Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 621 (19.2.1937)
- Date
- 1937-02-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite ö Oll 8TIMMI Wien, Freitag, 19. Februar 1937. — Nr. 091. ,,iiHhxal leidti zu sein a }ud" ist die Devise der Lustigen Purimfeier mit Tanz der Sektion WIZO und Brith Zion IV/V Samstag, den 20. Februar 1937, halb 9 Uhr abenda, Wien, IV., Haualabg. 2 (Garteneingang). Theater, Humor, Musik. Jazz-Kapelle Kaufmann WIZO-DRlVE 1937 Dein Volk und Du Von Dr. Leo Loewensohn Hohes Alter bei geistiger und physischer Frische zu erreichen, ist nicht bloß ein Ideal vieler, sondern an und für sich eine seltene Eigenschaft. Sie hat großen Wert-, wie Talent, Geist, Intelligenz, angeborene große physische oder geistige Kraft. Masaryk, Franz Josef I., Clemenceau haben ihrem hohen Alter viel von der Achtung zu verdanken, die ihnen gezollt wurde. Mit Recht, denn die großen und zahlreichen, im Leben eingesammelten Erlebnisse und Eindrücke, Leiden und Freuden haben sie zu Philosophen oder Lebensbetrachtern gemacht, da sie den Jüngeren, mitten in den Lebensirrtümera stehenden, eine überlegte Abgeklärtheit zeigen konnten. Manche Tat, die sehr gerühmt wurde, würde den Langlebigen nicht angerechnet werden können, wenn der Faden ihres Lebens früher abgeschnitten wäre. Zum Gutmachen und Vollenden gehört oft lange Zeit, die einem gewährt sein mußte. Langes Leben der produktiven Menschen ist an und für sich eine Tat, ein nicht unterschätzbarer Erfolg. Dasselbe gilt von Völkern. Manche erscheinen und verschwinden, um in den Geschichtsbüchern zu leben, wie Römer, Goten, Langobarden, andere leben lange und setzen ihr Wirken fort. Keines der Kulturvölker hat jedoch seine Lebensfähigkeit so lange bewahrt wie das Volk der Juden. Getreten, verfolgt, verachtet und allseits bedrängt, haben Juden eine Zähigkeit und Fortpflanzungskraft gezeigt, die einzig dasteht. Die Staaten und Völker, die sich nicht genug an Erniedrigung der Juden tun konnten, sind längst verschwunden, an ihre Stelle sind andere Völker getreten, die wie die Wortführer Deutschlands jetzt in Wort und Tat das Judenvolk vernichten wollen. Dieses Bedrängen weckt den Willen der Juden, sich innerlich im Galuth und real in Palästina zu sammeln. Viele Juden werden als Einzelwesen unterwegs untergeben, weg- oder abfallen, aber ein lebensfähiger Kem wird bleiben und das Judentum fortsetzen. Dieses Bewußtsein der großen Lebensfähigkeit seines Volkes muß den Einzelnen, den bewußten Juden Kraft und Widerstandsfähigkeit im Ertragen ihrer Leiden und Bitternisse geben. Dieses stolze Gefühl, daß schon viele Hamans überstanden wurden, diese Erfahrung eines uralten Volkes, kann nie außer acht gelassen werden. In der Langlebigkeit des jüdischen Volkes liegt eine Tat, eine Idee der Beständigkeit und Kontinuität, die durch das Verzagen Einzelner nicht unterbrochen werden kann. Wir müssen uns zum „Kern“ der Juden zählen, der bleibt, wenn andere wegfallen. Das Leid wird auch physisch kleiner, wenn man es vom Gesichtspunkte der Geschichte eines viertausend Jahre alten Volkes betrachtet. Es kann aber gefragt werden: wir als Einzelne leben nur sehr kurz und was haben wir davon, wenn die Gesamtheit als solche trotz des Leidens, das uns als Individuum angreift, fortbestehen bleibt? Darauf muß gesagt werden: Der Einzelne kann durch Lossagung von der Gemeinschaft, wenn er 6ich selb, t gegen über ehrlich bleiben und kein gekünsteltes Leben führen will, sein Los nicht wesentlich verbessern. Zumindest solange die Rassentheorie gilt — und auch später nicht, wenn er nicht Geschmack am Renegatentum empfindet. Als Jude ist man geboren, alles andere ist man geworden. Es ist eine Lebensnotwendigkeit, sich zum Judentum nicht nur zu bekennen — das Verleugnen nützt nicht —, sondern sich zum Judentum selbst _ zu erziehen. Begreift man die