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Die Stimme · 1937-02-23 · Heft 622 (23.2.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 622 (23.2.1937)
Date
1937-02-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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9k 'Stimme Nr. 622 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Dienetag. ». Februar 1937 . 11. Adar 5*97 10. Jahrgang Konfrontierung mit der Wirklichkeit In London fand kürzlich ein Bankett zur Feier des Jahrestages der Gründung der jüdischen Legion statt, die bekanntlich im Weltkrieg auf englischer Seite unter Ohoretleutnant Patterson in Palästina geki npft hat. Herr Jabotinsky nahm an dem Bankett teil. Er erlebte dabei eine bittere Konfrontation mit der rauhen Wirklichkeit, die jenseits des luftleeren Raumes liegt, in den er die Revisionisten hineinmanövriert hat. Angesehene Engländer, der ehemalige Kolonienminister Amery und der bekannte englische Journalist Herbert Sidebotham priesen die Leistungen der jüdischen Legion und ihres Hauptmannes Trumpeldor. Beide Redner sahen sich aber veranlaßt, Trumpeldors Andenken in Schutz zu nehmen — gegen den Brith Trumpeldor, dessen Mitglieder vor einigen Tagen das Gebäude der Zionistischen Exekutive stürmten, Akten zerfetzten, die Einrichtung demolierten und Schreibmaschinen auf die Straße warfen. Lord Amery sagte, diese Handlungsweise mache weder dem Namen Trumpeldor noch dem Zionismus Ehre. Herbert Sidebotham, einer der bewährtesten christlichen Freunde des Zionismus, unterstrich noch die Schädlichkeit dieser Vorfälle und verlangte eine zionistische Einheitsfront. Jabotinsky, der sich den Verlauf der Legionsfeier sicher ganz anders vorgestellt hatte, antwortete sichtlich betreten, die Ausführungen der Vorredner hätten einen starken Eindruck auf ihn gemacht. Er habe schon vor Monaten „seinen früheren zionistischen Freunden eine Konferenz am runden Tisch vorgeschlagen, da er hoffe, vielleicht auch in Zukunft mit ihnen auf freundschaftlichem Fuße zu stehen“. Wenn diese Worte mehr bedeuten als eine verlegene Höflichkeitsfloskel, durch die sich Jabotinsky aus einer ungemütlichen Situation befreien wollte, so besteht doch einigermaßen die Hoffnung, daß Amery und Sidebotham Jabotinsky in einer Weise mit der Wirklichkeit konfrontiert haben, die in ihm die Erkenntnis wach rief wenn er diese Erkenntnis nicht schon längst gehabt hat — daß er mit dem Austritt der Revisionisten aus der Zionistischen Weltorganisation einen schweren Fehler gemacht hat. Zumindest muß man hoffen, daß Arnerys, Sidebothams und Jabotinskys Bankettreden ihren Eindruck auf die revisionistische Jugend nicht verfehlen werden, und daß sich Skandale, wie der Überfall auf das Palästinaamt in Warschau und der Überfall auf das Gebäude der Jewish Agency in Jerusalem nie mehr wiederholen werden. Man muß dabei aber wünschen, daß auch von der linken Seite nichts geschehen wird, was die ohnehin gespannte Situation noch verschärfen könnte. Die Linken sind im Besitze der Macht. Sie können leichter Ruhe bewahren als die Revisionisten. Nur oberflächliche Beobachter können annehmen, daß es nur um Zertifikate geht. Gewiß ist die Frage der Zuteilung von Zertifikaten für die revisionistische Jugend eine lebenswichtige Frage. Es wird ein andermal eine Untersuchung darüber anzustellen sein, ob sich die Revisionisten mit Recht oder zu Unrecht darüber