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Die Stimme · 1937-02-16 · Heft 620 (16.2.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 620 (16.2.1937)
Date
1937-02-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 6to Wien, Dienstag, 16. Februar 1937 f. Atfar 5697 10. Jahrgang “Stimme JÜDISCHE ZEITUNG Staatsgefühl und soziale Not Der Bundeskanzler Dr. Schuschnigg hat am Sonntag bei dem Appell der Vaterländischen Front ein großes Exposö über die Innen- und Außenpolitik Österreichs erstattet. Er betonte die friedlichen Ziele Österreichs, das Klassenkampf und Kulturkampf ablehne und jede parteimäßige und parteiähnliche Aufspaltung des Volkes verwerfe, vielmehr die Hinordnung auf den deutschen und christlichen Charakter verlange. Das Aufbauwerk sei auf die vorbehaltlose tet, sondern als jüdische Eigenschaft. Und diese Erscheinungsform des Elends wird außerdem noch durch eine über die Dämme schießende Propaganda aufgebauscht lind zu dem „jüdischen Weltkommunismus“ gestaltet, gegen den alle Flüche geschleudert und gegen den der gesamte Gesellschaftstypus aufgeboten wird, den man als Untermenschentum — um einen nationalsozialistischen Begriff zu gebrauchen — bezeichnet. Auch in Österreich ist die Boykottparole in Tätigkeit, auch hier wird der Judenhaß immer neu beschwingt. Aber während dies geschieht und sich in Wort und Schrift hemmungslos vollzieht, denkt hier niemand daran, daß doch schließlich auch die Juden Menschen aus Fleisch und Blut sind und in die Irre gehen können. Die jüdische Gesellschaft hat in dem Bekenntnis zum nationalen Judentum und im Zionismus aus sich selbst das Heilmittel gegen soziale Verirrung hervorgebracht. Alle jüdischen Institutionen, vor allem die Wiener Kultusgemeinde, arbeiten mit Aufbietung der letzten Kraft an einer Milderung der Spannungen, an Linderung der sozialen Not, aber die Öffentlichkeit unterstützt dies nicht, sie nimmt diese Bestrebungen nicht einmal zur Kenntnis, sie hört nur die „interessanten Namen“ bei Kommunistenverhaftungen und sie wirft einfach alles iü einen Topf. Dies führt dann dazu, daß auch der Bundeskanzler in seinem Exposö, wenn auch nur andeutungsweise, erklärt hat, daß die Importeure des Kommunismus mit österreichertum und Bodenständigkeit sehr wenig zu tun haben. Es ist eine sehr bedauerliche Information, die zu solchen Schlüssen führt, und sie geht darüber hinweg, daß die staatsfeindliche Propaganda, mit der sich der Bundeskanzler auseinandersetzte, in. Wirklichkeit von Importeuren betrieben wird, auf die die Kriteria der Bodenständigkeit und des österreichertums tatsächlich nicht zutreffen. Der Kommunismus wird nur durch soziale Gerechtigkeit und durch Arbeit bekämpft. Das ist das Streben der Regierung und sie findet dabei die volle Unterstützung der jüdischen Bevölkerung, die ihre Pflicht tut, ohne besonderen Dank und Anerkennung zu verlangen, die es aber schmerzlich vermißt, daß sie ihre innere Arbeit ohne die Hilfe des Staates und der Gesellschaft leisten muß. '• - « Neuheit „llfe 0.06 mm11 Führer'« Stahlwarenfabrik, Wien IV. Memorandum an die König liehe Kommission Jewish Agency klagt an daß die Politik des jüdischen National-1 fung von Bedingungen, die das jüdische heimes nicht ernst gemeint sei. | Nationalheim sichern sollen, nicht in gentiender Weise durchgeführt worden ist. Mitarbeit aller angewiesen, die sich zu dem selbständigen und unabhängigen Staat bekennen. Der Bundeskanzler hat in diesem Zusammenhang die jüdische Bevölkerung nicht besonders erwähnt, wohl in der Erkenntnis, daß es unnötig ist, ihre selbstlose Bejahung des Staates hervorzuheben. Die jüdische Bevölkerung läßt sich darin von niemandem übertreffen und sie widmet ihr Verständnis* ihre Erfahrung und ihre Organisationsfähigkeit ohne jede Voraussetzung der Allgemeinheit. Bürgersinn, der in dem Gedeihen des Ganzen das Wohl des einzelnen erblickt, ist eine Tugend des Judentums; sie gehört zu seinem Wesen und sie ist vom Judentum nicht wegzudenken. Freilich