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Die Stimme · 1937-02-12 · Heft 619 (12.2.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 619 (12.2.1937)
Date
1937-02-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nt. 619, — Wien, Freitag, 12. Februar 1937. DII STIMME!•!!• 3 Warum verlangen Alle Sdimidl-Mazzoth Die Mazzoth werden aus feinstem Mehl erzeugt I Seit vielen Jahren genießen die »Schmidl-Mazzoth« das beste Renommee und werden von allen bevorzugt! Auf die Extraqualität meiner Fabrikate „Marke Sdimidl N. B.“ auf Mazzoth, Grieß und Farvel wird besondes aufmerksam gemacht. Auch beim Kauf von Mazzoth-.Grieß wahren Sie Ihr eigenes Interesse und verlangen Sie ausschließlich Schmidl-Mazzoth - Grieß. Sdimidl-Mazzoth in Geschmack und Qualität unübertroffen sind! Sdimidl-Mazzoth werden unter streng orthodoxer Aufsicht des ran nvz amnn naaa nov ann hergestellt Zentrale: N. Brodetzky einschlägigen Geschäften erhältlich lllllllllilllllll Telephon A 40-0-90, A 60-2-63 u. A 48-4-48 Ein erschütterndes Dokument Der Verband der Allgemein-Zionistischen Arbeiter in Erez Israel hat an die Maohlakah Avodah der Zionistischen Exekutive Jerusalem folgendes Schreiben gerichtet: Wir wenden uns an Sie mit der Bitte, gegen das Vorgehen der Schlichim der „Histadruth Haowdim“, die die allgemeinzionistischen Arbeiter verfolgen, einzusohreiten. Nach den vorjährigen Ausschreitungen, die seitens der Schlichim der Histadruth gegen unsere Freunde in Tel-Aviv und in Rechoboth inszeniert worden waren, und nach den mißglückten Terroraktionen gegen unsere Freunde haben die letzteren auf ihrem Platz ausgeharrt. Nach diesen Vorfällen glaubten wir annehmen zu können, daß die Histadruth der Ansicht zuneigen werde, daß auch der allgemeinzionistische Arbeiterein Recht auf Beschäftigung und Brot in Erez Israel habe. Die Histadruth scheint aber beschlossen zu haben, gegenüber den allgemein-zionistischen Arbeitern das Faustrecht anzuwenden. Die ersten Anzeichen dafür sind: 1. Eine Gruppe von zirka 50 Mitgliedern der linken Histadruth überfiel in der Trumpeldorstraße in Tel-Aviv drei allgemeinzionistisohe Arbeiter, die beim Bau beschäftigt waren, zertrümmerte, was ihnen in die Hand fiel und verwundete unsere Mitglieder. 2. Eine zweite Gruppe der Histadruth überfiel in der Maharalstraße allgemein-zionistische Arbeiter, die bei Anstreicherarbeiten beschäftigt waren, und ließ die Fertigstellung der Arbeit nicht zu. Wir ersuchen Sie daher, scharfe Maßnahmen gegen dieses Vorgehen zu ergreifen, damit der Terror gegen die allgemein-zionistischen Arbeiter aufhöre. Wir haben uns mehrmals in ähnlichen Fällen an Sie gewendet und müssen mit Bedauern feststellen, daß Sie nicht eingeschritten sind. Wir hoffen dennoch, daß Sie diesmal entsprechende Schritte unternehmen werden, damit solche Vorfälle sich in solch gefahrvoller Stunde nicht wiederholen. Wir werden nicht zulassen, daß der allgemein-zionistische Arbeiter in Erez Israel vogelfrei sei und daß er keine Möglichkeit habe, zu arbeiten. Die Koalition kann ja nicht so verstanden werden, daß der allgemein-zionistische Arbeiter ausgehungert oder daß Blut bei Beschaffung von Arbeit vergossen wird. Wir erwarten Ihre Stellungnahme und zeichnen mit Zionsgruß Die Landesleitung der allgemeinzionistischen Arbeiter in Erez Israel. * In letzter Zeit mehren sich die Beschwerden der allgemein-zionistischen Arbeiter in Erez Israel gegen die Übergriffe der Histadruth- Leute, die wiederholt den Burgfrieden gebrochen haben. Wir erwarten, daß die Zionistische