beschweren, daß sie keine oder fast keine Zertifikate erhalten, im Gegensatz zur Agudas Jisroel, die von unserer Exekutive reichlich mit Zertifikaten dotiert wird. In Wirklichkeit geht es darum, ob in dieser schweren Zeit der zionistische Bruderkampf nur deswegen verewigt werden soll, damit die Linken ihre Macht noch schrankenloser ausüben und auf der anderen Seite die Extremisten im revisionistischen Lager noch mehr Unruhe stiften können und ob der Klassenkampf, gleichgültig, ob er von links oder rechts kommt, weiter das Leben in Palästina vergiften darf. Jeder Zionist, dem es ehrlich um den innerzionistischen Frieden zu tun ist, muß daher verlangen, daß das Problem der Neuen Zionistischen Organisation in seiner ganzen Breite aufgerollt wird. Es muß endlich ein loyaler Versuch gemacht werden, die Revisionisten in die Zionistische Weltorganisation zurückzuführen. Daß dabei die revisionistischen und linken Radikalen nicht auf ihre Rechnung kommen werden, liegt auf der Hand. So lange aber nicht alle Mittel erschöpft sind um die Revisionisten Paris, 18. Februar. (JTA.) Zu Ehren der Abordnung der jüdischen Arbeiterschaft Amerikas, die vor kurzem Palästina besucht hat, fand in Paris eine von 3000 Personen besuchte Kundgebung 6tatt, bei der die Mitglieder der Abordnung mit großer Begeisterung von ihren Eindrücken aus Palästina berichteten. Von den französischen Rednern, die bei dieser Kundgebung auftraten, wurde die Anerkennung für die Leistungen der Juden in Palästina ausgesprochen und betont, daß dieses Aufbauwerk nicht engherzigen nationalistischen Motiven ent- Bukarest, 18. Februar. (JTA.) Das Bukarester Hauptgerichtsgebäude war am 16. Februar Schauplatz wüster antijüdischer Exzesse. Jüdische Anwälte wurden von antisemitischen Anwälten brutal mißhandelt und schließlich aus dem Gerichtsgebäude hinausgeworfen. Die Antisemiten warnten die Juden, je wieder das Gebäude zu betreten, sonst werde es ihnen noch schlimmer als diesmal ergehen. Die antisemitischen Anwälte setzten Posten vor die Eingänge zum Gebäude, die jüdische Anwälte, auch Frauen, am Betreten des Gebäudes hinderten. Den jüdischen Anwälten wurde es unmöglich gemacht, die Interessen ihrer Klienten, für die an diesem Tage Termine angesetzt waren, wahrzunehmen. Bisher wurden keine Maßnahmen erwieder zu einem Bestandteil der Weltorganisation mit gleichen Rechten, aber auch mit gleichen Pflichten zu machen, darf nichts geschehen, wodurch der selbstmörderische Bruderkampf noch verschärft werden könnte. Dem verschlägt nicht die Feststellung, daß der Überfall von Jerusalem mit aller Schärfe verurteilt werden muß, und die Forderung, daß die Übeltäter, in erster Linie aber die Drahtzieher, zur Verantwortung gezogen werden müssen. Will man aber das revisionistische Problem gerecht lösen, dann muß Licht und Schatten gerecht verteilt werden. Vor allem darf man nicht in den Fehler verfallen, den die linke und die offiziöse Presse jetzt begeht, daß sie alle* Schuld den Revisionispringe, sondern ein Beispiel sei für die ruhmvolle Wiedergeburt eines Volkes. Die Abordnung der amerikanisch-jüdischen Arbeiter wurde auch von Ministerpräsident L6on Blum und vom Kolonienminister Marius M o u t e t empfangen. L6on Blum bekundete sein lebhaftes Interesse für die Aufbauarbeit in Palästina und seine Sorge über die gegenwärtige Lage in dem Lande. Er sprach die Hoffnung aus, daß die jüdischen Bestrebungen