können wir uns nicht taub stellen und über alle die mannigfachen Äußerungen einer tiefgehenden und von außen her eifrig vertieften Feindschaft hinweghören. Aber es wird keinem Juden einfallen, die gegen ihn geübte Praxis der Verallgemeinerung zu kopieren und auf die Allgemeinheit zu übertragen, deren Teil die jüdische Einwohnerschaft bleibt. Es ist eine Feindschaft, die sich in einem großen Teil Europas gegen uns auswirkt. Die Juden Deutschlands sind rechtlos, die Juden Polens leben unter einer sich von Tag zu Tag steigernden Verfolgung, die alle Gebiete menschlicher Zusammenarbeit ergriffen hat. Die Juden Rumäniens seufzen unter dem Druck einer maßlosen Hetze. Überall wird den Juden die Luft zum Atmen mißgönnt, überall besteht das Bestreben, ihnen das Brot vom Mund wegzureißen. Das jüdische Volk ist ein Volk wie jedes andere und es reagiert auf Haß und Druck wie jedes andere Volk, nur mit dem Unterschied, daß es die Grundgesetze der Ethik nicht vergißt und die Menschenwürde nicht beleidigt. Aber kein Antisemit hat je noch darüber nachgedacht, daß dieses Treiben sich irgendwie auch in der Struktur des Judentums, in seinem geistigen und politischen Habitus, äußern muß. Wenn bei anderen Völkern, die durch Gesetz oder durch listige Beugung des Gesetzes um ihr Recht gebracht werden sollen; eine Gegenreaktion politischer oder sozialer Art sich einstellt, so findet das jedermann begreiflich und verständlich und berechtigt. Wenn aber bei den Juden durch die Entrechtung und Pauperisierung Verzweiflung eintritt, wenn weite Schichten der Jugend, die vor dem Gespenst der Hoffnungslosigkeit steht, in den sozialen Radikalismus fallen, dann wird das nicht als Folge der besonderen Notlage gewer¬ Die Jewish Agency hat an die Königliche Kommission eine Denkschrift gerichtet, in der die jüdischen Beschwerden übersichtlich dargelegt sind. Grundsätzlich wird erklärt, daß die Politik dee Jüdischen Nationalheimes nicht mit Entschlossenheit und klarer Zielsetzung durchgeführt worden ist. Die unschlüssige Haltung der Regierung gegenüber ihren mit dem Mandat übernommenen Verpflichtungen hat bei den Arabern den Eindruck entstehen lassen, London, 14. Februar. (JTA.) Die neugegründete Propaganda-Kommission des Jüdischen Nationalfonds in England veranstaltete anläßlich ihrer Konstituierung einen Empfang zu Ehren des politischen Dezernenten der Exekutive der Jewish Agency in London, Professor Dr. Selig Brode t z k y. An der Veranstaltung, bei der der Präsident des Keren Kajemeth in England, Robert B. Solomon, den Vorsitz führte, nahm auch der Abgeordnete S. S. Silvorman teil. Professor Brodetziky betonte, daß die heftigsten. Gegner des Jüdischen Nationalheims diejenigen Kreise Englands seien, die an sich ju den feindlich eingestellt sind. Mit dem Wunsche, den Arabern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, habe diese Gegnerschaft nichts zu tun. Was die Kgl. Kommission betreffe, so sei sie offenbar aus Männern von besonderer Kompetenz und Fähigkeit zusammengesetzt. Die Art, wie die Zeugen befragt wurden, zeige, daß die Mitglieder der Kommission das ihnen unterbreiteto umfangreiche Material durchaus bewältigt haben. Aber schon die bloße Existenz einer Kgl. Kommission, fuhr der Redner fort, bedeutet für uns eine Gefahr. Wieder einmal wird unsere Position in Frage gestellt. Schon die Tatsache allein, 'daß die Regierung sich genötigt geglaubt hat, eine Kgl. Kommission nach Palästina zu entsenden, be- Von den Regierungsbeamten seien viele nicht geeignet, die einzigartige Aufgabe, die das Mandat der Palästina-Regierung auf erlegt, zu erfüllen. Die wiederholten Versuche der Regierung, ihren Verpflichtungen gegenüber den Juden eine begrenzte Auslegung zu geben, haben den arabischen Widerstand verstärkt. Die Jewish Agency muß daher feststellen, daß Art. 2 des Mandate betreffend die Schafdeutet, daß uns ein schwerer Kampf bevorsteht. Das Problem des jüdischen Volkes darf von der Menschheit nicht länger vernachlässigt werden. Die