Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 620 (16.2.1937)
- Date
- 1937-02-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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i Seit« t Oll STIMMI Wien, Dienstag, 16. Februar 1937. —- Nr. 620. Änderung der bestehenden Zölle, die längst nicht mehr den Bedürfnissen des Landes entsprechen; ungenügende Lagermögliohk eiten im Haifaer Hafen; ungenügendes Betriebsmaterial auf der Eisenbahn, ungenügende Chausseen und Nebenstraßen. Grund einer weiteren Beschwerde bilden die ungenügenden Regier ungszuschösse zu den Erhaltungskosten des jüdischen Gesundheits-, beziehungsweise Schulwesens. Zu wenig jüdische Beamte In Bezug auf öffentliche Arbeiten und Regierungsdiene te werden folgende Beschwerden aufgezählt: Mangel einer bestimmten Regierungspolitik zur Sicherung eines gerechten jüdischen Anteils an Regierungsarbeiten, in den Häfen und auf der Eisenbahn, in der Polizei und im Staatsdienst im allgemeinen; ungenügende, Beschäftigung von Juden in den angeführi ten Diensten; Mangel an Vorkehrungen zur Sicherstellung des dienstfreien Sabbath für! jüdische Beamte. > [PURIMBfLL i» Samstag, 20.Februar, in den fisisi tu d« Hotel delropo e, Mnilat: Zum Tanz spielt das Jazzorchester Elite Klddfee ■ Mlfternachtsakademre - Bar« sSUberl« Juxbasar > Reichhaltige Gewinste. Haupttreffer 1 Freibillet Triest—Haifa- Triest, Tour.-Klasse, gespendet von „Adriatica“ Schiffahrtsges. Venedig, per procura Lloyd Triestino, L, Kärntnerring 6 Karten Im Club Erez Israel, 11., PrafenUraBe 13, und im Zionistischen Landeakomltee, I., Mare-Aurel-Straße 5. Was die hebräische Sprache anbetrifft, so wird festgestellt, daß Hebräisch nicht von allen Regierungsabteilungen in gleicher Weise als offizielle Sprache anerkannt wird; ferner wird Einspruch gegen die Benützung der Buchstaben E. I. anstatt der Worte „Erez Israel“ im Rundfunk erhoben. Die Beschwerden in Bezug auf öffentliche Sicherheit sind wie folgt: ungenügende Anzahl jüdischer Polizisten; allzu niedrige Entlohnung der Polizei. Die Schuld an den Unruhen Das letzte Kapitel der Denkschrift behandelt die letzten Unruhen. Es wird festgestellt, daß beim Ausbruch der Unruhen ein beklagenswerter Mangel an Bereitschaft 8eitens der Regierung an den Tag trat, da trotz vieler Anzeichen eines nahenden Ausbruchs nichts getan worden war, um einen solchen zu verhindern. Am 19. April, als die Unruhen in Jaffa begannen, war eine ganz ungenügende Anzahl von Polizisten zur Stelle; die vorhandene Polizei war entweder unbewaffnet oder nur ungenügend bewaffnet. Es wurden keine wirksamen Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung der Unruhen zu verhüten. Es wäre möglich gewesen, dem Ausbruch an Ort und Stelle ein Ende zu bereiten. Als der arabische Streik proklamiert wurde, tat die Regierung nichts, um ihn zu unterdrücken oder auch nur als ungesetzlich zu erklären. Die Maßnahmen der Regierung standen im Widerspruch zu ihren energischen Erklärungen, so daß der Eindruck entstand, daß der Streik und die Verbrechen mit relativer Straflosigkeit fortgesetzt werden durften. Die Herbeischaffung von Verstärkungen, sowohl was Militär aus dem Ausland wie die Anwerbung jüdischer Hilfspolizisten anbetrifft, geschah erst nach langem Zögern, so daß am Ende sehr große Militäraufgebote notwendig wurden. Die Kriminaluntersuchung lag fast ausschließlich in den Händen arabischer Beamten, so daß die Maschinerie des Strafwesens vollkommen lahmgelegt wurde. Die Nichtüberwachung der Grenzen ermöglichte den Waffenschmuggel und das Eindringen bewaffneter Räuberbanden, deren Anführer nach den Unruhen das Land verlassen konnte. Die Regierung hat die Intervention von Nuri Pasha Said faktisch anerkannt und damit sowohl den Zustand der Anarchie verlängert, wie das Recht der Einmischung der arabischen Regierungen in die Angelegenheiten Palästinas zugegeben. Zionistische Be*lrkssektIon und WIZOt III., kandstratter Hauptstraße 9 Dienstag, *^16^ Februar 1937, Univ.