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Die Stimme · 1937-02-23 · Heft 622 (23.2.1937) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 622 (23.2.1937)
Date
1937-02-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit« i. DIB STIMME Wien, Dienstag, 23. Februar 1937. — Nr. 622. den eher aufhorchen, wenn Christen sprechen, als wenn Juden sprechen. Nun haben zwei Christen — Amery und Sidebothara — ausgesprochen, was längst schon Zionisten hätten sagen sollen: Macht dem Skandal ein Ende! Schafft eine tragfähige zionistische, Einheitsfront! Blickt man jedoch in die Zeitungen, dann! muß man leider feststellen, daß diese Erkenntnis noch nicht durchgedrungen ist. Wieder bemüht sich die offiziöse Presse die Histadruth als das weiße Unschuldslamm und den Revisionismus als den schwarzen Wolf hinzustellen. Und hört man im Publikum herum, dann hört man zum Beispiel die hämische Bemerkung, Jabotinsky habe von Amery und Sidebotham eine kräftige moralische Ohrfeige erhalten. Das mag stimmen. Aber mit Jabotinsky haben alle Zionisten diese Ohrfeige bekommen, und es steht ihnen daher keineswegs zu, darüber hämische Glossen zu machen. Man muß vielmehr hoffen und wünschen und darüber hinaus in der Öffentlichkeit dafür arbeiten, daß die wahre Situation überall erkannt wird. Die Rufer und Mahner im Kampf um den inneren Frieden sind naturgemäß die Allgemeinen Zionisten, die als die Gruppe des Zentrums dem Kampf der Flügelparteien ferne stehen. Der Allgemeine Zionismus ist vor eine historische Entscheidung gestellt, der er gerecht werden muß. Er muß erkennen, daß die Existenz der zionistischen Bewegung und damit das Aufbauwerk vor der Gefahr steht, von innen her gesprengt zu werden, wenn das soziale Leben in Erez Israel nicht normalisiert wird. Amery und Sidebotham haben uns mit der Wirklichkeit konfrontiert. Wir müssen Antwort geben und bekennen: Es geht um die letzten Dinge im Zionismus. Bei dem Kampf, der nun auszufechten ist, hat der Allgemeine Zionismus die Schlüsselstellung. An ihm ist es, ein Maohtfaktor zu werden, der es verhindert, daß der soziale Kampf der Flügelparteien die Organisation und den Jischuw zerstört. Der Allgemeine Zionismus ißt dazu berufen, das soziale Leben in Erez Israel neu zu formen. Das ist seine Mission. Um sie zu erfüllen, muß ein starker und einheitlicher Weltverband der Allgemeinen Zionisten geschaffen werden. Ideologisch geeint ist der Allgemeine Zionismus stärker als er glaubt. Wenn er nur will. Nur der wahrhafte Allgemeine Zionismus kann die Rettung bringen. Dr. Oskar Grunbaum. Ritualmordhetze — gegen Christen Wie indische Zeitungen melden, fanden am 14. Jänner in Mysore (Indien) blutige Unruhen zwischen Mohammedanern und Christen statt. In Mysore befindet sich die St.-Philomena-Kirche im Bau. Plötzlich verbreitete sich das Gerücht, die Christen hätten drei mohammedanische Knaben in die Kirche geschleppt, um sie zu schlachten. Daraufhin drangen mehr als 1000 Mohamj medaner in die Kirche ein. Es kam zu schweren Ausschreitungen, denen die Polizei nur mit Mühe ein Ende machte. Drei Personen wurden getötet und neun verwundet. Die indischen Christen machten so die Bekanntschaft mit der Ritualmordlüge. Bekanntlich standen schon die Urchristen unter dieser schändlichen Beschuldigung, die seither nur gegen Juden erbeben wurde. Unzählige Juden fielen ihr ‘ dther zum Opfer. In unserer Zeit gehört Jie Ritualmordlüge bekanntlich zum eisernen Bestand des „geistigen“ Rüstzeuges des Nationalsozialismus. Gewehre gehen manchmal nach hinten los. Die nationalsozialistische Propaganda arbeitet bekanntlich in der ganzen