Exekutive endlich Ordnung schafft. Die Regelung der Arbedtsbeziehungen durch ein gerechtes, vom A. C. zu beschließendes Gesetz über alle Fragen der Arbeitsbeziehungen darf nicht länger aufgesohoben werden. Es ist auf die Dauer nieht angängig, einerseits den gewiß so notwendigen inneren Frieden zu predigen, anderseits aber Übergriffe gegen die Minderheit der allgemein-zionistischen Arbeiter weiter schweigend hinzunehmen. Dem Gesinnung®- und Gewissenszwang muß aus Gründen der Gerechtigkeit ein Ende bereitet werden. (Die Red.) Mysterium im Palästina-Amt Der Zionistische Landesverband für Österreich kämpft seit Jahren um die Anerkennung seiner Handwerkerorganisation B a a- 1 o h - M i k z o a ii als chaluziselier Verband, der das Reeht hat, für seine Mitglieder Handwerkerzertifikate zu erhalten. Analoga Anstrengungen machten der Verband der Judenstaatszionisten und der Misrachi- Landesverband. Es sollte endlich dem ungerechten Zustand ein Ende gemacht werden, daß nur der „Haowed“ Handwerkeraertifikate erhält. Nach langwierigen Verhandlungen und Erhebungen kam es endlich am 9. Februar vor der PaUistinaamts-Kommission zur Abstimmung. Der Antrag ging dahin, den allgemein - zionistischen Handwerkervorband Baaloh-Mikzoah und die Handwerkervorbändo der Judenstaatszionisten und Misrjiohiaton im Sinne der geltenden Bestimmungen für „würdig“ zu erklären — so lautet die betreffende Bestimmung —, Handworkerzertifikate zu erhalten. Die Vertreter des „B i n j a n II a a r e z“ sprachen sich gegen den Antrag aus, diesmal aber nicht in jener unangenehmen Art, die in der Palästinaamts-Kommission zu unliebsamen Auseinandersetzungen und zu Zuständen geführt hat, die auf die Dauer nicht zugolasson werden können. Trotz des ablehnenden Standpunktes der Vertreter des „Binjan Haarez“ war diesmal die Annahme dos Antrages durch die Stimmen der Vertreter dos Zionistischen Landesverbandes, der Judenstaats-Zionisten, und der Misrachi gesichert. Die Abstimmung ergab jedoch eine Sensation. Dr. Singer, der Vertreter des Misrachi, stimmte mitden Vertretern des Binjan Haarez gegen den Antrag, so daß dieser abgelehnt wurde. Da zunächst nur ein Irrtum des Misrachi-Verbandes angenommen werden konnte, wurde die Abstimmung wiederholt. Aber auch diesmal stimmte der Misrachi-Vertreter gegen den Antrag, also dagegen, daß der Handwerkerverband des Misrachi für „w ü r d i g“ erklärt wird, Handwerkerzertifikate zu erhalten. Er hat damit seinen eigenen Handwerkerverband für unwürdig erklärt, Handwerkerzertifikate zu erhalten. Es ist zunächst Sache des Misrachi- Landesverbandes, zu dem mysteriösen Verhalten seines Vertreters Stellung zu nehmen. In gleicher Weise ist auch die ganze zionistische Öffentlichkeit daran interessiert. Abgesehen davon aber wird seitens des Zionistischen Landesverbandes für Österreich der Kampf gegen einen Zustand weitergeführt worden, der einer Gruppe alle Rechte, den Allgemeinen Zionisten aber alle Pflichten auferlegt. Der allgemein-zionistische Handwerkerverband Baaleh-Mikzoah muß anerkannt werden und die Alijah-Bestimmungen müssen gründlich novelliert werden. Das wird gelingen. Man muß nur dafür sorgen, daß die allgemein-zionistischen Interessen beim Kongreß von wahrhaften Allgemeinen Zionisten und nicht von Marionetten vertreten werden, die zum Schaden ihrer Wähler fremde Interessen schützen. So wlrd's gemacht Eine Londoner Firma sandte einem Leser unseres Blattes einen Geschäftsbrief, dem eine Beitrittserklärung der „National Worker’e Party of Great Britain“ (Nationale Arbeiterpartei