Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 623 (26.2.1937)
- Date
- 1937-02-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag, 26. Februar 1037. — Nr. 623. OIE STIMME Seit« 3 ln Qualität unerreicht und darum vom jüdischen Publikum seit vielen Jahren bevorzugt sind Sdimidl-Mazzoth und alle anderen Schlflldl-Proclllkte, wie Mazzoth-Grieß und Farvel. Schmidl Mazzoth werden aus feinstem Mehl hergestellt, sie sind das Beste vom Guten. Strens orthodoxe Aufsicht ran'DitD amnn -naa mn sorgt für peinliche Einhaltung der Kaschruth- Vorschriften. Schmldl-Grleß nur in plombierten Säcken Juden, Araber und England In einer Pressekonferenz, die am 24. d. in Wien stafctfand, machte Herr Kurt Blumenfeld, der Direktor des Palästina-Aufbaufondß in Jerusalem, die folgenden Mitteilungen: Seit dem Ende dee Araberstreiks in Palästina tauchen immer wieder Meldungen über Zwischenfälle und Zusammenstöße auf. Diese Berichte sind für die Beurteilung der wirklichen Lage in Palästina bedeutungslos.. Es handelt sich um alltägliche Vorkommnisse, die auf die Lage im Lande keinen Einfluß haben. In Wahrheit eind weite Kreise der Araber, angesichts der Schäden, die sie durch die Unruhen erlitten haben, einer Wiederholung nicht geneigt. Nur die Politiker, die keine Rücksicht auf die Wirtschaftslage zu nehmen haben, betreiben eine intensive Propaganda für ein Wiederaufflammen der Unruhen. Die arabische politische Front ist durchaus nicht einheitlich. Das hat sich in der letzten Zeit besonders in der Frage des Erscheinens der Araber vor der Königlichen Kommission in Jerusalem deutlich gezeigt Während der junge König, des Irak eine antienglische Haltung einnimmt, ist Ihn Saud, der Beherrscher des Hodschas, seit dem abessinischen Kriege deutlich pröenglisch und er war es, d e r d i e Gruppe des Mufti zwang, vor der Königlichen K ommission zu erscheinen, obwohl dies nach der Absage der Araber durchaus nicht im propagandistischen Interesse der arabischen Parteien lag. Es ißt für absehbare Zeit nicht anzunehmen, daß eine einheitliche arabische Front entstehen wird, da die natürlichen Interessen der arabischen Staaten zu verschieden sind und die dynastischen Machtinteressen vorherrschen. Die Arbeiten der bereits im Juni v. J. beschlossenen Königlichen Kommission, im Wellental befand. Die aufsteigende Wirtschaftsentwicklung in England und Amerika gibt Möglichkeiten für das jüdische Palästina, die durch die Unruhen entstandenen Schwierigkeiten zu tiberwinden, wenn starke jüdische Kapitalien in das Land strömen und dort im nationalen und privaten Aufbau produktiv arbeiten. Auch bei ganz undogmatischer Betrachtung der Dinge kann festgestellt werden, daß die Judenfrage sich überall verdichtet und den Juden das Problem der nächsten Generation sich unabweislich aufdrängt Auch wo für die erwachsene Generation noch genügend Lebensmöglichkeiten vorhanden sind, gibt es die größte Ratlosigkeit über das Schicksal der neuen Generation. Die Judenfrage ist überall mit einem Wanderungsproblem verknüpft; dabei ist es heute völlig klar, daß alle Versuche, die Juden in großer Zahl in andere Länder zu bringen, scheitern und daß man sich immer mehr auf die Frage der Entwicklung Palästinas wird konzentrieren müssen. Es ist daher jeder Versuch, den Ernst der jüdischen Situation durch die Hoffnung auf Palliativmittel zu verschleiern, aussichtslos. Ebenso sind die gedanklichen Versuche, auf dem Wege einer dialektischen Beweisführung den Irrtum einer judengegnerischen Haltung