geschichtlich begründeten inneren Zusammenhänge, die das jüdische Einzelwesen mit der jüdischen Gemeinschaft und dessen Schicksalen, zu denen der Fortbestand trotz unzähliger Verfolgungen in erster Linie gehört, dann kann der Kampf mit der uns bedrängenden Umwelt der schreienden Judenhasser innerlich und dadurch äußerlich siegreich bestanden werden. Wer aufrechter Jude ist, findet im Verbundensein mit dem Judentum, dessen Geist und Kette der Generationen über ihm schweben, die einzige Möglichkeit, sich selbst zu achten und dadurch die Achtung der anderen zu erzwingen. Es verschwindet die Zerfahrenheit und Haltlosigkeit, die bei den durch Hitler aufgescheuchten Juden immer zu sehen ist. Wenn unsere Vorfahren die unzähligen Verfolgungen überstanden haben, muß dies auch uns gelingen. Der Verfolger . ist schwächer als der Verfolgte, der am erlittenen Unrecht wächst, während jener durch das von ihm verbreitete Unrecht verwilderi und seelisch zugrunde gehen muß. Ein lang lebendes Volk ist ein lebensfähiges Volk, das den augenblicklichen Leiden trotzen kann, weil es einen inneren Gehalt und äußeren Halt hat. Das muß sich auch der Einzelne immer wieder ins Bewußtsein rufen, Die WIZO hat siah in den letzten Jahren in einem Tempo entwickelt, welches alle Erwartungen übertraf. Die WIZO ist heute eine Organisation, die nicht weniger als 80.000 Mitglieder in 48 Ländern umfaßt. Sie spielt damit eine wichtige Rolle einerseits im Aufbauwerk Palästinas, anderseits in der Erfassung, Schulung und kulturellen Durchdringung der jüdischen Frauen in der Galuth. Sie hat im Laufe ihrer Entwicklung ihr Arbeitsgebiet wesentlich erweitert und ist in immer weitere Schichten des Judentums eingedningen. Es kam ihr dabei der Umstand zu statten, daß in den jüdischen Frauen sich immer stärker die Erkenntnis durchsetzte, daß auch sie zu einer wichtigen Anteilnahme am Aufbauwerk Erez Israels berufen sind. In der WIZO, die sich von vornherein auf den Boden der praktischen Betätigung der Frau in der alten Heimat gestellt hatte, sahen sie die geeignetste Organisation, welche diesem Ziele zustrebte. Die jüdische Frau fand und findet im Programm der WIZO so viele Möglichkeiten zum Einsatz ihrer Persönlichkeit im Rahmen de6 großen Aufbauwerkes, daß sie nicht länger zurückstehen kann. Ee zeigt sich dies stets dann wieder, wenn die WIZO mit einem neuerlichen Drive, einer neuen Werbeaktion zur Gewinnung von Mitgliedern einsetzt. Die WIZO-Exekutive geht hiebei mit einer Fülle alter und neuer Anregungen an die Hand, mit denen sie die mündliche und schriftliche Arbeit ihrer Propagantistinnen unterstützt. So hat sie ganz besonders ihr Sprachrohr „Pioniere und Helfer“ zu einem Organ ausgestaltet, welches in Wort und Bild über die Ziele und Erfolge der WIZO berichtet. Sie führt den Lesern auf das anschaulichste die Größe und Bedeutung der WIZO auf allen ihren Arbeitsgebieten vor Augen. Die Zeitschrift erscheint in englischer, deutscher, französischer und jiddischer Sprache. Geschmackvoll illustrierte Flugblätter unterrichten au Hand der gezeigten Bildennotive über den Einfluß der WIZO auf das tägliche Leben in Erez Israel. Wir sehen die sorgende Mutter, wie sie sich der Erziehung des jüdischen Kindes widmet, wir finden die WIZO als Schöpferin neuer Frauenberufe in Stadt und Land, als Beraterin der jüdischen Frau in Haus und Garten, in Küche und Feld. Als wertvolles Werbemittel erwies sich der WIZO-Film, der einen guten Überblick über die konstruktive Tätigkeit in den WIZO-Ins titu tionen gab. Eine Neuerung von außerordentlichem Propagandawert stellen die kürzlich herausgegebenen Mappen der WIZO-Exekutive dar. Sie enthalten übersichtliche Artikel über die wesentlichen Bestandteile der zionistischen Weltorganisation, über die Geschichte und das ArbeitsprogTamm der WIZO in Erez Israel und über die Bedeutung der WIZO in der