Großbritanniens) beilag. Offenbar legt die Londoner Firma solche Beitrittserklärungen allen ihren Briefen bei, die an Adressaten in England gehen, und der Wiener jüdische Kaufmann erhielt die Beitrittserklärung — vielleicht — nur aus Versehen. Die Nationale Arbeiterpartei ist ein geistiger Ableger der NSDAP, in Deutschland. Am Kopf der Beitrittserklärung ist ein Zahnrad zu sehen, dem oben eine Bergmannshacke, links eine Sichel, rechts ein Hammer und unten eine Schaufel aufgesetzt sind. Das Ganze ergibt ein stilisiertes Hakenkreuz. Im Text der auszufüllenden Beitrittserklärung heißt es u. a., daß der Unterzeichner britischer Bürget und in England geboren ist und daß er die christliche Einstellung und das Programm der Nationalen Arbeiterpartei akzeptiert. Die Rückseite der Beitrittserklärung ist ein antisemitisches Pamphlet, das ebenso Beitrittserklärungen der NSDAP, sohmükken könnte. Die Überschrift lautet: „Schicken Sie Ihren Sohn nicht auf die Schlachtbänke des nächsten Weltkrieges, den die Juden v or b e r e i t e n!“ Weiter heißt es: „Wir wollen den Frieden.“ Dann kommen gefälschte Zitate von Sokolow, Lucien Wolf usw. und bekannte nationalsozialistische Lügen über die „bolschewistische Herrschaft der Juden in Rußland“ sowie über die „Beherrschung Frankreichs diurch Freimaurer und Juden“. Dann heißt es weiter: „Andere Staaten Europas, besonders die Tschechoslowakei und Rumänien, erhalten ihre Befehle von Dr. Beneseh, einem Juden.“ Auf Hitler wird natürlich ein Loblied angestimmt. Er will den Frieden, der Völkerbund den Krieg. Deutschland und England müssen zusammenstehen. Nur sie können den Weltfrieden garantieren. Not tue die Erkenntnis, daß die Juden, deren Religion nur ein Vorwand für das Streben nach TEPPICHHAUS H. SCHEIN I. , Tuchlauben 25 VII., Mariahilferstraße 76 Moderne Vorhangstoffe. Netzstoffe, Möbelstoffe, MÖbelkretonne, Englisch-Leinen, Chintze. Alle Qualitäten Teppiche Macht und Reichtum ist, eine fremde Rasse sind, gekennzeichnet durch infernalische Arroganz, der wahre Feind der Menschheit. Schließlich wird noch die englische Regierung als Werkzeug in den Händen der Juden hingestellt und dann heißt es: „England den Engländern! Wir wollen England vom internationalen jüdischen Kapital befreien.“ Hier sieht man, was Propaganda heißt und wie man sie macht. Wir Zionisten hätten es gar nicht notwendig, zu Lügen zu greifen, um Propaganda zu machen. Wir vertreten eine ethisch hochstehende, erlösende Idee. Machen wir aber Propaganda? Ist es schon einmal einem Zionisten eingefallen, seinen Briefen an Juden Beitrittserklärungen zur zionistischen Organisation oder zionistische Flugblätter beizulegen? Leider nicht. Hier sollten wir von unseren Feinden lernen und endlich mit einem Trommelfeuer zionistischer Propaganda einsetzen. Tun wir das, dann wird es nicht weiter möglich sein, daß Dummheit, Quertreibereien und Denunziationen sich an uns reiben, und die Juden werden endlich wissen, daß ihr Platz im zionistischen Lager ist. Entdeckung eines jüdischen Arztes Wie die Wiener Blätter melden, berichtete in einer Sitzung der Gesellschaft der Ärzte Dozent Dr. Felix Mandl über eine bahnbrechende Methode zur Behandlung der gefürchteten Schultergelenksverrenkungen und Kreuzbandverletzung des Kniegelenkes. Statt der bisher schweren Operationen bei diesen Erkrankungen, die bei 50 Prozent der Fälle mit Komplikationen verbunden waren, fand Dr. Mandl eine hundertprozentige Heilung durch Anwendung von EIgenblut- Injektionen in die erkrankten Gelenke. Diese neue Methode