darzußtellen — mögen sie auch noch so interessant sein —, praktisch politisch bedeutungslos. Es ist für die wirkliche Situation der Juden ganz unerheblich, wie man den Charakter der Juden definiert. Überhaupt ist an Stelle der subjektiven Judenfrage durchaus eine objektive Judenfrage getreten und die Assimilation an andere Gemeinschaften, die es früher gab, ist heute durch eine Assimilation ohne Partner abgelöst worden, die naturgemäß niemals zu der erhofften äußeren Wirkung gelangen kann. Englische Sabotage gegen den Hafen von Tel-Aviv. Die Wirtschaftsstelle des Palästina-Amtes meldet; Laut einer uns zugekoinmenen Mitteilung wurde der Tel-Avlver Marine-Trust vom High Commissioner verständigt, daß nach Rücksprache mit dem Kolonialminister in London beschlossen wurde, daß der Tel-Aviver Hafen nach wie vor als Privatunternehmen zu betrachten ist, so daß die Regierung nicht die Genehmigung zur Ausladung gewährt. Die Jewish Agency als auch der Tel-Avlver Hafen- und Verkehrsausschuß gibt bekannt, daß bei Ausladung von Umzugsgütern und Waren von jüdischen Einwanderern in Jaffa. Formalitäten, wie Verzollung, Ausladung des Gepäcks usw. ohne jeglichen jüdischen Beistand nur mit arabischen Personen durchgeführt werden müssen. Da dieser Vorgang oft zu Schwierigkeiten führt, ist es daher zu empfehlen, alle Sendungen, solange die Regierung nicht die Ausladung Im neuen Tel-Aviver Hafen gestattet, über Haifa gehen zu lassen. Während sich der Hafen in Jaffa, nach Berichten der arabischen Presse, in einer überaus prekären Situation befindet und auch der Zitrusexport keine Linderung der im Hafen herrschenden Not gebracht hat, nimmt der Hafen in Tel-Aviv ständig an Bedeutung zu. Der Hafen wurde am 22. Mai 1936 eröffnet und von diesem Tage an wurden bereits bis Ende des Jahres 1936 36.000 Tonnen Waren ausgeladen, wobei 400 Arbeiter täglich Beschäftigung fanden und 120 Schiffe an der Landungsbrücke anlegten. Weizmann fährt nach Paris und Genf. Aus Paris wird gemeldet: Wie die JTA erfährt, traf Dr. Chaim Weizmann am 21. Februar zu einer wichtigen Unterredung mit der Regierung und zu Beratungen mit zionistischen Führern in Paris ein. Er fährt dann nach Genf weiter. Präsident der Prager Kultusgemeinde gestorben. Prag meldet: Sonntag starb in Prag der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde von Prag (Innere Stadt) Advokat Dr. Maximilian Reiner, im 73. Lebensjahr an den Folgen einer Krebserkrankung. Der Verstorbene war einer der Organisatoren und Führer der tschechischjüdischen Bewegung. Auch in der tschechischen Sökolbewegung spielte er eine Rolle. Dem Vorstand der Prager Israelitischen Kultusgemeinde gehörte er seit Jah¬ TEPPICHH AUS l.f Tuchlauben 25 VII., Mariahllferstraße 76 Moderne Vorhangstoffe, Netzstoffe, Möbelstoffe, Möbelkretonne, Englisch-Leinen, Chintze. Alle Qualitäten Teppiche Jeremias, der Geist der jüdischen Prophetie Abschiedsvortrag von Dr. Josef Kastein die nach der Beendigung der Unruhen in Palästina aufgonommen wurden, sind dortselbst abgeschlossen. Die Kommission hat während ihres Aufenthalte« in Palästina in eehr intensiver Arbeit Material gesammelt, das sie jetzt in London durch weitere Vernehmungen ergänzt. Soweit sich die Sachlage überblicken läßt, hängen diese Entscheidungen für die Juden davon ab, ob England davon überzeugt ist, an ihnen einen bündnisfähigen und bündnistreuen Partner zu haben. Es handelt sich heute in erster Linie darum, welche Energien die Juden selbst aufbringen und wie ihr politisches