in Palästina, mit denen die französische Regierung sympathisiere, verwirklicht werden würden. griffen, um den jüdischen Anwälten zu ihrem Recht zu verhelfen. Die Bukarester Advokatenkammer wird ausschließlich von antisemitischen Anwälten beherrscht, die mit Hilfe eines Coups sich in der letzten Versammlung der Advokatenkammer der Ämter bemächtigten. Größere Gruppen antisemitischer Studenten und Anwälte hinderten die jüdischen und fortschrittlichen Anwälte mit Brachialgewalt an der Ausübung ihres Wahlrechtes. Vor wenigen Tagen erst hat dio Advokatenkammer den Beschluß gefaßt, keine Juden mehr als Mitglieder au dulden. Der Beschluß ist gemäß der Verfassung illegal. Nunmehr wollen die antisemitischen Anwälte ihn mit Gewalt verwirklichen. Neuheit „llfe 0.06 mm** Führer’» Stahlwarenfabrik, Wien IV« sten zuseihiebt. Das stebt vor allem denjenigen nicht zu, die es gar nicht aus ihrer Ruhe aufsohreckt und die durchaus nicht empört sind, wenn sie fast täglich hören, daß die Hietadruth nicht links eingestellte Arbeiter brutal um das tägliche Brot bringt und dem Elend anheim gibt. Aber gerade unter diesem Gesichtspunkte muß der Skandal von Jerusalem behandelt werden, wenn man das wirkliche Übel erkennen und für seine Ausmerzung Sorge tragen will. Vor allem ist es Sache der Allgemeinen Zionisten, sich den freien Blick zu wahren. Diejenigen Allgemeinen Zionisten aber, die schweigen, oder zu allem ja und Amen sagen und beim Kongreß bedenkenlos die Hand heben, wenn es ihre Einpeitscher so verlangen, sind mitschuldig an dem was geschehen ist und was an Unheil noch folgen kann. Ist es doch der größte Fehler vieler Allgemeiner Zionisten, daß sie, die in der Galuth seit eh und je die Träger der Organisation und die Spender für die Fonds sind, für alle die Holzhacker und Wasserträger abgeben, nur nicht für ihre eigenen Kinder und im übrigen in Palästina die Histadruth schrankenlos schalten und walten lassen. Sobald einmal diese Allgemeinen Zionisten ihre unsinnige Taktik erkannt haben werden, ist es nicht mehr weit zu ihrer Rückkehr in den Weltverband der Allgemeinen Zionisten, den sie — gewiß nicht zum. Vorteil für die eigenen, allgemein-zionistischen Interessen — verlassen haben. Ein geschlossener Weltverband der Allgemeinen Zionisten, von seinen Gründern als Notwendigkeit erkannt, ist heute lebenswichtig für die zionistische Organisation. Nur ein starker, ideologisch geeinter Weltverband der Allgemeinen Zionisten wird in der Lage sein, nach rechts und links ein Machtwort zu sprechen und die Flügelparteien unter Einsatz seiner starken Galuthposition zur Mäßigung und zur Nachgiebigkeit zu zwingen. Die Funktion des Allgemeinen Zionismus ist aber keineswegs nur die eines Besohwichtigungshofrates gegenüber Extremisten. Der Allgemeine Zionismus ist auch keine Partei, sondern eine geistige Bewegung, die — abseits von allen Assimilationsscibablonen der Flügelparteien auf dem Fundament der unvergleichlichen sozialen Ethik der Thora und der Propheten — in Erez Israel einen neuen Typus sozialer Gerechtigkeit schaffen will. Hierin erblickt der Allgemeine Zionismus die vornehmste Funktion der zionistischen Bewegung, die eine Emeuerungsbewegung ist und daher nicht in den Fehler verfallen darf, soziale Beziehungen zu dulden, die erfahrungsgemäß früher oder später zu Explosionen führen müssen. Erez Israel muß so aufgebaut werden, daß es von inneren