hat sich bereits in Wiener Spitälern glänzend bewährt. Dr, Felix Mandl ist, wie bekannt, einer der namhaftesten österreichischen Chirurgen. hiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii niiüur Zirkus RUSCH | im Feber: „Der Höhepunkt des Wiener Gastspieles“ Im RENZ 20 neue Sensationen! unter anderen: , Fritz! Bartoni — „Heldin der Luft“ Cavallinl — die Clowns der Welt .Truzzi — Rastellls Nachfolger Berosini — Radkunst am Hooheeil kA Bennos—Exzentrik wie nooh nie ICaros — Trapez-Balance Little Zathini, musJk.Wunderklnder | Neue Freiheitsdressuren und Löwen-f Bären- und Elefanten- Gruppen Eintrittspreise von S l*— an Täglich 4 und 8 Uhr Rabbiner Dozent Dr. H. J. Zimmels Freitag, den 5. Fe« bruar, fand die Amts-* sinführung des neuen Rabbiners am Fünf« bau&er Tempel Dr. H« J. Zimmels statt« Zu dem Gottesdienst erschienen für die Kultusgemeinde Prä* 3ident Staat&rat Dokw tor Desider F r i e d* mann, Amtsdirektot Dr. Josef Löwenherz und eine Anzahl von Kultus- und Tempelvorstehern. In seiner Antrittsrede betonte Dr. Zimmels namentlich di«i Wichtigkeit der Erziehung der Jugend zum jüdischen Volk; man müsse aber auch außer-; halb des Tempels für die Vertiefung jüdischen Wissens tätig sein. Dr. Hirsch Jakob Zimmels ist in Jaworow in Galizien geboren. Seine Erziehung genoß er in Brody, der alten Stätte jüdischer Gelehrsam-* keit, wo einst große Gaonim, wie Zalmatf Margulies, Salomon Klüger, Kristianpoler und Rabbi Jizchiak Ghajes wirkten. Seine talmudi« sehen Studien absolvierte Zimmels bei dem Brodyer Rabbiner Steinberg und dem derzeit in Wien weilenden Rabbiner Jeruchem (Alt-* stadt). Seine Hochschulstudien genoß der neue Rabbiner an der Wiener Universität und dem Wiener theologischen Seminar, das unter den Leitung des Hofrates Schwarz s. A. stand. Er zählte auch zu den Schülern des verstorbenen Oberrabbiners Dr. Zwi Perez Cliajes und der, Professoren Aptowitzer und Krausz. Noch als junger Mann erhielt er einen Preis für ein WeTk über die Erforschung der in dem Gut* achten Rabbi Meir Rottenburgs enthaltenen historischen Daten. Aus, der Feder Dr. Zimmels stammen ferner, teils noch aus der Studienzeit, eine Anzahl weiterer wissenschaftlicher Werke, u. a.: Beiträge zur Geschichte der Juden in Deutschland im 13. Jahrhundert, ein Werk über die Marranen in der rabbinischen Literatur, ein Werk über Rabbi David Ibn Simra, ferner zahllose Abhandlungen in wissenschaftlichen und religiösen Zeitschriften. Auf Grund seiner wissenschaftlichen Arbeiten erhielt Dr. Zimmels im Jahre 1928 eine Berufung als Dozent für Geschichte an das Jüdisch-theologische Seminar in Breslau. Er war auf diesem Lehrstuhl, den einst Graetz innegehabt hatte, der unmittelbare Nachfolger Prof. Branns. Seine zionistische Gesinnung hat Doktor Zimmels in vielen Predigten und Schriften iu temperamentvoller Weise kundgetan. Dec Voctcag. ]ose$ HosIüm vor seiner Abreise nach Palästina über das Thema „Jeremias — der Geist der jüdischen Prophetie“ findet in einem kleineren Rahmen statt. Barum empfiehlt es sich, Ka>rten rechtzeitig zu sichern. Karten erhältlich: Im Zionistischen Landesverband, L, Marc-Attrel-Straße Nr. 5, U-22-2-11; in allen Bezirkssektionen; WIZO, L, Schottenring 25, A-ll-6-26; Bücherstube Lanyi, L, Kümtnerstraße 44, B-26-3-33} Bücherstube Löwit, /.. WoUzeüe 6, R-25-4-53; Jüdische Kulturstelle, Franz-Josefs-Kai Nr, 3, R-28-2-36; Bücherstube Rath, ll„ Taborstraße 20a, R-45-305; Papiergeschäft Brimmer, L, Schottenring 33t A-12-7-78;

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