Welt. Auch in Indien werden die „Protokolle der Weisen von Zion“ und Streichers Ritualmordlügen verbreitet. In Mysore scheint diese Hetze eine fatale Wirkung gehabt zu haben. Sie ging, statt gegen die Juden, gegen indische Christen los. Die in Bombay erscheinende jüdische Zeitung „The Jewish Tribüne“ schreibt in einer Betrachtung über den Christenpogrom von Mysore: „Wir möchten unsere christlichen Brüder bitten, sich in die Psyche der Juden zu versetzen, über die derartige Beschuldigungen systematisch verbreitet werden, die jetzt in Mysore über die Christen erhoben wurden. Dann werden die Christen die Gefühle der Juden entsprechend würdigen.“ Wir ersuchen hiemit die Christen Europas ebenfalls darum. SEKTION UND WIZO PRATER, IISTUWERSTRASSE NR. 1 PURINBALL HIT NITTERNACHTSAKADE NIE Samstag, den 27. Februar 1937, 9 Uhr abends Ehrenprotektordt: Staatsrat Dr. Deslder Friedmann, Präsident der Isr. Kultus^emefnde Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des Zionistischen Land«s-Varband«s In sämtlichen Sälen des Militärkasinos Wien, I., Schwarxenberqplati Nr. 1 TombolaI Post: Juxbasarl Jazz-Kapelle: Emil Naumann, Kapellmeister des Ronacher-Theaters Tanzbeginn 9 Uhr * Opernsänger Igo Guttmann « Purim Revue (JuJ. Kultur-Theater) Kartammrfcatf: Sektion Prater: II., Stuwerstr. 1, Tel. S 40-1-85-L; Optiker Seidner, I., Franz-Josef-Kal 38, Tel. U 28-0-86 Der Fall Dr« Löwenherz Erklärung des Zionlsfisdien Klubs des KulfusVorstandes Klub des Wiener Kultusvorstandes erhalten wir fol- Vom Zionistischen gende Erklärung: Im Februar 1936 hat der Vorstand der Gemeinde die Ausschreibung der Stelle eines Amtsdirektors verfügt. Herr Dr. Josef Löwenherz, der durch viele Jahre im Vorstand als geschäftsführender Vizepräsident tätig war, hat damals sein Mandat zurückgelegt und sich um diese Stelle beworben. Unter den acht Bewerbern erwies er sich als der weitaus geeignetste und wurde für ein Jahr provisorisch zum Amtsdirektor bestellt. Das Provisorium wurde verfügt, um mit Rücksicht auf die bevorstehenden Neuwahlen der künftigen Majorität nicht vorzugreifen. Die „Union österreichischer Juden“ hat bekanntlich diesen Vorgang zum Anlaß genommen, um ihre Vertreter aus dem Vorstand zurückzuziehen, und sie hat in an die kommunalen und staatlichen Behörden gerichteten Beschwerden diese Bestellung als unzulässig bekämpft. Die zuständigen Behörden haben die Beschwerden nach eingehender Prüfung als unbegründet zurückgewiesen. Nun haben die Wahlen, hei welchen die Angelegenheit Dr. Löwenherz im Vordergrund der Agitation stand, eine zionistische Mehrheit erbracht. Damit schien auch die definitive Stellung des Dr. Löwenherz, der nunmehr ein Jahr hindurch in tadelloser, von niemand — auch nicht von der „Union“ — beanständeter Art sein schweres Amt aufs erfolgreichste versieht, gesichert. Es ist aber der unglaubliche Fall eingetreten, daß die Gruppe Binjan Haarez (Doktor Sokal, Dr. Bloch, Salem Mayer) ferner die auf der Zionistischen Liste mitgewählten Herren Dr. Plaschkes und Dr. Waldmann und der Vertreter des Adolf- Stand-Klubs, Herr Dr. Kreppei, bisher durch ihre Stellungnahme die definitive Ernennung des Herrn Dr. Löwenherz verhindert haben. Das Blatt der „Union österreichischer Juden“ schreibt in der Nummer vom 12. Februar 1937: „Es handelt sich um ein Prinzip, das Prinzip der Reinhaltung der Personalpolitik der Kultusgemeinde von parteiischen Einflüssen. Die in Frage kommende Person und ihre Qualitäten können dabei fast zur Gänze aus der Diskussion ausgeschaltet werden, nur ihre Rolle als jüdisch-nationaler Parteiführer kommt in Betracht,“ Wir können es der „Union österreichischer Juden“ nicht verwehren, diesen Standpunkt einzunehmen. Wir fragen aber die zionistische Öffentlichkeit: dürfen zionistische Mandatare der „Union österreichischer Juden“ hei der Verhinderung der Bestellung des Dr. Löwenherz zum Amtsdirektor behilflich sein, wiewohl dieser Mann selbst nach der Darstellung der „Union“ kein anderes Verbrechen begangen hat, als der zionistischen Sache seit vielen Jahren treu gedient zu haben? Angesichts dieses unbegreiflichen Verhaltens einiger zionistischer Mandatare ist es nicht verwunderlich, wenn in der Öffentlichkeit die verschiedensten Gerüchte zirkulieren. So schreibt die „Wahrheit“, das Organ der „Union“, vom 12. Februar 1937: „Die Gerüchte wollen nicht verstummen, daß für die definitive Bestellung des Dr. Löwenherz die Stimmen der sogenannten kleinen Gruppen durch Kompensationen* gewonnen werden sollen... Aber, daß die Zustimmung der ,kleinen Gruppen* für die Bestellung des Dr. Löwenherz zum direktor auf Kosten der Kultusgeraeinde eingehandelt wird, wir mit den schärfsten Mitteln reagieren.“ Wir sehen uns veranlaßt, mit aller Entschiedenheit festzustellen: Die Angelegenheit Dr. Löwenherz ist für den Zionistischen Klub kein Objekt von Kompensationen irgendwelcher Art Der Zionistische Klub hat niemandem für seine Stellungnahme in dieser Angelegenheit eine Kompensation eingeräumt oder auch nur angeboten. Er erwartet aber von der zionistischen Öffentlichkeit, daß diese ihn in seinem Kampfe aus sachlichen, und zionistischen Erwägungen aufs tatkräftigste unterstützen definitiven Amtsdagegen würden menschlichen wird. Der Zionistische Klub des Kultusvorstandes. Zfo”Ic'fsche Be* rkssekllon und W’ZO fll. PURIM-FilER Samstag, 27. Feber 1937, 4/a9 Uhr abends, im Saale der Bif, III., Landstraße Hauptstraße 9. — Entree S 1*60 Programm: Trude Roth, Parodistin; Viktor Schlesinger, Humorist; Hilde Du'itzkaia, jüd. Volkslieder; der Wunderknabe Munio Hausknecht; Wolf Weinberg, Rezitator; Conference: Paul Signer, Flügel: Gideon May Karten erhältlich: Frau Margulies, III. Kübackg. 4, Telephon U 17-9-88, bei den AuaachuB-Mltglledern und an dar Abandkaaaa Nationalsozialismus Englands Staatsfeind Nr. 1 London, 18. Februar. In der gestrigen Unterhauseitzuug erklärto der Führer der Einheitsfront Sir Stafford C r i p p s im Verlauf der Rüßtungßdebatte: „Wir betrachten den Nationalsozialismus und alles, was dieser Name deckt, die Brutalität und d'i.o Unterdrückung der Freiheit, als den öffentlichen Feind Nr. 1. Wir habon keinen Streit mit dem deutschen Volk, aber Hitlers Friedonsbekenntnis, das eich in einer riosigen Aufrüstung Deutschlands ansd rückt, können wir nicht für eohfc und ehrlich halten; denn wir sind ja die Zeugen der Hitlorechen Taten während der letzten vier Jahre gewesen.“ I RUNDSCHAU 1 EIN POSTEN VON 10.000 PFUND, da.s sind rund eine Viertelmillion Schilling, findet sich im Budget der Palästinaregierung unter dem Titel „Verfallene Kautionen“. Es haben ungefähr 300 jüdische Touristen da« Land nicht wieder verlassen, sie haben auf die Kaution verzichtet. Zehntausend Pfund sind nach englischen Maßstäben nicht übermäßig viel Geld, aber man muß sich überlegen, was für Menschen diese Dreihundert gewesen sind, dann wird, von diese. Seite gesehen, die Summe der verfallenen Kautionen gleich bedeutender. Dieses Geld stammt von armen Juden, die keine andere Möglichkeit hatten, nach Palästina auszuwandern, als den Umweg über die Touristik. Denn wenn es wohlhabende Juden gewesen wären, hätten sie doch einfach als „Kapitalisten“ einwandem können — oder sie wären mit ihrem Kapital geblieben, wo sie