-Piof. Df. MSX EkICT'. Palästina 1936"- /Ein Kulturberidit' m. Lichtbildern II Jabotfnsky sagt aus London, 11. Februar. Die Königliche. Kommission setzt ihre Einvernahme in einem Saal des Oberhauses fort. In einer öffentlichen Sitzung wurde heute Wladimir J ab o t i n 6 k y als Zeuge angehört. Platz für Juden und Araber Er begann, wie die „Palcor“ meldet, mit einer Definition der Bezeichnung ,,j ü d is eher Staat“. Um Mißverständnisse zu vermeiden, so sagte er, wolle er ausdrücklich darauf hinweisen, daß in seinem Sinne „Staat“ nicht Unabhängigkeit, sondern einen autonomen jüdischen Staat bedeutet, mit Selbstverwaltung, wobei Palästina beide Seiten des Jordan umfaßt. Seiner Ansicht nach könne Palästina und Transjordanien bei einer günstigen politischen Führung vielen Millionen Juden und Arabern Raum gewähren, ohne daß ein Araber aus seinem gegenwärtigen Besitz verdrängt werde. Jabotinsky wies auf die Not der Juden i n der Diaspora hin. Den Revisionisten werde vorgeworfen, daß eie zu anspruchsvoll seien; sie verlangten aber lediglich die natürlichen und normalen Rechte. Die Forderung nach einer jüdischen Majorität ist die geringste Forderung. Er habe zwar vollste Sympathie für die Araber, es müsse jedoch zugegeben werden, daß die Araber aus der jüdischen Ansiedlung profitiert haben, und selbst, wenn sie eine Minderheit im Lande würden, wäre das kein so unerträgliches Schicksal, da ja die Araber noch verschiedene andere große Staaten haben. Jabotinsky befaßte sichdann mit den letzten Unruhen und insbesondere der Schuldfrage,' die zu klären eine der wichtigsten Aufgaben der Kommission sei. In diesem Zusammenhänge beschuldigte er den High Commissioner der Nachlässigkeit. Die gegenwärtige Jewish Agency, so behauptete er, repräsentiere nicht die Mehrheit der Zionisten; er forderte daher deren Li q u i d a t i o n durch die Regierung und die Schaffung einer Jewish Agency, gegründet auf allgemeinem Wahlrecht. Die jetzige Jewish Agency lasse in der Verteilung der Zertifikate keine Unparteilichkeit walten; er wies in diesem Zusammenhänge auf den Trumpeldor hin. Schließlich bemerkte er, daß England, wenn es das Mandat nicht erfüllen kann — er hoffe jedoch, daß dies möglich sei — das Mandat niederlegen i ti s s e, und zwar nach Fühlungnahme mit den Vertretern des jüdischen Volkes und ohne dessen Stellung zu präjudizieren. Jabotinsky beschäftigte sich daun mit der Balfour-Deklaration und zitierte Greys Korrespondenz mit der russischen Regierung, aus der hervorgeho, daß ein jüdischer Staat das Endziel der Balfour- Deklaration sei; auch das Churohill-Weißbuch schließe eine jüdische Mehrheit in Palästina nicht aus. Schwere Anklagen Wedgwoods Colonel Wedgwood, der nächste Zeuge, erhob ebenfalls schwere Anklagen gegen die Palästina-Regierung, die pro-arabisch und antijüdisch eingestellt sei. Er zitierte zum Beweise zahlreiche Beispiele; Regierungszuschüsse, Bodengesetze, die ungerechte Behandlung gegenüber Jerusalem und Tel- Aviv und ungenügende jüdische Polizei, Mängel Im Justizwesen und -j^jn Wahlreck* ‘u I i"! LV Pttglen.ng flrtrjÜJes. n«a u;-: Arabür zu hcoanltfgen, w-r wurden, ohne daß der Kriegszustand erklärt worden wäre, obwohl die Unruhen andauerten. Er bat die Kommission, den High Commissioner und andere Regierungsbeamte für die Unruhen verantwortlich zu erklären. // Aktion „Rettet die Jugend Frau Dr. Paufine Schmerler spendet für unsere Aktion „Rettet die Jugend“ S 2.