Bezeichnung „Experiment“ für die zionistischen Anstrengungen in Palästina wurde von Brodetzky zurückgewiesen. Es handle sich um die lebenswichtige Aufga.be einer Nation zur Sicherung ihres künftigen Bestehens, um die Sicherung eines politisch und kulturell unabhängigen nationalen Lebens, das os dem jüdischen Volke nach viertausendjähriger Geschichte ermöglicht, mit Vertrauen in die Zukunft zu blicken. Den Juden selbst müsse gesagt werden, daß der einzige Ort auf Erden, wo sie für; die Dauer eine gesicherte Heimstätte fin- 1 den können, Palästina ist. Der Abgeordnete Silvorman erklärte, dr fühle sich mit den zionistischen Bestrebungen aus vollem Herzen verbunden. Die Unterstützung, die der Palästina-Aufbau in früheren Parlamentsdebatten gefunden habe, ijei nicht bloß durch stimmungsmäßige Momente zu erklären, sondern sei von Meuchen ausgegangen, die über die Schwierigkeiten durchaus unterrichtet sind, mit denen pe Juden zu kämpfen haben, und die visse«, mit welchen Methoden der Zionismus ciese Schwierigkeiten bewältigen will. Hemmung der Einwanderung Dasselbe trifft auf Art. 6 des Mandats, das die Einwanderung behandelt, zu. Die Regierung trifft ihre Entscheidungen betreffend die Anzahl der halbjährlich zu gewährenden Arbeiter-Zertifikate ohne genügende Berücksichtigung der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes; sie hat in letzter Zeit allzu strenge Bestimmungen in Bezug auf die Einwanderung von Angehörigen eingeführt; sie hat die Einwandererkategorien der Handwerker mit einem Kapital von 250 Pfund und der Personen mit 500 Pfund so gut wie abgeschafft. Mängel der Bodenpolitik Die Denkschrift zählt folgende Beschwerden in Bezug auf Boden auf: Mangel einer aktiven Regierungspolitik in der Frage der Förderung der jüdischen Siedlung auf dem Lande; Mangel an genügenden Maßnahmen zur Abgrenzung der Regierungsländereien und zur Sicherung des Staatsanrechts auf diese Böden; die Regierung ist nicht ihrer Verpflichtung nachgekommen, Staatsländereien für jüdische Siedlung zur Verfügung zu stellen. Art. 11 des Mandats betreffend Einführung eines den Erfordernissen des Landes angepaßten Bodensystems ist nicht durchgeführt worden; die von der Regierung eingeführte Bodengesetzgebung hat die Sicherheit des Landbesitzes geschmälert, während die vor kurzem vorgenommenen Änderungen des Gesetzes zum Schutz der Bauern zu Schweren Mißbräuchen geführt haben; die von der Regierung geplanten grundsätzlichen Änderungen der bestehenden Bodengesetze sind unbegründet; die Regierung hat den Tausch von Böden zum Zwecke der Schaffung jüdischer Gebiete nicht gefördert; sie hat es auch versäumt, Ameliorations-, Entwässerungs- und MalariabekämpfuasTSarbeiten durchzuführen, wie auch die Waseerquellen des Landes festzustellen; schließlich ist die Bodensiedlung in allzu langsamem Tempo vor sich gegangen. Vernachlässigung der Industrie Die Beschwerden in Bezug auf die Industrie im allgemeinen und auf die Citrus-Industrie im besonderen sind unter anderem die folgenden: ' Mangel einer aktiven Regierungspolitik ln Bezug auf Förderung der Industrie; keine Zionistenkongreß wafirscheinlich in Basel Es steht noch nicht endgültig fest, wo der i wählt werden, hauptsächlich darum, weil diesjährige zionistische Kongreß stattfindet, jetzt vierzig Jahre seit dem ersten Kongreß Es stehen die Städte Luzern und Basel zur I vergangen sind, der bekanntlich gleichfalls Diskussion. Wahrscheinlich wird Basel ge-1 in Basel, im August 1897, stattgefunden hat. Professor Brodetzky: „Kgl. Kommission bedeutet Kampf!“ ZIONISTISCHER LANDESVERBAND FÜR ÖSTERREICH 1 . .. 1 —r I " ■— ■ - —-- 1 -- ■ .. ... . ... 1 um präzise halb 9 Uhr abds. Vortrag Dr. Josjef Kastein vor seiner Rückreise nach Palästina über „Jeremias, der Geist der Jüdischen Prophetie“ Im Offenbachsaal, IV., TreltlstraBe 3 (Porthaus) Karten erhältlich: Zionistischer Landesverband, Wien, I.,Meic-Auml-StraBe5 - Telephon U 22-2-11

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