Erschütterungen, die sozialen Spannungen entspringen, verschont wird. Es ist gewiß bequemer Vogel-Strauß-Politik zu betreiben, die Dinge zu nehmen wie sie sind oder sich an den Marxismus, die jüdisch-politische Assimilation von gestern, oder an den Faschismus, die jüdisch-politische Assimilation von heute, zu klammern und sich willenlos treiben zu lassen. Wer aber das zionistische Ideal in seiner Größe erfaßt hat, darf nicht jenen Allgemeinen Zionisten in den Arm fallen, die es nicht zulaesen wollen, daß Erez Israel zu einem Öden Abklatsch irgend eines Landes mit allen Gefahren des Klassenkampfes wird. Er muß vielmehr die sittliche Pflicht erkennen, daß sein Platz in der allgemein-zionistischen Bewegung ist, die allein imstande ist, das brüchig gewordene Gefüge der zionistischen Weltorganisation zu unterfangen und zu sichern. Der Skandal in Jerusalem konfrontiert alle Zionisten mit einer Wirklichkeit, über die eine geschickte Propaganda bisher viele Allgemeine Zionisten hinweggetäuscht hat. Bedauerlich und grotesk war es hiebei, daß es oft Allgemeine Zionisten sind, die — ohne es vielleicht zu wissen — in das Horn einer gewissen getarnten Propaganda stoßen und damit den eigenen Interessen und der Wahrheit einen schlechten Dienst erweisen. Es ist nun eine bekannte Tatsaoho, daß Ju- Roosevelts Palästina-Botschaft Die Botschaft, die der Präsident der Vereinigten-Staaten Franklin Roosevelt am 7. Februar an den Vorsitzenden der Washingtoner Palästinakonferenz, Dr. Stephan Wise, richtete, hatte, wie die JTA. aus Washington meldet, folgenden Wortlaut: Bitte, übermitteln Sie den Männern und Frauen, die sich in Washington zu der vom United Palestine Appeal einberufenen Landeskonferenz für Palästina eingefunden haben, meine guten Wünsche. Das amerikanische Volk, stets eifernd für die Sache der menschlichen Freiheit, hat mit Sympathie und Interesse die Anstrengung der Juden in Palästina beobachtet, die Bande zu ihrem alten Heimatland zu erneuern und die jüdische Kultur an dem Platze, wo sie jahrhundertelang blühte und von wo sie später in die fernsten Winkel der Welt getragen - wurde, wieder aufzurichten. Dieses Jahr bringt den zwanzigsten Jahrestag der Balfour-Deklaration, des Schlüsselpunktes der zeitgenössischen Aufbauarbeit im jüdischen Heimatland. Diese zwei Jahrzehnte haben ein bemerkenswertes Zeugnis für die Lebenskraft und Vision der jüdischen Pioniere in Palästina abgelegt. Es sollte eine Quelle des Stolzes für die jüdischen Bürger der Vereinigten Staaten sein, daß auch sie a.n diesem großen Werk des Wiederauflebens und der Wiederaufrichtung einen Anteil gehabt haben. Es ist mir eine große Freude,. allen, die yi Ihren Beratungen teilnehmen, meine herzlichen Glückwünsche und meine wärmsten persönlichen Grüße zu senden. Ihr aufrichtig ergebener Franklin D. Roosevelt. Die Jüdische Arbeiterdelegation Amerikas ist Paris „Ruhmvolle Wiedergeburt eines Volkes“ Pogrom im Bukarester Hauptgericht ZIONISTISCHER LANDESVERBAND FÜR ÖSTERREICH__ Dienstag,23. Februar 1937, IIa|4p«|| hp |««p IT391 liaim um präzise halb9Uhr abds. W Vlllflg Irl ■ IWS«I l\ClSl®IIl vor seiner Rückreise nadi Palästina Ober „Jeremias, der Geist der Jüdischen Prophetie" Im Offenbadisaal, IV., Treitlstraße 3 (Porrhaus) Karten erhaltlldi: Zlonlstlsdier Landesverband, Wien, 1., Marc-Aurel-StraBe 5 - Telephon U 22-2-11

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