— und lädt zu weiteren Spenden ein: Max Löwy, Joachim Tennenbaum, Max Plucznik, Max Austein, Billig Feiwel, Blauer Feiwel, Isidor Meisl, Ing. Kirschenbaum, Viktor Lemberger, Markus Bergwerk. „Ein Presseprozeß der Stimme“ In Nr. 593 unseres Blattes (3. November 1936) ist unter obigem Titel ein Artikel erschienen, der Dr. Fritz Seiftcr zur Anstrengung eines neuerlichen Prozesses veranlaßt hat. Im Berufungsverfahren ist ein Urteil ergangen, das minimehr Rechtskraft hat und folgendes besagt: Der Artikel besagt... daß dieser Prozeß dieser Tage zu Ende ging und der Redakteur der Zeitung „Die Stimme“ froigesprochen wurde... Diese Behauptung ist vollkommen irreführend, weil sie den Eindruck erweckt, daß der beschuldigte Schriftleiter mit Recht gegen die „Jüdische Wochenpost“, bzw. deren Herausgeber Ehrenbeleidigungen erhöben hat. Richtig ist vielmehr, daß... das Gericht den beschuldigten Schriftleiter der Zeitung „Die Stimme“ freigesprochen hat, weil nach Meinung des erkennenden Gerichtes die Legitimation zur Strafverfolgung durch den Wechsel in der Person des Herausgebers der „Jüdischen Wochenpost“ weggefallen ist. Dr. Nahum Goldmann spricht: Jüdisches Volk - was nun? Beispiel mit der Kürzung der letzten Schedule. Die Regierung mache keinen Versuch, die arabische Hetze zu unterdrücken.’ Charakteristisch war auch während der Unruhen die Art und Welse, ln der die verschiedenen Überfälle bekanntgegeben wurden; es hatte immer den An-, schein, als oh die Juden im gleichen Maße an den Unruhen s cfyU-1 d seien. Wedgwood wies auf die Kmr'v.1 hin, die entstanden sind,! 1 al, 1 -nippen nach PaRistluu entsandt) Im ausverkauften Saal des Hotel Continental hielt Donnerstag Dr. Nahum Goldmann über Einladung des Ringes der Alten Herrenverbände der zionistischen Verbindungen einen Vortrag. Der Redner, der vom Präses des Ringes, Dr. H a r n i k, begrüßt und vor allem als Schöpfer des Weltkongresses gefeiert wurde, begann seine Ausführungen mit der Feststellung, daß die jetzige Generation in einer Zeit lebe, in der 25% der Juden hungern und weitere 25% nicht wissen, was ihnen der morgige Tag bringen werde. Die Existenzkrise geht so weit, daß selbst die heiligsten Menschenrechte in Gefahr sind, Rechte, die wir seit den Tagen haben, als wir das Ghetto verließen. Wenn einzelnen glauben, daß wir dieser Zelt entfliehen können, wenn wir uns wieder ins Ghetto zurückziehen, so muß betont werden, daß dieser Weg für die Juden von heute nicht mehr gangbar ist, da sie bereits Jahrhunderte der Emanzipation hinter sich haben. Wenn sich jetzt ein Kampf entspinne, ein Kampf zwischen uns und den Mächten, die uns entgegenarbeiten, so kann der Kampf der für das Schicksal der Juden in den nächsten 200 Jahren ausschlaggebend ist — nur damit enden, daß entweder wir die Positionen, die wir erreicht haben, behaupten oder uns i m G h e 11 o z u Parias degradieren lassen. Dieser Zweifrontenkampf — denn gekämpft wird in der Diaspora ebenso wie in Palästina — wird auf beiden Fronten entschieden werden, da die Juden Palästinas heute noch auf das Weltjudentum, gleichsam als Rückendeckung, angewiesen sind. Wir leben in einer Zeit der Krise, die an Totalität nicht zu ttberbieten ist, deren Totalität in allen Ländern, in denen Juden wohnen, zutage tritt, selbst in Staaten, in denen die Rechte der Juden noch nicht geschmälert sind. In früheren Zeiten, die dem jüdischen Volk gar oft Krisen brachten, die der heutigen wenig nachstanden, hatten die Juden in der Wanderung von Land zu Land ein Mittel, sich dorthin zu begeben, wo sie sich verhältnismäßig sicher fühlten. Heute ist uns dieser Weg verschlossen, da die Emigration nach fast allen Teilen der Welt unmöglich geworden ist. Die Ursache derKrise liegt weniger in dem heute vielerorts herrschenden Antisemitismus, der so oft und so gern als Grund allen Übels angegeben wird, sondern in weit größerem Maße in