Verhalten ist. Die politische Orientierung der Juden kann nur eindeutig proengliech sein. Wer mit der Möglichkeit eines Mandatswechsels operiert — der übrigens heute weniger denn je in Frage kommt —, kann nicht darauf hoffen, an England einen geneigten Partner zu finden. Trotz aller Erschütterungen ira Mittelmeer sind die Möglichkeiten für eine aufsteigende Entwicklung in Palästina vorhanden. Es ist ein merkwürdiges Schicksal, daß schon wiederholt die Prosperität in Palästina mit einer Zeit der wirtschaftlichen Depression in Europa und Amerika zusammenflel, während in Perioden einer europäisch-amerikanischen Konjunktur die wirtschaftliche Situation in Palästina sich Der letzte Vortrag Josef Kasteins bildete zweifellos den Höhepunkt seiner diesjährigen Vortragstätigkeit in Wien. Der Gegenstand „Jeremias, der Geist der jüdischen Prophetie“ bot dem vollendeten Redner Gelegenheit, seinen unbedingten Glauben an den prophetischen Sinn der jüdischen Geschichte mitreißend zum Ausdruck zu bringen. Er schilderte den tragischen Werdegang des Propheten, seine Erweckung durch die „Gefahr aus dem Norden“ — unter diesem Namen verbirgt sich der vorübergehende Einbruch der Skythen — sein Ringen um die Erweckung des Volkes, sein Gehöhnt- und endlich Gehörtwerden, die Verlesung seiner Schriften vor dem König, der in hochmütig-ängstlicher Verachtung Blatt für Blatt dem Feuer übergibt. Er schildert, wie sich der Inhalt seiner nochmals niedergeschriebenen Prophetie Wort für Wort erfüllt, schildert den Untergang des Reiohes, das Exil, das zugleich Anlaß zu der ungeheuren Frage gibt, ob ein Volk beim Untergang seines Reiches um jeden Preis an Ort und Stelle bleiben oder um jeden Preis sich selbst um seiner Sendung Willen erretten soll. Er zeigt einen weiteren Weg des Propheten, der mit Gedulja im Lande blieb, bis er schließlich doch nach Süden floh. „Dort ist er irgend wann und irgendwo gestorben, wir wissen es nicht.“ Nicht der äußere Werdegang mit seinem tragischen Auf und Ab und seinem dunkel verborgenen. Ende, aber auch nicht das äußere Schicksal des Reiches Juda bildet den Inhalt und den Sinn dieses Prophetendaseins. In grandioser Weise formuliert es Kastein in gedrängter Form: Nicht das ist Unheil eines Volkes, was. von Außen kommt. Nicht Eroberung und Zerstörung durch Nebukadnezar. Unheil ist der innere Abfall und die Selbstaufgabe eines Volkes. Das gesohicht&bewußte Volk ist unüberwindbar. Das jüdische Volk hat nie seinen Unterdrücker angeklagt und gefragt: „Warum tust du mir das?“ Es hat sich an Gott gewandt und diesen gefragt: „Herr, warum schickst du dies über mich?“ Es hat das äußere Erlebnis zu einem inneren gemacht, es hat den Sinn in seiner Geschichte gesucht und so sich selbst und seine Aufgabe als Nation durch die Jahrtausende getragen. In diesem Geisto, dem Geiste der Prophetie, ist das jüdische Volk unzorstört und unüberwunden, weil es die Erfüllung seiner Aufgabe in dem nicht nur von Gott ihm verheißenen, sondern durch das jüdisohe Volk selbst geheiligten Lande noch vor sich sieht. Das in ungeheurer Ergriffenheit lauschende Publikum sang zum Abschluß stehend die Tikwah, woran der Vortragende, knapp vor seiner Heimreise nach Erez Israel, gleichfalls teilnahm. Dr. M. H. 7. bis 13. März 1937 Technische u. Landwirtschaftliche Messe bis 14. März BEDEUTENDE FAHRPREISERMASSIGUNGENf Messeausweise 4 S 6.— bei der Wiener Mess«-A. CL, Wien. VII., Messepalast — Eintrittskarten (zum einmaligen Besuche der Rotunde ä S 250 oder des Messepalastes 4 S 2.