zionistischen Bewegung. Bieten diese Arbeiten eine gedrängte Zusammenfassung über das Wesentliche, über das ABC des Zionismus, so informieren andere über die Detadlarbedt. Es werden unter anderem Sinn und Bedeutung des Onegg Sabbath, der Chanukkahfeier und des Ohamischa Assar behandelt, um der heutigen Generation die Pflege dieser Sinnbilder jüdischer Tradition ans Herz zu legen. Weitere Artikel geben Anregungen zum Studium der palästinensischen Volksteiie, behandeln das heute so brennende Problem der jüdisch-arabischen Beziehungen. Den sonstigen Inhalt solcher WIZO-Mappen bilden Anleitungen zur praktischen Werbearbeit, Anregungen für propagandistische und erzieherische Veranstaltungen und den Hinweis auf die bewährte Einführung von Verziohttagen zugunsten der WIZO. (Eine von der bulgarischen WIZO-Föderation ins Leben gerufene Aktion zum einmaligen Verzicht auf ein Mittagessen, an dessen Stelle ein entsprechender Beitrag für den Mifal Bizzaron gespendet wurde.) Wertvoll für jene, die nach Erez Israel übersiedeln, sind die in den Mappen enthaltenen Winke und Ratschläge. Es wird angegeben, in welcher Weise das mitgebrachte Kapital anzulegen und zu verwerten wäre, um zum Aufbau einer neuen Existenz zu dienen. Für den Touristenverkehr wichtig ist der in den Institutionen der WIZO organisierte Informationsdienst. Eine Anzahl besonders WIZO-Frauen steht in Tel-Aviiv, Jerusalem und Haifa für diesen Zweck stets zur Verfügung. Im Rahmen der Aufklärungsarbeit über Erez Israel finden sich in den WIZO- Mappen des weiteren ausführliche Artikel über die Bedeutung und Erfolge des Keren Kajemeth und Keren Hajessod. Mit Hilfe dieses umfassenden Materiale, abeT auch gestützt auf eigene Initiative und Erfahrungen führt nun die WIZO Österreichs einen von der Londoner Exekutive angesetzten Mitgliederdrive durch. Sie hat mit ihm bereits im Jänner begonnen und wird ihn biß Ende März fortsetzen. Schon jetzt zeigen sich überraschend günstige Erfolge. Als neue Einrichtung der Organisationskommission ist daß Pressereferat zu erwähnen, welches kurz und übersichtlich über die Fortschritte der WIZO-Anbeit in Erez Israel berichtet. Der ständigen Verbindung mit unseren Mitgliedern dient vor allem die Monatsschrift „Die jüdische Frau“. Sie bringt regelmäßig aktuelle Mitteilungen über zionistische Fragen, belehrende und aufklärende Aufsätze. Die dort angekündigten und im Heim abgehaltenen Vorträge aus allen Gebieten der Geisteswiseensohaften tragen viel dazu bei, daß auch der Bewegung fernstehende Frauen Interesse an uns nehmen. Veranstaltungen mit Nathan Bistritzky "SPPSlfP Freitag, den 19. Februar, 8 Uhr abends, „Onegg Sabbath“ in der Zionistischen Bezirkssektion Prater, II., Stuwerstraße 1: „Jeruschalaim scbel maala“ (Das geistige Jerusalem). Bistritzky ist einer der besten Kenner des Erez-Israel-Liedes und wird die Onegg- Sabbath-Teilnehmer zum Singen jüdischer Lieder anleiten. Samstag, den 20. Februar, halb 9 Uhr abends, im Hotel Central, II., Taborstraße: Durch die „Histadruth Iwrith“, ein Bistritzky- Abend, bei welchem der Dichter über „Der messianische Gedanke in meinen Dramen“ sprechen wird. Sonntag, den 21. Februar, 10 Uhr vormittags, Hotel Continental: Juoendversamm- 1 u n g. Thema: „Die zionistieche Jugend am Scheideweg.“ — 3 Uhr nachmittags, Sitzungssaal, I., Marc-Aurel-Straße 5: Aussprache der Jugendführer und KKL.-Koram i s 8 ä r e. —■ 8 Uhr abends, im Helme der WIZO, I., Schottenring 25: Gesellschaftsabend der WIZO XIX. Ansprache: Nathan Bistritzky. Mitwirkend: Obenkantor Josef Feuer, Tenor Jose Kania, Ruth Geiger, Richard Müller und Emil Oster. Montag, den 22. Februar, 8 Uhr abends, im Hotel Metropole: Empfang der KKL.- Kommissäre -und Selb&tkontinij e n 11 e r. Ansprache Bistritzky: „Der geistige Keren Kajemeth.