Zeiterscheinungon, die man am besten als exzessiven Nationalismus bezeichnen kann und unter denen alle Minderheiten, besonders aber die hochstehenden, zu leiden haben. Wir Juden sind die klassische Minorität, eine Minorität, die nur mit Anerkennung ihrer volklichen Rechte leben kann. Und gerade dies Ist es, was die Welt, die ln einer Zeit der Gleichschaltung und Uniformierung jeder Art lebt oder zu leben glaubt, nicht dulden will. Die Juden müssen dem Aussehen der Welt von heute Rechnung tragen, sie müssen endlich einsehen, daß sie nicht mehr im 19. Jahrhundert leben, in dem der Geist und die Leistung der Menschen noch etwas galt. Heute gilt nur mehr der Schritt mars li i o r e n d c r B a t a i M o n c, und wir Juden Können uns diesen M.daöden nur, schwer angleichen. Wir müssen es aber! Wir müssen mit denselben Methoden arbeiten wie die übrige Welt — wohl nicht mit der Waffe in der Hand — aber in der gleichen straffen Organisation mit dem gleichen Glauben an den Sieg. Wir werden vielleicht geschwächt werden, aber wir werden nicht unterdrückt werden können, solange wir den Kampf führen. Und wir werden ihn führen müssen bis in die Zeit, in der wieder ein anderer Geist herrscht, derselbe Geist, der die Welt schon einmal — zu Beginn dieses Jahrhunderts — beherrscht hat. Dr. Goldmann kam dann auf Palästina zu sprechen und erklärte, daß es, außer den Juden selbst, drei Komponenten seien, die das Schicksal des Landes beeinflussen. England, ferner der Völkerbund und die M ä c h te , die an Palästina interessiert sind (und dazu gehören Polen, das seine Juden loswerden will, ebenso wie die USA., die aus rein menschlichen Gründen an Palästina Interesse haben) und schließlich die Araber. England, das an Palästina viele wirtschaftliche und politisch-strategische Vorteile hat, ist gleichzeitig auch am jüdischen national home interessiert, als dessen Protektor es sich gerne betrachtet Es ist aber auch gezwungen, sich mit den Arabern zu verhalten, mit denen es sich nicht ganz Überwerfen will. Als Resultat dieser eich äußerlich widersprechenden Gedankengänge wird sich die Tatsache ergeben, daß England zwar nicht die Absicht hat, die jüdischen Rechte in Palästina zu schmälern, aber vielleicht durch die ganze Richtung seiner Palästinapolitik zeitweise auf diesen Weg gedrängt werden wird. Außer England sind es die übrigen interessierten Mächte, die mit wohlwollendem Auge nach Palästina sehen und das jüdische Aufbauwerk um so mehr fördern werden, je mehr die Juden selbst beweisen, was sie aus Palästina zu machen imstande sind. Den Arabern wird es auf die Dauer schwer fallen, gegen diese Faktoren anzukämpfen, da sie gewiß nicht stärker sind als die übrige Welt. Und letzten Endes werden im Kampfe um Palästina wir selbst die stärksten sein, da für keinen der anderen Faktoren Palästina das ist und das bedeutet wie für uns. Auch für die Araber nicht! Denn die Araber brauchen Palästina nicht so, wie wir es nötig haben. Für sie ist Palästina die Butter auf das Brot, das sie schon haben. Für u n ß aber ist Palästina nacktes, trockenes Brot, vielleicht der letzte Bissen, um den wir noch kämpfen können und im Kampf um Nahrung siegt zuletzt immer der, der um seinen letzten, einzigen Bissen kämpft. Was wir dann aus Palästina zu machen imstande sein werden, weiß heute niemand, denn niemand kann sagen, was die nächsten Jahre und Jahrzehnte in einem erwachenden Vorderen Oriont bringen werden, der von kulturell und wirtschaftlich hochstehenden Menschen besiedelt ist. Wenn wir Juden erst alle Möglichkeiten, die im Lande stecken, ausgenützt haben werden, dann wird uns nicht nur dio Weiterexpansion in Palästina offenstehen, sondern dann wird Erez Israel don Jude* der Galuth auch ein R ü c k h». 11 Hf-h den sie heute nicht haben. h. h.