehren, Und soll mich für eine Königin nit begehren. König: Ist die Jungfrau von edler Art? Fürwahr, ßie ist schön und zart! Und weil sie mir ist eben, Will ich die Krön’ von meinem Haupt ihr gleich geben! (Der König ließ dem Haman, seinen ersten Minister, große Ehren erweisen, alle mußten sich vor ihm neigen, nur Mordechai tat diee nicht. Nun beschwert sich Haman beim König.) Haman: I eten ißt es gleichzeitig auch ein Fest, an dem! wir uns demütig erinnern, welch große Ängste und Nöte wir damals erleiden mußten. Darum halten wir das Faßten Esther (Taanith Esther), da Esther gefastet hat, be- , vor sie zum König ging, um ihr Volk zu befreien. In Erez Israel wird zu Purim ein großartiger Maekenzug in Tel-Aviv abgehalten. Viele Gäste kommen dazu, die verschiedenen Kolonien schicken ihre Maskengruppen. Auf der Straße wird die Megillah durch ein Megaphon verlesen, daß viele Tausende von Zuhörern alles hören und verstehen können. Alle Kinder haben einen großen Spaß und machen einen furchtbaren Lärm mit ihren Graggern (Ratschen), wenn der Name Haman gelesen wird. In alle Schelmerei und Schlechtigkeit wohlbekannt! Vorerst der Mordechai, der Jud’, Der nix wie deine Befehle verspotten tut. Durch die Welt bin ich gelaufen aus und ein, Und es hat sich vor mir gebückt groß und klein; Wie ich eben bin 'kommen vor dein Tor, Da ist Mordechai, der Jud*, gesessen davor; Anstatt daß er sich hat sollen vor mir bucken, Hat er mir grün und gelb geschlagen meinen Rucken. Also kumm ich zu meinem Herrn König klagen, Er soll heißen die Juden alle miteinand’ erschlagen; Denn Schelmstück treiben sie das ganze Jahr, Und tun meinem König nur schaden fürwahrl Drum werd* es wohl das beste sein, Du laßt sie erschlagen insgemein! König: Haman, ich hab’ vernommen dein Red’ und Sag’, So was hab’ ich nit gehört mein Lebentag! Drum laß ausrufen mit Pauken und Trompeten, Wo man ein’ Juden find’t, da soll man ihn töten; Dreizehn Tag im Marzi soll es gescheh’n, Daß man weiter in mein Land kein Juden soll seh’n! (Haman gibt nun Siegel und Petschaft voü des Königs eigener Hand, damit dieser Befehl durch Handschreiben im ganzen Land bekannt werde. Esther hört Mordechai darob jammern und geht zum König. Der König tut sie mit ßeinem güldenen Zepter berühren.) König: Esther, mein liebes Weib, Du bist <ias Herz von meinem Leib! Sag’, was ist dein Begehr, Daß du kummst ungemeld’t einher? (Haman wollte Esther nämlich nicht anmelden, denn „sie wollt ihm nicht sein ergeben“.) Esther: Eine schwere Kränkung liegt mir auf dem Herzen, Die tut mich sehr schmerzen. Drum tu ich meinen allergnädigsten König bitten, Weil ich ihn will vor Bösem behüten, Er soll kommen auf ein’ Mahlzeit zu mir, Und Prinz Haman sollst du bringen mit dir. König: Esther, dein Bitt* will ioh dir gewähren! Und wenn du mein halb’ Königreich wolltest begehren! (Esther büokt sioh und gebt fort.) König: Schreiber, sag’ mir, was soll das sein, Daß ich nit kann schlafen ein, Seit Esther ist da gewesen —- Nimm die Chronika und tu mir draus losen. Der Schreiber: Die haben geheißen Bigthan und Theres und hab'n gedacht. Wie mein König soll wer’n umgebrackt. Als hat der Jud’ Mordechai die Sach’ vernommen, Ist gleich zu mein’ gnädigsten König; gekommen, Und hat ihm alles bekanntgegeben, Und dem Herrn König erhalten Bein Leben. Der König: Was ist ihm dafür geschehn? Der Schreiber: Nix! Der König: Man soll gleich nach Haman geh’n! Haman: Da bin ich just und tu dir Nachricht brengen, Daß ich früh will den Juden Mordechai lassen hängen. Ein Galgen hab’ ich gebaut von fünfzig Ellen, Daß man ihn soll sehen an allen Stellen! Der König: Sag’ mir an, was ist der Mann wert, Der den König hat bewahrt vor dem bloßen Schwert? Haman: Der Mann ist wert Zu setzen auf des Königs sein bestes Pferd, Zu kleiden ihn Könige Mantel und . Krön’, Daß er soll haben sein gebührenden Lohn. Der König: Also geh* und nimm mein' Mantel und meine Krön’, Und bring’ sie Mordechai als sein gebührenden Lohn! Haman: Allergnädigster König, in deinem Land Sei’n viele Leute Mordechai genannt. Der König: Dem unter meinem Tor sollst du das brengen* Den du just hast wöllen lassen hängen: Haman: Der ist mein Feindl 1 * Der König: Laß dir’s nit zweimal sagen, Sonst laß ich dir selber den Kopf äbschlagen!« Haman (gebt zu Mordechai): Mordechai, ßteh’ auf von der Bank! Mordechai: Was will der Herr? Mich Iaesen hängen? Probier’ der Herr erst selber, wie der Galgen ihm passen möcbtl Ich schwör’ darauf, besser als wie einem im ganzen Land, Haman: Auf des Königs Pferd soll ich dich setzenl Mordechai: Ich bin kein Kutscher! Haman: Und soll dir königliche Ehren erweisen. Mordechai: Königliche Ehren? Vor dem Hängen oder nach dem Hängen? Haman: Daß Hängen schenkt dir der König. Mordechai: So bin ich dir’s unterdessen m’chabed. (Ick verehre es dir unterdessen.) (Haman stürzt nach der Mahlzeit vor Esther auf die Knie: er liebe sie, und sie solle ihn wieder lieben, dann werde er die Juden verschonen. Das erfährt der König, und nun verurteilt er ihn zum Tod. Haman bettelt noch um sein Leben, er fällt sogar vor Mordechai auf die Knie und sägt:) Haman: In der Thora steht geschrieben: wenn dein Feind zu deinen Füßen niederfällt, sollst du ihn aufheben. Mordechai: Es steht aber nit geschrieben, nimm deinen Feind vom Galgen, und laß dich selber dran hängen. Vor seinem Ende spricht Haman: Muß es sein, so soll es sein; das will ioh aber noch sagen, Mit seinem Nächsten soll sich ein jeder vertragen, Es soll sich keiner übernehmen ln Reichtum und Gut, Und soll bedenken, der Mensch is nur Fleisch und Blut. Zuletzt singen alle: Gelobt ist der allmächtige Gott, Der uns bewahrt vor Sohand’ und Spott, Der uns behüt’ vor Spott und Schand’, Und uns bewacht mit seiner Handi Tn der Ohronika ist zu lesen fein, Die Juden, die du tust leiden in deinem Land,Daß einmal zwei Herren gewesen sein, Das AUast/ec&s-Spiel Ein Purimspiel aus alter Zeit

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