“ Für das künstlerische Programm sorgt die Jüdieche Kultur&telle. Eintritt nur gegen Einladungen. * Nathan Bistritzky vor den Mitarbeitern des KKL. den 17 r!. v^iclimitta:;-'-, kam von Belgien nach Wien. Am Die österreichische WIZO läßt sich ferner die Pflege der Mädchen-Hachscharah angelegen sein. Im Sommer hält ßio in Lainz landwirtschaftliche Schulungskurse für Mädchen, im Winter einen Stadtkibuz, wo die Mädchen in Haushaltumgßführung (Kochen und Nähen) unterwiesen werden. Es wird gleichzeitig dafür gesorgt, daß sie sich entsprechende Kenntnisse in der hebräischen Sprache, in Palästinakunde und jüdischen Tradition erwerben. Das Ziel, das durch diese landwirtschaftliche Schulung von Frauen und Mädchen angestrebt wird, ist im Sinne der Richtlinien der Londoner Exekutive das folgende: „Die Chaluzah soll so ausgebildet werden, daß sie den auf sie entfallenden Teil der landwirtschaftlichen Kolonisierung des Landes entweder innerhalb einer Gemeinschaft oder als selbständige Landarbeiterin oder als Frau eines Kolonisten gerecht werden kann. So erfüllt die WIZO Österreichs ihre Aufgabe innerhalb des gesamten Paläsbina- Frauenwerkes erfolgreich. Sie trägt ihr wohlgemessenee Scherflein zum Ausbau der WlZO-Institutionen bei. Sie leistet darüber hinaus aber auch noch das Ihre für den KKL. und KH. Die Jahr für Jahr wachßende Zahl neuer Mitglieder bestärkt die WIZO Österreichs, auf der vorgezeichneten Bahn weiterzuarbeiten. Nach besten Kräften hält sie die Pflege jüdischer Tradition und jüdischen Kulturgutes hoch und stellt sich gleichzeitig in die vorderste Reihe der praktischen Palästinaarbeit. Schon bisher hat eie auf Erfolge hin zu weisen, die jede WIZO- Frau mit Stolz erfüllen können. Erfolge, die zugleich Ansporn sein müssen fortzufahren und auszuharren im Dienste des Zionismus und seiner großen Ideen. Dr. Amalie Kantor. Abend sprach er vor den KKL.-Mitarbeitem. Er entwickelte vor ihnen daß Programm seiner „Aufklärungsaktion“. Seine Ansprache war ein Feldzug für Geist im Zionismus und ein Kampf gegen das Wort Propaganda, „das häßlichste Wort im Zionismus“. Der Jude, der dreimal täglich ins Bethaus beten ging, wurde nicht durch „Propst ganda“ dazu veranlaßt, sondern durch daß ihn überströmende religiöse Gefühl. Uns droht der Untergang in der Politik und sogar in der rein finanziellen Sammelarbeit. Sorgen wir für die Durchdringung unserer Jugend, der zionistischen Frau — deren Eintritt in die zionistische Bewegung ein Traum Herzls war, der erst jetzt in Erfüllung geht — sowie überhaupt dee Zionisten mit jüdischer Geistigkeit. Beh. konz. Realbüro Ing. M. Mühlbauer Kauf und Verkaul von Realitäten. Hypotheken I., II. und III. Sätze, Bau- und Zwischenkredite Gebäudeverwaltung ★ Büro x Franz-Jose|s-Ka! 11 lei. R-28-0-44 Wohnung : II., Vorgartensfr. 150, Tel. R-41-8-88 Vt&A& (4% d&to Jüdischen Itiinstöecspielen Die Direktion der Jüdischen Künstlerspiele hat die populäre Soubrette des Rigaer Stadttheaters, Jenny L o v i o, für ein kurzes Gastspiel nach Wien verpflichtet. Die junge scharmante Künstlerin kann schon auf ganz große Triumphe zurückblicken; so hat sie zuletzt im Warschauer Scala-Theater einen derartigen Erfolg gehabt, daß man mit ihr in der Hauptrolle einige Filme gedreht hatte, u. a. auch „Fröhliche Kabtzunim“ Die Künstlerin weilt zur Zeit in Warschau, um bei der Premiere dieses Films anwesend zu sein. Nach Wien kommt Jenny Lovio mit ihrem ständigen Partno Heimi Lew in, und wird in den Jüdisch' KUnstierspielen Freitag, den 26. Februar, m der eigens für sie geschriebenen lustigen Operette „Das Champagnermädel“ debütieren. JÜDISCHER KAIENPER 19. bis 25. Februar 1937. 8. bis 14. Adar 5697 Freitag (19.) Sabbath-Elngang 512 Samstag (20.) Sabbath-Ausgang 622 Wochenabschnitt: Tlxowah Mittwoch (24.) Fasten Esther Donnerstag (25.) Purim auegehildeter1 Bistritzky GROSSE PURIMFEIER FOR KINDER der WlZO-Prater Sonntag, 21. Feber 1937, 4 Uhr nachmittags