—) bei den Kassenschaltern des betreffenden Messehauses ren an und wurde 1934 zum Präsidenten der Gemeinde gewählt. Transjordanien und Saudien. Ans Jerusalem wird gemeldet: Zwischen dem Emirat Transjordanien und dem Königreich Ibn Sauds wurde die Paßpflicht aufgehoben und die Zollschranken beseitigt. Gleichzeitig wurde in G e n f ein Vertrag über die gegenseitige Hilfe zwischen dem Königreich Ibn Sauds und dem Königreich Irak registriert. 100.000-Pfundanleihe der Stadt Tel- Aviv. Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Stadtverwaltung von Tel-Aviv hat die Aufnahme einer Anleihe von 100.000 Pfund bei der Barclays Bank beschlossen. Die Anleihe soll im Laufe von 15 Jahren in halbjährlichen Raten amortisiert werden. Der Zinsfuß darf jeweils bis zu 2% höher und bis zu 4% niedriger als derjenige der Bank of England sein. Auf eine Anfrage teilte Bürgermeister Rokaeh mit, daß die Regierung die Ermächtigung zur Anleihe erteilt habe, und daß ihre Rückzahlung gesichert sei. B. J. de Leeuw, Generalschatzmeister von Holland. Aus Amsterdam wird gemeldet: Zum Generalechatzmeister der Niederlande wurde an Stelle dee zurückgetretenen Dr. L. Ries der frühere Direktor des Steuer- und Zollweeene in Holländisch-Indien, B. J. de Leeuw, ernannt. Der neue Generalsohafczmeister ißt Jude. Makkabl-Zentrum in London. Aus London wird gemeldet: Im Hotel Savoy fand das Gründungsbankett des englischen Makkabi-Zentrums als eines Zwedgs des Welt-Makkabi im Beisein führender englischer und jüdischer Persönlichkeiten statt. Lord Melchett führte aus: Es gibt in England eine Anzahl Leute, die unß kritisieren und erklären, daß die Engländer unsere Bewegung nicht billigen. Die Behauptung dieser Leute, die man am besten als einen Orden Zitternder Israeliten (O. T. I. — Order of Trembling Israeiites) bezeichnen könne, stimmt nicht. Hätte Lord Balfour unsere Bewegung erlebt, er hätte sie durchaus gebilligt. Der erweiterte Religionsunterricht. Der Vorstand der Kultusgemeinde hat um die Einführung des jüdischen Religionsunterrichtes an privaten gewerblichen Lehranstalten und an den gewerblichen Fortbildungsschulen in Wien ersucht und sich bereit erklärt, die Kosten für die Durchführung des Religionsunterrichtes in sinngemäßer Anwendung des Art. VI, § 1, Abs. 3, des Konkordats auf sich zu nehmen. Das Bundesministerium für Handel und Verkehr hat mit Erlaß vom 13. Jänner 1937 unter dieser Bedingung seine Zustimmung hiezu erteilt und gleichzeitig den Stadtschulrat in Kenntnis gesetzt, daß die Leitungen aller privaten gewerblichen Lehranstalten und der Fortbildungsschulrat für Wien zu verständigen sind, wegen Durchführung des Religionsunterrichtes unmittelbar mit dem Vorstand der Kultusgemeinde das Einvernehmen zu pflegen. Die Kosten der Kultusgemeindewahlen. Aus dem Präsidialberichfc der Kultusgemeinde, der bei der Plenarsitzung am 23 Februar von Amtsdirektor Dr. Löwenherz verlesen wurde, erfährt mau, daß die Kosten der letzten Wahlen in den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde 22.834 Schilling betragen, gegenüber 30.409 Schilling im Jahre 1932 und 57.280 Schilling im Jahre 1928. Diese Ziffern sind ein neuer deutlicher Beweis für die sparsame Wirtschaft in der Jüdischen Gemeinde. Bund jüd, Frontsoldaten Österreichs. Samstag, don 27. Februar, unter dem Protektorate des Herrn Bundesführer Hptm. Edler v. Friedmann in Gschwandtners Festsälen. XVII., Hernalser Hauptstraße 4, Purimfeier mit Tanz. Aufgeführt wird die Kurzoper „Purim“,