gewesen sind; keinesfalls hätten sie ein Geldopfer gebracht, um in Palästina bleiben zu können. Für die verfallene Kaution haben sie eich zunächst auch nichts weiter erkauft, als daß sie in der ständigen Gefahr sind, als „Illegale“ doch ertappt, eingesperrt und ausgewiesen zu werden. Zehntausend Pfund, eine viertel Million Schilling... im palästinensischen Budget kein großer Betrag, für England, das soeben anderthalb Milliarden Pfund nur für Rüstungen ausgeworfen hat, überhaupt kein Geld. Aber es symbolisiert die Tragödie von 800 Juden... von dreihundert? Von Hunderttausenden, von Millionen, die nach Palästina möchten und die man nicht hinelnläßt, die aber nicht alle in der Lage sind, die Touristenkaution aufzubringen, um sie dann der englischen Palästinaverwaltung zu schenken. EIN JÜDISCHER ARBEITER schreibt in einem Brief aus Palästina, wo er beim Straßenbau beschäftigt ist: „Es gibt Strecken, welche die Regierung einer jüdischen Straßenunternehmung zum Bau übergibt, dann arbeiten nur jüdische Arbeiter. Es gibt aber auch Strecken, welche die Regierung in eigener Regie behält, dann arbeiten zumeist Araber und nur ganz wenig Juden. So eino Strecke, ist auch die, auf der ich jetzt arbeite, obwohl die neue Straße ausschließlich über jüdischen Boden führt. IN BERLIN kam es beim Marsch einer Reichswehrabt-eilung durch die Straßen zu einem Zwischenfall. Auf dem Bürgersteig unterließen es einige Zivilisten, die Hakenkreuzfahne, die der Truppe vorangetragen wurde, zu grüßen. Pflichtgemäß stellte der Kommandant der Abteilung, ein Hauptmann, die respektlosen Zivilisten. Diese erklärten, sie seien Juden, und nach dem Gesetz hätten sie nicht nur nicht die Pflicht, sondern nicht einmal das Recht, die Hakenkreuzfahne zu grüßen. Ein Feldwebel notierte die Namen der Zivilisten, weil man doch feststellen mußte, ob es auch wirklich Juden seien. Dann aber geschah folgendes: Es bekam einer der Juden einen Brief des Hauptmanns. Darin entschuldigte sich dieser für die Belästigung. Er sagte, es sei seine Pflicht gewesen, die Juden zu stellen, er habe dies aber nur unter gewaltsamer Unterdrückung des Anstandsgeff getan, das Ihm, dem Sproß einer guten alten deutschen Offiziers- und Beamtenfamilie angeboren und anerzogen sei... FEIGHEIT IST EINE DER CHARAKTERI¬ STISCHEN EIGENSCHAFTEN DER ANTI¬ SEMITEN. Jetzt sollen in Österreich die Gewerbescheine überprüft werden. Es Ist verständlich, daß die Juden sich durch dio Nachricht von dieser Überprüfung beunruhigt fühlten, da die jüdischen Gewerbetreibenden seit Jahr und Tag immer wieder zu spüren bekommen, daß der Antisemitismus auch ihnen ihr Stück Brot mißgönnt. Man erkundigte sich, ob der Gewerbebuud bei der Überprüfung der Gewerbescheine nach konfessionellen Grundsätzen vorgehen werde, worauf die Antwort erfolgte, das werdo nicht geschehen — aber es wurde hinzugefügt, „die früheren Machthaber“ hätten wahllos ebenso Heimatscheino wie Gewerbeberechtigungen vergeben und um die Überprüfung dieser Dinge handle ©b eich. Man kennt diese Dinge aus dem „Montagblatt“ und den antiseraitiechen Provinzzeitungen. Man will die Juden von überall hinausdränurimfeier der jüdischen und zionistischen Organisationen Hietzings Sonntag, den 28. Februar 1937, halb 9 Uhr abends in Hübners Parkhotel Schön b;unn. Akademie mit anschließendem Tanz, Tombola usw. Erstrangige Kunstkräfte. Jazzkapelle Bert Silvmj, Karten im Vorverkauf S 3'- (an der Abendkassa S 3’50) bei B. Pasternak, XIII., Nisselgasse Nr. 8 (Telephon A 50-8-12), Hermann Roth, XIII., Lainzerstraße Nr. 84 (Telephon A 50-3-90)

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